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Jüdische Zeitung · 1908-01-24 · 4 (24.1.1908) · p. Seite 9

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Seite 9 JÜDISCHE ZEITUNG darauf geachtet werden, dass durch entsprechendes Typenmaterial solche Unzukömmlichkeiten verhütet werden, wie sie in der Probe unterlaufen sind; da der Verfasser, um seiner Genauigkeit Rechnung zu tragen, das g -ffür das doch in jedem Druckwerke ein Kompositum gibt, als s wohl. geschrieben haben mag, wofür - aber ,im Drucke g mit folgendem- Striche' erscheint. Es wäre aucb für Klischees zu sorgen, die die verschiedenen Abzeichen und Wappen, mit denen mancher. Grabstein versehen ist, veranschaulichen sollen. Solche .Kleinigkeiten“ scheinen mir bei einem Werke wie das, welches wir vom Verfasser dieser Probe mit Recht erwarten dürfen, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Dr. M. Berkowiez. In der .Oesterreichen Rundschau1 vom 15. Dezember hat' unser Gesinnungsgenosse Dr. Franz Oppenheimer einen beachtenswerten Aufsatz über den Zionismus veröffentlicht. Interessant ist es, dass die „Oesterreichische Rundschau* Artikel über den Zionismus bringt. Trotz Tötschweigepolitik der liberalen Blätter, hat sich die Erkenntnis Bahn gebrochen da8B der Zionismus eine Bewegung von eminenter Bedeutung für das Judentum darstellt und darum beachtenswei t ist. Dtts Dezemberheft der .Ukrainischen Ruedschäu“ bringt unter anderem einen Artikel aus der Feder des' Wasail Rudenskyj über „die inneren Zustände Polens im. XVII. Jahrnundert - auf Grund zeitgenössischer Dichter gen“, in welchem.sich das Gedicht eines Anonymus befindet Ein Passus dieses gegen den polnischen Adel gerichteten Gedichtes lautet: . . . und ihr, die ihr die Juden als Faktoren haltet und durch selbe die Gottesgläubigen bedrückt? Schon ist der Jude Pächter, Sekretär, Hofmann. Der Gotteslästerer Ist euch lieber als der Christ .... — Im Novemberhefte derselben Rundschau wiid von demselben Schriftsteller in einer Polemik gegen Padereweki, eine Stelle aus dem Geschichtswerke des Kostomarow zitiert, die bezeugen soll, wie. die Polen die Ruthenen unterdrückten und die Juden als Werkzeuge hiefür benützten. Die Stelle lautet: .Unsere Herren brachten.ihre armen .Untertanen dadurch zur Verzw-iflung, dass sie die Schismatiker in schwere Sklaverei verkauft habet), indem sie ihre Güter den Juden verpachteten.* Ein anderes Zitat ist, „Garum regnum Polonorum Est coelum nobiliorum, Est infernus rusticorum, Paradtsus Judaeorum“.(Das berühmte polnische Königreich ist ein Himmel •der. Adeligen, eine Hölle der Bauern, ein Paradies der Juden). Mit dem Paradiese wird es nicht weit her sein — man muss sich nur au -Chmelnicki erinnern und an die Kaniowskfs and andere. Eines geht aus diesen Berichten hervor, dass sich die .Juden in Pqlen. stets zwischen Hammer und Ambos befanden, gehasst von den Bauern, verachtet von den Herren — unser Goluslos! . . . Die „Monatszeitschrift der österreichisch-israeli isohen Union* bringt einen Bericht über die UuiverBiiätädebätte im Parlamente und erwähnt die Rede des Abgeordneten Mahler mit keinem Worte. Auf solche Weise wird sie ihrem Namen „israelitische Union“ gerecht, denn Mahler hat nur im Namen der Juden gesprochen; die Israeliten hingegen mögen bloss die Zwischenrufe Kurandas gegen die Tschechisierung Wiens, und gegen den Zionismus während der Rede .des Abgeordneten Stand auf ihr Konto setzeD. In der Dezembernummer der .Zeitschrift für Demographie und Statistik* der Juden finden wir u. a. folgende höchst lehrreiche Artikel: .Die Juden in der Amsterdamer Diamantenindustrie“ von N.-W.- Gold st ein, worin die Entwicklung der Diamantenindustrie und ihr gegenwärtiger Zustand geschildert werden. Aus dem Artikel g.ht hervor, dass die Juden das grösste Kontingent zu den bei dieser Industrie Beschäftigien stellen. Der Artikel „Die Zahl der Juden in Newyork* von Ernst Kann bietet eine übersichilicne Darstellung über das Wachstum der Jüdischen Bevölkerung in N-wyork, wo momentan über eine Million Juden leben. M. W. Kadimah-Jubiläum. I. Begrüssungsabend im „Riedhof“. Die mit allgemeiner Spannung erwartete Kadi- ■mah-Festwoche ist endlich gekommen und hat mit dem. Begrüssungsabend im „Riedhof“ ihren Anfang genommen. Ueber dreissig „Alte Herren“ der Verbindung, waren zu den Jubiläumsfestlichkeiten erschienen und zwanzig Korporation ausdee verschiedensten Städten der Monarchie und Deutschlands, als Gzernowilz, Lemberg, Prag, Brünn, Graz, Göthen usw. haben ihre Delegierten entsendet. Herr Leopold S i t z m a n n, A. H. der Kadimah, eröffnete den Abend mit einer Begrüssung, worauf Bursch Liechtenstein in längerer Rede die Stellung der Jüdischnationalen auf der Wiener Aula beleuchtete und ihre ewige Kampferstellung gegenüber den; arischen Deutschnationalen einerseits und den Liberalen „israelitischer Konfession“ andererseits klarlegte. A. H. Arnold Reieh gemachte in pietätvollen Worten jener Kadimahner, denen das Schicksal es nicht gegönnt hatte, das i fünfzigste Semester ihrer lieben Kadimah zu erleben, wie Dr. Kokesch, Sachs, G hedrower, . . . und hob die Verdienste jener Männer hervor, denen die Kadimah und die Bewegung ihre Entsehung verdankten; insbesondere gedachte er unseres seligen Führers Theodor Herzl und des unvergesslichen Perez Smolensky, hob die Verdienste des anwesenden Gründüngspräses der Kadimah, Dr. M. T. Schnierer, hervor, „seines Ideals eines Lehrers und Führers im Zionismus*. In Worten des ablehnenden Dankes erwiderte Dr. Schnierer, fünfundzwanzig Jahre seiner Ueberzeugung treu zu bleiben, sei nicht eigenes Verdienst, sondern Zwang der Natur, da man dem Zuge seines Herzens folgen müsse. In Vertretung des innerösterreicliischen D. K. richtete Dr. W ei sengrün Worte der Begrüssung an die Kadimah und sämtliche erschienenen Korporationen, worauf die verschiedenen Bundeslieder gesungen wurden. Zum Schlüsse ergriff noch A. H. und Ehrenbursch der „Kadimah“, Dr. Schalit, das Wort, um in launiger Weise auszuführeu, wie sich die „schlagende* Verbindung Kadimah entwickelte und mit welch’ unsäglichen Schwierigkeiten jene ersten Kadimahner zu kämpfen hatten, welche heute als die Schöpfer des jungen Muskeljudentum dastehen. Um 12 Uhr war der Empfangsabend zu Ende und es ging wohl jeder mit dem Bewusstsein weg, einen denkwürdigen Abend in Geschichte unserer Bewegung erlebt zu haben. Dienstag fand in den Sophiensälen der Ball statt, der einen überaus glänzenden Verlauf nahm. Einen ausführlichen Bericht bringen wir Lader nächsten Nummer. * * * Wien. (Jubiläums-Kommersder „Kadimah.“) Die akademische Verbindung „Kadimah“ ladet hiermit alle Zionisten Wiens zu ihrem am 25. Jänner, 9 Uhr abends, in den Sophiensälen stattfmdenden Jubiläums-Kommers. Soiree-Toilette. Eintritt frei. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Wien. Mit Erlass des Handelsministeriums vom 23. Dezember 1907 ist den in Oesterreich wohnhaften und nach Ungarn zuständigen Hausierern das Hausieren in Oesterreich verboten. Der demokratische Zentralverband in Wien erblickt in diesem Erlasse eine Schmälerung der menschlichen Rechte uod beruft gegen dieses uneihörte Unrecht für Freitag den 24. Jänner eine Protestversammlung im Restaurant ,zum goldenen Widder“, II. Bez^ Taborstrasse 36, ein. Es ergeht daher an alle Hausierer sowie an alle Interessenten, welche mit dem Hausierhandel in direktem oder indirektem Verkehre stehen, die hötliche Einladung, sieb an dieser Versammlung zahlreich zu beteiligen. Tagesordnung: Der Handelsvertrag und die Bedrückungder auf ÖsterreichischemBöden wohnhaften ungarischen Hausierer. Beginn 8 Uhr abends. Referent: Herr S. A. Freund. Wien. (Versammlung des zionistischen Zentralvereine s.) Montag den 27. Jänner 1908 fi det im Vereinssaale, IX. Bez., Tutkei strass« 9, eine Versammlung statt, in der Herr Adolf Böhm über die Sitzung des Grossen Aktionskomitees Bericht erstatten wird. Alle Mitglieder werden eingeladen, zu erscheinen. Separate Einladungen werden nicht versendet. Wien. (Trauerfeier für Abraham Gold fad en-) Die Trauerfeier für den verstorbenen jüdischen Dichter und Begründer der jüdischen Bühne A. Goldfaden findet am Samstag den 1. Februar 1908 im „Goldenen Widder*- (II., Taborstrasse 36) um balb 9 Uhr abends statt. Wien. Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler veranstaltet Mittwoch den. 5. Februar 1908 in den Sofiensäl en eine W o hltätigkeitsakademie mit anschliessendem Tanzkränzchen. Ihre freundliche Mitwirkung haben unter anderen in uneigennützigs>er Weise zugesagt: Herr O n d r i c e k, k. u. k. Kammervirtuose, Prl. Lia R o s e n, Mitglied des k. k. Burgtheaters, Herr Otto Tressler, k. u. k. Hofburgschauspieier und F. H. Weidem->nn k. u. k. Hof-'pemsanger. Das Reinerträgnis fliegst dem Fonds des neu gegründeten Studenten- - heimes zu; es wäre daher d t n rührigen Exekutivkomitee, das jahrjährlich glänzende Veranstaltungen bietet, zu wünschen, dass auch die heurige Wohltätigkeitsakademie einen schönen Verlauf nehme und der Lesehalle neue Freunde werbe. Wie». Samstag den 25. Jänner, abends um 8 Uhr. findet im Saale zum „goldenen Widder* H, Taborstrasse 36 eine Wohitätigkeitsvorstellun g statt. Zur Aufführung gelangt die Tragödie „Die Arme“. Karten sind um 80 Heller im Vorverkäufe und um 1 Krone an der Kassa zu haben. Wien. (JüdischeToynbe® -Halle, Wien, XX., Othmargasae 46.) Vortragsprogramm für die Zeit vom 25. bis 31. Jänner 1908: Samstag 25., Konzert. Sonntag 26.: „Ueber die Auswanderungen*, Vortr.: Rabbiner Dr. Kaminka. Montag 27.: Volkswirtschaftlicher Zyklus (III.). Vortr.: Dr. U. Reiss. Dienstag 28.: „Die Juden in der altgrichischen und altrömischen Literatur* (II). Vortr.: Dr. B ernst ein. Mittwoch 39.: „Heimatliches aus der Römerzeit“ (mit Skioptikon), Vortr.: Kustos Dr. S. Frankfurter. Donnerstag 30.: „Ueber Elektrizität (II.) (mit Experimenten), Vortr.: Oberingenieur Fritz Eisler. Freitag 31.: Bibelvortrag, Vortr.: Dr. Gottfried Freudmann. Brody. Dank der energischen Arbeit unseres hebräischen Lehrers Herrn Naftali Si egelbau m ist in unserer Stadt ein „Iwria“-Zirkel gegründet worden. Zweck dieses Vereines ist, die hebräische Sprache und Literatur zu verbreiten. Ea werden zweimal wöchentlich Vorträge und Diskusionen über jüdische Fragen abgehalten. In ihrer einmonatiiehen Existenz hat die „Iwria* viel geleistet. Ei wurden schon drei Vorträge )nämlich: 1. Kol. G.: „Feierberg und seine Anschauungen über das Judentum.“ 2. N. Siegelbaum: „Die Pflichten der jüdiscbnationalen Jugend“. 3. Kol. M.: .Die Polemik zwischen Achad-haam und Berdyezewski.) in hebtäiseber Sprache abgehalten. Wir haben aucb eine Geldsammlung eingeleitet, um in unserer Stadt eine hebräische Volkabliothek zu gründen. Wir hoffen gegen 150 ,Iwria“Schekel abzusetzen. Der Verein zählt gegenwärtig 3Ö Mitglieder. Mit einem Worte: Wir haben schon eine hebräische Sphäre geschaffen; es existieren in unserer Stadt Häuser, wo die Geschwister nur Hebräisch sprechen. Unsere Jutrend denkt und fühlt in unserer nationalen Sprache. Wir fordern alle Gesinnungsgenossen, die der hebräischen Sprachemächtig sind, auf, in allen Städten Iwria-Zirkel zu gründen. In Anfragen bitten wir sich an N. Siegelbaum, Brody, Kalligasse 1293 zi wenden. M. G—r. Tarnopol. Wie wir seinerzeit in der .Jüdischen Zeitung* angezeigt haben, nat sich in Tarnopol dank den Bestrebungen des Genossen J. Pollack ein Taglöhner- und Lastträgerverein unter dem Namen „Hasch achar“ gegründet. Wir können heute mit Freude und Genugtuung konstatieren, dass sich d«r Verein über alle E Wartungen entwickelt bat. Der Verein zählt heute 140 zahlende Mitglieder. Es wurden für dieselben Kurse geschaffen und dreimal wöchentlich halten die die Geainnungsgeuossen Lidor Biebergall UDd Joaef Tunis Vorträge und Vorlesungen ab. Wir hoffen, dass durch nie schwere, aber bereitwillige und systematische Arbeit der genannten Gesinnungsgenossen der Verein weitere Fortschritte machen wird und die Tarnopolar Taglöhner niebt mehr zu Wahlschwindeleien für gemässigte Israeliten benützt werden. Bei der Generalversammlung wurden folgende Herren ins Präsidium gewählt: Dr. Waldmann, Schleicher, Kassierer, Salomon H. Rosenfeld, Cn. Maskeboinek, M. B. Cy buch, Jos. Färb, M. Schindler. Seit der Zeit der Gründung haben Dr: N. Birnbaum und Abgeordneter Herr Dr. Stand unseien Verein besucht und Vorträge über die Entwicklung des Judentums gehalten. Israel Rintel. Laibach (Verein „B’nei Zion.*) Am 5, Jänner faud unsere I. Generalversammlung statt, bei welcher folgende Herren ins Präsidium gewählt wurden : Ferdinand Freund, Präsident; Leopold KollmanD, I. Vizepräsident; Karl Fischer, II. Vizepräsident; Ludwig Spitz, [.Schriftführer; Alexander Lands krön er, 1C ScUriftführer; Josef Goldstein, I. Kassier; Jonas Spitz. II. Kassier; Matthias Hermann, I. Besitzender: Samuel B o c n n e r, II. Beisitzender; Alexander Bock, I1L Beisitzender. Nach stattgefundener Wahl richtete Herr Teller, welcher Mitgründer des Vereines ist, eine Ansprache an den neugewählten Ausschuss, worin er denselben ersuchte, für den jungen Verein zu arbeiten. Die Rede wurde mit Beifall aufgenommen. worauf eine Sammlung zugunsten des Natiohalfonds eingeleitet wurde. Iglau. Am 4. Jänner fand der diesmonatliche interne Vereinsabend des jüdischen Volksvereines „Theodor Her2l“ für Iglau und Umgebung statt. Der Besuch war ein so stärker, dass viele nicht mehr Einlass fanden. Nach der - Begrüssung durch den Präsidenten Richard

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