Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 49 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG Nr. 49 An die geehrten Nationalfonds- Kommissäre u. Vertrauensmänner! Liebwerte Gesinnungsgenossen! Der bevorstehende Jahresabschluß wird zeigen, ob die Werbekraft der österreichischen Zionisten die alte geblieben ist, d. h. ob die Eingänge des NF. im Maße der früheren Jahre höher geworden sind. Knapp vor Schluß wenden wir uns nochmals an Euch und alle Freunde unserer guten Sache mit der Bitte, noch in letzter Stunde möglichst große Beträge zu sammeln und uns ehestens zu überweisen, damit die Jahresstatistik pro 1912 ein möglichst günstiges Resultat ergebe. Im Interesse des NF., des Fortschrittes der zionistischen Sache und der fortschreitenden Kultivierung Palästinas wären große Einnahmen sehr erwünscht. Größer als je zuvor ist die Möglichkeit, in Erez Israel Grund und Boden zu erwerben. Infolge des Krieges ist unten Geld eine seltene Sache geworden und Kreise, die sich früher zum Bodenverkauf nicht entschließen konnten, suchen jetzt Gelegenheit hiezu. Es wäre schade, wenn diese günstige Gelegenheit von einer Seite ausgenützt werden würde, die nicht so wie wir ein Interesse an der gedeilichen Entwicklung Palästinas und der Türkei überhaupt hat. Außer zu dieser dringenden Arbeit benötigt der NF. noch erhebliche Summen zur Fortführung. seiner bisherigen Unternehmungen, die einen günstigen Erfolg aufzuweisen haben und nunmehr des Ausbaues bedürfen. ln erster Reihe gehört hiezu die Schaffung moderner Stadtviertel in den größeren Städten Palästinas. Mustergiltig ist der erste, diesbezügliche Versuch, nämlich die allgemein anerkannte Jaffa - Vorstadt Teil Awiw mit ihren schmucken Einfamilienhäuschen, der Wasserleitung, dem Gymnasium und anderen Institutionen. Teil Awiw baut derzeit einen eigenen Bazar und ist jetzt genötigt, sein Terraindurch Vergrößerung und Angliederung von Nachlath Benjamin zu erweitern. Der NF. hat an dieser Gründung ein ' ungeheures Verdienst, das er schmälern würde, wenn er zu deren gedeihlichen Weiterentwicklung nicht mit beitragen würde. Sowohl das bisher investierte, als auch das noch zu investierende Kapital sind von Seite der zionistischen Palästinabank, der APC., garantierte Darlehen, die in ziemlich kurzer Frist wieder frei und zu ähnlichen Unternehmungen verwendet werden. Ebenso dringend wie für Jaffa gestaltet sich in Jerusalem das Bedürfnis nach einem modernen, hygienischen Stadtviertel, das sich um unseren ■.Bezalel gruppieren soll. Auch hiezu wird der NF. mithelfen müssen. Bekannt ist, daß in Haifa die Anlage eines modernen jüdischen Stadtteiles, das im Technikum seinen Mittelpunkt haben wird, rüstig vorwärts schreitet, während für die anderen Städte Erez Israels derartige Gründungen zwar geplant, aber derzeit noch nicht spruchreif sind. Wenn der NF. solcherart für die städtische Siedlung wirksam, freilich nur nach Maßgabe seiner allzubeschränkten Mittel, eintritt, so läßt er doch andererseits nicht außer Acht, daß die Zukunft des jüdischen Volkes in der Schaffung eines kräftigen Bauernstandes liegt. Darum wendet er sein erhöhtes Interesse der Kolonisation des flachen Landes zu. Dem größten, bisher schwer fühlbaren Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitern verspricht die Einwanderung unserer Brüder aus dem Jemen abzuhelten. Darüber werden wohl alle Gg. informiert sein, wie befruchtend dieser neue Zuzug aut den Jischub wirken wird. Aber es gilt 'diesen neuen Ankömmlingen menschenwürdige Wohnstätten zu schaffen und kein anderer ist hiezu eher berufen, als der NF., der auch sofort, in Erkenntnis der Dringlichkeit, 100.000 Frcs. für Jemenitenhausbauten bewilligt hat, die .freilich nur für den ersten Moment ausreichen. Auch diese Investiiion ist ein Darlehen, das nach Maßgabe der Rückzahlungen immer von neuem wieder anderweitigverwendet werden wird. Schon vor Jahren hat der NF. das Experiment unternommen, aufseinen Herzlwaldländereien in Ben Schemen eine kleine Siedlung von Jemeniten anzulegen, die im Bezalel als Metallarbeiter ausgebildet worden waren. Dieser erste Versuch einer industriell-landwirtschaftlichen Mischkolonisation hat sich durchaus bewährt. Und da sowohl Bezalel einen großen Teil seiner Arbeiter, um Platz für neue zu schaffen, wieder auts Land abzugeben hat, aber auch Herzhvld infolge seiner zunehmenden Größe eine immer stärkere Zahl von Saisonarbeitern benötigt, wird der NF. notgedrungen diese durchaus gelungene Siedlung ausbauen müssen. Auch die im Vorjahr angelegte Mädchenabteilung in der Farm Kinereth, die dem Mangel an weiblichem Kolonistenmaterial steuern soll, hat sich durchaus bewährt, so daß jetzt daran geschritten wird, in Kerak am See eine eigene Mädchenfarm zu schaffen. Durch Errichtung von Ledigenheimen mit Küchen, Lese- und Krankenzimmern in den meisten jüdischen Kolonien hat der NF. die Schaffung eines geschulten und qualifizierten Landarbeiterstandes ermöglicht. Auch diese Arbeit muß nach und nach auf alle jüdischen Siedlungen ausgedehnt werden, um auch diesen die damit verbundenen Vorteile zugänglich zu machen. Es ist selbstverständlich, daß auch die vielversprechenden Anlagen der Siedlungsgenossenschaft, die erst durch den NF. ermöglicht wurden, des Ausbaues bedürfen; wie auch alle anderen, sehr zahlreichen, kleineren Schöpfungen, weil sie bisher durchaus gelungen sind, vermehrt und erweitert werden müssen. Der NF. tut solcherart vollauf seine Schuldigkeit in Palästina; An den Freunden seiner Arbeit liegt es, ihm deren Fortführung und Ausbau zu ermöglichen. Und darum wenden wir uns an Euch mit der Bitte, Ihr sollet alle Kräfte auhvenden, um dieser Volksinstitution reiche Mittel zuzuführen. Dazu ist vor Allem' eine systematische Sammelarbeit notwendig. Keine Gelegenheit möge vorüber gelassen werden, zu der nicht für den NF. gesammelt wird. Das kann, namentlich in größeren Orten ein einzelner NF.-Kommissär nicht bestreiten. Darum wäre es sehr erwünscht, wenn sich in jedem Orte mehrere arbeitswillige Gg. um den bisherigen NF.-Kömmissär scharen und unter seinem Vorsitze eine Kommission bilden würden, was ja in einzelnen Orten auch schon geschah. Diese Kommission hätte unter sich etwa folgendermaßen die Arbeit aufzuteilen: Der Obmann führt die Korrespondenz mit der Sammelstelle, die Verrechnung der gesammelten Gelder, eine Evidenz des vorrätig' zu haltenden Agitationsmateriales und überwacht die Tätigkeit der übrigen Mitglieder. Einem Mitgliede würde obliegen, alle Sammelgelegenheiten des Ortes ausfindig zu machen und, allein oder mit einer Schar jugendlicher 'Hilfskräfte, am' besten Mädchen, auch auszunützen. Ein anderer Gg. würde sich in der Büchsensammlung spezialisieren, die besondere Gewissenhaftigkeit erfordert. Denn hier gilt es genau und unausgesetzt zu arbeiten. Es sind nicht nur neue Büchsen unterzubringen, sondern es ist auch bei deren Plazierung vorsichtig vorzugehen. Die Büchsen müssen mindestens zweimal im Jahre, Cholhamoed Pessach und Sukkoth, aber immer nur von zwei Mitgliedern, die zusammen gehen, entleert werden. Büchsen, die bei zwei Leerungen kein befriedigendes Resultat geben, werden dem betreffende.) Inhaber abgenommen und anderweitig versorgt. Stets ist jedoch von einem derartigen Wechsel, sowie von einer etwaigen Uebersiedlung eines Büchseninhabers die Sammelstelle in Wien unter genauer Anführung von Kennbuchstaben und Nummer der Büchse, sowie Namen und Adresse des bisherigen und des künftigen Inhabers zu verständigen, damit sie in ihrer Büchsenkarthotek die Richtigstellung vornehmen kann. Andere Mitglieder der Kommission werden sich um den Verkauf von Telegrammblanketten, Ansichtskarten, Marken des NF., um1 die Veranstaltung von Vorträgen, Festen und Propaganda zugunsten des NF. oder seiner Unterzwecke bekümmern. Der Sorgfalt eines hiezu besonders geeigneten Gg. wäre die Organisierung der Selbstbesteuerung anzuvertrauen. Bei einer derartigen oder ähnlichen Aufteilung der Arbeit ist zu hoffen, daß die Eingänge des NF. stetig wachsen. Hiezu ist aber auch ein ständiger Kontakt der Ortskommissionen mit der Sammelstelle notwendig, die ihrerseits alles Nötige beitragen wird. Freilichdart ihr die Uebersicht nicht dadurch erschwert werden, daß aus einem Orte verschiedene Gg. mit ihr korrespondieren. Die Korrespondenz mul! im Gegenteil, schon um Kosten zu sparen, in jedem Orte in einer Hand vereinigt sein, am besten in der des Vorsitzenden der Ortskommission; der ja auch über alle Arbeiten und Vorgänge am besten unterrichtet ist. Wir bitten daher alle Freunde des Nationalfonds, sich zu diesem Zwecke dem jeweiligen Ortskommissär zur Verfügung stellen zu wollen, uns eventuell für solche Orte, wo ihres Wissens keiner fungiert, verläßliche Gg. namhaft zu machen. Indem wir allen Freunden des NF. für Ihre bisherige Unterstützung herzlichst danken und Ihre wertvolle Mithilfe auch für die Zukunft erbitten, begrüßen wir Sie mit hochachtungsvollem Zionsgruß Für die österr. Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds: Dr. Zweig. Dr. Stein. An die geehrten Büchseninhaber Diejenigen Inhaber von NF.-Sammelbüchsen, bei denen durch längere Zeit keine Entleerung des Büchseninhaltes vorgenommen worden ist, werden höflichst ersucht, dies der Sammelstelle des Jüd. Nationalfonds, Wien II/l Karmeliterplatz 1, unter Angabe des ganzen 'Namens und der vollen Adresse bekannt geben zu wollen. Insbesondere sind jene Büchsen, deren Inhaber ihr Domizil wechselten, in unserer Karthotek außer Evidenz geraten. Wir bitten daher, um den NF. vor Schaden zu bewahren, dringend, um Angabe der nicht geleerten Sammelbüchsen. H och achtungsvoll Die Sammelstelle. mmmrnm Uebersiedlungs*Anzeige! Seit 15. November 1912, befindet sich das Büro d „Jüdischen Nationafonds“ im II. Bezirk Karmeliterplatz Nr. 1. 1 I % % % % %