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Jüdische Zeitung · 1908-08-07 · 32 (7.8.1908) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
32 (7.8.1908)
Date
1908-08-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 32 die sich verpflichtet haben, zehn Jahre lang jährlich 300 Dollar einzuzahlen. Das Jewish Colonial Trust Komitee berichtete, dass seine Bemühungen um Errichtung einer Filiale der Kolonialbank in New York in gewissem Sinne von Erfolg begleitet waren. Der Trust war bereit, eine Filiale zu eröflben, wenn in Amerika zu .diesem Zwecke 49.000Dollar aufgebracht würden, wozu dann der Trust 51.000 Dollar geben wollte. Von dieser Summe sind bereits 35.000 Dollar gezeichnet worden. Die einzige Schwierigkeit, die besteht, ist, dass es nach den Gesetzen des Staates New York vorläufig nicht möglich ist, eine Bank am Sabbat und den jüdischen Feiertagen geschlossen zu halten. Sonntag abends fand eine grosse Massenversammlung statt die von 1500 bis 2000 Personen besucht war. Als erster sprach Mr. Samuel Strauss, der Eigentümer des bekannten New- Yorker Tagblaltes „Globe“. Nach seiner mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede sprachen noch Dr. Friedenwald, Rabbiner Lewinthal, Fromenson und Dr. Magnes. Eine Sammlung er-. gab den Betrag von 454 Dollar. Das Hauptinteresse der Verhandlungen von Montag morgens konzentrierte sich auf die Verlesung des Berichtes von Professor Warburg. Der Bericht enthielt eine Zusammenstellung der in Palästina bereits geleisteten Arbeiten sowie über die Einrichtungen, die noch unternommen werden müssen. ln der Nachmittagssitzung wurden verschiedene Resolutionen gefasst, die sich auf die Einsetzung von Palästinakomitees, die Gründung von Bezalelvereinen, die Erhöhung des Beitrages zur Federation und die Einsetzung des 15. Schewat als Pflanzungstag beziehen. Der nächste Punkt der Tagesordnung, der die Herausgabe des neuen Organs in jüdischer Sprache betraf, gestaltete sich sehr lebhaft. Nach einem dringenden Appell Dr. Friedenwalds wurden für, den zu diesem Zwecke gebildeten Fonds in wenigen Minuten 1000 Dollar aufgebracht Hierauf folgten die Wahlen, die das nachstehende Resultat ergaben: Vorsitzender Dr. Harry Friedenwald, Vizepräsident Dr. Magnes, Schatzmeister Henry Jackson, Sekretär Dr. Jakob .Tasin. Unter den Ehrenvizepräsidenten befindet sich auch Mr. Samuel Strauss. Korrespondenzen. Oie Juden und die türkische Verfassung. KonstantinopeL Die jüdische Bevölkerung der Türkei (350.000 Seelen) befindet sich in einem Zustande freudigster Erregung. Die Proldamierung der Verfassung wird auf das Judentum ungemein günstig einwirken.. Schon werden Schritte zur Reorganisierung der jüdischen Gemeinden unternommen. Die Juden nehmen an allen Kundgebungen . lebhaften Anteil. Aus den Judengemeinden russischen Uebersetzung auf der anderen Seite. Auf das strengste halten sie alle jüdischen Feiertage. Es ist ein ganz merkwürdiger Anblick,, die russischen Bauern in den weisseu Gebetmaiitel gehüllt,. in schaukelnder Bewegung, wie sie bei dien Juden üblidbist, am Sabbat .n ihren kleinen Synagogen dicht gedrängt beim Gottesdienste mit genaueste* Einhaltung der Liturgie zu beobachten. Ohne dass man in Europa Näheres darüber gehört hätte, sind in den letzten 25 Jahren über 5000 Jaden Christen geworden. „Wir sind zwar gerim (Proselyten) und stammen nicht dem Leibs nach von Abraham, aber wir halten ebenso festan der jüdischen- Religion, wie irgend ein Jude in der ganzest Welt“, ist die typische Redensart dieser Neujuden. Von allen Juden, erzählt Faber, die ioh auf meinen Reisen durch fast alle Länder kennen lernte, sind die jüdischen Proselyten des Dorfes JieJenowka die fanatischsten. Vielfach verheiraten sich diese Juden gewordenen Russen mit Juden. Während noch vor zehn Jahrein die Judieti diese Proselyten nicht als ihresgleichen anerkennen wollten,- gelten sie jetzt schon in den Augen der meisten russischen Juden als richtige Glaubensgenossen, denn wenn Hebräer durch Heöenowka oder das benachbarte, ebenfalls von Proselyten bewohnte Dorf Simonovka kommen, machen sie stets ihren Gottesdienst mit Seit der letzten .russischen Volkszählung sind diese arischen Juden auch staatlich anerkannt worden. . JÜDISCHE ZEITUNG aller Provinzen kommen Deputationen, um dem Sultan für die Einführung der Konstitution den Dank auszusprechen. — Der Grossrabbiner von Konstantinopel Moses Levy wurde auf Drängen der fortschrittlichen jüdischen und jungtürkischen Elemente seiner Stellung enthoben. Der Tag für die Wahl eines neuen Grossrabbiners ist bereits festgesetzt. Die Kandidaten sind Rabbi Haim Naboum und Jakob Mei'r. Rabbi Jakob Mei'r ist Zionist und wurde bekanntlich voriges Jahr zum Rabbiner von Jerusalem gewählt, in seinem Amte aber nicht bestätigt, weil ihn der jetzt abgesetzte Moses Levy, der Cbacham Baschi von Stambul, beim Sultan als Fortschrittler denunziert halte. Nun ist es gerade diese Eigenschaft, die es wahrscheinlich macht, dass man Jakob Mei'r zum Chacham Baschi von Konstantinopel wählen wird, während Moses Levy, der 6ich zusammen mit türkischen und griechischen Geistlichen der freiheitlichen Bewegung enlgegenstellte, dem Anstürme der fortschrittlichen Elemente weichen musste. * Die Berliner „Post“ meldet aus England: ln den zionistischen Kreisen Englands hofft man von der neuen Verfassungsära in der Türkei eine Förderung der eigenen Ziele. Die Voraussetzung der Verwirklichung der. zionistischen Wünsche ist, dass der Sultan den Juden die Gründung einer Kolonie in- Palästina durch ein urkundliches Privileg erlaubt Der verstorbene Dr. Herzl hat mehr als eine Unterredung mit dem Sultan gehabt und versucht, ihn zur Gewährung eines solchen Privilegs zu überreden. Aber der Sultan wollte nur | die Gründung einer grösseren Anzahl kleiner und zerstreuten Kolonien zugeben, und an dieser seiner Haltung scheiterten die Versuche Dr. Herzls. Die Zionisten glauben nun, dass, wenn die Türkei ein Verfassiuingsstaat geworden ist. die türkische Regierung ihren Wünschen nicht mehr denselben Widerstand, entgegenstellera wird. Als eine unmittelbare Folge des neuen Regimes erwarten sie, dass die zionistische Propaganda in dem türkischen Rache offen, gestattet wenden wind; und das hätte nach ihrer Meinung keine geringere Bedeutung, als das Versprechen,- das der russische Minister- I Präsident Stolypin kürzlich gegeben hat. die national-jüdische Agitation in Russland nicht zu :hindern, Uebrigens -hat-die zionistische Organisation, wie der „Manchester Guardian“ bemerkt, : soeben eine anglodevantinische Bank in Konstant'mopel-gegründet* die die Basis zu politischer -Tätigkeit abgeben könnte- .... .i . * * Kroatischer ^Antisemitismus. Agram, (Orig.-Korr.) Der Antisemitismus, blüht wächst und >gedeiht. nun auch in Kroatien. „H r v atsk 6“; das Organ der kroatischen Christlichsozialen, brachte vor -einigen Tagen einen derartigen antisemitischen - Brandartikel, wie man ihn in kroatischen Blättern zu lesen' früher nicht Gelegenheit halle. Der Antisemitismus, welcher bisher in Kroatien nur latent war, tritt-- nun gleichzeitig mit der um sich greifenden antisemitischen Wühlarbeit in Ungarn^ auch in Kroatien offen zutage. Die Fäden, welche zwischen den Führern der magyarischen Volksparlei und dem klerikalen Flügel der kroatischen Koalition'.gesponnen werden, zeigten sich schon bei den Verhandlungen zwischen den volksparteilichen Spitzen und den Abg. Zagorac, einem Führer der kroatischen Koalition, deren Ziel eine angebliche--^Beilegung des magyarischkroatischen Konflikteswar. — Der Moment für die christlichsoziale Propaganda in Kroatien scheint nun, wie der früher erwähnte Hetzartikel in „Hrvatsko“ -beweist, dessen Hintermännern günstig, indem einerseits die Wahlreform für den kroatischen Landtagen,naher Sicht ist, anderseits aber sowohl in der „Reinen Rechtspartei“ (unter Führung des Dr.- Frank), wie in der Kroatischserbischen Koalition (Supilö-Partei) die Zersetzung immer weiter forlschreitel und dadurch einer neuen Parteigruppierung in Kroatien die Wege ebnet. Die kroatischen Juden mögen daher von keiner der bestehenden Parteien sich ins Schlepptau nehmen lassen, sich vielmehr selbständig organisieren, um für alle Eventualitäten vorbereit'et zu sein. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. („Poale-Zion“;) Samstag, den 8. d. M.- um 8 Uhr abends findet im Vereinslokale,- IL, Stefaniestrasse 2, „Cafe Stefanie“ eine Vereinsversammlnng statt. Referent Koll. S. Kaplan sky- Kaplan über „Die Umwälzungen in ■ der "Türkei und die zionistische Politik.“ Gäste herzlich .willkommen. Gurahumora Der jüd.-nat. Verein „Makka' b ä a“ veranstaltet Sonntag, den 9. August 1908 im Waldteile „Ariniseh“ ein Walifest. Beginn 3 Uhr nachmittags. Kremsier. (Jüd.-nat. Ferialverbindung „Ossid“) Ergebnis der Chargenwahi pro 1908.09: cand. ing. Emil Kien X; cand. iur. Viktor D on a t h XX; iur Adolf Brand XX X> Brody. Die Generalversammlung des Vereines jüdischer Hochschüler „Techijah“ fand am 30. Juli 190S statt. Die vorgenommenen Wahlen ergaben folgendes Resultat: stud. med. Baruch Z e 1 n i k, Präses; cand. iur. Karl Horn, Vizepräses; stud. iur. Josef S c h w e i g, Sekretär. Przcmysl. Sonntag, den 26. Juli wurde von der hiesigen zionistischen Vereinigung eine Theodor Herzl - Gedenkfeier im Saale des „Hotel Viktoria“ veranstaltet Die Versammlung war von über 500 Juden aller Stände besucht. Unter anderen war auch die Anwesenheit unseres geschätzten Gesinnungsgenossen Rabbiner G.Schm elkes zu bemerken.Nach Eröffnung der Versammlung durch Gesinnungsgenossen Postoberkontrollor Auerbach hielt Gg. Doktor Michael Ringel, Mitglied des galiz. - zion. Zentralkomitees eine einstündige Rede, in welcher er Herzls Leben und Wirken und seine Bedeutung für das jüdische Volk würdigte. Die Rede wurde mit grossem Beifall aufgenommen. Für den Herzlwald wurden über 35 Bäume gesammelt Liste der Überläufer. Vom 29. Juli bis 5. August 1908. Ly di a Hochwald, 1S93,- Triest, ledig, Lehrmädchen, XIX., Heiligenstädterstr. 9. Lotti geb. Politzer, verw. Löwy, 1875, Wien, XVI., Abelegasse 7. Josef Paunzen, 1878, Wien, ledig, Sehlossergehilfe, III., Löwenherzgasse 13. Anna Neuhaus, 1881, Kagran, ledig, Privat, II., Sterneckplatz 13. Georg Fischl, 1880, Wien, ledig, Friseurgehilfe, XV., Rosinagasse 9 Karl Pollitzer, 1875, Wien, ledig, VI., Garbergasse 10. Regina Hudes, 1894, Gebäranstalt, Wien. Hermann Rycker, 1893, Gebäranstalt, Wien. Adolf Bild, 1894, Gabäranstalt Wien. . . : Hermann Baumann,. 1894, Gebäranstalt. Wien. Abraham Aster, 1894, Gebäranstalt,-Wien. Miua Milion, 1893, Wien. Martha Steuer, 1894, Wien. Max Baut, 1893, Wien. , Die acht zuletzt Genannten (Hudes bis iirkl. Bant) sind römisch-katholisch geworden. Die meisten von ihnen sind in der Wiener Gebäranstalt zur Welt gekommen .und stehen im Alter von rnigefähr 14 Jahren. Ihr Abfall ist wohl der Missionstätigkeit eines glaubenseifrigen Priesters zuzuschreiben. Es ist uns vorläufig noch unbekannt, welche Mittel angewendet wurden, um die im unmündigen Alter stehenden Kinder zu dem vom Gesetze geforderten freiwilligen Uebertritte' zu einer anderen Religionsgemeinschaft zu bewegen. Auffällig ist es, dass die Wiener Kultusg-enieüide, die doch von der Existenz jüdischer Kinder in der Gebäranstalt wissen sollte, sich um diese so wenig gekümmert hat. Etwa darum, weil sie unehelich sind! Wenn sie aber später zu wütenden Judenhassern heranwachsen werden, da wird das'Jammern zu spät sein. War werden uns aber bemühen, von den näheren Begleitumständen dieser Massenbekehrung Kenntnis zu erlangen. Wie wir erfahren, haben bereit* massgebende jüdische Institutionen Schritte unternommen, um diesen Fall aufzuklären.' Die „Jüdische Zeitung“ liegt in folgenden Kaffeehäusern, Hotels und Restaurants auf: Agram: Grand Cafe Banjaluka (Bosnien): Hotel Bosna. Bielbz: Cvö de l’Earopa. Cafe Kaiserhof. Borszczow: Ruthenisches Kasino. Buazacz: Restaurant Andermann. Budapest: Cafe Corvin, Andrassystrasse 11. Brünn: Cafe Royal. Czernowitz: Lsmberger Milchhalle, Baar’s Cafe Hotel Central. Cafe Oehlgiesser, Friedmannsehe Milchballe Cafe Paris (A. SchapiraV. Czortkow: Hotel Rudolf. Dorna-Watra: Hotel Bronstein. Friedek: Cafe Habsburg. Graz: Cafe Thonethof Horodenka: Hotel Moses Dicker, Ringplatz. Hruschau: Hotel David Kulka. Husiatyn Kaufmännisches Kasino, iasto: Cafe des Hotel Cracovic. Kalusz: Jüdisches Kasino. Kassa: Restaurant Spielberger, F. Deakgasse 29'. Kattowitz: Cafe Metropol, Cafe Central, Cafe Kaiser, Cafe Lustig. . Kolin: Cafe-Polaöek.

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