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Jüdische Zeitung · 1907-11-15 · 18 (15.11.1907) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
18 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 bekämpfen. Wenn man noch berücksichtigt, dass einige Juden unter dem Einflüsse des Wunderrabi der nahegelegenen Stadt Wiznitz, andere dagegen unter Aegidi des Wunderrabi der Stadt Kossöw stehen, kann man wohl einen kleinen Begriff von dem Chaos und von den Kämpfen im hierortigen jüdischen Lager erhalten. Wien. Die Chargenwahlen des akademischen Vereines „Jüdische Kultur* hatten folgendes Ergebnis: techn. Josef Weissmann, Präses; techn. Bruno M e i s n e r. Vizepräses; techn. David Birnbaum, Schriftführer; phil. Czechiel Hellmann, Bibliothekar; techn. Arnold Frankel, Kassier. Stryj. (Towarzystwo zyd. akad. „Emunah“ W Stryju.)Am 22. Oktober 1907 fand die Generalveraammlung, des neugegründeten Vereines jüdischer Hochschüler ,,Emunah“ in Stryj statt. In den Ausschuss wurden gewählt: Dr. M. Schiff, Präses; cand. jur. J. Moldauer, Vizepräses; cand. jur. D. Eckstein, Schriftführer; cand. jur. M. Körner, Kassier; M. Rothbaum, Hörer d. R.; J. B lecher, Hörer d. R. Bibliothekars. Komotau. (Jüdischer Volksverein „Theodor Herz 1“). Eine Versammlung des jüd. Volksvereines .Theodor Herzl* in Komotau sprach, nach einem Referate das Herr Ernst Bechert aus Teplitz über den Verlauf des Vin. Kongresses erstattet hat, dem neugewählten Aktionskomitee sein vollstes Vertrauen aus. Bielitz. Sonntag, den 27. November, 8 Uhr abends, veranstaltet der zionistische Verein ,Haschaehar‘eineöffentlicheVereinsversammlung, in der Herr Adol f B ö h m aus Wien über den VIEL Zioniste nkongress referieren wird. Die Versammlung findet im Saale des jüd. Gemeindehauses statt. Gäste willkommen. Czernowitz. Sonntag, am 3. d. M. sprach über Einladung der jüd.-nat.-akad. Verbindung .Zephirah“ Dr. Nathan Birnbaum aus Wien vor einem grossen Publikum im Bierpalast über .Kulturströmungen im Judentume“. Es war kein Vortrag im landläufigen Sinne, sondern ein wissenschaftlich durchdachtes, fein zergliedertes und trefflich gezeichnetes Stück jüdischen Lebens, das er in schlichter Weise entwarf. Er besprach zunächst den Begriff der Kultur, die er als geistige Farbe eines Volkes der Zivilisation gegenüberstellte. Die Zivilisation äussere sich unter anderem in der wirtschaftlichen Höhe oder in den feineren Manieren eines Volkes, Merkmale, die nicht den Charakter der Beständigkeit haben, die sich rasch entwickeln, aber auch rasch verschwinden können. Die Kultur lasse sich nicht von draussen in ein Volk hineintragen, sie lasse sich auch nicht abschütteln, sie lebe ewig im Volke. In diesem Sinne haben die Juden des Ostens eine von den übrigen Völkern sich unterscheidende Kultur, eine eigene geistige Farbe. Redner kommt hierauf auf die lokalen Verhältnisse zu sprechen und meint, die Bukowinaer ■ Juden hätten die. beste Gelegenheit, ihre Kultur in uneingeschränktem Masse zu pflegen und zu entwickeln, aber sie neigen in ihren Bestrebungen zu sehr der oberflächlichen Zivilisation der westlichen Juden zu. Auch den Antisemitismus unterzieht Dr. Birnbaum einer sachlichen Kritik und es gelingt ihm trefflich der Nachweis, dass die Vertreter des wissenschaftlichen Antisemitismus Chamberlain und Weininger den Stoff zu ihren Studien von den bekannten jüdischen Börsianertypen nnd ähnlichen Gestalten im Judentum geholt haben, es seien ihnen aber die jüdischen Massen des Ostens mit ihrer spezifisch jüdischen Kultur ganz fremd gewesen. Deshalb sei auch ihr Urteil über die Juden im grossen und ganzen ein falsches und beziehe sich bloss auf einen verschwindenden Bruchteil. Zur jüdischen Sprache, dem so verlästerten Jargon übergehend, nimmt Redner Stellung zu den von vielen im jüdischen Lager gegen sie erhobenen Einwendungen und Mängel und zeigt, dass die englische Sprache in ihren Anfängen ein ähnliches Gemisch darstellte. Die .jüdische Sprache werde von den breiten Maasen gesprochen und habe auch eine grosse Zukunft. Nur dürfe man sich ihrer nicht schämen, man müsse sie pflegen und dem Volke Liebe zu ihr einpflanzen. Das sei die wichtigste Aufgabe der jüdischen Intelligenz. Der Vortrag, der 1*/* Stunden währte, übte einen gewaltigen Eindruck auf die Zuhörerschaft aus und wurde an vielen Stellen durch lebhaften Beifall unterbrochen. Die Czernowitzer Judenschaft hatte am 3. November einen vergnügten und genussreichen Abend. St. Bielitz. .Dienstag den 22. Oktober fand die diesjährige Generalversammlung des zionistischen Vereines „Haschachar“ statt. Namens des Vorstandes eröffnete der Obmannstellvertreter, F. Rabinowicz die Versammlung. Professor Dr. Julius Wern er erstattete den Tätigkeitsbericht. Die Hauptsorge der Leitung sei es gewesen, durch öffentliche Veranstaltungen das Interesse der Mitglieder für unsere Bewegung wach zu erhalten und zu vertiefen, neue Anhänger zu gewinnen. Leider sei sie nicht in der .Lage gewesen dieser Aufgabe in dem wünschenswerten Masse gerecht zu werden mangels jeder Unterstützung, insbesondere seitens des mähr.- | scbles. Distriktskomitees. Nichtsdestoweniger haben die zwei bedeutsamen Ereignisse dieses 1 Jahres, Kultuswahlen und Parteitag den Beweis für die Stärke unserer Organisation erbracht. Besonders der für uns selbst überraschende Erfolg anlässlich der Kultuswahlen habe gezeigt, dass die Zahl unserer Anhänger weit grösser sei als die Zahl der organisierten Zionisten. Der Verein hat fünf öffentliche Veranstaltungen, zwei Versammlungen, in denen die Herren Dr. Re ach, Gaya und Adolf Böhm, Wien referierten, ferner anlässlich des Parteitages einen Begrüssungsabend und einen Kommers veranstaltet. Das Andenken Herzls wurde durch eine Gedenkfeier im Tempel geehrt, den der Kultusvorstand unter dem Eindrücke unseres Erfolges bei den Kultuswahlen zur Verfügung stellte. Herr Rabb. Dr. Steiner hielt die Gedenkrede. Die laufenden Angelegenheiten erledigte der Vorstand in elf Vorstandssitzungen. Ausserdem gehörten die Vorstandsmitglieder dem Kultuswahlkomitee an. das von Anfang Mai bis zu den Wahlen fast allwöchentlich Sitzungen abhielt. Die Vorbereitungen für den Parteitag wurden' gleichfalls vom Vorstande getroffen, der sich durch freiwillige Mitarbeiter verstärkt hatte. Für das in Wien erscheinende zion. Organ .Jüdische Zeitung“ wurde eine Agitation entfaltet, welche Erfolg hatte. Doch seien noch nicht alle Mitglieder Abonnenten dieses Blattes und ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, es selbst zu abonnieren und für dessen weiteste Verbreitung, unablässig tätig zu sein. Im Stande der Mitglieder ist keine wesentliche Veränderung eingetreten. Die Zahl der Mitglieder beträgt 110. Hierauf erstattete der Kassier Herr Postoffizial Huppert den Kassabericht. Der Ausweis ergibt einen Ueberschuss von K 537.72. An Schekeln wurden in diesem Jahre nur 125 gesammelt, da trotz wiederholter Urgenz das mähr.-schles. Distriktskomitee nicht mehr Schekelblocks sandte. An die Berichte knüpfte sich eine Debatte, besonders bezüglich der Art der Schekelsammlung. Hierauf wurde dem abtretenden Ausschüsse das Absolutorium erteilt. In die neue Leitung wurden per Akklamation gewählt: als Obmann Adv. Dr. Leopold P a d a w e r, ferner die Herren F. Rabinowicz, Dr. Julius Werner, die Postoffiziale Adolf Huppert, Friedrich Ziffer und Bankbeamter Simon Steuer. Eingesendet. Wir erhalten von den Gg. N a t a n Gross und S. Kaplanski-Kaplan folgende Zuschrift : Auf dem VIII. Kongress in Haag wurde gegen den Antrag der „Poale-Zion“ betreffend die Oppenheimersche Siedlungsgenossenschatt die angebliche „Tatsache“ angeführt, dass eine von Herrn Dr. Oppenheimer in Deutschland begründete Siedlungsgenossenschaft gescheitert und misslungen sei. Diese Behauptung wurde merkwürdigerweis er von Vertretern der deutschen Landsmannschaft sowohl im Palästinaausschuss wie auch in privaten Bemerkungen auf dem Kongresse wiederholt apodiktisch aufgestellt. Leider war Herr Dr. Oppenheimer durch Krankheit verhindert, am Kongresse teilzunehmen, so dass dem sofortigen Dementi von Seite der „Poale-Zion“ die entsprechende Autorität mangelte. Diesem Umstand ist es auch zuzuschreiben, dass eine von dem Palästinaausschuss immerhin abgeschwächte Resolution zum Beschluss erhoben wurde und nicht jene von der „Poale-Zion* im Einvernehmen mit Herrn Professor Warburg verfasste, die folgenden Wortlaut hatte : „Der VIII. Kongress hält an dem Beschlüsse fest, auf den Ländereien des Nationalfonds eine Siedlungsgenossenschaft zu begründen und beauftragt die Palästinakommission, bis zur nächsten Jahreskonferenz Studien über Beschaffenheit des Bodens und des Arbeitermateriales an Ort und Stelle vorzunehmen und einen detaillierten Kostenvoranschlag vorzulegen, auf Grund dessen eine unter entsprechender Beteiligung der zionistischen Kreditinstitute zu begründende kapitalistische Gesellschaft die Durchführung des Beschlusses ehestens in Angriff nimmt.“ Zur Erläuterung sei bemerkt, dass der Beschluss, auf den Ländereien des Nationalfonds, eine Siedlungsgenossenschaft nach dem Plane Dr. Franz Oppenheimers zu errichten, bereits bei einer Jahreskonferenz gefasst worden war, der letzten, welcher Theodor Herzl präsidierte und. auf dessen warme Befürwortung hin dieser Beschluss angenommen wurde. Wenn nun auch die ausdrückliche Erklärung des Herrn Pofessors W a r b u r g auf dem VIII. Kongress uns darüber beruhigte, dass die Palästinakommission den Beschluss im Sinne des Antrages der „Poale- Zion“ ausführen wird, welche Erklärung die poale-zionistischen Delegierten bekanntlich veranlasst hat, ihren Antrag zurückzuziehen — so hielten wir es doch mit Rücksicht auf die nach dem Kongresse in zionistischen Blättern und Versammlungen immer wieder aufgestellte Behauptung, dass der Oppenheimersche Versuch in Deutschland missglückt sei, für notwendig, uns diesbezüglich an Herrn Dr. Franz Oppenheimer mit einer Anfrage zu wenden. Wir erhielten folgende Antwort: „. . . Was die Behauptung anlangt, dass meine bei Eisenach begründete Siedlungsgenossenschaft gescheitert sei, so ist das kompletter Unsinn. Sie hat noch gar nicht angetangen, und ich werde sie auch auf dem von uns erworbenen Gut nicht anfangen können, erstens, weil es sich leider herausgestellt hat, dass das Gelände den Anforderungen nicht voll und ganz entspricht, und zweitens, weil ich in der Rechtsordnung des weimarschen Staates, der noch kein Grundbuch besitzt, auf unüberwindliche Schwierigkeiten gestossen bin. Unter diesen Umständen kann man von einem Scheitern des Unternehmens unmöglich sprechen.“ Hoffentlich werden nun die mit oder ohne Absicht verbreiteten Gerüchte endlich verstummen. Es wäre aber auch dringend zu wünschen, dass alle jene, die bisher dem Oppenheimerschen Projekte opponierten, nunmehr sich zumindest mit gleichem Eifer dem Studium der Agrarfrage in Europa (mit besonderer Berücksichtigung der „Landflucht* der besitzlosen Bauern) widmen und im Zusammenhänge damit der Arbeiterfrage in den palästinensischen Kolonien (mit besonderer Berücksichtigung des arabischen „Charatismus“). Wir sind überzeugt, dass sie dann gleich uns in dem Oppenheimerschen Plan mehr als ein interessantes „Experiment“ erblicken und bald erkennen werden, dass die Siedlungsgenossenschaft in erster Linie geeignet ist, besitzlose jüdische Arbeiter dauernd in palästinensischen Kolonien anzusiedeln und zu praktischen Landwirten zu erziehen. Personalnachrichten. Unser Gg. Dr. Leo Blum feiert Dienstag den 17. d. in Bielitz sein Vermählungsfest mit Frl. Grete Gross. Verein jüdischer Mädchen „Mirjam" in Wien. Jüdische Schwestern! Zehn Jahre sind es her, dass unser Volk wieder unter nationaler Flagge vereint ist. In den zehn Jahren zionistischer Bewegung hat der Bedanke des jüdischen Volkstums alt und jung, arm und reich ergriffen und heute würde sich lächerlich machen, wer uns unser Volkstum absprechen wollte. An der Entwicklung des Zionismus, an der Hebung des Nationationalgefühls, haben die jüdischen Mädchen nach ihren bescheidenen Kräften mitgearbeitet. In Wien haben die Vereine „Moriah“ und „Hadassa“ die Werbearbeit zu leisten versucht und in früheren Jahren auch Erfolge erzielt. Beide Vereine haben sich aoer leider aufgelöst. Um die begonnene Arbeit energisch tortzusetzen um die hehre zionistische Idee, die Idee des jüdischen Nationalismus unter den jüdischen Frauen und Mädchen Wiens zu festigen und ihre Seelen jene Ueberzeugnngen zu pflanzen, die sie befähigen werden, ihre Posten iu den jüdischen Kämpfeneihen -voll aasfüllen za können, haben wir einen neuen

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