Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 49 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 gewährt her arbeitenben Vcbölfermig, furj ben 9lrbeitem, fein einziges SOianbat. 3L>fan gibt luofjt einer fogenannten „allgemeinen 23äfjlcrflaffc" foüict nnb foüiet SOtanbnte; allein abgesehen üon bent SJlonftrum ber fogenannteu allgemeinen 2öäf)(crf(age wirb bic beliebte SPaljlbcsirlscintcilung fanm einem einzigen Vertreter ber arbeitenben Stagen ben Gintritt in biefes |janö emtöglidjen; Sie merben fid) in ber ffolge bapon überzeugen. GS ift beStjntb natürlich, baf; eine folcfjc Vorlage für bie Vertreter ber breiten VollSfdjtd)ten ballig nnanneljmbar ift.!fjcbe Sörperfcf)aft, jebe $5nftitntion wirb mit ber 3<dt alt, fie gelangt natur* gemäh ins ©rcifcnalter ober mirb gebrecfjlidi. Um franfe ^nbioibnen ober fd)wäd)lidje, minber IciftuugS* fähige Pcrfonen gcfnnb 3« erljalten — mir lefcu ja fdjon in ben ißfalmen, baff ber alte Sönig daoib gewärmt Werben muffte — muff man ihnen gefuubcs Sölitt 511führen. Gbenfo ift cS bei altgcworbcncn Sörpcrfdjaften. Unb biefes gefunbe, fräftige Vlut ift ber Gintritt oon Vertretern ber breiten Vollsfchidjten in biefe-3 .paus, ba§ berufen ift, neben ben ocrfd)iebenften iuirtfcf)nftlitten nnb fnlturetlen Aufgaben namentlich and) bic Sanbcc’finanäen 31t fanicreu nnb tjicrburch bie großen Saften auch ai,f bie Schultern ber großen SJlaffen 311 Waljett. Senn bie Seide ber breiten Vollsfd)id)ten Ijaben einen glcidjcn Wagen wie bic fßrioilcgicrten nnb bie oberen 3chntnofmb. Sie großen Sonfuniabgaben, wie überhaupt ben riefigften Seil aller inbireften Abgaben tragen alfo bie breiten Vollsfd)id)teu. Ge ift bemnncfj iljr OottfteS 3Red)t, in ben bcrfd)iebenficn Vertretungen förperfdjafteit gcbüfjrcnb öertreten 31t fein. Saßen Sie c§ baljer nicht 3U, baff bie breiten VollSfdjidjteit tatfäc^liif) restlos unb unoertreten bleiben! Weine Herren, Wenn ich bn§ fagc, tue id) bic» au§ ootlfter Überäeugung unb in Grfütlung meiner Pflicht, wenngleich mir biefe Pflichterfüllung itidjt lcid)t gemacht Wirb, ba c-3 ja wohlbefannt ift, baß id) gerabe Oonfo manchenGlemcntenauS ben brcitenVollS' maffen bietfach angegriffen unb bcfd)impft werbe. Seiber fiuben fid) bei un§ unberufene, irregeleitete Glcmentc, bie fich in bie Slrbeiterfdjaft einbrängen, einfchleicfjen, unb biefer wohl nidjt gur Glfre gereichen. Sie wahre Slrbeiterfdjaft, bie organisierten Slrbeiter, überhaupt bie politifd) reifen, unterrichteten unb IcnntniSreidjen Slrbeiter geben fid) mit jweifcl» haften Glementen nicht ab, wie ja aud) bic Schimpferei unb Subclei nidjt in ba§ Programm ber Slrbeiter gehört. Vor allem Slnftänbigfeit nnb Vetcitigung politifdjer ^tingipien! Sch fühle mich berufen, ba§ 31t fagen, weil ich Vertreter ber SanbcSfjauptftabt Gjernomiß im Sanb* tage unb im Sleidjsratc bin, unb wenn aud) bie Slrbciterfdjaft mid) nicht gewählt hat, enthebt midj bies nicht ber Verpflidjtung, für ihre gerechten gorberun* gen unb S"tereffen ebenfo cinsutreten, als wenn ich ihr delegierter wäre. Sd) erlaube mir bnranf anfmerffam 311 machen, baß bic Slrbciterfdjaft in Gsernowiß in ben jüngften dagen eine Waffenberfammlung abgchaltcn unb eine Pefolution angenommen hah bic mir sugefertigt worben ift unb bie ich 3ur Kenntnis bes hohen Kaufes bringen muß. Sie lautet: „da§ arbeitenbe Voll ber Vulowina erllärt es für eine Schanbe, bah bie 9tegierung Vienerth ben einmütigen Vcfd)luß aller Parteien im Sanbe mißachtet unb c§ Wagt, ben 23af)fred)tScutmurr bes permane^aHsfchuffeä burch neue prioilegien 311 oerberben. da§ arbeitenbe Voll erllärt, baf? es ben Gntwurf ber ^Regierung nicht als Gnutblage einer Siefomi anfehen laun unb forbert alte SanbtagSabgcorbnetcn auf, ber fredjen Proüolation ber Siegicrung baburch 311 antworten, baß fie bei ihrer Vorlage bleiben. daS arbeitenbe Voll erllärt auSöriidficf), bah es lieber auf jebe SSafjlrcform oer* 3id)tet, als baß cs biefen prooo3iercnben Gntwurf ber Siegicrung annimmt. SSir forberu baher bie SanbtagS* abgeorbneten auf, nnter leinen Umftäuben baS Verlaugen bet Sicgierung 311 erfüllen. GS wäre eine Schmach, baß eine autonome Sörpcrfdjaft ber burcaulrntiidjeu 'Billtiir unb dummheit Rechnung tragen fofl. das arbeitenbe Voll erllärt, bah es um fo encr* gifd)er für bas allgemeine unb gleiche 8anbtagämaf)ls recht lämpfen wirb, je mehr bie Sicgierung fid) ba* gegen fträubt. SSir waren bereit, ben Gntwurf beS Slusfdjuffes an3uuchmen, aber eine Verfdjtedjterung lönnen wir nicht bulben. SSir warnen bie Saubtagsabgeorbneten, fid) 3U Witfdpilbigen ber Siegicmng 311 machen unb ben Stieben im Sanbe 311 untergraben." die ungewöhnliche Schärfe ber Slusbrüde — mit benen ich mich wohl nicht ibentifpiere — seigt bie große Grccgung in ber Slrbciterfdjaft über öas iljncn 3ugcfügte fdjwcre Unrecht. Weine Serren! Sluch bie Slrt unb SScife, wie biefe Vorlage 3uftanbe gelommen ift, halte ich für gang eigentümlich unb burdjauS nid)t empfehlenswert, der Sanbtag will unb foö ein Gefeh fdjafren: bie fton* ftmltion besfelben lönnen wohl am ridjtigftcn feine Witgtieber, bie mit ber Gigcnart ber Veoöllerung unb ben SanbesOcrhältniffen ooWontmen oertraut finb, beurteilen. Schon Oon biefem (jiefidjtspunfte aus, lann nur bie übcrciuftimmcnbe Slnficht beS .paufcs, wie fie im Vcrmanen()ausfdjuffc 311m Slusbrud gelommen ift, ent* idjcibcnb fein, das .paus fotl ein Gkfeß fdjaffen unb bamit feine SPillcnSmciuung, feine 3lnfid)t, Über* geugung unb Üluffaffung in biefer ginge bclunbcn. SSaS fehen Wir aber in .pinfidjt auf baS 311 fehaffenbe 2Saljlgefeß? 23ir feljeit auf einmal, baß fid) 3toifd)cn ben einsetnen Parteien unb 'Parteiführern mit ber Siegicrung offpiöfe unb nicht offigiöfc — ich ha&c nicht fiiraücS bieridjtige Ve:,eicfjituug—Verfjanblungcn herüber unb hinüber fpinnen. Sdilicßtid) erlangt man eine 9Irt fogenannter „Vorfanltion" für eine Vorlage, 1*