Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 33 ferner, daß die kulturelle Erziehung der Jugend in Palästina im Sinne des traditionellen Judentums erfolge. Dr. Ravenna (Ferarra) wies aut einige Äeußerungen des „Jeune Turc“ bezüglich Italien hin woraut Präsident Wolffsohn erkürte, daß die zionistische Organisation von den Wärmsten Gefühlen gegenüber dem italienischen Volk erfüllt lsei. Für die gerückten Äeußerungen in manchen Blättern, die der zionistischen Organisation nicht unterstehen, können wir nicht verantwortlich gemacht Werden, wie sehr mir 'auch diese Äeußerungen bedauern. Doktor Nacht (Foscani) spricht über die Notwendigkeit der gegenseitigen Toleranz in religiöser Hinsicht. Vormittagsützung: Donnerstag, den 10. August, TOVi Uhr. Vorsitzender Dr. Max Nordau. Präsident Wolttsohn gibt seinem Bedauern Ausdruck, daß man aus Rücksicht aut seinen Gesundheitszustand die Kritik der Leitung einschränken Zu müssen glaubt. Er bittet um eine ungezwungene würdige Kritikübung. Dr. J. Zollschan, Wien, erstattet einen Bericht über seine Teilnahme an dem vor kurzem in London stattgetundenen Rassenkongreß, zu dem er von der Zionistischen Organisation in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Gaster und Sir. Francis Montetiore entsandt worden jvar, (Sein Referat haben wir an anderer Stelle wiedergegeben.) Er betont die Notwendigkeit einer Vertiefung des. Zionismus nach der wissenschaftlichen und ideellen Seite hin. Dr. M a r g u 1 i e s beantragt, daß die Organisationskommission die Prüfung des neuen Organisationsstatuts noch heute vornehmen möge. Triescli bedauert ebenfalls die Einschränkung der Kritik. Dr. Reich betont mit Genugtuung, daß die galizischen Zionisten sowohl in formalen Angelegenheiten der Organisation als auch in den prinzipiellen Anschauungen über unsere Bewegung einig sind. In seiner Kritik über die Leitung hebt er besonders hervor, daß man durch praktische Arbeit in Palästina das Mißtrauen der maßgebenden türkischen Kreise am besten zerstreuen könne. In begeisterten ergreifenden Worten spricht Dr. Reich über die Opfer der Wahlen in Drohobycz. Die Versammlung erhebt sich1 zum Zeichen der Ehrung der Toten. Dr. B o d e n h e i m e r teilt mit, der Nationaltonds habe Vorsorge getroffen, daß der gestrige Lichtbildervortrag über Palästina und die Bilder allen Nationalfondskommissären und Vereinsvorsitzenden zur Verfügung gestellt w^erden. Ferner teilt er mit, daß Herr Kahane 35.000 Mark für jüdische Ansiedlungszwecke in Palästina gespendet hat. Dr. Bodenhei me r teilt tait, daß die Zionistische Ortsgruppe der Stadt Basel die Delegierten, Journalisten und Gäste für heute Abend an ein Gartenfest einladet. Rabbinersohn (Kiew) unterbreitet dem Kongreß mehrere Vorschläge: 1. Mittel für die National-Bibliothek in Jerusalem bereitzustellen. 2. Der jüdischen Kolonialbank oder dem Nationalfond möge eine gewisse Summe Zwecks Ankauf eines Dampfers für Persone n- und Warentransport in regelmäßiger Route Jafta-Alexandrien, Konstantinopel - Odessa und zeitweise nach Triest zur Verfügung gestellt werden. Ferner empfiehlt er den Bau eines Sanatoriums am Tiberasee, über dessen Heilquellen sich Prot. Baginsky (Berlin) begeistert ausgesprochen habe. Lastar, (Toronto) macht eine Reihe von Vorschlägen für die praktische Arbeit in Palästina. Dr. S. Werner wendet sich gegen die Ausführungen des Herrn Böhm. Die Leitung habe nie die Vertiefung des Zionismus verhindert, sie sei für die Vernachlässigung der Kulturarbeit, müsse von jedem einzelnen Zionismen geleistet werden, ohne daß er zuerst auf die Initiative der Leitung wartet! K a p I a n s k y verlangt informative Aufklärung in Bezug aut den Zionismus nicht nur für die türkische, sondern auch für die arabische Oeffentlichkeit. Er fordert auch mehr Rücksichtnahme aut die jüdischen Arbeiterorganisationen in Palästina. Auf Antrag von G o I d r e i c h wird beschlossen, vier Generalredner mit 15 Minuten Redezeit zu bestimmen. Schluß d er Vormittagssitzung um! s/i 1 (Uhr. Nachmittagssitzung: Donnerstag, 10. August, 4 Uhr. Vorsitzender Dr. Boden heim er. Dr. J. Thon (Jaffa) verteidigt das Palästina-Ressort gegen die erhobenen Angriffe. Man habe mit den Arbeiterorganisationen verhandelt, das Palästinaamt sei bereit, den jüdischen Arbeitern eine möglichst weite Selbstverwaltung zu gewähren, die aber nicht in eine Anarchie ausarten dürfe. Ferner nimmt er die Oelbaumspende gegen die verschiedenen Vorwürfe in Schutz und bespricht die Arbeiten der Palästine-Land-Developement Company wie auch der anderen Zionistischen Unternehmungen in Palästina. Prof. Dr. W a r b u r g erwidert auf die seitens der poale-Zionistischen Gruppe gegen das Palästineamt vorgebrachten Beschwerden und wendet sich gegen die Anklagen, die Herr Kann in seinem an den Kongreß gerichteten Schreiben gegen manche Unternehmungen, des Palästiner- Ressorts erhebt. Er verdeitigt den Bezalel, die Oelbaumspende, die Immobiliengesellschaft und teilt mit, daß vor einigen Tagen ein Bericht seitens des Palästineramts eingegangen sei, der, insbesondere was die .• Oelbaumspende anbetrifft, mehr als erwartet, befriedigend sei. Prof. Warburg führt u yA. aus, daß es jetzt nottue, von-( nehmlich für die kulturellen Institute des Zionis-. mus zu sorgen und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß es nicht lange dauern könne, bis die große Oeffentlichkeit von der zionistischen Arbeit mit Hochachtung sprechen Würde. Präsident Wolttsohn, stürmisch begrüßt, nimmt das Wort zur Erwiderung auf die am Berichte - des Aktionskomitees geübte Kritik. Es, sei vor allem unrichtig, daß die: in, Palästina geleistete praktische Arbeit der Leitung abgegetrotzt wurde. Man habe .gesagt, man müsse den Mut haben, auch schlechte Arbeit in Palästina zu machen: Dagegen erkläre er, man müsse vYel mehr Mut haben, die. Arbeiten, die sich 'als schlecht erweisen, einzustellen. Lieber wenig und gut, als viel und schlecht. Präsident Wolffsohn, wendet sich auch dagegen, daß manche Zionistische Landesorganisationen es für möglich halten, sich mit der Landespolitik abzugeben, Sie müssen in erster Linie für die zionistischen Ideen arbeiten und nicht ihre Kräfte zersplittern. Samuel D a i c h e s (London) beantragt die Erteilung des Vertrauenswortes. Herr Osias Dr. Thon (Krakau) stellt folgenden Antrag: „Der Kongreß spricht dem engeren Aktionskomitee für seine vierjährige fruchtbareunderfoIgreicheArbfeit sein Vertrauen und Dank aus, dankt aber inbesondere Herrn Präs. Wolltsonn; daß er das große Erbe Herzls, nicht nur erhalten, sondern gemehrt habe.“ Der Antrag wird unter Beifall angenommen. Präsident Wolttsohn spricht dem Kongreß seinen Dank für diese Kundgebung aus und gibt in seinem Namen und im Namen des Herrn Kann die Versicherung, daß sie, obgleich sie von der Leitung zurücktreten, auch weiter für die zionistische Sache arbeiten werden. Schluß der Sitzung um/ 7 Uhr. Freitag, 11. August, Vormjittagssitzung um 10 Vhr Vorsitzender Dr. Nordau. Der Vorsitzende gibt Kenntnis von einem "Telegramm des Großvezirs Hakki Pascha an den Präsidenten Wolftsohn, in welchem der Chef der t ürkischen Regierung für die Sympathiekundgebung aus Anlaß der .'Brankatastrophe in Stambul, sowie tür die Geldspende von 5000 Francs den. Dank ausspricht. Der Präsident des jüdischen Nätionalfonds, Herr Dr. Boderfheimer berichtet über die Sammlungen jind die Verwaltung des Nationalfonds. Die Sammlungen bewegen sichj'in feiner autsteigenden Linie und haben den höchsten Stand im vorigen Jahr erreicht. Die Verwaltung 'habe die Siedlungsgenossenschaft, welche vom vorigen Kongreß beschlossen Wurde, ausgebaut und habe die Hoffnung, hiedurch ein großes soziales Problem und gleichzeitig die wichtige Frage der Schäftung eines jüdischen Arbeiterstandes in Palästina der Lösung näher Zu bringen. Die Verwaltung sei bestrebt die gegenwärtigen Einrichtungen auszubauen, ehe man an neue Unternehmungen herantrete. Der Grundzweck, dem man bestehen müßte, sei die Erwerbung von B o den-in Palästina f ür das jüdische VolkZum.Zweck der Ansied- Iun_g einer jüdischen Bauernschaft. Hievon dürfte man nicht abgehen und deshalb spreche sich Redner gegen eine etwaige Beste ue rung des Nationalfonds a us. Zum Schlüsse berührte Redner die Schwierigkeiten, welche durch B e.s ch werden der gesetzestreuen Juden entstanden und die in keiner Weise begründet Seien. Wenn, auch der Natiöflalfond keine religiöse Polizei über seine Arbeiter ausüben könne. da diese dem Prinzin der Gewissensfreiheit widerspreche. so sei er bestrebt, alle Einrichtungen so zu schäften, daß auch der allerfrömmste Jude ohne B eeinträchtigung seiner Ueberzeugung aut den Ländereien des Nationalfonds arbeiten könne. Dr. N. Katzeneisohn, Vorsitzender des Direktoriums der Jüdischen Kolonialbank, erstattet einen Bericht über die Tätigkeit der Kolonialbank und ihre Töchterinstitution: Anglo-Levantine Banking Comp an v und Anglo Palistine C o m d a n v.Die Entwicklung: .dieser Banken sei recht befriedigend. Die Operationen aut verschiedenen Gebieten haben gute Erfolge erzielt. Die Investierung des Kapitals in Palästina erreicht bereits zi rka acht Millionen Francs. Im Allgemeinen sei die Tätigkeit der Banken nach vielen Richtungen hin erweitert worden, die Aussichten für die Zukunft seien günstig. Dieser Bericht wurde von dem Kongreß mit B eifall autgenommen. Maler Hermann S t r u c k spricht im Namen des Misrachi und fordert im Hinweis aut ein Schreiben des Oberrabbiners Kuck in Jaffa, die ireligiösen Gebote des Judentums auf den Ländereien des Nationalfonds respektiert /werden sollen. Dr. Thon (Jafta) erklärt, daß auf den Ländereien des Nationalfonds kein Fall der Entweihung des Sabbats oder der jüdischen Feiertage bekannt sei. Zuckermann verlangt Toleranz in religiöser Hinsicht. Rabbiner Sch m ei kes mahnt zur Rücksichtnahme aut die Religion und die religiösen Elemente im Judentum. U ss is chki n führt unter anderem aus, die jüdische Religion sei mit der jüdischen Nationalität aufs Engste verbunden, aber man dürfe nicht gewaltsam und durhc äußere Momente die Religion zu erhalten suchen, Dr. Tschlenow erinnert an die feierliche Erklärung Herzls: Der Zionismus unternehme nichts, was das ■ religiöse Gewissen verletzen könnte. Dr. Zweig spricht der Verwaltung des jüdischen. Nationalfonds, für. ihre ersprießliche Tätigkeit. denDank aus und Wünscht, daß man der systematischen Arbeit der Sammelstellen für den Nationalfonds mehr Aufmerksamkeit schenken möge. . Schluß der Vormittagssitzung gegfeirt 1 Uhr. Nachmittagssitzung: Freitag, 11. Augustt* 4 Uhr. Es wird die Debatte, über den Bericht des Nationalfonds und der Jüdischen Kolonialbank fortgesetzt. B. Goldberg betont die Notwendigkeit, die modernen Methoden des Bankwesens auch für die J üdisChe Bank anzuwenden. Insbesondere müsse man den internationalen Geldmarkt mehr berücksichtigen, der auch der jüdischen Kolonialbank zugänglich gemacht werden soll. Sch w i 11 stellt einige Anfragen und macht den Vorschlag, die jüdische Kolonialbank möge der mehrfach vorgeschlagenen Gründung einer jüdischen Gesellschaft für Lebensversicherung endlichnäher t reten. Dr. P i n k u s hebt hervor, daß die zionistischen Banken gute Unternehmungen seien, doch müsse er rügen, daß sie noch immer nicht den Weg Zum internationalen Geldmgrkt suchen wollen. Dr. Katzeneisohn, Vorsitzender des Direktoriums der jüdischen Kolonialbank, gibt verschiedene Aufklärungen und . weist daraut hin, daß die Bank ihrem Statut gemäß, nicht berechtigt sei, Operationen einer Versicherungsgesellschaft zu machen. Ben—Zwi, (hebräisch) entgegnet den Vorwürfen des Misrachi und macht daraut aufmerkcsam, daß esfür die Misrachisten viel dankbarere Aufgaben in Palästina jgibt, als die Bekämpfung der nichtreligiösen Arbeiter. So wäre es zweckmäßig, in der Nähe von Jerusalem und Safed jüdische Kolonien zu gründen. Er fragt auch/, warum der Misrachi nicht dagegen protestiert, wenn diereligiösen Kolonisten nur nicht jüdische Arbeiter besschäf- ‘ g e n. B e r 1 i n (hebräisch) wendet sich gegen die Vorwürfe, die dem Misrachi gemacht werden, und j rügt an der Leitung des Jüdischen Nationalfondsj / daß sie das Schemitah-Gebot zu umgehen suchte. Dr. L e w i n (hebräisch) spricht in begeisterten und ergreifenden Worten die jüdischen Kolonisten in Palästina, insbesondere über die junge Generation die in den jüdischen Kolonien entsteht. .Palästina sei der beste Schutz gegen alles Unjüdische. Während in den Ländern der Zerstreuung auch die grö.ßten Bemühungen der Juden, jüdisch zu leben, nicht auf die Dauer gelingen könne, wird in Palästina jüdisch gelebt, sielbstw enn man auch manches unjüdisCh zu gestalten sucht.. Dr. Bodenheimer (Vorsitzender des Nationalfonds) erklärt in seiner Erwiderung auf die Kritik der verschiedenen Redner, warum der Nationalfond seine Tätigkeit zu Gunsten der Palestine-Land-Development Company für eine kurze Zeit eingestellt hatte Und teilt mit, daß diese Tätigkeit bald wieder aufgenommen wurde. - Dr. Tsc'nlonow erklärt im Namen des Kongresses, daß Vorsorge dafür getroffen werde, damit das jüdisCne Gesetz auf den Ländereien des Nationalfonds beobachtet werden soll, und glaubt, daß Herr Struck mit dieser Erklärung zufrieden sein wird und seinen Antrag Zurücknehmen werde. Herr Struck nimmt seinen Antrag zurück. Mit einem Dankesvotum an Herrn Dr. Bodenheimer für seine ersprießliche Leitung des Nationalfonds, das mit großem Beifall aufgenommen wird, schließt die Sitzung kurz vor 7 Uhr. Vierter Tag, 7. Sitzung, Bonntag, den 13. August, /Vormittag. Vor Beginn der Sitzung wird unter stürmischem Beifall die Fahne des Vereines „A h av a t h Zion“ in St. Gallen, aut der Estrade angebracht. Die Fahne war morgens durch eine ■60 gliedrige Abordnung, welche vom Bahnhof, in Reih und Glied zum.Stadtkasino marschiert war, überbracht worden. Präsident Dr. Nordau l eröffnet die Sitzung um 10 Uhr. Er macht dem I Kongreß die tiefbetrübende Mitteilung, daß gestern in der- Nacht der Maler Josef Jzraels verschieden ist. (Das Haus erhebt sich Zum Zeichen der Ehrung) Dr. Nordau gedenkt in ergreifenden Worten des großen Toten und führt unter Anderem aus: Josef Izraels war - einer der hervorragendsten Künstler der Zeitgenössischen Malerei. Sein Verlust trifft die gesamte, gesittete Menschheit, uns aber geht dieser Verlust noch ganz besonders nahe, denn Joset Izraels War nicht nur das Haupt der holländischen Maler-Schule, er war auch ein jüdisches - Künstlertemperament.