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Jüdische Zeitung · 1907-11-08 · 17 (8.11.1907) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
1 (1907)
Issue
17 (8.11.1907)
Date
1907-11-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 5. Die Verwaltung des Nationalfonds und aller anderen für Palästinazwecke bestimmten Fonds. 6. DieVerwaltungdes Schekels, der Parteisteuer, des Palästinaschekels durch die betreffenden Distriktskomitees. 7. Die Aufsicht über die Herausgabe aller Broschüren und Flugschriften der Partei. Alle diese Anträge wurden einstimmig angenommen. Ausserdem beschloss die Konferenz: Das Zentralkomitee hat alljährlich eineLandeskonferenz einzuberufen, die die oberste zionistische Parteibehörde Galiziens darstellt. In bezug auf den Organisationsfonds beschloss man: Jeder Zionist hat jährlich eine Krone Parteisteuer zu leisten, wovon eine Hälfte dem Distriktskomitee, die andere dem Zentralkomitee zufällt. Ein Zusatzbeschluss bestimmt, dass zur Partei diejenigen gehören, die ausser dem Schekel auch die Parteisteuer entrichtet haben. Nun schritt man zur Beratung über die Gründung einer jüdischen Bank. Dr. Salz legt folgenden Antrag vor: Es werde eine jüdische Bank in Galizien mit der Zentrale in Lemberg und Filialen in anderen Ortschaften begründet. Die Ausarbeitung des Projektes wird einer zehngliedrigen Kommission überwiesen. Als Referent schlägt er folgende Form vor: Die Bank sei eine Aktiengesellschaft mit 2000 Anteilscheinen ä 1000 Kronen. Die Regierung werde die Gründung einer solchen Aktiengesellschaft gewiss bewilligen und die Kolonialbank gerne Kredit gewähren. In der Diskussion ergreifen das Wort Dr. Thon, der sich über das Projekt pessimistisch äussert, Mendel Sachs, Dr. Koch, hierauf die Generalredner Aschkenase pro und Dr. Ringel kontra. Nach den Schlussworten des Dr. Salz wird der Antrag angenommen und die Kommission gewählt. In der Nachmittagssitzung wurde das Zentralkomitee gewählt, das aus folg. Herren besteht: Dr. Br aude, Obmann, Dr. S.Rappap or t, Dr. Leon Reich, Dr. Michael Ringel und Dr. J. S. Philipp. Um y2 5 Uhr begann die vertrauliche Sitzung, in der über innerpolitische Fragen verhandelt wurde. R.-A. Dr. Gabel erstattet den Rechenschaftsbericht über die parlamentarische Tätigkeit. Die Verhandlungen mit der Regierung haben das wichtige Resultat gezeitigt, dass seitens der Zenlralregierung ein Rundschreiben an die Bezirkshauptmannschatten erlassen wurde. Der Bericht wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Die hierauf folgende Diskussion bewegte sich in dreierlei Richtung. Die erste perhorresziert die innerpolitische Betätigung seitens der Zionisten, die zweite verlangt politische Arbeit seitens der zionistischen Organisation und die dritte, von Dr. Braude in einem längeren Referate vertreten, spricht sich für politische Arbeit unter der Aegide einer besonderen Organisation aus. Die Debatte über diesen Punkt erhob zu einer der Wichtigkeit des Gegenstandes würdigen Höhe. Dr. Thon ist gegen politische Betätigung, ihm tritt Dr. Waldmann entgegen, der sich für sie ausspricht. Ueber diesen Punkt sprechen noch Deleg. Mayer, Wurzel, Seelen freund, S c hr eib er, Dr. Reich und schliesslich Dr. Braude. Aus den Reden der meisten Delegierten ging hervor, dass sie für politische Arbeit unter Leitung der zionistischen Organisation sind. Zu einem endgültigen Beschlüsse hierüber kam es nicht, sondern die endgültige Beschlussfassung wurde einer zu dem Zwecke einzuberufenden Konferenz überlassen. Der Vorsitzende, Deleg. Tartakower schloss hierauf mit einer warmen Ansprache die Konferenz. Parteinachrichten. Ausserordentlicher Distriktstag in Wien. Am 1. November fand im Saale des Zion. Zentralvereines, IX. Türkenstrasse, ein ausserordentlicher Distriktstag statt. Vertreten waren: Zion. Zentralverein, Zion. Frauenverein, Mädchenverein „Mirjam“, „Bar Giora“, „Bar Kochba“, „Ivria“, „Kadimah“, „Theodor Herzl“, „Theologia“, „Unitas“ und „Zephyra“. Um % H Uhr eröffnete Gg. Adolf Bö hm mit einer Begrüssungsrede den Distriktstag. Nach Verlesung des Protokolls des letzten Distriktstages durch den Schriftführer Gg. J.U.C. M. Stöckel berichtete der Vorsitzende über die Tätigkeit des Distriktskomitees. Er hob hervor, dass der Standpunkt des Distriktstages fast in allen Fragen vom Parteitag in Bielitz und auch vom Kongresse geteilt wurde. Er teilt mit, dass d&s Distriktskomitee im Vereine mit den anderen zionistischeu Behörden Wiens ein gemeinsames Zentralburean schaffen will. Die vom Distriktskomitee gegründete „Jüdische Zeitung“ entwickelt sich sehr gut. Zum Schlüsse berichtet der Vorsitzende," dass der bisherige Obmann des Distriktskomitees Dr. Isidor M a r g u 1 i e s das Präsidium wegen UebernahmeandererParteiagenden zurücklegt. Er würdigt die ausserordentlichen Verdienste, die sich dieser Gg. um die Reorganisation des Distrikts und Wiederbelebung zionistischen Geistes erworben habe. Dr. Margulies habe eine Tradition der Arbeit geschaffen, die für die nächsten Distriktskomitees als Richtschnur und Beispiel gelten werde. (Beifall). Auf Antrag des Gg. L. Sitzmann wurde dem Dr. Margulies Dank und Anerkennung des Distriktstages ausgesprochen. Gg. Adolf Böhm wird durch Akklamation zum Obmann des Distriktskomitees gewählt. Nach Uebergabe des Vorsitzes an Gg. Dr. P. Weisengrün referiert Gg. Böhm über die Parteisteuer. Er betont, dass das Distriktskomitee Mittel braucht, um Arbeit leisten zu können. Notwendig ist daher die Finanzierung der Organisation. Nach längerer Debatte wurden die Vorschläge des Referenten angenommen. 1. Jeder „bürgerliche“ Zionist zahlt 50 Hellermonatlich. Die Vereine dürfen davon zwei Kronen jährlich für ihre Zwecke zurückbehalten. 2. Die Mitglieder der studentischen Korporationen zahlen 30 Heller monatlich. 3. Mitglieder der Arbeite r- und Mädchenvereine zahlen 20 Heller monatlich. Der Schekel ist in der Parteisteuer inbegriffen. 4. Mit dem 1. Jänner 1908 tritt die neue Parteisteuer an Stelle der bestehenden. Es wurden noch folgende Resolutionen angenommen: a) Resolution Böhm: Der Distriktstag fordert das Disti iktskomitee auf, aus der Parteisteuer auch die übergeordneten Parteibehörden zu subventionieren. b) Resolution Dr. Margulies: Der Distriktstag macht es allen Gesinnungsgenossen zur Pflicht, die „Jüdische Zeitung“ zu abonnieren und zu verbreiten und nach Möglichkeit durch Zeichnung von Anteilen und durch Inserierung zu unterstützen. (Per Akklamation angenommen.) Kundmachungen des Innerösterreichischen Distriktskomitees des Verbandes „Zion“ Wien, IX., Türkenstrasse 9. An die Vereine des Verbandes Zion! Wir bringen hiemit zur allgemeinen Kenntnis, dass wir von nun an unsere Verlautbarungen durch die „Jüdische Zeitung“ publizieren und mit Ausnahme dringender Fälle keine separaten Verständigungen an Ihre werte Adresse richten werden. Die geehrten Vereinsleitungen werden daher aufgefordert, unsere Kundmachungen in der „Jüdischen Zeitung“ ständig zu verfolgen. Mit Zionsgruss innerösterreichisches Distriktskomitee: JUC. Herrn. L ö w A. B ö h m Schriftführer. Obmann. * * * Gesinnungsgenossen! Der achte Kongress hat auf Antrag unseres Präsidenten, David Wolßsohn, einstimmig die Schaffung eines Parteifonds beschlossen. Jeder Zionist soll einmal einen Beitrag von K 5.— leisten. Da zu erwarten ist, dass manche Gesinnungsgenossen nicht in der Lage sind, dies zu tun, so ergeht an die Wohlhabenderen in unseren Reihen die Aufforderung und Bitte, nach Kräften einen höheren Beitrag zu leisten. Gesinnungsgenossen! Die finanzielle Fundierung unserer Bewegung ist eine dringende und unabweisbare Notwendigkeit. Die bisherige Gebarung konnte infolge der bekannten Verhältnisse keine Reserven ansammeln und kein Grundkapital schaffen, da die Schekeleingänge schon vorher^gemachte, dringende Aufgaben decken mussten. Dieser Zustand ist unhaltbar1 und unserer Bewegung unwürdig. Die Aufgaben, welche unsere Organisation zu erfüllen hat, werden zudem immer grösser und zahlreicher. Die Arbeiten des Palästinaressorts,namentlich die Einsetzung eines Palästinaamtes, die Einrichtung einer ständigen Vertretung in Konstantinopel und eine Reihe anderer dringender Aufgaben erfordern namhafte Mittel. Gesinnungsgenossen! Ohne Anstrengung ist nichts Grosses zu erreichen! Niemals ist vergeblich an Eure Opferwilligkeit appelliert worden. Tragt nach Kräften zu dem Parteifonds bei, welcher die finanzielle Grundlage unserer Arbeit schaffen soll! Als Zahlstelle bestimmen wir die Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds, Wien, IX., Türkenstrasse 9. Sämtliche Spenden werden in der „Jüdischen Zeitung“ und in der „Welt* ausgewiesen. Mit Zionsgruss Innerösterreichisches Distriktskomitee des Verbandes „Zion“, Wien. Eine jüdische Hochschule in Petersburg. Seit ungefähr einem Jahre macht sich in den intelligenten jüdischen Kreisen das Bestreben bemerkbar, für die jüdische Wissenschaft Positives zu leisten. Zuerst ging man daran, das Projekt der Herausgabe einer jüdischen Enzyklopädie in russischer Sprache zu verwirklichen. Ein kleiner Kreis bekannter Intelligenzler sammelte zu dem Zwecke in kurzer Zeit die Summe von 20.U00 Rubeln und schloss mit der Verlagsfirma Efron folgendes Geschäft ab: Efron soll als Herausgeber alle Druckkosten tragen, die Gesellschaft werde bloss für die Beistellung von Artikeln sorgen und die einzelnen Autoren honorieren, wenn die Abonnentenzahl nicht mehr als 1000 betragen werde. Sollte sie grösser sein, dann übernimmt der Herausgeber auch die Pflicht, einen Teil der Honorare zu tragen. Ist aber die Abonnentenzahl 3000 erreicht, trägt der Verlag alle Kosten. Das Werk wird zwölf dicke Bände umfassen und 60 Rubel (in Ratenzahlungen) kosten. Man erwartet, dass die Firma „Efron & Brockhaus“, welche schon eine allgemeine Enzyklopädie herausgegeben hat, auch den ir i ' §\ r * f' «'■ ü.v . i; 4 •) i ■ i... .t ir< i, Hv. 4t $

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