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Jüdische Zeitung · 1908-07-03 · 27 (3.7.1908) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 27 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Grenz der westösterreicht.scheii Distrikte -iiivgesetzten Ausschüsse elnberufen wurde. Ersehenen waren -M Delegierte. Aus Böhmen kamen die Herren: Ernst Bechert (Teplitz-Schönau, Verein „Zion“), Julius L ö w y (Prag, Breie zion'st. Vereinigung), Dr. Eml Marguhies (Trautenau, Jiid. Volks vereine Filsen und Trautenau), Doktor Ludwig Stn ge r (KoPii, .tZion“) und 'Ludwig Steiner (Teplitz-Schönau, „Zion"). Der innieröste-rreichiscbe Distrikt war vertreten durch die •Herren: Adolf Böhm (Wien, Zentralverein), Dr. Martin Engländer (Wien, „Unitas“), Franz Fischer (Wien, „Kaöimah“), Heinrich Lederer (W»en, Zentralverein),, Dr. Isidor Margulies (Wien, Zentralverein). Michel Schindler (Wien, „Kadlmah“), Albert Schönhof (Wien, „Ivrfa“), Leopold Sitzmann (Wllen, Zentralverein), Emil Stein (Wien, Zentralverem), Moses Stöckel (Wten, „Bar-Kochba“), Ing. Robert Stricker (Wii-an, Zentralverein), Moses W a 1 dn: a n u (Wien, „Bar-Kochba“), Otto W e c h s - berg (Wien, -„Ivnia“), Dr. Egon Zweig (Wien, Zentralverein). Aus Mähren und Schlesien fanden siah -eiiii die Herren: Viktor Altar (Prossnitz, „Giskälah", F-r. Berta Alt (Eywanovitz. „Ruth“), Dr. Julius Beer (Brünn, „Zion“ 0-lnnitz), Dr. Fritz Eck s t ei n (Troppau, „Jeschurun“), Gustav F i n z i (Troppau, Referent), Erwin G a 1 - 1 u s (Troppau, „Jeschurun“). Leo G r ii n (Fraudcnthal, „Zion“), Josef Grünberger (Olmiitz, Adalbert H o i m a n n (Brünn, „Veritas“), Viktor K o fi n (Gödiug, „Gamalah“), Leo Krieger (Mührisch-Ostrau, Mädchenvereöu „Judith“), Dr. Robert L i c h t w i t z (Troppau, M.-S. D. K-), Rudolf ‘Lin du er (Teschen, „Ruth“), Fri-sdniah Löw (Prossnitz, „Zion"), Isidor Müller (Teschen, Arbeiterverein), Max Ornstein (lglau, „Theodor Herzl“). Max Schwarz (Troppau, „Jeschurun“), Erwin Smetana (Ung.- Hradisch, „Acimvah“), Cornelius Strach (Brünn,• „Thecdor Herzl“), Dr. Arnold Weimer (Brünn, M.-S. D. K-),'Dr. Siegmund Werner (lglau, „Theodor Herzl“). Friedrich Ziiier (Bklitz, „Haschaohar“), Ing. Wilhelm Z w e i g (Kojetein, Scheieeigruppe). ■'Ausserdem ■ hatte <£e Judengemeiiide Pohrlitz einen offiziellen Vertreter, Herrn Moritz M. Schnabl entsandt, der als Gast an. den Verhandlungen teilnabm. Der Jüdische Klub war durch die Herren Abg. Dr. Gabel und Abg. Dr. Mahler vertreten. I. Verhandlungstag.!m Namen des vorbereitenden Ausschusses eröffnet Herr Adolf © ö.hm um 2 Uhr den Parteitag und verliest die dngelaufenen Depeschen und Begrüssungsschretbeii: werden, was übrigens bet den christlichen Schiileru nicht der Fall ist. Natürlich überschreitet aber die Zahl der glänzend bestandenen Prüfungen immer noch vielfach die. obligate Yierzaul, und nun werden seitens ider Eltern der Schüler alte Hebel in Bewegung gesetzt, um d.e heissorsehnte Aufnahme Ides Sohnes h'erbeizuiü-hren. Protektion, Geld oder nicht selten beides zusammen sind hier von sehr entscheidender .Wirkung. Die 'Eltern iiberbi-eten sich gegenseitig und sehr oft steigt die Besteohungssumme (an Lehrer oder sonstige 'Schulbeamte H) bis auf 1000 Rubel, also über 2000 Mark. Für den Westeuropäer sind solche Dünge kaum fassbar, aber man kann sich ungefähr vorstellen, wie depravieretld und demoralisierend diese Vorgänge auf dfe Seelen der (Kinder winken. Umsomehr, als man natürlich keim Geheimnis daraus zu machen 'imstande ist — und nicht selten wiederholt steh der Fall, jenes kleinen J.udenknaban, der, nachdem er nach eSner glänzend bestandenen Prüfung abgewiesen wurde, in tiefster Verzweiflung seinem Vater zurief: „Papa, Papa, warum hast dukein Geld?“ . . . Auch von der Achtung, die 'der Schüler später von solchen bestochenen Lehrern -und Direktoren haben, kann man sich einen -Begrübt machen. -Aus 'dieser anormalen Lage verstehen Geschäftsleute ihren Nutzen zu ziehen, und so entstanden in der letzten Zeit Sn -Warschau zwei „PrivatgymnaSien mit Rechten“ (d. h. mit dem Recht der Verleihung der Rrünmgszeugrrisse) wo die Zahl der Juden an keine Norm gebunden ist. Nun 'ist aber in diesen der Preis so hochgeschraubt (150 'bis 180 -Rubel pro Jahr), dass auch diese Sdhulen nur iür die Berriittelten in Betracht kommen.- Und dte polnischen Schulen? Ja, es gibt nämlich polnische. Nationalschulen mit Gymnasialprogramm — das einzige 'bisherige Resultat der Professor Warburg depeschiert: Herzliche Griisse und Wünsche sendet den österreichisch.'»» Zionisten das Palästinaressort. Möge der Zusammenschluss gelingen und für Palästina rache Früchte zeitigen. Herr Dr. Bodenheimer schreibt: An den Parteitag der westösterreichischen Zionisten B r ii n n. Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! Zu meinem Bedauern bin ich nicht in der Lage, Ihrer freundl'chen Einladung Folge zu l&.ste.i und erlaub-; mir, auf diesem Wiege, Ihren Beratungen guten Erfolg zu wünschen. Es hätte rrir um so mehr Freude gemacht^ in Ihrer Mitte zu westen, da ich rriCb durch rr-ebne jüngste Reise nach Lemberg und meine Aussprache mit unserem Vertreter tiir Cester-re: ch, Herrn Dr. Zweig überzeugt habe, welcher vorzügliche Geist unsere österreichischen Gesinnungsgenossen beseelt und wfe eifnlg 's£e für unsere heilige Sache arbeiten. Ich glaube daher zuversichtlich, dass Ihr Parteitag die hohe Bedeutung des Jüdischen Nationalfonds iür den zionistischen Endzweck zu würdigen verstehen und geeignete Beschlüsse zwecks Vermehrung unseres Volks- Vermögens fassen wird. Wir müssen zu unserem grössten Bedauern sagen, dass die Bedeutung des Nat'onalfoiJJs, trotz seiner Popularität, in weiten Kreisen noch - lange nicht genügend anerkannt -ist. Wenn man bedenkt, dass heute noch nicht einmal 1 Prozent der Juden sich an den Sammlungen iür den Nationalfonds beteiligt, und1 er trotzdem ca. 2 Millionen Kronen besitzt, so sieht man, welch gewaltige EntwickhmgsniögVch'ke'lte-n in dem Natiouationds stecken, d-'l-; bei genügetfi.'ier Propaganda erreicht werden müssten. Wenn man weiter bedenkt, dass unser Fonds, sobald er die erforderliche Höhe erreicht hat, nach und nach den Boden Palästinas in den Gesamtbesitz des jüdischen Volkes bringen und damit zugleich ein neues soziales Prinzip für die -ganze Menschheit der Verwirklichung 'näher rücken wlrld, so muss das Gefühl stolzen Selbstbewusstseins jeden Juden erfüllen, d!er an diesem Werke mitarbeitet. Dessen 'bitte 'ich Sie, sich auch zu erinnern, wenn Sie in festlicher Sturide von Ihrer polnischen Autonomiebewegung — aber dort ist die Zahl der jüdischen Schüler zwar prinzipiell eine unbeschränkte, doch faktisch eine ganz minimale. Die „echt-polnischen“ Schüler haben nämlich Mittel und Wege gefunden, ihren jüdischen Kameraden jede Lust zum Zusammensein mit ihnen radikal zu verderben. Der eitmgeAusweg aus dieser fatalen Lage wäre ein jüdisches Gymnasium — es gibt bereits wenige in Russland — aber das ist noch Zukunftsmusik, und die Gegenwart ist umso trauriger, als -man hier die Schmach der herrschenden Zustände -beinahe -nicht mehr (empfindet! Wandernde Bücher. Dieser Tage kamen in Warschau Bücher i-m Gewichte von 300 Pud (90 Zentner) aus Jerusalem an. Die Bücher, die -in vierzehn Kisten verpackt waren, wurden auf spezielle Anordnung .'ihres Besitzers, des in Jerusalem verstorbenen ehemaligen Rabbiners von Otwock (Russisch-Polen) nach Warschau zurückgesandt. Die jüdischen Zeitungen wenden .'diesem eigenartigen Büchertransport grosse Aufmerksamkeit zu, -da es seltsam berührt, dass angesichts der vielen Bemühungen, in Jerusalem eine zentrale! jüdische -Btbliothek zu -schaffen, >eSn dort lebender Rabbiner seSne reichhaltiigje Bibliothek aus -Palästina wegbri-ngen lässt. -Bekanntlich arbeitet Dr. Ghasanowfcz in 'Bialystck seit zehn Jahren unermüdEch an dem Plane, -in Jerusalem eine 'Art ‘Nationalbibliothek des jüdischen -Volkes zu schaffen. Er hat für di-esen Zweck die Unterstützung -einiger 'grosser jüdischer Institutionen, u. a. der Logen sowie auch ktes 'Zionistenkongresses, gewonnen und sammelt nfit Bieneneifer auch die kleinsten Büdherspenden aus aller Welt für seine Jerusalemer jüdische -Bibliothek. Und da wandiern tausende jücEsche.r Schriften aus Jerusalem zurück nach Russland. Habcnt stia fata . libelli! organisatorischen und agitatorischen Tätigkeit Erholung suchen. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruss iiir das Direktorium des Jiid. Nationalfonds: Dr. Bodenheimer. Ausserdem waren Begriissuitgen eingelaufon vom Zionistischen Zentralbureau Berlin, der Ortsgruppe Kcttowtitz. den Vereinen Theodor Herzl (lglau), Ruth (Teschen). Abg. Stand, Dr. Kuh (Prag), Karl Rfezek (Prag). Schreiber, Vizepräses des gabzischen Z. K. etc. Del. Böhm berichtet sodann über die Tätigkeit 'dies auf der Briinner Konferenz gewählten vorbereitenden Ausschusses. Dieser hatte die Aufgabe. ein Statut für einen im Einvernehmen der drei westösterreichischen. Distrikte zu schonenden Verband derselben auszuarbe’iten. Diese Auigabe ist in der Hauptsache gelungen; nur in einigen wenigen. Punkten konnte bisher zwischen den Dist-riktsvertrehingen noch keine ‘Einigung erzielt werden. Den Beratungen des Parteitages sei es Vorbehalten, diese -noch schwebenden Differenzen, über welche die bereits bestellten Referenten steh ausführlicher äussern werden, zu beseitigen. Redner schlägt hierauf namens des Ausschusses für das Bureau vor: zum Präsidenten Bechert (Teplitz), zu Vizepräsidenten: Dr. Werner (lglau) -und Dr. Engländer (Wien), zu Schriftführern : die Gg. Gallus. Altar. S c h ö n h o f. Dieser Vorschlag Wrrd per acclamationem akzeptiert; Mi den Legit-imaticnsausschuss werden gewählt: die Gg. Dr. Eckstein, S i t z ni a n n und W i d m a n n. Organisationsdebatte. Del. Gustav Finzi (Troppau) und Dr. Emil Margulies referieren nun rn wiederholten Darlegungen über die Organisation. Gg. F i n z t erklärt, auf Grund der vorliegenden Beschlüsse der D.-T. konnte i-m vorbereitenden Ausschüsse eine Errr.gu-ng über iolgenda Punkte konstatiert werden: Die zionistischen Distrikts-Organisationen West-Oesterreichs bilden den westösterreichischen Distrikts-Verband. Dem Verbände gehören die Distrikte: Innerösterreich, Böhmen, Mähren-Schlesien mit ihren Mitgliedern an. Die Distrukts-Oilganisationon behalten die ihnen als Distrikten der zionistischen Landesorganisation zustehende Autonomie, soweit sie sich derselben nicht ausdrücklich begeben. Eine Aenderung dqs Verbunds-Statuts, welche eine Einschränkung der Autonomie der Distrikts-Organisation involviert, setzt die Zustimmung aller drei Distrikte voraus. Die Verbandsorgane sind: Der Zionistentag. Das Zentralkomitee. Das Zentralbureau. Der westösterreichische Zionistentag ist die oberste Behörde des Verbandes. Er wählt das Zentralkomitee. Das Zentralkomitee besteht aus 9 Mitgliedern, denen je 3 jedem Distrikte entnommen werden. Die gescbäitsiührenden Leiter der Distrikte, bezw. deren Stellvertreter haben Sitz und Stimme im Z.-K. Die Aufbringung der Kosten für die Verbandsinstitutionen geschieht durch Beiträge der 3 Distrikte. Eine direkte Heranziehung der Distriktsmitglieder zur-Deckung der Kostendurch den Verband ist nicht statthaft. Fragen der inneren Landespolitik sind von der Tätigkeit des Z.-K. ausgeschlossen. Del. Finzi bemerkt hiezu, dass der Ausschuss bis an tdfe Grenze des Möglichen gegangen sei und keine weiteren Konzessionen machen könne. Dr. Emil M a r g u 1 i e s sagt, der richtige Weg wäre der gewesen, dass der Ausschuss auf Grund der Beschlüsse der Distrilktstage den Verband bereits konstituiert hätte, so dass die jetzige Versammlung bereits wirklich einen Verbandstag darstellen würde. Der böhmische D.-T. war zwar iür 'die Einigung, wollte jedoch Garantien dafür haben, dass die Verbandsorgane nicht in einer Weise tätig werden können, welche den beson-

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