Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 17 (23.4.1909)
- Date
- 1909-04-23
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 17 Presse“. Es sei hervorgehoben, daß sich in dieser Konferenz der Zusammenschluß der westösterreichischen und ostösterreichischen jugendlichen Organisationen vollzog._ Aufruf! Man kann wohl, ohne Widerrede befürchten zu müssen, sagen, daß das wisssnschaftliche Rüstzeug der modernen jüdischen Bewegung erst aus den letzten drei Jahrzehnten kommt. Die Klassiker der jüdischen Renaissance, jene Männer, die zu allen auftauchenden Fragen der jüdischen Bewegung am vernehmbarsten in Wort und Schrift Stellung genommen haben, waren sehr wenige. Zu diesen wenigen gehört unstreitig Dr. Nathan Birnbaum, der — ein Mann der schöpferischen, vorausahnenden Ideen — selbstlos und unverdrossen, bahnbrechend und mit an der Spitze unserer geistigen Kämpfer um die Aufhellung der ■ modernen lüdischen Probleme bemüht ist. Er war es, der vor allem die national-kulturelle Note in der jüdischen Bewegung aufs eindringlichste betonte und nicht müde wurde, sie zu läutern und zu vertiefen. Leider ist die Mehrzahl der Arbeiten dieses hervorragenden Mannes, teils dadurch, daß keine Neuauflagen erscheinen, teils weil die meisten in Zeitschriften verstreut sind, nicht leicht zugänglich. Dadurch ist es schwer geworden, einen Ueberblick über die Gesamtheit seiner Schriften zu gewinnen und seinen Entwicklungsgang nach Gebühr zu würdigen. Hierin soll nun Wandel geschaffen werden. Das gefertigte Komitee will eine Gesamtausgabe von Birnbaums jüdischnationalen Schriften auf breitester Grundlage veranstalten und wendet sich hiemit an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte, es in diesem Bestreben, namentlich durch sofortige Subskription auf die herauszugebenden Schriften, eventuell auch durch Widmungen für den Verlagsfonds tatkräftigst zu fördern. Czernowitz, im April 1909. Schalom Asch (Kazmerz); Dr. G. Belk o w s k y (Petersburg); S. D u b n o w (Petersburg); Dr. J. E1 i a s c h o f f (Kowno); Berthold F e i w e 1 (Charlottenburg); Dr. J. Friedländer (New- York); Ephraim F ri s c h (Berlin); Heinrich Loewe (Berlin); Dr. L. Magnes (New-York); Oberrabb. Dr. J. Niemerower (Jassy); Dr. G. Pasmanik (Genf); J. L. Peretz (Warschau); Sal. Rab i n o w i c z (Nervi); Felix Salten (Wien); Fabius S c h a c h (München); Dr. J. S c h a 1 i t (Wien); Dir. Prof. Boris Schatz (Jerusalem); Salomon Schiller (Lemberg); Davis T r i e t s c h (Berlin); Dr. Theod. Z 1 o c i s t i (Berlin). Verein jüd. Studenten, Berlin; Verein jüd. Studenten, Breslau; Verein jüd. Studenten, C h a r 1 o 11 e n b u r g; Verein jüd. Studenten, Straßburg; Verein jüd. Studenten, Frei bürg) Verein jüd. Studenten, Königsberg; Verein jüd. Studenten, Marburg; Verein jüd. Studenten, München; Verein jüd. Studenten, Makkabaea, Berlin (alle im B. J. C.); Barissia, Prag; Bar- Giora, Wien; Bar-Kochba, Wien; Bar- Kochba, Stanislau; Bar-Kochba, Tamow; Chermonia, Radautz; E m u n a h, Czernowitz; Emunah, Stryj; Esperanza, Wien; Hasmon a e a, Czernowitz; H e b r o n i a, Czernowitz; J o rdania, Wien; Ivria, Wien; Jüd. Kultur, Wien; Jüd. Lese- und Redeha 11 e, Brünn; Kad i ma h, Wien; Ogn i sko, Lemberg; P rzedsw i t, Haschachar, Krakau; Verein Theodor Herzl, Wien; Unitas, Wien; Veritas, Brünn; Vereinzion.Studenten,Leipzig; Zephyrah,Czernowitz; Zephyrah, Wien. Die Zahlstelle für Widmungs- und Subskriptionsbeträge, die man eventuell schon jetzt einzuzahlcn wünscht, ist die „Jüdische V o I k s v o rschußkasse in Czernowitz“ (Jüdisches Haus) pr. P. A. Direkte Subskriptionsanmeldungen und nähere Auskünfte bei dem Exekutivkomitee in Czernowitz, Petersplatz 2. Aufhebung des Einwanderungsverbotes in Palästina. Jerusalem. Die Nachricht von der Abschaffung der „roten Scheine“ für jüdische Einwanderer in Palästina (was gleichbedeutend wäre mit der Aufhebung des Einwanderungsverbots) war verfrüht Herr Ben-Jehuda hat sich allerdings bei den hiesigen Behörden darum bemüht - bisher ist aber der Erfolg noch ausgeblieben. Der jüdische Parlamentsabgeordnete Mazliach Effcndi hat sich einem Korrespondenten gegenüber geäußert, daß die jüdischen Abgeordneten natürlich für die Abschaffung dieser „Schandscheine“ wirken werden; die Sache sei jedoch schwierig, da sie nicht die ottomanischen Juden, sondern die ausländischen Juden betrifft. Er hoffe aber gleichwohl auf einen Erfolg der dahin zielenden Bemühungen. Dagegen ist hier die Beseitigung einer anderen Beschränkung gelungen. Bisher mußten türkische Juden beim Ankauf von Boden oder Häusern sich schriftlich verpflichten, dieselben nicht an ausländische Juden zu vermieten. Jetzt ist diese Beschränkung aufgehoben worden. Eine gediegene Wette. In einer großen Gesellschaft wurde die Frage aufgeworfen, welches Geschäftshaus in Oesterreich am bekanntesten sei. Jeder schrieb den Namen auf den Zettel und als die Namen verlesen wurden, zeigte es sich, daß fast einstimmig das Welthaus Schein (Teppich- und Möbelhaus Schein, kaiserl. und königl. Hof- und Kammerlieferant, Wien, 1., Bauernmarkt 12) genannt wurde. — Es sei mit Freude konstatiert, daß diese Weltfirma es verstanden hat, durch solide und preiswerte Lieferung und beispiellose Kulanz ihr Renommee selbst bis in das kleinste Nest dringen zu lassen und werden alle Gesinnungsgenossen im eigensten Interesse ersucht, nur bei dieser Firma einzukaufen. Der reichillustrierte Katalog wird bei Bezugnahme auf die „Jüdische Zeitung“ kostenlos versendet. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeige. Wien. (Verein „Jüdische Bühn e.“) Das Proponentenkomitee des Vereins jüdische Bühne erlaubt sich, seine P. T. Mitglieder und Förderer zu der Montag den 26. April 1909, 8 Uhr abends, im zionistischen Zentralbureau, IX. Türkenstraße 9, stattfindenden konstituierenden Generalversammlung geziemend einzuladen. Tagesordnung: Konstituierung, Rechenschaftsbericht, Wahlen, Eventualien. Das Proponentenkomitee: RRA. Adolf Stand, RRA. Dr. H. Gabel, Dr. Oskar Gold, Dr. Oskar Rosenfeld, Dr. Hugo Jeckermann. Wien. (Poale Zion.) Samstag den 24. d. M., '/i8 Uhr abends, findet im Vereinslokale, XX., Mathildenplatz Nr. 7 (Hof), eine Monatsversammlung mit Vortrag von Genossen Moses Waldmann statt. Sonntag den 25. Ausflug nach Neuwaldeg g—Sophienalpe! Die Genossen versammeln sich um 2 Uhr nachmittags im Vereinslokale, von wo aus der Abmarsch stattfindet. Gäste willkommen! Y/ien. (Jüdischer Verein jugendl. Arbeiter). Am Samstag den 24. d. M. findet im Cafe Stefanie, II., Stefaniestraße 2, die konstituirende Versammlung der Zahlstelle II. statt. Die Kollegen werden ersucht zahlreich zu erscheinen. — Das Vergnügungskomitee gibt bekannt, daß von nun ab jeden Sonntag Ausflüge stattfinden. Zusammenkünfte im Vereinslokale um 3 uhr. Der Verein veranstaltet mit der Lokal-Organisation der jüdisch-sozialistischen Partei Poale-Zion eine große Maifeier. Diese findet am 1. Mai d. J. in den Saallokalitäten des Cafe „Concordia“, I. , Concordiaplafz statt.. Die Festrede hält Kollege Kaplansky -Kaplan. Es haben bereits mehrere bekannte Kunstkräfte ihre Mitwirkung zugesagt. — Regiekarten ä 50 Heller sind im Vereinslokale XX., Mathildenplatz 7, jeden Abend von 8—‘/HO Uhr und bei den Vertrauensmännern zu haben. Brüx. Der jüdische Volksverein Zion in Brüx veranstaltet am 2. Maj 1909 einen Palästinaabend mit Lichtbildern (9 Uhr abends). Referenten: J. U. C. Leo Herrmann u. Oskar Stein (Bar-Kochba, Prag.) Dux. Der jüdische Volksverein Zion veranstaltet am 2. Mai 1909 um '/j.4 Uhr nachmittags einen Palästinaabend, bei dem Herr J. U. C. Leo Herrmann (Bar Kochba, Prag) und Herr phil. Oskar Stein (Bar Kochba, Prag) unter Vorführung von Lichtbildern sprechen werden. Prag. Am 24. April 1909 spricht Gesinnungsgenosse Davis Trietsch in Prag im jüdischen Rathaus in einer vom Verein der jüdischen Hochschüler Bar Kochba veranstalteten Versammlung (mit Lichtbildern). Berichte. Proßnitz. (Ferialverein jüd. Hochschüler „Giskalah“ in Proßnitz) veranstaltete am 10. d. M. im großen Saale des Arbeiterheimes einen jüd. literarischen Abend. Als Vortragender wirkte Hofschauspieler Prof. Ferdinand G r n y o r i. Er las Gedichte von Isr. Auerbach, Buber, Moriz Rosenfeid, J. J. David, Hugo Salus, Loewenberg, ferner Herzl’s „Mauschel“, „Bonze Schweig“ von J, L. Perez, die bekannte Scene aus Beer-Hoffmanns „Grafen von Charolais“ und schließlich mehrere Gedichte Heines. Ein Programm, daß dem Vortragenden Gelegenheit bot, seine hervorragende Sprechkunst rastlos zur Geltung zu bringen. Von nachhaltigster Wirkung war Perez’s Meisternovelle „Bonze Schweig“, die der Künstler mit erstaunlicher Feinheit und innigstem Verständnis sprach, und Heinrich Heine’s „Die schlesischen Weber“. Das distinguierte Publikum lauschte dem Vortrage bis zum Schlüsse in tiefster Andacht und erwies sich für den erlesenen Genuß sehr dankbar. — Auch durch diese rein kulturelle Veranstaltung können wir konstatieren, daß unsere Bestrebungen in dem restlichen Teile der Proßnitzer liberalen Juden, volle Anerkennung finden, nnd daß wir durch unsere ernste kulturelle Arbeit immer mehr das Proßnitzer jüdische Deutschtum von seiner eigenen Zwecklosigkeit überzeugen. Prag. Der jüdische politische Verein in Prag hielt am 15, d. M. im Hotel „Bristol“ eine gut besuchte Versammlung ab. Nach erfolgter Begrüßung seitens des Obmannes Herrn MUDr. Ed. F i s c h I unterzog Herr Buchdruckereibesitzer Richard Brandeis das Statut eer Präger israelitischen Kultusgemeinde einer eingehenden Kritik. Redner bemängelt es, daß in dem Statut trotz der durch die Angiiedcrung der Vororte Holeschowitz und Lieben entstandenen Vergrößerung der Gemeinde noch immer an der alten Mitgliederzahl von 18 Personen in der Repräsentanz festgehalten wird. Eine Erhöhung der Repräsentanzmitglieder von 18 auf 24 wäre nur recht und billig. Im weiteren Verlauf seines Vortrages befaßte sich der Referent mit dem stark verzopften Wahlsystem, an dem in unserer Gemeinde noch immer festgehalten wird. Während in den meisten Gemeinden Deutschlands und teilweise auch in Oesterreich beispielsweise in Czernowitz, jedes männliche volljährige unbescholtene Mitglied der Gemeinde ohne Unterschied der Staatsbürgerschaft und ohne Rücksicht auf die Höhe der Steuerleistung wahlberechtigt ist, schließt dasPrager Statut Steuerzahler, die weniger als 6 K an dierekten Steuern entrichten, aus. Auch die Einteilung der Wahlberechtigten in drei Wahlkörper entspricht durch eus nicht den Begriffen der Gerechtigkeit. Der Erfolg ist, daß ungefähr 300, beziehungsweise 500 Wähler ebensoviele Vertreter entsendet, als zirka 1200. Längere Zeit verweilte der Vortragende bei der Art und Weise, wie in unserer Gemeinde die Wahlen gemacht werden. Geheim, mit Ausschluß der Oeffentlichkeit, das sind die Charakteristika. Bezüglich der Steuerbemessung regt der Referent an, vom alten Bemessungssystem abzugehen und die Kultussteuer in ein Verhältnis zur staatlichen Einkommensteuer in setzen, Nach dem Gemeindestatut ist auch eine eventuelle Aenderung der Satzungen sehr erschwert. Die Zuhörerschaft folgte der Besprechung dieses aktuellen Themas mit sichtlichen Interesse und beteiligte sich lebhaft an der dem Vortrage folgenden Diskussion. Schließlich gelangte eachstehende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Der jüdische politische Verein betrachtet viele Bestimmungen des gegenwärtigen Slatuts der Prager israelitischen Kultusgemeinde als dem modernen Zeitgeiste zuwiderlaufend, er erblickt in demselben eine Verkürzung der Rechte der Steuerträger und ersucht eine löbliche Repräsentanz, die nötigen Schritte einzuleiten, welche nach dem Wortlaut der Statuten für eine Abänderung derselben vorgeschrieben sind.“ Aussig a. E. Der jüdische Volksverein „Zion“ in Teplitz leitet schon seit einiger Zeit die zionistische Agitation in Aussig. Zur Aufklärung der Aussiger Judenschaft, zur Stärkung ihres Interesses für modern-jüdische Probleme trug sicherlich der vom Teplitzer Verein am 25. März veranstaltete Abend bei, bei dem Herr Prof. Alfred Engel über „Die jüdische Kunst und ihre Heimstätte in Palästina“ sprach. Der Vortragende ging davon aus, wie jüdische Motive von Nichtjuden aufgefaßt wurden (zum Beispiel Rembrandt),-. führte dann besondersdie moderne jüdische Kunstbewegung vor und zeigte zum Schluß, wie wertvoll für die Entwicklung unserer Kunst die Arbeit im orientalischen Milieu Palästinas, besonders an der von Prof. Boris Schatz so glänzend geleiteten Bezalel-Schule sei. Diese anregenden Ausführungen wurden durch sehr schöne Lichtbilder illustriert, die charakteristische Reproduktionen jüdischer Motive und jüdischer Bilder darstellten. Das Publikum dankte dem Vortragenden durch lebhaften Beifall. Teplitz. Der jüdische Volksverein „Zion“ in Teplitz veranstaltete am 17. April einen Palästinaabend, der einen sehr anregenden Verlauf nahm. Der Obmann Herr Ernst Bechert begrüßte das. zahlreich erschienene Publikum, gedachte in einem tief empfundenen Nachrufe unseres verstorbenen: Gesinnungsgenossen Oskar Marmorek, der als Erster den Zionismus in Teplitz bekannt gemacht hatte und erteilte dann dem ersten Referenten, Herrn JUC. Fritz Steiner (Bar-Kochba, Prag),, das Wort zu seinem Referate über „Palästinas klimatische Verhältnisse“. Das Referat führte, gestützt . auf die Wiener Hochschulkurse, die besondere Eignung Palästinas als unser Immigrationsland vom Standpunkte der geographischen Lage, der politischen und ethnologischen, sowie der klimatischnosologischen Verhältnisse aus. Der zweite Referent Herr JUC. Leo Herrmann (Bar-Kochba, Prag) sprach in eingehender Weise über die industrielle und landwirtschaftliche Eignung Palästinas und über das Problem, inwieweit die Kolonisation nach dem landwirtschaftlich-genossenschaftlichen System Oppenheimer oder auf dem Umwege über industrielle Heimarbeit in Verbindung mit Landwirtschaft größeren Erfolg verspreche. Beide Referenten wußten mit ihren interessanten Ausführungen über die heute immer aktueller werdende Palästinaarbeit die verständnisvolle Aufmerksamkeit des zahlreichen Publikums zu fesseln. Nach einer kurzen Debatte schloß der Obmann Herr Ernst Bechert mit dem Dank an die Referenten die an zionistische Arbeit reiche Wintersaison der Teplitzer Organisation. Verein für Statistik der Juden. Zentrale: Berlin-Halensee, Ringbahnstraße 125. Bureau: Charlöttenburg, Witzlebenstraße 19. Gelegentlich der jüngst in Berlin stattgehabten Hauptversammlung des Vereins für Statistik der