Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 10 (11.3.1910)
- Date
- 1910-03-11
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2438141-2438273-2438283--1751-2441366- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 10 lungene Gesangsvortrag des Herrn Otto Böhm ein von Bb. ehern. Spitzer gesprochener Toast auf die A. H. Namens der alten Herren sprach Ingenieur Robert Stern aus Paris. Ein äußerst animiertes Tanzkränzchen beschloß das Stiftungsfest, das wohl zu den anregendsten Veranstaltungen der Brfinner jüdischen Studentenschaft gezählt werden kann. Prag. (Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten.) Kurz nach einander fanden zwei Veranstaltungen des „Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag“ statt Bei einem literarischen Abend las der Prager Dichter Dr. Max B r o d eigene Gedichte vor und vor allem eine Novelle, in der er zwei jüdische Frauen zeichnet, die in ihrer beschränkten, selbstzufriedenen Art, nur mit sich, Schwester, Mann und Kind beschäftigt, den häufigen Typus der jüdischen Frauen den wohlhabenden Mittelstandes darstellen. Die Novelle wirkte durch die Brod auszeichnende scharfe Beobachtung als Zustandsschilderung gut und anregend. Dann kamen von ihm selbst komponiere Lieder, die Frl. Adler hübsch sang, Frl. Pick begleitete. Der Abend war sehr hübsch und geschlossen. Am 2. Februar feierte der Zentralverein das Andenken Ludwig August Frankls. Friedrich Adler, der Prager Dichter, hielt die Festrede, in der er besonders auf Grund der eben erschienenen Erinnerungen Frankls über dessen Lebenslauf, seine Stellung als Dichter und Mensch sprach, auch seines Jerusalemer Aufenthaltes erwähnte, ’ besonders aber seine Wirksamkeit für die Blinden betonte. Der Schauspieler Arno rezitierte hierauf Gedichte von Frankl, auch einige mit diesem gewissen jüdischen Einschlag. Prag. Die Kongreßversammlung des F. Z. V. und der „Barissia“ in Prag hat unter lebhaftem Beifall einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die im Hotel zum „goldenen Engel“ versammelten zionistischen Wähler erklären sich von den Ausführungen des Delegierten Dr. Alfred Engel vollkommen befriedigt, sprechen ihm und Herrn Anton Glaser für ihre Haltung am IX. Kongresse Dank und Vertrauen aus, danken dem E. A. C. für seine Mühe und Arbeit und erwarten von jedem Zionisten, daß ersieh den Beschlüssen des Kongresses unterwerfe.“ Volkswirtschaft. Industrie und Handelspolitik der Wiener Banken. Vor einer Reihe von Jahren wurden überall Beschwerden laut, daß unsere Wiener Banken die Industrie zu wenig unterstützen. In Deutschland — hieß es — sei dies ganz anders. Der Ruf verhallte nicht unerhört. Manche unserer Bankinstitute beteiligten sich nach und nach in so starker Weise bei den Industrieunteroehmungen, daß man bald nicht mehr weiß, ob sie ihrer Natur nach mehr Banken oder Trustgesellschaften für Industrieuntemehmungen sind. Das ist eine hochwichtige Frage, welche besonders die Sicherheit der Geldeinlagen in Betracht kommt. Bei Beurteilung der Bankbilanzen wird immer mehr oder minder der Grundsatz aufgestellt, daß die stets verfügbaren Mittel eines Institutes im richtigen Einklang mit den Verbindlichkeiten desselben stehen sollen. Als liquide Mittel werden betrachtet: Kassa, leicht realisierbare Wechselportefeuilles, leicht veräußerliche Effekten und Reportsguthaben bei anderen Bankinstituten. Je nachdem das Verhältnis zwischen den kurzfälligem Verbindlichkeiten einer Bank und deren liquiden Mittel ist, wird die Solidität der Geschäftsführung eines Bankinstitutes beurteilt In machen Ländern pflegen die Banken nun in ihren Rechenschaftsberichten spezifizierte Verzeichnisse ihrer Effekten und Konsortialbestände zu geben. Ebenso werden über die Posten Debitoren und Kreditoren Auskünfte erteilt, wonach dieselben inzwischen Kreditoren mit entsprechender Deckung und solche ohne spezielle Deckung separat aufgeführt werden. In den Geschäftsberichten der Wie ne Banken ist von alldem nicht viel zu lesen; dort steht man noch immer auf dem Standpunkte, daß diese Spezifikationen Geschäftsgeheimnisse seien, welche dem profanen Auge des Publikums und des Aktionärs verborgen bleiben müssen. Es ist kein Zweifel, daß diese Methode durchaus veraltet ist Wer öffentlichen Kredit in Anspruch nimmt, hat auch die Pflicht möglichst genaue Auskunft zu erteilen. Darin liegt ja eben der Vorteil der öffentlichen Rechnungslegung und wer Vorteile genießt, soll auch das Vertrauen das ihm' entgegengebracht' wird, wieder durch Vertrauen erwidern. Nach unserem Dafürhalten, ist nun die Art und Weise wie ein Teil der Wiener Banken die Unterstützung der Industrie verstanden hat, indem sie mit einem großen Teil'ihrer Kapitalien in industriellen Unternehmen festlegen und selbst Unternehmer werden, eine Gefahr sowohl für die Institute, als auch deren Einleger, und der Natur des Bankwesens widersprechend. Es liegt außerdem durch diese Methode eine andere Schädigung des Wirtschaftslebens vor. Diejenigen Industrieunternehmungen, welche ganz oder teilweise im Besitze von Banken sind, haben in der Regel einen nahezu unbegrenzten Kredit für ihr Betriebskapital. Die Folge davon ist, daß sie in ungesunder Weise selber wieder große und langfristige Kredite gewähren, dadurch ihre Kundschaft veranlassen übermäßige Lager zu halten und übermäßig lange Zahlungsfristen einzuräumen. Damit machen sie den Privatgeschäften der gleichen Branche eine unsolide Konkurrenz und beeinflussen die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse in ungünstiger Weise. Sie ermutigen außerdem die Verwaltungen der Industriegesellschaften zur übermäßigen Ausdehnung' ihrer Geschäftsbetriebe und befördern so eine ungesunde Ueberproduktion. Die Aufgabe des Bankiers gegenüber einem Kaufmann oder Industriellen kann reeller Weise nur die sein, ihrer Kundschaft eine Verstärkung des Betriebskapitales zu gewähren. In jedem Geschäfte gibt es Perioden, in welchem ein größeres Betriebskapital erforderlich ist, daß sogenannte Saisongeschäft, welchem aber wieder stillere Zeiten folgen und dem Unternehmer gestatten sollten, seine Verbindlichkeiten zu reduzieren. Im Allgemeinen bewegt sich unser kaufmännisches Geschäft in Oesterreich-Ungarn in althergebrachten und nicht zeitgemäßen Formen. Vor allem muß die überlange Kreditgewährung im Warengeschäft als ein großes Uebel bezeichnet werden. Hier sollten die Banken eingreifen, um diese Mißstände zu sanieren. Der Sechsmonatswechsel beispielsweise, welcher bei uns im Warengeschäft noch immer zu Zahlungsausgleichen verwendet wird, ist eine österreichische Spezialität. Im Zeitalter der Telegraphen und Eisenbahnen ist diese Form von Kreditgewährung nicht mehr gerechtfertigt. Es liegt nur an den Banken, diesem Uebelstande der überlangen Kreditgewährung ein Ende zu bereiten. Natürlich kann ein solcher Uebergang in der Geschäftsmethode nicht auf einmal bewerkstelligt werden, aber nach und nach sollte man Wechsel, welche über drei Monate laufen, von der Eskomptierung ausschließen. Es würde dadurch allerdings nach und nach eine Reihe von Detailhändlern, welche ohne genügendes Kapital arbeiten, ausgeschaltet werden, aber das Geschäft im Allgemeinen würde unbedingt reeller und solider sein- Dies gilt auch von denjenigen Instituten, welche offene Buchforderungen belehnen und welche ja meistens nur Ableger größerer Institute sind. Diese Art von Geschäft mag ihre Berechtigung haben, aber im großen und ganzen wird auch hier viel zu leicht Kredit gewährt und namentlich allzulange Forderungen bevorschußt. Will man einen gesunden und kräftigen Handelsstand erziehen, so muß diesen Zuständen ein Ende bereitet werden und dies liegt nur in den Händen der Kreditinstitute. Zeitschriften und Bücherschau. Palästina-Handbuch. Nachdem bereits wenige Wochen nach Erscheinen die größere Hälfte der Auflage des Palästina-Handbuches abgesetzt wurde, möchten wir nochmals alle Interessenten auf das inhaltlich wie äußerlich sehr gediegene Werk aufmerksam machen. j Zur Unterstützung des Vertriebes hat die Zionistische Vereinigung für Deutschland soeben einen neuen Prospekt herstellen lassen, der außer dem ,vollständigen . Inhaltsverzeichnis auch zwei sehr instruktive Kartenskizzen (die jüdischen Kolonien Palästinas sowie die Verkehrsverhältnisse von Palästina und Syrien) enthält. Derselbe Prospekt weist auch auf das Palästina-Album hin, das neuerdings auch in Einzelnserien und einzelnen Blättern abgegeben wird. Alles nähere besagt die sehr geschmackvoll aüsgestattete Drucksache, die allen Interessenten von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Charlottenburg, Bleibtreustraße 49, gratis und franko zugesandt wird. „Die Wahrheit“, New-York 25. Februar 1910 behandelt im Artikel „Polen und Juden“ folgende Tatsache. Das statistische Amt in New-York sammelt jetzt Daten über die nationale Zugehöiigkeit der in den Vereinigten Staaten Wohnenden. Nach amerikanischen Begriffen wird jeder aus Rußland Stammende als Russe bezeichnet. Dagegen wandten sich alle Polen der Vereinigten Staaten und fordern, daß man unbekümmert darum, ob ein Pole aus Oesterreich, Deutschland oder Rußland eingewandert sei, ihn als Polen und nur als solchen in die statistischen Tabellen eintrage. Diese Bewegung der Polen findet allgemeine Anerkennung. Die Juden aber lassen sich ohne Widerspruch als Russen, Oesterreicher etc. bezeichnen. In diesem Indifferentismus sieht die „Wahrheit“ nationale Schwäche und fördert die Juden auf, analog den Polen vorzugehen. Die jiid.-akad. Ferialverbindung „Hessiana“ erfüllt hiemit die traurige Pflicht alle AH. aH., Ia. B. ia. B., Freunden und Bekannten von dem Hinscheiden ihres lieben ia. B. J. U. C. Max Ebel, der in der Blüte seiner Jahre als treuer Sohn seines Volkes vom Tode hinWeggerafft wurde. Fid u cit! I. A. d. A. C. stnd. ing, Otto BRAUN cand. miL Sgfr. SCHMITZ dzxxx Mähr.-Ostrau Wien dz. am 7. März 1910. Herr MUDr. Alfred C z a p e k, emerit. Assistent der urolog. Abteilung der Allgemeinen Poliklinik, ordiniert für Harn- und --r Hautkrankheiten, I., Graben 13, (Generalihof) von 8—10 und ’/aä—4 Uhr. Der „Jüdische Turnverein“ veranstaltet Samstag den 12. März abends im Bürgertheater zugunsten des Turnhallenfonds eine Theatermatinee. Zur Aufführung gelangt: Hinter dem Vorhang Komödie in drei Akten von Marco B r o c i n e r. Aufgeführt von den ersten Kräften des Bürgertheaters. Die Böhmische Industrial-Bank-Filiale verzinst Geldein- A 1/ 0/ emitt’ert 414%ige Bank-Schuldverlagen auf Einlags- /■ £ IQ Schreibungen, in welchem sich das büche! mit ' ' angelegte Kapital mit mehr als Wien, I., Neuer Markt 8 Telephon 7734 d. 10.000 — Aktienkapital K 20,000 000 — verzinst. Die Rentensteuer trägt die Ban* aus Eigenem. EXPORT-ABTEILUNG.