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Jüdische Zeitung · 1908-02-14 · 7 (14.2.1908) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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Sette 8 JÜDISCHE ZEITHKG Nr. 7 Wen. Der jüdische Nationalverein veranstaltete Donnerstag den 30. v. M., im XIIL Bez., Cafö Groppel, eine öffentliche Versammlung, in der Herr Dr. Paul Weisengrän einen ebenso interessanten wie instruktiven Vortrag über die Ziele einer modernen, jüdischen Volkspolitik hielt. Redner widerlegte die von den politischen Gegnern erhobenen Vorwürfe wegen angeblichen Chauvinismus und Klerikalismus und wies nach, dass die jüdiscbnationale Politik eine gut österreichisch-demokratiBct! e und radikal-sozialreformatoriscbe sei. Herr Dr. H. Kadisch führte in Ergänzung des Referates aus, dass gerade jene Elemente unter den Juden, welche am entschiedensten an der nationalen Eigenart des jädischen Volkes festbalten, die wirklich Modernen sind und auch das meiste Verständnis für die Existenzbedingungen Oesterreichs und die nationalen Bedürfnisse der anderen Völker Gesaxntösterreicbs haben. In diesem Rinne sind es gerade die JüdiBchnationalen, welche die Brücke schlagen zwischen den Juden und den Modernen der übrigen Völker. Nachdem noch einige Redner gesprochen und mehrere Anwesende ihren Beitritt zum Nationalverein angemeldet hatten, wurde die Versammlung geschlossen. Wien. Der Sitz der jüdisch-akademischen FerialVerbindung „Zephyra“, Wien, ist ab I. Februar 1908, IX., Servitengasse Nr. 10 Wien. (Ein jüdischer Hochscbülerinnenverein.) Sonntag, den 9. Februar versammelten sichjüdische Hochschülerinnen, und beschlossen eine Vereinigung „Haschechor“ zu gründen. Die Statuten werden demnächst der Statthalterei überreicht werden. Wen. (Kaiser Franz Josefs-Ferienheim.) Die Anmeldungen für die diesjährigen Rekonvaleszenten-, Herzkranken-, Skrophulosen- und Erholungskolonien des Kaiser Franz Josefs-Ferienheim“, werden vom 15. d. M. ab, an den Tagen Mittwoch, Donnerstag und Freitag in der Zeit von 4 biR 6 Ubr nachmittags im Vereinsbureau, IX., Türkenstrasse 17, entgegengenommen. Hierzu haben sich die Angehörigen des betreffenden Kindes (Vater, Mutter, Vormund oder Pflegeeltern) mit dem Kinde im Vereinsbureau einzufinden. Mitnahme eines Mittellosigkeitszeugnisses erwünscht. Es wird schon jetzt darauf aufmerksam gemacht, dass nach Abschluss der Anmeldungen, welcher anfangs April erfolgt, einlaufende Gesuche keine Berücksichtigung mehr finden können. Orobobycz. (Ei npo ale-zionistischer Mädchen verein.) Es ist uns endlich gelungen, hier einen poale-zionistiscben Mädchenverein — trotz einer regen, aber völlig resultatlosen Gegenagitation der hiesigen P. P. S. polnisch-sozialdemokratischen Partei — zu gründen. In zwei glänzenden Referaten beleuchtete Gen. Rosa Mayer aus Lemberg das Programm der Poale-Zion und wies auf die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der jüdischen Arbeiterinnen, die in Galizien unter den elendsten materiellen und geistigen Verhältnissen ihr Dasein fristen, hin. Dem Vereine sind bereits 70 Arbeiterinnen beigetreten, die einen 'provisorischen Ausschuss, ein Agitationskomitee und ein Bildungskomitee gewählt haben. Die Gewählten entfalten eine rege Agitation unter dem jüdischen weiblichen Proletariat. Sadagöra. Bei der am 1. Februar im Vereine „Hadas&a* stattgefundenen 4. ordentlichen Generalversammlung wurden folgende Damen in den Ausschuss gewäblt: Fri. Esther Schwarz, Präsidentin, FrauMarieBro ibar, Vizepräsidentin, Frl. Sarah Retter, Schriftführerin, Fil. Fritze Schnitzer, Kassierin, Frl. Lotti Lunenfeld, Bibliothekarin, Frl. Eabinowicz und Frl. Neubauer, Zeitungsverweserinnen, Frau Körner, Frl. Schreckeoberg, Frl. Taubes, Frl. Prommer und Frl. Rosenblatt ohne Funktion. Ferner wurden Fri. Wurmbrand, Frl. Liquornik, Frl. Picker und FrL Rotleder gewählt; als Revisorinnen Fri. Honore Hirsch und Fri. Gusta Goldstein. Gleichzeitig wurde unsere scheidende Vizepräsidentin Frl. Leah Rosen blatt zum Ehrenmitglied ernannt, aus weichem Ao lasse sie der Vereinsbibliothek. K 6.— und für den Nationalfonds K 1.— spendete. Sniatyn. Sonntag den 26. Jänner fand auf Anregung des Kultusrates eine Versammlung im Obus-Beth-Hamidrasch statt, in welcher Herr J. Weber, Prediger aus Kolomea, in einer ausführlichen Rede das Programm des „Hilfsvereins für galizische Juden“ entwickelte. Nach Beendigung der Rede traten dem Vereine viele Mitglieder bei. Brfix. Der Zyklus der wissenschaftlichen Vorträge, deren Abhaltung der Vorstand des Jüd. V.-V. „Zion“ in Brüx jetzt beschlossen hatte, wurde mit einem Vortiage Seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Professor Doktor Bi ach in Brüx, „Das Buch der Bücher“ eröffnet Der Vorsitzende Herr Heinrich Heller begrÜ8Bte Herrn Dr. Bi ach und erteilte ihm das Wort Herr Dr. B i a c h zitterte Aussprüche* berühmter Männer über die Biebel und führte sodann den Zubörern-'die Schönheiten unserer heiligen Schrift vor Augen. Er wies an der Hand guter Uebersetzüngen auf den poetischen Gehalt unserer Tora hin. Reicher Beifall lohnte die vortrefflichen Ausführungen des Redners. Mit herzlichen Dankesworten an Herrn Doktor B i a chschloss der’ Obmann die Versammlung. In der hierauf folgenden Generalversammlung des Vereines, in welcher der Bericht der abtretenden Leitung einstimmig genehmigt wurde, wurden gewählt: Dieiierren Heinrich Heller, Obmann; Heinrich Be r m a n, Obmann Stellvertreter; Artur Kohn, Kassier; Jakob Heller, Kassierstellvertreter; Karl K o h n, Schriftführer; Otto Kohn. Schrifitührerstellvertreter; Alex. Fischer, Bibliothekar; Dr. Leopold Kohn, Moritz Ullmann, Ignaz Taussig, Salomon Lecks er und Adolf N eu mann, Vorstandsmitglieder; Adolf Engländer und Ernst He 11 er, Revisoren und Simon Neumann, Rudolf Heller, Hermann H o f m a n, Rudolf Kohn sen. und Adolf Engländer, Schiedsrichter. Als Delegierte respektive Ersatzdelegierte zum Distriktstag erscheinen die Herren Heinr. Heller und Heinrich B e r m a n respektive Dr. Leopold Kohn und Artur Kohn gewählt Troppau. Am letzten Vereinsabend, am 8. Februar, hielt Herr Adolf Kupfermann einen ausgezeichneten Vortrag über „Gegenwartsarbeit im Zionismus“. An der Hand der zehnjährigen Geschichte unserer Bewegung, entwickelte der Vortragende die jetzigen Hauptaufgaben unserer Bewegung, indem er schliesslich auf die neu zu gründende Land Development Company zu sprechen kam, deren Bedeutung der Redner einer ausführlichen Besprechung würdigte. Die sieb anschliessende Diskussion, an der sich die Herren Dr. Friedmann, Spiegel, Gallus beteiligten, wurde mit einem herzhaften Appell zur Zeichnung von Aktien geschlossen. In der sich daranschltessenden Ausschusssitzung des zio istischen Vereines „Jeschurum* in Troppau, wurde über Antrag des Obmannes Heim Karl Wetnreb beschlossen, die Herren Edmund Felix und Gustav F i n z i in Anbetracht ihrer hervorragenden Verdienste um den Verein ins Goldene Buch des Nationalfondes einzutragen. Raw. Prag. (Das Stiftungsfest des Vereines „Bar Kocüba“.) „BarKochba“, einer der ersten zionistischen Vereine Böhmens übeihaupt und der ersje Sammelpunkt der jüdischnationalen Studenten an den Prager Hochschulen, beging - Samstag abends im grossen Saale des Hotel'. „Central“ in feierlicher Weise sein 303emestriges Stiftungsfest. Eine' stattliche Anzahl -von Festgästen füllte die Arkaden und Logen des Saales, während in der Mitte an länger Kommerstafel an 200 jüdisch-nationaler Studenten sassen. Ein Trompetenstoss verkündete den Einzug der Fesigäste. Vertreten waren: die israelitische Kultusgemeinde Prag durch Herrn LJniv,-Doz. Doktor Fischl, des zionistische Distriktskomitee für Böhmen, das zionistische Rayonkomitee für Ostböbmen, der A.*H>- V e r b ä n d des Vereines jüdischer Hochschüler „Bar Kochba“, die jüdischen akad.-techn. Studenten Verbindungen : „Barissia,“ Prag; „Kadimah“, „Ivria“, Unitas“ (Wien); „Chermoniah“ (Radautz); der Verein jüdischer Hochschüler „Theodor Herzl“ (Wien); der jüdisch-akademische Klub in Karlsbad; ferner; der jüdische Fr auen verein Prag, die jüdischen Volksvereine von Igläti, Karlsbad, Kolin, Nachod, Svetla a. S., Teplitz-Schöu au und Pra g, der letztere durch seinen vollzähligen Ausschuss und endlich der jüdische Gesang-und Müsikverein Prag und der jüdische Turnverein Prag. Um 9 Uhr eröffnet» der Obmann des Vereines phil. cand. Viktor Kellner mit einer längeren Rede in hebräischer und deutscher Sprache den Kommers. Nach ihm sprach ing. cand. Friedrich Hirsch in tschechischer Sprache einen kurzen Willkömmensgruss. Hell und fröhlich klang hierauf das Gaudeamus durch den weiten Saal Nach kurzem Kolloquium bestieg A.-H. Prof. Viktor Freud zur Festrede die Tribüne. Er gab in überaus sachlicher Form eine geschichtliche Darstellung der Entwicklung des Vereines aus den kleinsten Anfängen zur heutigen Grösse. Er vergass nicht, ganz besonderes Gewicht auf den inneren Zwang der Vorkämpfer und auf das ganz selbstverständliche Bewusstsein einer nationalen Pflicht bei der Jungmannschaft zu legen. Seine Worte fanden stürmischen Beifall, der sich erst legte, als mit den Klängen des ,Bar Kochba“rBundesliedes der alte Schwur der Treue von Hunderten erneuert wurde. Jetzt erhielt A.-H. J.U.Dr. Emil Margulies Das Wort zur Tendebzrede. Lauter Jubel, minutenlanger Applaus empfiog den Redner, der es verstand, die Zuhörerzu Ovationen binzureissen. In geistreichen Worten gab er eine Entwicklung des Judentums bis zum Zionismus und betonte mit aller Energie die Zukunftsarbeit. Der Zionismus will einen modernen Judenstaat aufbauen, will neue Brücken .zwischen Ost und West schlagen und die Tragödie eines Volkes zum Abschluss bringen. Die Jugend habe den Kampf aufgenommen', sie bürge für den Sieg!“ Diese Ausführungen weckten ein stürmisches Echo in jedem Herzen. Aus den begeisternden Zurufen und dem lauten Beifall lösten sich langsam und feierlich die ernsten Töne der jüdischen Nationalhymne,’ der Hatikwoh. Nach einer kurzen Pause folgte im Programme eine musikalische Akademie. Herr A. de Grassi, erster Konzertmeister der „Ceska Filharmonie“ brachte Tschaikowakys überaus schwieriges Violinkonzert im erBten Satze zu Gehör.Fräulein Jo3ephine Leokner, eine Schülerin der Gesangsschule Gerl-Benetti, die über eine schöne Altstimme verfügt, trug von Herrn Dr. W. Z e m a n e k, erster Dirigent der , Ceska Filharmonie“ begleitet, Lieder von Brahms vor. Herr B1 änu, von Herrn Kapellmeister Gans vortrefflich begleitet, erfreute mit dem Vortrag zweier Lieder. Nach dem musikalischen Teile eröffnete A.-H. J. U. Doktor Kral im Namen des A.-H.-Verbandes den Reigen der Begrüssungen seitens der offiziellen Vertreter. Als zweiter ergriff lebhaft begrüsst, Herr J. U. Dr. Gustav Kuh im Aufträge des D,-EL für Böhmen das Wort, um die Verdienste des Vereines zu würdigen. . Nach dem Bundesliede der .Barissia“ sprach Herr Reinisch im Namen seiner Verbindung „Ivria“-Wien und der befreundeten Wiener Verbindungen. Herr M. U. Dr. Moritz Kohn, pries die Verdienste des Vereines , Bar Kochba“. Herr Dr. Werner im Namen des jüdischen Volksvereines Iglau und der anderen vertretenen Volksvereine, wies auf die Stellung der Jugend im Kampfe hin, Frau Robitschek dankte für den jüdischen Frauenverein, dem jubilierenden Vereine für seine Tätigkeit. Nachdem noch Herr Doktor Singer; Vertreter des Volksvereines „Zion“ Kolin, einige Worte in tschechischer Sprache gesprochen, kam ing. cand. Friedrich Hirsch zum Wort. Er betonte, dass „Bar Kochba“ nach wie vor der nationalen Arbeit treu bleiben werde. Hierauf schloss..phil. cand. Kellner mit kurzem Danke an die Erschienenen den offiziellen Teil des Kommerses. Unter dem Präsidium des Obmannes des A.-H.-Verbandes Dr. Berka schloss sich der offizielle Teil an, in dessen Verlaufe ing. cand. Viktor Pollak einen launigen Damentoast ausbraebte. M. U. C. Georg Fischer in vortrefflicher Weise rezitierte und jur. stud. Angelo Goldstein besonders gelungene und vielbelachte Kopien von bekannten Gg. und Gegnern der Bewegung brachte. Schliesslich .wurden auch noch die eingelauienen Begrüssungstelegrämme verlesen. Hervorzuheben ist das Schreiben des Präsidenten der zionis tisch enBew egun g Dävfd Wolffsö'hn, ' der für die -Ernennüng zum Ehrenmitglieds dankte, ferner die Schreiben und Telegramme der verschiedenen zionistischen Behörden nahezu sämtlicher zionistischer Studentenvereine Oesterreichs, Deutschlands und der Schweiz etc. aller jüdischer Volksvereine Böhmens usw. usw. Erst im Morgengrauen fand das Fest seinen Abschluss. Anlässlich des Stiftungsfestes wurden von Freunden und Mitgliedern des Vereines eine grosse. Anzahl von Oelbäumen gespendet, die den Grund zu einem Bar Kochba-H&ine im Herzlwalde in Palästina bilden sollen. Voranzeigen. Wien. (Verein „Poale Zion“.) Sam st ag den 15. d. M. findet im Vereinslokal C a f 4 Stefanie, II., Stefaniestrasse 2, die Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1* Rechenschaftsbericht. 2. Reorganisation der Mitgliedsbeiträge. 3. Ausschuss wählen.. 4. Eventualia. Am 22. und 29. d. M. hält Herr Doktor Kadisch seine Vorträge über „Streitfragen im jüdischen Proletariat*. Gäste willkommen! Wien. (Hebräischer Konversation s k 1 u b.) Samstag den 15. Februar, präzise 7 Uhr abends, fiod.ee im Caf6 Brammer (Wien, IX., Liechtensteinstrasse 1) eine Zusammenkunft der hebräisch Sprechenden statt, - bei welcher der hebräische Schriftsteller Herr A. Loubetzky einen Vor trag über „die neue hebräische Literatur“ halten wird. Gäste willkommen. Wien. Donnerstag, den 20. Februar 1908, präzise halb8Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Esehenbachgasee 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. David Feuchtwang über „Ninives Glück und Ende“ statt. Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Israelitische Kultusgemeinde W i en.) Sonntag, den 16. Februar 1908, präzise 10 Uhr vormittags öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kuliusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, H. Stock. Tagesordnung: 1. Einlauf. 2. Präsidialberichte. 3. Berichte des Vertreterkollegiums: a) Periodische Unterstützungen und Gnadengaben (Budgetüberschreitung); b) Aufnahme in die Versorgungsanstalt (Siechenabteilung); c)Koscher-Selch Warenerzeugung; d)]Aenderungen des Tax- und Gebührentarifes; e) Subventionen f) Eventualia.

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