Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 49 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- Seite 5 (sequence 17)
- Language
- German
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Sic ^Regierung möge lief) luofjt überlegen, ob c-cj angegeigt erfdjeint — mir mollcn nnb fönucn niefjt; ben ©ntiuurf obftniieren —, baß gegen ben Skiffen : zweier 9?olf*ftämme bc* Sanbc*, bic Scutfchen mtb bie Suben, lu ldje gufantmeti mehr nt* 170.000 ©inmobiler repräfenticren nnb, oüjne jebe Übertjebung, auf atten ©ebieten 511 ben größten Sulturcteiucntcn bc* Sanbc* gehören, bic gröfjtc Steuerfraft be* Sanbc* repräfentieren, in ©emerbe, ©anbei nnb Subuftric uub in ben freien Vcrufen aii§}d)(aggcbcnb finb — eine 93af)trcform befdgloffcn merben fotl, bnrd) rocldjc Scutfcfjc nnb Suben, 1111b inSbefonbcrc bie (enteren, oergemaltigt merben füllen! 1!yd) weiß mof)l, meine fdjmachen SSorte merben nicht imftanbc fein, Sic bon Syrern Vorhaben abgn» bringen. Wachen Sic aber, meine ©errett, bon Shrcr Wajorität feinen rütffid)t*(ofcit ©ebraudj, meil Sic babiirdj Wißbraurf) üben nnb bei Seutfdjen nnb Suben Ungufriebenheit ergeugen. Sic fanicrcn ba* un* gngeiügtc Unrecht nidit burcf) bie uns 5113c* miefenen Wanbatc, beim bic SBahtbcgirfseintcilung entljätt uad; Shrer Vorlage bic fraffeften llngereditig* feiten. Sie fetjen, meine ©erren, 'l'Jahlbegirfc mit 6000 Giumohncrn, aber and) mit 7000, 20.000 bi* 25.000, 36.000 nnb 46.000, ja 70.000 ©iu* mohnern. Sa* nennt man nad) Vufominaer Gegriffen gfeirfjmäßig, ba* fott gtcidjc* ^af)(redjt, gleiche Manbat*berteitnng, gleidje 3umenbung nnb glcidje* SSorgugStcdjt für alle Völfcr bc* Sanbc* fein! Sa* ift ja ein matjrer ©oljn, ein fchrcicnbc* Unred)t — nnb auf einem Ummcge bic Statniernng höhetmertiger nnb minbermertiger Völfer unb 93ät)lcrfd)aiien. Ober fnun man bafiir eine anberc Vegcidniuug gehrandjen? Unb eine fotd)c Vorlage füllte bie ^Regierung ©efeß merben taffen? Sd) tuerbe nodj ©elegenheit nehmen, biefe famofen '-Saljlbegirfc näher 311 befpredjen. Sa erfennen Sie bie SRonftrofität biefer Vorlage. Ser ©utmitrf ift ein llnifum einer ©cfeßeSoorlage, mic fie nidjt fein foft. (Abgeordneter Dr. Freiherr v. Hormuzaki: Die Reichsratswahlordnuny hat HO.000 Wähler für ein Mandat!) Sa* lueiß icl)! 2lber loarunt nebmen Sie fid) nidjt beffere Wufter at* Veifpiele, fonbern immer fcfjlecfjtere. Sa* ift e* eben. SSenit man in fdjlcdjte ©efeüfdjaft fomnit, bann rollt man ab> märt*. Sd) glaube aber, baß ber ©err College nnb fßeferent, Varon ©ormugafi, ben icf) at* ehren» feften Wann oon fdjönctt ©haraftergügen femte, mit beffen Slnfdjnunngcn aber icf» nicht einoerftanben bin (Abgeordneter Dr. Freiherr v. Hormuzaki: Ich weiß!), nidjt fo gefdpnadlo* fein mirb, ungerechte Veifpiele 31t fopieren. SMimcti Sie lieber au* ber l)icidi*rat*mahl» orbnung jene Jöablbcgirfc at* Veifpiel, in beucn auf 10.000 bi* 12.000 ©inmohncr ein Waiibat entfäftt, fo bie innere Stabt ©rag, 23icu :c. Unb bann, marum foltcn gerabc mir Silben immer oerfürgt fein unb bie iiberreid) bcüölferten SSaljlbcgirfc erhalten? Sdj muß offen befennen, baf; bie ©etren 3ftn* mäncii unb iKuthenen im 23 a tj Ire r 0 tut an *f cf) uff e bei Slbfaffung bc* erften ©ntmurfc* fich fonnioent gegeigt unb 1111* ©ntgegenfoiiimen befunbet haben. Vleiben Sie babei, meine ©erren! Senu icf) glaube, baß Shttett ber inoratifcbe ©rfolg Shwr .©attiiug im 2lu*id)uffe bei ber Veoölfeniug be* Sanbc* mehr ein6ringen mirb, al* Shtc nunmehrige geänbertc ©attung unb ber momentane ©rfolg, auf Soften anberer einige Wanbate mehr 311 befommeii. Sie 3Baf)lftei*einteilung ift nngemein millfiirlid) eingerichtet unb gar manchem gerabegu auf ben Seib gugefchnitten. Vei ber ^umeifuiig ber Wanbate an bie ucrfd)icbenen Volfc-ftänimc ift faft immer ein aubere* ßriugip majjgcbcnb. Sd) mill Sh neu an einem Veifpiele geigen, mie infoiifcquent ber?lu*fdjuß felgt oorgeht 1111b nur fchöne Sträußchen oerteilt, um eine fidjere Wajorität 311 ergiclen.. Weine ©erren! ©* ift mir oollfommen fern, ben oerebrten Sanbcägenoffen polnifdjer Nationalität ihre ©rfolge gu mißgönnen. Sa-:-, ma* bie ©erren Iß ölen befommeii, gönne ich iftneu au* oollcm ©ergen. 91 ber feheu mir un* bie Verteilung ber Wanbate im ©roßgruubbefipe an. Sen jiibifdjen Witq liebem bcc'fclben hat ber ©ntmurf gunädjft iljre Nationalität abcrfaiiut, inbem bicfelbeu bic „Sluberen" heißen. Sir Suben merben im ©ntmurfe überhaupt nur mit Sfunimcnt begeidjuet gleich Sträflingen in ©efaugcii* häufern unb Strafanftalteu. 93ir höhen mieber eine 9(u-:-uahiu*ftellung, gu nuferem 9tad)tcile, mährenb bie anberen Völfer ihre Dtameu befißen unb im ©'ntmurfe mit ihrem 'Jlanicu bcgeidjnet merben. Sa*, meine ©erren, ift ba-; „93ohlrootlen" Seiner ©pgeffeng be* ©errn SRinifter be* ^nnnn, be* ©errn Var011 ©aerbtl! Su ber Sählerfurie be* ©roßgrunbbefiße* merben bie „Ülnöereu", ba* heißt bie gmei Suben, überbie* mit ber „arinenopotuifdjcn“ unb potnifchen Station in einen Sopf gufainmcn* gemorfen! Weine ©erren! Sie Suben gehören gu un* Suben, alfo in bie fübifdje 23af)lfurie, bie im ©ntmurfe mit „Stummer fed)*" begeichnet ift. (Abyeordneter Titus Ritter c. Oneiul: Es yibt zwei Sorten •luden: polnische und deutsche Juden!) Slber Suben! Unb ma* bie 3flt)l ber ben jiibifcheii ©roßgrunb* befihern gugebachten Wanbate betrifft, herrfdjt bie fraffeftc, fdjreicnbfte Uugcred)tigfeit. Senn bie Suben bilben ba faft ben britten Seil, fo baß ihnen oier SJtanbate gebühren mürben, fie erhalten aber — gioei! Sagegen erhalten bic „armenopolnifchen" unb potnifchen ©roßgmnbbefißer oier — bie ramänifchen fieben SJcanbate! Weine ©erren! Sch möchte babei noch etioa* , fonftatieren, morauf feiner ber ©erren 00m S'ermancng-