Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1908-06-04 · 23 (4.6.1908) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
23 (4.6.1908)
Date
1908-06-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2438141-2438167-2438189--0576-2440101
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

- Seite 6 Nr. 23 JÜDISCHE ZEITUNG Lehrerseminar, vierstufig (an die Lämeischule angegliedert) ... 46 Zöglingen Abendschule für Handwerker (vom Lehrerseminar geleitet). Talmud Thora der Sephardin (Subvention von Frcs. 4000). Mädchenheim, Waisenhaus ... 11 » »Bezalel“ Kunstgewerbeschule (Sub- , vention Mk. 3000). Ausserdem unterstützt: Jüdische Nationalbibliothek mit Frcs. 2000. In Jaffa: 2 Kindergärten mit. 226 „ Knabenschule, siebenklassig, ■ drei Klassen eröffnet mit ..... 70 » Hebräisches Gymnasium (Subvention Mk. 1560). In Hebron: Talmud Thoraschule (Beitrag Frcs. 1200) mit.76 In Säfed: Kindergarten mit.97 „ In Haifa: Kindergarten mit ..50 „ In Beirut: Kindergarten mit.74 „ In Rechobot: Kolonieschule. In Vorbereitung befindet sich: Ein Kindeigarten in Hebron. Ein Kindergarten in Tiberias. Eine technische Hochschule in Jerusalem. Abgesehen davon, dass in allen Schulen auch im Gartenbau unterrichtet wird, und die Zöglinge des Seminars theoretischen und praktischen Unterricht in der Landwirtschaft erhalten (letzteren in Petach Tikwah) hat der Hilfsverein in der Nähe dieser Kolonie die Dr. Salvendi-Muster farm angelegt Ueber diese sagt der Bericht, dass sie von grosser Bedeutung für die Gestaltung des lan d wirts cb aftlichen Unterrichtswesens sein wird. »Zurzeit ist der Betrieb der Landkultur und landwirtschaftlichen Industrien für Palästina noch das Fundament des gesamten wirtschaftlichen Lebens. Ergibt der Verlauf der Bewirtschaftung eines grossen Gutes in Pacht ein befriedigendes finanzielles Resultat und erweist sich damit landwirtschaftlicher Grossbetrieb in Palästina als produktiv, so wird Kapital in landwirtschaftlichen Unternehmungen in Palästina angelegt werden und eine Belebung der palästinensischen Landwirtschaft auf geschäftlicher Baris ' — der einzigen tragfähigen Basis, die es in der Volkswirtschaft gibt — wird die Folge sein. Durch die Salvendifarm wird auch die Heranbildung von Kolonisten ermöglicht Es sollen auf der Farm gegen den ortsüblichen Tagelohn jüdische Arbeiter ringestellt werden, die sich so als Landarbeiter praktische Kenntnisse erwerben, die sie später als kleine Kolonistsn und Kleinpächter verwerten können. Damit wird eine Generation heranwachsen, die mit der palästinensischen Landwirtschaft auf das innigste vertraut, ihr Brot in den Kolonien wird finden können. Auch für das Schulwerk des Hilfsvereines hat die Farm eine erhebliche Bedeutung. Auf der Farm werden unsere Seminaristen ihre Ferien verleben und zugleich praktische landwirtschaftliche Unterr'cbtskurse -erhalten.“ Während der Hilfsverein in ausgezeichneter Weise den praktischen Bedürfnissen entsprechend die Erziehung der jüdischen Bevölkerung im Orient darauf einrichtet, sie mit Liehe zur Heimat zu erfüllen und ihnen das Fortkommen im Lande selbst zu erleichtern, während er das Erlernen europäischer Sprachen nur dem praktischen Bedarf anpasst und die Kinder nicht als Europäer erzieht, verwendet die Alliance ihre Ackerbau- und andere Schulen dazu, um orientalische Juden für Europa und Amerika auszubilden 1 Im Jahresbericht der Alliance wird bezüglich der Ackerbauschule Mikweh Israel bei Jaffa mitgeteilt: »Von den Absolventen gingen 6 nach Ganada, 2 nach Paris, 4 nach Aegypten, 4 zu ihren Familien nach E u r op a, 2 mohammedanische Schüler nach der Türkei und neun sind als Söhne von Kolonisten zu ihren Familien zOrückgekehrL Die Alliance hat den Export ihrer Zöglinge nach Canada besonders unterstützt und der Bericht sagt von den dahin Ausgewanderten: »Sie schreiben ihren zurückgebliebenen Mitschülern ermutigende Briefe und fordern sie lebhaft auf, zu ihnen zu kommen.“ Der Direktor suchte die Unterstützung der Alliance an, um weitere zehn der kräftigsten, ausgesuchten Absolventen nach Amerika schicken zu können, welche auch gewährt wird! Mikweh Israel ist von Netter gegründet worden, um die Kolonisation Palästinas durch Juden zu fördern. Liest man, wie dieses so wertvolle Institut seit nahezu 40 Jahren dazu missbraucht wird, um in Palästina Juden für die Landwirtschaft Canadas und Aegyptens auszubilden, so ist es schwer, ruhig zu bleiben. Weder die Entwicklung der jüdischen Wirtschaft in Palästina, noch der neue Geist, der in der Judenschaft der ganzen Welt erwacht ist, der andere ursprünglich assimilatorische Organisationen wie den Hilfsverein, völlig umgewandelt hat, konnten an der unjüdischen Praxis der Alliance und ihrer aus Paris in alle Welt entsendeten Beamten etwas ändern. Erst kürzlich hat sie von einer ihr sehr nahestehenden und von ihr hochgeschätzten Seite ein sehr abfälliges Urteil hören müssen: Baron Edmund von Rothschild, der so ungeheuer viel für Palästina getan hat, bewilligte der hebräischen Landwirtschaftsschule Kiriath Sefer eine Subvention, indem er mit deutlichem Hinweis auf Mikweh Israel sagte: I c h brauche keine französischen Schulen, sondern jüdische! Ein Wort, das jeder gute Jude unterschreiben kann! Freilich wird dieser Ausspruch Rothschilds die Leiter der Alliance nicht ändern. Erst bis die alten Herren von jüngeren Kräften abgelöst sein werden, wird sich die Alliance vielleicht bezüglich des Erziehungswerkes im Orient auf jenen einzig richtigen Standpunkt stellen, der im Bericht des Hilfsvereines mit den Worten ausgedrückt ist: „Die junge Generation soll heimisch werdenin ihrem Geburtslande; sie soll anderseits auchbefähigt sein, bei der Erschliessung Asiens, di eal seines der grossen w e 11 w i rt s c h aftl ich en Entwicklungsmomente der Zukunft sich bereits vorbereitet, zu ihrem Teil mitzuwirken.“ * * * Fortschritte im Orangenbau. Der Direktor der Ackerbauschule »Mikweh Israel“ bei Jaffa berichtet an die A. I. U. über die Fortschritte der Orangenkultur in den jüdischen Kolonien (namentlich Petach Tikwah) im Jahre 1907 folgendes: Die Kooperativgesellschaft »Pardess“, der wir angehören und die von der Mehrzahl der jüdischen Gutsbesitzer zur Verpackung, zum Versand und Verkauf von Orangen begründet worden ist, hat durch den Umfang ihrer Geschäfte, ihre mächtige Organisation und das Geschick ihres Vorstandes einen: bedeutenden Aufschwung genommen. Der »Pardess“ hat heuer ein grosses Magazin gebaut, das 10.000 Kisten Orangen fassen kann. Ausserdem hat er die Agentur einer Schifffahrtseesellschaft übernommen, die ihm ermöglicht, seine Früchte zu guten Bedingungen zu versenden. Die Orangenkultur hat sich Jaffa in bemerkenswertem Umfang entwickelt. Augenblicklich besitzen die jüdischen Grundbesitzer 350 Hektar mit Orangenbäumen bebautes Land, die jährlich 60.000 Esten Orangen produzieren, bei einer Gesamtproduktion des Landes von 600.000 Esten. Wenn alle den Juden gehörigen Orangengärten in vollem Betrieb sein werden, ist ein jährliches Ergebnis von 200.000 Esten zu erneuern. Dieses gute Gedeihen ist der Intelligenz der Ansiedler zu verdanken, die sich die Fortschritte der Agrikultur nutzbar zu machen verstanden und die entsprechenden Opfer nicht gescheut haben. Sie haben das Bewässerungssystem verbessert, behandeln die Eankheiten der Bäume aufs sorgfältigste und verschaffen sich unter grossen Kosten das zur Bewässerung erforderliche Wasser durch rationelle Grabungen und durch Einführung von Filtern, die das Versanden der Brunnen verhindern. * * * Die Fortsetzung des Baues der Bagdadbahn. Aus Konstantinopel kommt eine erfreuliche Kunde: Der Weiterbau der Bagdadbahn soll endlich gesichert sein. Die 840 Kilometer bis zur Station Elif-Mardina sollen in 6 bis 7 Jahren fertiggestellt werden. Für Palästina hätte die Fortsetzung des Baues ein ganz ungeheures Interesse. Denn das erste Stück, das im Laufe der nächsten zwei Jahre fertiggestellt sein würde, jenes von Eregli nach Aleppo, würde die kleinasiatischen Bahnen mit den palästinensischen verbinden, so dass man von Konstantinope.l nach Damaskus, Beirut, Haiffa usw. durchaus per Bahn fahren könnte. Handel und Verkehr Palästinas würden einen noch bedeutenderen Aufschwung nehmen als dies in den letzten Jahren der Fall war. Für den jüdischen Unternehmungsgeist würde sich ein grosses Feld von nicht abzuschätzender Ergiebigkeit eröffnen. Wir wollen hoffen, dass jene erfreuliche Nachricht sich bewahrheitet. Jerusalentitisches Sprächenbabel. Die drei Kindergärten des Deutschen Hilfsvereines zu Jerusalem wurden im Jahre 1907 von 305 Endem besucht. Davon waren: Haussprache Sephardim 120 39‘9% Spanioliscb Aschkenarim 116 380°/0 Jüdisch aus Yemen 17 5-6% Arabisch » Bochara 16 “ 5-2Y. Bocharisch » Persien 16 5-2*/. Persisch „ Grusinien 9 3-0% Grusinisch , Bagdad und Aleppo 4 1-3% Arabisch » Marokko 3 m. » Marokko dialekt , Bulgarien 3 l'0°/o Bulgarisch Mohammedaner 1 0‘3Y. Arabisch Diesem Uebel helfen die Kindergärten dadurch ab, dass die Zöglinge dort Hebräisch als gemeinsame und einzige Sprache erlernen und sprechen. Aufruf! Gesinnungsgenossen! Am 19. Juli (20. Tamus) jährt sich der Tag, an dem Theodor Herzl uns entrissen wurde. Ein Denkmal wollten wir Zionisten ihm setzen, ein lebendes Denkmal, das die Jahrhunderte überdauert. Einen Wald von mindestens 10.000 Bäumen, einen Oelbaumwald im Lande unserer Zukunft wollten wir seinem Gedächtnisse weihen. Aber mit Beschämung müssen wir berichten: Noch haben wir die Mindestzahl von Bäumen nicht erreicht. Und das bei 50.000 bis 60.000 organisierten Zionisten. Wenn jede zionistische Familie nur einen Baum zu Ehren Theodor Herzls pflanzen liesse, wäre die Mindestzahl erreicht. Aber wir wollen etwas wirklich Grosses, Segenbringendes schaffen, wir dürfen uns nicht auf 10.000 Bäume beschränken. Der Ertrag ist ja kulturellen Institutionen des Landes zugedacht, er soll uns später einmal die Möglichkeit geben, unser Schulsystem in Palästina auszubauen. Das für den Herzlwald in Aussicht genommene Terrain fasst 20.000 Bäume. Die vierte Jahrzeit nach unserem grossen Führer sei Anlass für jeden von uns, einen Baum zu spenden. Die Jahrzeit fallt in die Trauerwochen unseres Volkes, die uns nach altem Brauche Entsagung auferlegen. Die Ersparnis sei dem Herzlwalde geweiht. Die Ortsgruppen mögen schon jetzt mit den Sammlungen beginnen, damit diese am Jahrzeitstage beendet seien und zusammen ausgewiesen werden können. Der Vorsitzende des Vereines »Oelbaumspende“ (Eingetragener Verein) gez. 0. Warburg. Spenden nehmen alle Sammelstellen des J.N.-F. entgegen. Alle Parteiblätter werden gebeten, vorstehenden Aufruf in den nächsten Wochen abzudrucken. * * * Palestine Land Development Company-Aktien auf Raten. Warum haben die Kolanisationsversuche Rothschilds teilweise so traurige Enttäuschungen gebracht? Erstens, weil man geglaubt hatte, bislang als Handwerker oder Krämer 'beschäftigte Juden plötzlich zu selbständigen Ackerbauern umwandeln zu können, bevor sie sich nooh diesem neuen Leben angepasst und die notwendigen Erfahrungen gesammelt hatten; zweitens, weil die Kolonisten einen reichen Wohltäter hinter sich wussten und an dem Ertrage ihrer Arbeit nicht beteiligt waren, weshalb Eifer und Tatkraft bei ihnen nicht geweckt wurden. Die Palestine Land" Development Company (Aktiengesellschaft auf 50.000 Aktien zu 1 Pfund Sterling 25 K) wird dagegen folgendes System einschlagen: Der Arbeiter wird erst nach drei- bis vierjähriger Lehrzeit, während welcher er aber nebst seinem ausreichenden Lohne auch durch Gewinnbeteiligung am Unternehmen interessiert war, als selbständiger Pächter angesiedelt. Bewährt er sich als solcher, so wird ihm die billige Möglichkeit geboten, durch kleine Amortisationsraten das Grundstück und ein Haus als dauerndes Eigentum zu erwerben. Die Gesellschaft, die so

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.