Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 30 (22.7.1904)
- Date
- 1904-07-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Nr, ,3 0 J*3Mm VolMtitt. n. Juli 1904 Chronik. Anla«-. Gedenktage. Juli. 24. 1716 Verfolgung in Posen. 28. 1863 st. in Vöslau Paul d'Abrest (Friedr. Kohn) aus Prag. Schriftsteller. 1900 st. i. Moskau I. Levitarr, Landschaftsmaler. 36 Jahre. 26. 1832 geh. in Brünn. Ottilie Bondy, Schriftsteller. 1836 st. in London Nathan v. Rothschild. 1886 st. Moses Montefiore. 27. 1866 st. in Paris Sal. Meyer, Freih. von Rothschild. 1874 st. in Oberdöbling l». Wien Freih. Anselm Sal. v. Rochschild. 28. 1808 geb. in Offenbach a. M. Salom. Formstecher, Rabb. und Pred. 1880 st. in Breslau Dr. Herm Warschauer. Oberlehrer. 29. 1849 geb. in Berlin Max Liebermann, Maler, Professor. 1849 geb. in Budapest Dr. M a x N o r d a u, Arzt und Schriftsteller. 31. 1840 st. in Tarnopol Nachman Krochmal. 1866 geb. in Ostrowo i. Posen Prof. Adolf Gerstmann. 1878 st. in London Abvah. Benisch. Ab. 1. st. der H o h e p ri e ste r A ron. 1840 ft. in Tarnopol Nachm. Krochmal aus Brody. 2. 1833 geb. in Antwerpen Baronin Clara von Hirsch geb. Bischoffsheim. 3. 1648 kamen 10 000 I. b. Kosakenaufst. Chmelnickis um. 6. 1672 st. in Safet d. Kabbalist Isaak Lurja (Aschkenasi). 6. 1666 w. Spinoza gebannt. 1807 geb. i. Frankftlrt a. M. Jonas v. Königswarter. 7. 1391 Beg. d. Verfolg, i. Valenzia. 1786 geb in Philadelphia Konsul Mord Noah. 1886 st. in Breslau Rabbiner Gedalje Tiktin. 9. 686 v. u. 70 n. Zerstörung des 1. u. 2. Tempels und -er Stadt Jerusalem. 136 Fall der Bergfeste Bethar. 1492 Vertreibung der Juden aus Spanien. 1626 geb. in Smyrna d. Pseudomess. Sabbatai Zewi. Widmung Heinrich Klinger 1902, Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien gibt hiermit bekannt, daß am 1. Oktober d. I. die Jahreszinsen im Betrage von Kronen 400.— der obgenannten, von dem gewesenen Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Herrn kaiserl. Rat Heinrich Klinger anläßlich seines am I.Oktober 1902 stattgehabten 70.Geburtsfestes gegründeten Widmung an zwei der Unterstützung würdige Handels- oder Gewerbetreibende jüdischer Konfession zur Verleihung gelangen werden. Die mit dem Nachweise über den Betrieb eines Handels¬ oder Gewerbeunternehmens, dem Armutszeugnisse und dem Geburtsscheine belegten Gesuche sind bis 16. August 1904 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien (1. Bez., Seitenstettengasse 4, 1. Stock), woselbst während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vormittags Gesuchsblankette unentgeltlich behoben werden können, zu überreichen. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der bezüglichen Daten. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. 1 M. L. Biedermann-Waisen-Stiftung. Es wird hiemit verlautbart, daß aus den Zinsen der obgenannten Stiftung für das Jahr 1905 ein Betrag von Kronen 6900.— zur Verteilung gelangt. Um Beteilung an diesen Stiftungserträgnissen können sich hilfsbedürftige Winsen bewerben, welche das 20. Lebensjahr noch nicht erreicht haben und direkte Nachkommen der ursprünglichen Stifter: der Herren M. L. Biedermann, Simon Biedermann, Josef Biedermann junior, Hermann Biedermann, Anton Medermann, Josef Biedermann senior, Samuel Biedermann, I. Goldschmidt, S. I. H. Goldschmidt, I. L. Hofmcmn Edler von Hofmannsthal, Aron Hermann, R. M. Kaula, Jacob Löwy, I. H. Mannheimer, M. Stroß, H. Edler von Wertheimstein und der Frau Amalie Lang sind. Um den nach Verteilung an diese Nachkommen etwa verbleibenden Rest des Strftungserträgnisses können sich hilfsbedürftige israelitische Waisen bewerben, welche das zwanzigste Lebensjahr noch nicht erreicht haben und deren verstorbene Väter Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde in Wien waren. Die mit dem Geburts-, Verwandtschafts-, Armuts- und Sittenzeugnisse, sowie dem Nachweise der Verwaisung belegten Gesuche sind bis längstens 31. Juli 1904 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien (1. Bez., Seitenstettengasse 4, 1. Stock), woselbst auch Gesuchsblankette während der Amtsstunden von 9—12 Uhr vormittags unentgeltlich zu beheben sind, zu überreichen. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- oder Sterbematriken der israelitischen Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Gedächtnisfeier für Dr. Theodor Herzl. Im Leopoldstädter Tempel in der Tempelgaffe wurde am 14. d. M. nachmittageine Gedächnisfeier für Dr. Theodor Herzl abgehalten. Die Feier war vom Vorstand der israelitischen KultuSgemeinde veranstaltet und nahm einen überaus würdigen Verlauf. Das Gotteshaus war in allen Räumen dicht gefüllt, auf den Galerien waren zahlreiche Damen. Die BundeSlade und die Kanzel waren schwarz verhängt. Unter den Anwesenden waren zu sehen: Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten kaiserlichen Rat Hirsch und den Vorstandsmitgliedern Hofrat T a u s s i g, Dr. Markus Spitzer, kaiserlicher Rat Wilhelm P o l l a k und Baurat Fleischer, sowie mit sämtlichen Mitgliedern des Bethausvorstandes; außerdem der Präsident des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia" Edgar v. Spiegel mit dem Vorstandsmitglied Julius Stern, der großbritannische Botschaftskaplan Rev. Hechler, das Aktionskomitee des ZionistenkongreffeS und viele andere. Die Feier wurde vom Tempelchor unter Leitung des Oberkantors Bela G u t t m a n n eingeleitet. Derselbe sang den Psalm 49, die stimmungsvolle und tiefernste Komposition Salomon S u l z e r s, die Hofmusiker Professor Josef Sülzer dirigierte. Dann hielt Rabbiner Dr. Schmied! die Trauerrede. Der Redner charakterisierte Theodor Herzl, hob deffen Menschenliebe und Idealismus rühmend hervor, und beklagte den vorzeitigen Tod des hochbegabten Mannes. Die Trauerfeier schloß mit der Abstngung des 16. PsalmS. * t * Bruchstück au9 der Rede Dr. Schmiedls bei der Gedächtnisfeier für Dr. Theodor Herzl. Hochgeehrte, hochansehnliche Trauerbersammlung I Wir sind in dieser Abendstunde in feierlichster Menge hier versammelt, um dem edlen, großen, über das Niveau des Alltäglichen hoch hinausragenden Mann, der überaus frühzeitig im Zenit seines denkwürdigsten Lebens und Schaffens abberufen wurde, auch an dieser heiligen Stätte eine Stunde wehmutsvollen und dankbaren Gedenkens zu weihen. Wohl sind bereits zahlreiche, hochehrende und tiefergreifende Trauerkundgebungen in Wort und Schrift, von nah und fern, von Hoch und Nieder erfolgt und ebenso in der vor wenig Tagen stattge,undenen großen imposanten Versarnmlung ist das. Andenken des großen Heimgegangenen in würdigster und erhebenster Weise gefeiert worden. Zu allen diesen ^rauerknndgeblmgen gehört noch eine Ergänzung, eine unerläßliche Vervollständigung, nämlich die religiöse Trauerkundgebung, die große Trauerfeier an gottgeweihter Stätte, welche sowohl den großen Toten, als auch die Lebendigen ehrt, indem sie dadurch bekunden, daß sie ein warmes Herz für ihre großen Männer haben, die mit flammender Begeisterung ihr ganzes Leben dem Wühle ihres Volkes E'weiht: hatten. Wo gäbe es einen, der einer solch religiösen 4.rauerkulidgebnng würdiger ivärc, als der unvergeßliche Heimgegangene, den wir heute vor 8 Tagen unter den heißesten Tränen in die Erde gebettet. Dr. Herzl >var der von Gott prädistinierte Mmn, um in den tausendjährigen Annalen unserer Geschichte sich ein „»verwelktes Gedenkblatt zu gründen. Als Gott Jesaia die große Sendung aik sein Volk übertrug, da legte er eine zündende Kohle auf dessen Lippen. Dr. Theodor Herzl trug diese zündende Kohle nicht nur auf seinen Lippen, sondern auch in seinem Herzen, unt der er auch 1000 Herzen entzündete, erleuchtete und erwärmte. Namentlich bleibt es sein großes unvergeßliches Verdienst, daß er unsere Heranwachsende Jugend zu begeisterter Liebe' für das Judentum erwärmte. Hätte Dr. Herzl in der Enge jüdischer Kreise seinen Lebensbcruf gewählt. ihm wäre es vielleicht niemals gelungen, das Ideal der Heranwachsenden Jugend zu werden. Da er aber außerhalb der Enge jüdischer Kreise stand, seine hochbegabte Feder in den Dienst der allgemeinen Politik stellte und durch seine große Dichtergabe, mit der er die Verehrung und Bewunderung der Außentvelt sich errang und dennoch sein Herz voll Liebe und Wärme für sein Volk schlug und das Leid und Wehe seines Volkes in ihm das Mitleid wachrief, keine Enttäuschung und keine Verkennung imstande war, ihn in diesem Wirken für sein Volk erschlaffen zu lassen, sondern im Gegenteil ihn nur noch mehr in seinem edlen Vorhaben stählte, das erregt die Begeisterung und Nacheiferung der Heranwachsenden Jugend. Das aber ist es auch, was nunmehr die Trauer um den Heimgegangenen so schmerzlich macht. Man fragt sich wehmutsvoll, nachdem der Tod die Lebensflamme des Heimgegangenen ausgelöscht hat, werden nunmehr nicht auch die Begeisterungsflammen, die er in den Herzen gezündet, ebenfalls verlöschen? Wir trösten uns mit der Verheißung des Bibelwortes, daß das Andenken des Edlen auch nach seinem Tode segensreich fortwirkt. Dr. Herzl schläft in der Tiefe der Mutter Erde, aber sein Ideal wird nie aufhören in den Herzen fortzuwirken und für seine großen Segnungen zu begeistern. Kondolenzen anläßlich des Todes Dr. Herzls. Anläßlich des Trauerfalles kondolierten auch M. C h a m b e r l a i n, der ehemalige Minister, und Clemens Hill im Namen des Auswärtigen Amtes Großbritanniens. Czernowitz. (T r a u e r f e i e r für Dr. Herz l.) Die erschütternde Nachricht von dem jähen Hinscheiden des großen Mannes des jüdischen Volkes veranlaßt^ auch den hiesigen Verein „Zion", eine Trauerfeier zu veranstalten. Dieselbe fand am vergangenen Sonntag im großen Musikvercinssaale statt und nahm einen überaus würdigen Verlaus. Lange vor der festgesetzten Stunde war der Saal, der im Innern schwarz drapiert war, von einer mehrhundertköpfigen Menschenmenge gefüllt. Nach dem Absingen des El mule Rachmim durch den Oberkantor Schächter samt Chor, schilderte Dr. Menczel die Bedeutung Herzls fürs Judentum, für das jüdische Proletariat und die jüdische Jugend. Nachdem Herr Hauer eine Skizze „Jernschnlaim" aus dem jüdischen Almanach vorgetragen, feierte das Mitglied der „Zephirah" cand. jur. Chaim Kinzbrunner Herzl als Regenerator der jüdischen Studentenschaft, als Mann, dessen Herz für das jüdische Proletariat, diese Aermsten der Armen schlug, als ersten, der eine jüdische Politik geschaffen. Znm Schluffe möchten wir noch einen Vorfall erwähnen, der sich anläßlich der Beratungen über die Feier abspielte und persönliche Gehässigkeiten zum Vorscheine brachte bei einem solch ernsten und traurigen Anlässe. Der Ausschuß des Vereines „Zion" hatte ursprünglich auch einen hebräischen Redner bestimmt, der zufällig auch Mtglied der „Zephirah" ist. Kaum hatten das die Herren aus der akad. Verbindung „Hasmonäa", die mit der „Zephirah" in Streit leben, erfahren, als sie alle Hebel in Bewegung setzten, damit die hebräische Rede entfalle, weil der Redner, wie gesagt, „Zephirahner" ist. Genug beschämend für die jüdische Solidarität! Der Verein „Zion" in Karlsbad veranstaltete anläßlich des Ablebens Dr. Theodor Herzls am Donnerstag den 14. Juli inr Hotel Glattauer eine Trauerfeier, die einen würdigen Verlauf nahm. Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden I. U. C. Otto Teinowitz hielt Oberpostkontrollor Herr S. Auerbach die Trauerrede, in welcher er Herzls Verdienst als Leiter und Organisator der zionistischen Bewegung, seine unermeßliche Bedeutung in der Epoche der jüdischen Renaissance pries. Hierauf ergriff Doktor I. W. Marmorek (Wien) das Wort, um in zündender Form die durch Herzls Tod aufs tiefste erschütterten Gemüter zur neuen Begeisterung für das Judentum, für den Zionismus zu entflammen. Eine zur Eintragung Herzls ins „Goldene Buch" eingeleitete Sammlung beschloß die stattlich besuchte Feier. Prag. (Trauer um Dr. Th. Herzl.) Der jähe Abgang unseres Führers hat in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung innige Teilnahme hervorgerufen. Besonders erschütternd aber wirkte die Nachricht vom Ableben Dr. Herzls auf die zionistische Gemeinde Prags und das Vereinsleben, welches mit der beginnenden Sommersaison langsam in Lethargie verfällt, erhielt einen neuen, leider so traurigen Impuls. Gleich nach dem Bekanntwerden der Todesnachricht berief das D.-K. eine Versammlung in die Volks-Vorschuß- Kaffa, in welcher der Obmann des D.-K., Herr Karl Nezek, vom Tode Herzls offizielle Mitteilung machte und dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf hielt. Der jüdische Hochschülerverein „Bar- Kochba" beschloß in einer besonderen Ausschuß-Sitzung, einen Unterstützungsfonds für arme jüdische Hochschüler zu gründen. Aus dem Lokale des Vereines wehte eine schwarze Fahne. Auch der Ausschuß des jüdischen Volksvereines hielt eine Tvauersitzung ab, in der die Abhaltung einer großen Trauerfeier in Prag beschlossen wurde. Diese fand Sonntag den 17. Juli im Hotel „Zentral" statt. Trotz des prächtigsten Sommerwetters und -obwohl schon viele mit den beginnenden Ferien auf dem Lande weilen, war der große Saal, der einfach, aber geschmackvoll dekoriert war, schon lange vor der angekündigten Zeit von einem zahlreichen Publikum gefüllt. Unter anderen tvaren anwesend der Präses der jüdischen Kultusgemeinde, Dr. R o s e n b a ch e r, Schriftsteller S. Kohn, ferner die Rabbiner Dr. Grün, Dr. Deutsch, Dr. Kisch, Dr. Herzog, Salomon und Friedrich Knöpfelmacher, S. Königsberg, kais. Rat Ph. Falkowicz und Abordnungen fast aller jüdischen Vereine Prags. Die Feier wurde mit einem Choral des Weinberger Tempelgesangvereines eingeleitet. Hierauf ergriff der Obmann des jüdischen Volksvereines, Herr Dr. M. Kohn das Wort. Cr entwarf ein kurzes Lebensbild Theodor Herzls und hob besonders jene Momente hervor, die in der Entwicklung Herzls zum Zionismus von Einfluß tvaren. Er würdigte seine Bedeutung als geistvollen Schriftsteller, als vorzüglichen Menschen von seltenem Seelenadel und makellosem Charakter. Er gedachte ferner seiner als zärtlichen Sohn, als liebenden Vater und Gasten. Mit begeisterten Worten feierte der Vortragende Herzl als Gründer und Führer der zionistischen Bewegung und führte treffend die Gegenüberstellung Th. Herzls mit Moses Mendelssohn, dem Abgotte der Assimilanten. aus. Hierauf sprach Herr Philipp Lebenhart in böhmischer Sprache. Er gedachte der Trauerzeit, in der die Juden jetzt leben» des kommenden Trauertag^s um den Fall Jerusalems, um daran die Bestrebungen des Zionismus anzuknüpfen und die Bedeutung des verstorbenen Führers für die gesamte Judenheit zu beleuchten. Nachdem noch ein Trauerchoral zum Vortrag gebracht wurde, sprach namens der zionistischen Jugend phil. Herr Hugo Bergmann. Seine zu Herzen dringenden Worte vermochten sofort alle Gemüter weich zu stimmen. Er feierte Herzl als Führer der Jugend. AIS er seine Hand zum Schwure erhob, treu zu den Idealen des Dahingeschiedenen zu halten, stand die ganze Versammlung bis auf einige Herren der ersten Reihe von den Plätzen auf. Die Augen aller waren mit Tränen gefüllt, viele hörte man laut schluchzen. In gehobener Stimmung gingen die Versammelten auseinander, jeder mit dem Betoußtsein, etwas Großes verloren zu haben, wie es in den Worte «.Ludwig Bornes enthalten ist» mit denen Dr. Kohn seine Trauerrede geschloffen: „Ein . Stern ist untergegangen, das Äljge des Jahrhunderts wird verlöschen, ehe er wieder erscheinen svird, eine Krone ist gefallen vom Haupte eines Königs, ein Schwert' ist gebrochen in der Hand eines Feldherrn, ein hoher Priester ist gestorben." — Im Weinberger Tempel wurde am Samstag vöm Herrn Rabbiner Dr. Weiner, in dev Zigeuner-Synagoge vom Herrn Rabbiner Dr. Deutsch, beim Morgengottesdienste das Andenken an Dr. Herzl gefeiert. St. Zborow. Am 14. ds., 1Ö Uhr vormittags, fand in der hiesigen Hauptsynagoge eine von dem zionistischen Lese- und Geselligkeitsverein in Gemeinschaft mit dem Jüdischen Handwerkerbildungsvereine veranstaltete Trauerandacht für weil. Dr. Theodor Herzl statt. Die.große Synagoge trug einen Trauerschmnck mit zionistischen Fahnen und Emblemen und konnte kaum die zahlreich erschienenen Trauergäste und Teilnehmer fassen. Die Trauerseier wurde mit einem Trauerchorale von dem Kantor S. H. Schmnes unter Mitwirkung eines Chors vorgetragen, eröffnet. Die Trauerrede hielt auf einer in Trauer gehüllten Kanzel Herr Juda Labiner, Lehrer an der hiesigen Baron Hirsch-Stiftungsschule in deutscher und hebräischer Sprache, in welcher er die hohe und unschätzbare Bedeutung des teuren Dahingeschiedenen für das Judentum und die Größe des unersetzlichen Verlustes schilderte. Dieser tiefempfundene Nachruf übte auf die zahlreichen Tvauergäste einen rührenden Eindruck aus und kein Auge blieb trocken. Nachher widmete Herr cand. juris B. Feldmann-Radler dem Verblichenen einen schönen Nachruf in deutscher Sprache, welcher von dem Publikum mit Interesse angehört ivurde. Mit der Rezitation eines „El mole" und „Kadisch-Gebet" für das Seelenheil des Heimgegangenen war die tief ergreifende Trauerkundgebung beendet und die bis in die Seele ergriffenen Trauerandächtigen verließen die heilige Stätte. Jüdische Kolomalbank. Herr Jacob.Kaan aus dem Haag, der schon bei Gründung der „Jüdischen Kolonialbank" Mtglied des Direktionsrates war und später demissionierte, wurde jetzt wieder in die Direktion gewählt. Wien. (T o m e c h E w j o n i m - V e r e i n.) Dieser seit elf Jahren bestehende und ob seiner ersprießlichen Wirksamkeit wohlbekannte Humanitätsverein zur Ansspeisung und Unterstützung armer durchreisender Israeliten, an deffen leitender Spitze Oberkantor M Scharr steht, hat sein bisher in der Leopoldsgaffe bestandenes Speiselokal aus Erfordernis-Rücksichten in die- Große Schiffgaffe 17 verlegt und steht nunmehr die rituelle Verwaltung des Vereines unter Aufficht Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner I. Fürst. Galizische Justiz. In Soklipchin (Galizien) wurden einige Juden und Christen wegen Ruhestörung vor den Richter gebracht. Die Angeklagten wurden schuldig erklärt, die ch r istlrchen Beschuldigten zu je.fünf und die j ü d is ch en zu z ehn Kronen Geldstrafe verurteilt. Als einer der Juden den Richter fragte, warum die Juden das Doppelte zu zahlen hätten, da doch ihre Schuld die gleiche ist, wie diejenige der Christen, antwortete der Hüter des österreichisch-galizischen Gesetzes: „Weil die Juden mehr Geld haben, müssen sie auch mehr bezahlen!" . . . Und da sagt man noch, die Juden wären in Oesterreich nicht gleichberechtigt! Antisemitismus im Heere. In Peczenisu (Galizien) stationiert jetzt Militär. Allabendlich kommen die Offiziere im Wirtshaus zusammen und unterhalten sich über — Tagesfragen. Zu den Tagesfragen gehört in Galizien in erster Reihe — der Jude. Bei vorgerückten Krügeln kam man auch richtig auf die Juden zu sprechen. Der Herr Major führt das Wort, und ztvar das Schimpfwort über die Juden. Ein jüdischer Offiziersstellvertreter aus Wien hört die gemeine Rede seines Vorgesetzten, er fühlt es, daß es mit seiner Soldatenehre unvereinbar wäre, wenn er die Verunglimpfung der Ehre seines Volkes wortlos über sich ergehen ließe. Unerschrocken schreitet er auf den Major zu, stellt sich ihm a l s Juden vor und fordert ihn zum Duell. Die anwesenden Offiziere erschraken über diese „jüdische Dreistigkeit", suchten -die Sache zu applanieren, der Jude beharrte auf seinem Standpunkte. Erst auf Intervention des Oberst K. wurde die Angelegenheit durch eine durchaus befriedigende Ehrenerklärung seitens des Majors beigelegt. Zn de» Bnkowinaer Landtagswahle». I» Suczawa beziffert sich die Zahl der in den Landtag Wahlberechtigten auf 751. Hievon entfallen auf: Juden 382, Deutsche 150, Rumänen 124, Polen 59, Armenier 18, Ruthenen 13 und Lipowener 5 Stimmend Die „jüdische Nationalität" im ungarischen Abgeordnetenhause. Ja einer der letzten Sitzungen des ungarische« Abgeordnetenhauses ist ein großes Unglück geschehen. Ein Mitglied der, Unabhängigkeitspartei sprach von den verschiedenen Nationalitäten, welche Ungarn bewohnen und beging das „Verbrechen", auch die Juden als „Nationalität" in der Liste z« erwähnen. Ein Sturm der Entrüstung seitens der jüdischen Abgeordneten unterbrach den verblüfften Redner, der auch nicht eher weitersprechen konnte, bis er seine Behauptung widerrief. Die Szene spielte sich übrigens folgendermaßen ab. Abgeordneter Gabanyi (Koffuthpartei) spricht gegen die Erhöhung der Zivilliste und sagt unter anderem: „In Ungarn wohnen zu viele Nativ nalitäten: Walachen, Sachsen, Jaden, Slovaken, Ruthenen u. s. w." Hierauf entsteht rin großer Lärm, mehrere jüdische Abgeordnete rufen: „Die Juden sind keine Nationalität". Gabanyi steht eine Weile verblüfft da und fährt dann lächelnd fort: „Gut, ich widerrufe, waS ich vondenJuden gesagt habe. Die Juden bilden keine Nationalität, sondern eine Konfession". Hiermit war die „jüdische Nationalität" im ungarischen Abgeordnetenhause vorläufig abgetan. Wodnian (Böhmen). Am 3. Juli fand hier unter starker Beteiligung das Begräbnis des k. u. k. Majors R. S. Edler von Lederer statt. Aus dem nächsten Garnisonsort war eine Offiziersdeputation erschienen, ferner wohnten dem Leichenbegängniffe Staatsbeamte, die Stadtvertretung, die Direktoren der Schulen usw. bei. Vor beut Tramrhanse hielt Rabbiner Kraus eine ti.fergreifende Leichenrede. Den Trauerzug eröffnete der Beteranenverein, dessen Ehrenmitglied der Verblichene war.