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Jüdisches Volksblatt · 1903-08-21 · 34 (21.8.1903) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
34 (21.8.1903)
Date
1903-08-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 21 August 1903 Nr. 34 ®vö)50 zu bleiben. Mimsterpräsideiüen, die Aussicht mif eine dauernde Regierung batten, stellte er in der Regel eine uatiauale Falle, in welcher sie sich verfangen, während er dem^lehten Ministerpräsidenten, der fast keinerlei Aussichten hatte, die Stelle zu behaupten, die er eiitnahin, sein Vertrauen in ostentativer Weise entgegenbraebte. Weitu man für die Schwäche und die Kurzsichtigkeit unserer Parlamentarier ein Mas; sucht, lvird inan es darin finden können, das; Graf Apponpi selbst von der Opposition als der bcstqualifizierte Ministerpräsident hingestellt lvird. Wir wollen die nationalen Forderungen, für welche unsere Jakobiner kämpften, nieht geringschätzen, aber sie sind ja doch nur, und unter allen Umständen nur ein O r n a m e n t des Staates oder der Nation, lvie unsere Gesetzgeber sich die letztere vorstellen. Wenn sie auch also von Apponpi voranssetzen, er lverde das Marinimn an nationalen Konzessionen bringen, lveleheS derzeit erreichbar ist, so rnus; man ja bei einem politischen Feldherrn doch auch darauf sehen, das; er imstailde sei, ein-Volk zu fuhren. Wenn »nan von der Vergangenheit ans die Zukunft schließen dar-f, dann hat Apponpi nicht die Fähigkeiten für einen führendeil Staatsmann. Der Mann hatte zeitlebens noch keinen ganzen Gedanken. Als Oppontionsmaitn ist er mit dem Limonade-Idealismus auSgekonnnen, dessen er sieh befleißigte, und dem er sein sonores Organ lieh. Mail fragt einen OppositionSmailn nicht biel nach dein Inhalte feines Programms, und da er sich ilnnter einen trikoloren Anstrich gab, gilt er als der Hüter unserer nationalen Rechte. Wie w e n i g dieses Prograntin aber bedeutet, geht schon daraus hervor, das; man vor vier Jahren, als Apponpi die Feit für gekommen sah, sich znm Liberalismus zu bekennen, sieh kein Mensch crkläreit konnke, ivarum er e r st jetzt seinen Liberalis - m n S e n t d e ck t e. Mail suchte in dem nationalen Programm AppoupiS, tvas denn Koloman Szell zur Verivirklichung dieses ProgrannneS getan konnte aber nichts dergleichen entdecken — es sei delur, das; er den Liberalismus Szclls für seicht genug hielr, selbst den tiefschwarzen IesuikiSmtis des Grafen Apponpi in sich aufzlinehmen. In dieser Hinsicht hat er sich tatsächlich nicht geirrt. Es hat sieb gezeigt, das; sieh der liberale IesuitiSmuS mit dem klerikalen ganz gut perträgt. Aber der letzrere ist geschickter, denn er hat den ersreren auS dem Felde geschlagen und wir sahen mit Staunen, das; das Iesnirenttnn selbst bei einem „idealen Politiker" lvie Graf Apponpi sich praktisch zu betätigen versteht. Bei dein Gedanken an Apponpi lebt alles auf, was klerikal und reaktionär i st. Herr Rakovs;kp wird noch Staatssekretär in einem Kabinet Apponpi, denn lvie Apponpi durch Szell, wird die Volkspartei durch Apponpi die liberale Weihe erhalten und unter schönen Phrasen wird bei uns eine nationalfarbige Reaktion aus dem llcbermas; bon Liberalismus erstehen, in welchem und durch ivelchcn dieses arme Land zugrunde gehen unis;! Auch lvir sind entschieden f ü r ein Kabinet Apponpi. In den letzten Jahren hat sich so viel au hergebrachter Autorität abgenützt, sind eine so große Anzahl narionaler Größen als leere Gernegroße beiseite geschoben worden, daß lvir nichts sehnlicher wünschen, als daß der Graf Fata Morgana, lvie man Apponpi treffend nannte, auch deit Weg aller irdischen Politiker gehe. Eine praktische Tat ist von ihm nicht zu erwarten, nicht ein Tröpfelt , Energie steckt in diese nt vielgefeierten Alaune, er ist in so fader; Weise brav und anständig, er ist so leichiglänbig, daß in diesem' La'.'.de unter seinem Regime alles zum Stillstände verurteilt seilt wird. Dagegen iverdeit die klerikaleli Bentelschneider uild andere Ritter der öffeilrlichen Gelder reiche Beute haben, deinl Graf Apponpi hat nicht die Fähigkeit, seine Lellte zu wählen, unb im . klerikalen Gewände gibt es für ihn nur anständige Menschen. Bei dieser Disposition wird Graf Apponpi seinen kurzen Siegeszug bald beendet haben. Mit ihm verschlviitdct danit eine groß e Stütze des g c g c n iv ä r t i g c n Verl o g tuen S i) st e m s welches sieb auf falschem Idealisinus aufbaut, damit es sich voir jener Sterilität zurückziehen könne durch lvelehe das Volk vorlvärtS kommt. Deitlt nur dann erst, lvenn Appoitpi und seine Leute voit der Politik nichts mehr zu hoffen haben, wird sich eine Ricbtiiltg heransbildelt können, die bei allem Nationalismus, deitlt dieser hat sich noch iticht a'aSgelebt, doch auch die Interessen des Volkes in deit Bereich der staatlichen Aufgaben lvird ziehen wollen. Die Juden in Rußland nnd Amerika. Der „(Jas" schreibt (Eine Zuschrift eines russischen Tschechen als Antwort auf die „Nacodni Listy"): Die russischen Juden tvurden aus Rußland nicht „ausgewiesen", sondern die Polizei hat sie g>- zwungen, aus den Ortschaften, wo sie nicht das Ansiedlungsrecht hatten, in die Orte zurückzukehren, wo sie eingeschrieben waren. Indem wir vorläufig davon schweigen, daß diese Art der Ersüllung der Vorschriften bezüglich der Juden ein beliebtes Mittel zur Bereicherung der russischen Bureaukratie bildet, berichtigen wir bloß, daß den Juden die Auswanderung durch Verweigerung der Pässe sogar erschwert wurde. Uebrigens ist der Preis eines Passes für einen russischen Untertan, für einen armen Teufel (und das waren insgesamt die jüdischen Auswanderer) ein großes Hindernis. Denn es kostet ein solcher Reisenachweis, für ein halbes Jahr und bloß für eine einzige Gcenzübersahrt giltig, 17 Rubel 40 Kopeken ohne die (üblichen) Nebenausgaben für „caj" an die Polizei, Porto und vergeudete Zeit und Mühe. Der gewöhnliche Preis eines solchen Passes mit den Nebenausgaben ist also in österreichischer Währung ungefähr 60 Kronen und ohne Paß kommt man in Rußland nicht weiter.; In dieser Behandlungsweise der Juden wurde das wiederholt, was die Egypter mit ihnen zu Moses Zeiten taten: zuerst zeigten sie ihnen die Tür und dann jagte hinter ihnen Pharao mit seinem Heere. Uebrigens wurde auch so mit den in Wolin ansässigen Tschechen verfahren. Diese waren in den Jahren 1884 und 1801 auf verschiedene Weise bedrückt und gereizt worden, damit sie aus Rußland auswandern und schließlich wurde ihnen angezeigt, daß jeder T s ch e ch e, s e l b st wenn er russischer Untertan w äre, sofort einen Paß erhalte. Wer sich aber gemeldet hat, hat ihn nicht nur nicht erhalten, sondern wurde als Aufrührer in Untersuchung gezogen. Darüber ist wohl kein Streit, daß die armseligen Massen der jüdischen Auswanderer aus Rußland für Amerika keine erträgnisreiche Akquisition bilden konnten. Ihnen selbst war der Aufenthalt in Amerika keine Quelle der Wohlfahrt: denn mit der landwirtschaftlichen Taglöhnerei haben sie sich nicht abgegeben, zil Unternehmungen hatten sie kein Geld und wegen Unkenntnis der Sprache, der Verhältnisse und der ungünstigen Eignung für den fortgeschrittenen amerikanischen Handel konnten viele in der i neuen Welt nicht Wurzel fassen. Das war der negative Antrieb zur Rückkehr nach Rußland, wohin sie nach dem amerikanischen Mißerfolge keinesfalls das „niustergiltige und edle" Regime eines Pobednoszew-Sypjagin lockte, sondern die Hoffnung, daß sie in einer bekannten Gegend unter unkultivierten Leuten sich eher durchschlagen werden. Es möge der „russische Tscheche" die Berechtigung der Bezeichnung (der Juden) als „kulturelleres Element" bestreiten, aber gerade mii seinem Hinweise aus die westlichen Kreise Rußlands schlügt er sich selbst, denn jeder, welcher das Leben dort kennt, wird zugeben, daß die Juden in jener Gegend ein weit größeres kulturelles Element bilden als ihre M u/. i k Umgebung (Mu'/ik ist der russische Kleinbauer, Anm. d. Red. d. „I. B."), nicht einmal die Popen und die ländliche Beamtenschaft ausgenommen. Denn es können die Juden insgesamt lesen, schreiben und gut rechnen und stehen immer an der Spitze der Mu/ik-' Unternehmungen, sei eS im guten oder im bösen. Die Tatsache, daß die Juden in Rußland vieler Rechte beraubt sind, welche sie aber durch Annahme der Taufe erlangen, führte offenbar zum Uebertritt zum orthodoxen Glauben und diesem (dem Uebertritt«) sollte dadurch, ganz im Sinne jener pharaonischen Politik, begegnet werden, daß die allerheiligste Synode vor der Oeffentlichkeit mit ihrer Gleichgiltigkeit gegenüber der Sehnsucht der jüdischen Masse für die Annahme der Orthodoxie prunkte. So lange uns daher die kompetenten russischen Sachverständigen nicht eines Besseren belehren, sind wir nicht in der Lage, die Aussprüche des „russischen Tschechen" als Autorität hinzunehmen und dieses umsoweniger, wenn wir weiter lesen, daß „in Rußland eine Intoleranz niemand fühle; eine Arbeiterfrage es dort nicht gebe!!!" (Siehe Kiew: Arbeiterstrike und Exzesse mit 60 Toten und tausenden Verwundeten! Anm. d. Red. d. „I. V.") Hat denn der Schreiber jener Sätze die Begebenheiten der letzten Jahre verschlafen? Ist ihm denn gar nichts bekannt von dem Zwange der tschechischen Kolonisten zum Uebertritt zur Orthodoxie; weiß er nichts von der Bedrückung der Polen als Katholiken; hat er ganz aus dem Gehöre verloren die Nachrichten von der Bedrückung der Duchoboreen, Molokanen rc.? Ist ihm gar nichts bekannt von den Arbeiterunruhen in den Fabriken der russischen Zentralen, welche sich mehrmals im Jahre wiederholen und kleine Schlachten mit einer ordentlichen Anzahl von Toten und Verwundeten abgeben? Diese Unruhen entstehen aus der „großen Sorgfalt" für das Wohl der Arbeiter? Kann sich der „russische Tscheche" nicht die Gründe herausdenken, warum dieses furchtsame Element, wie es die russischen Juden sind, sich an Straßendemonstrationen beteiligt und sogar einen erfolgreichen Sturm auf das Gefängnis in Minsk unternahm, welches sie demolierten?! Die Juden in Rußland nnd die Reger in den Vereinigten Staaten. Der „ü a s" schreibt: Zu dem ersten und hauptsächlichsten Teile des Artikels der „Narodni Listy" vom 2. August 1003 aus der Feder eines „russischen Tschechen" antwortet in dieser 'Jlummcc (des „Ö as") gleichfalls ein russischer Tscheche. (Das ist der vorzitierte Artikel. Anm. d. Red. d. „I. V.") Wir können nichts zu diesen Ausführungen hinzufügen. Wir beachten bloß, was der „russische Tscheche" über A m er i k a urteilt, wo er nicht war, obgleich er uns ein Urteil über Rußland verbietet, wo wir waren. Hiebei schreibt er so, als ob wir mit den Juden halten und das Kischenewer Morden zum Nachteile des guten Rufes Rußlands breittreten würden. Am guten Ruse schadete sich damals am meisten Rußland selbst — wir haben bloß ehrlich gemeinte Referate gebracht, in welchen wir keinesfalls Rußland als Volk angriffen, sondern seine Negierung, welche die Erziehung des Volkes derart vernachlässigt hat, daß eine solche Barbarei dort überhaupt möglich werden konnle. Der russische Tscheche gibt die Anzahl der Juden in den Vereinigten Staaten samt Kanada auf 160.000 Seelen an. Es sind aber ihrer in New-Iork allein 600.000, in Chicago 300.000 und in ganz Amerika 3 Millionen. Eine solche riesige Unkenntnis ist ein schlechtes Zeugnis für den gewissen Geographieprofessor, den ivir in dem russischen Tschechen vermuten und dem das Büchlein „Ein halbes Jahr im Zarenreiche" soviel am Herzen liegt. Daß die amerikanische Regierung die russischen Juden in die amerikanischen Staaten nicht gerne einwandern sieht, liegt in der Menge, welche sich dorthin wälzt. Keineswegs durch ihre eigene Schuld ist sie gezwungen, nur um ihr Leben zu erhalten, selbst mit dem geringsten Verdienste zum Schaden der einheimischen Arbeiterbevölkerung zu arbeiten. Aber insoweit sie sie unter ihr Dach aufnehmen und in ihnen den Keim einer ordentlichen Bürgerschaft sehen kann, hat sie gegen sie als „Juden" keinerlei Einwendungen. Wenn doch einige von ihnen nach Rußland zurückkehren, desto besser für — Rußland, wo sie — und das wiederholen wir mit Nachdruck — selbst wenn sie nach Amerika nicht auswandern, ein höheres Kult Urelement bilden, als der russische Kleinbauer. Sie können wenigstens lesen und schreiben, selbst wenri sie einzelne Fehler haben, welche uns nicht weniger zuwider sind, als dem „russischen Tschechen" in der „Narodni Listy". In einem Bette möchten wir mit keinem von ihnen schlafen, ebensowenig wie der „russische Tscheche" mit „arnerikanischen Negern". Zum sechsten Kongreß. Wie die Odeffaer „Nowosti" meldet, hatte die Reise Dr. Herzls, die er in Begleitung Direktors Dr. K a tz e n e l l e n s o h n von der Kolonialbank unternahm, den Zweck, die Aufhebung des Verbotes, Shares der Kolouialbank in Rußland einzuführen und zu verbreiten, von der Regierung zu erwirken. Wie die „Welt" meldet, war die Reise von Erfolg begleitet. — Bezüglich Palästinas werden am Kongresse drei Strömungen sich geltend machen. Ein Teil will in Konsequenz des Minsker russischen Zionistentages ohne Rücksicht auf die Höhe des Nationalfonds sofort mit dem Landkaufe nnd mit der praktischen Kolonisation beginnen. Ein anderer Teil will Land kaufen, ohne zu kolonisieren und der dritte Teil will den Landkauf solange vertagen, bis der Nationalfonds die Höhe von fünf Millionen Franks erreicht hat. Wir brauchen wohl nicht hinzuzufügen, daß wir in Konsequenz der bisherigen Haltung für den sofortigen Landkauf und die praktische Kolonisation in Palästina eintreten. — In Oesterreich wurden bisher als Delegierte gewählt: Dan. S. Albacbary, Dr. M. Brande, Dr. M. Bernhardt, Dr. A. Bryk, Jul. Bondy, I. Baad, Minna Baad, Martin Buber, Dr. M. Ehrenpreis, D. Eltiß, I. Eckstein, Ch. I. Ehrlich, S. Friedmann, Adele Friedmann, Rosa Feigenbaum, Frau Dr. B. Farbstein, M. Freud, Isidor Gewitsch, Sal. Glas, Frau Amalie Grimberg, Dr. S. Goldberg, Jak. Grünberg, Dr. H. Gabel, Dr. Theodor Herzl, Karl Hirsch, Dr. Leopold Kahn, Frau Dr. Kahn, Dr. O. Kokesch, I. Kcemenetzky, Dr. A. Kornhänser, Sch. Langer, E. M. Lilien, Architekt Oskar Marmorek, Dr. I. W. Marmorek, Dr. D. Malz, Dr. PH. Mcnczel und Frau, Dr. Alfr. Nossig, Dr. Franz Oppenheimer, S. Pergamenter, I. S. Philipp, Karl Rezek, A. H. Reich, Dr. S. Rosenheck, Frau Sofie Robitschek, Doktor I. Reiß, Dr. I. Schalit, Herrn. Schimmer, Dr. S. Soskin, Siegm. Stegmann, Gustav Singer, Dr. H. Sußmann, D. H. Tieger, E. Tvrczyner, Dr. S. Wahrhaftig, Siegln. Weißglas, Dr. Siegm. Werner, H. Wrk-Steiiier, Dr. E. M. Zweig. Wie sozialdemokratische Führer kämpfen. Die „Arbeiter-Zeitung" vom 19. d. M. bringt folgende Berichtigung: „Die Redaktion des „Jüdischen Volksblatt" schickt uns folgende Berichtigung: Es ist unwahr, daß, was in der „Wahrheit" stand, gleichzeitig (das ist bemerkenswert) im „Jüdischen Volksblatt" und im „Deutschen Volksblatt" erschien; wahr ist vielmehr, daß im „Jüdischen Volksblatt" weder gleichzeitig mit dem „Deutschen Volksblatt" noch zu einer anderen Zeit irgend etwas aus der „Wahrheit" erschien. Für die Redaktion des „Jüdischen Volksblatt": Jakob Krausz." Zur Orientierung unserer Leser bemerken wir folgendes: In Floridsdorf gibt eine sozialdemokratische Gruppe eine Zeitung, „Wahrheit", heraus, die es sich zur Aufgabe stellt, die Korruption im sozialdemokratischen Lager zu bekämpfen. Wir haben ubsichtlich von diesem internen Streite bis heute nicht mit einer Silbe Notiz genommen. Dies hinderte aber den Gerichtssaalbekannten Genossen Schlinger nicht, in einer Floridsdorfer Versammlung laut Bericht der „Arbeiter-Zeitung", um der Opposition eins ans Zeug zu flicken, zu erklären, daß die Angriffe der „Wahrheit" bemerkenswerterweise immer gleichzeitis im „Jüdischen Volksblatt" und im „Deutschrn Volksblatt" erschienen. Das ist eine freche, tendenziöse Lüge des Genossen Schlinger. Es ist bezeichnend für ihn, daß er sich die Kampfesweise des Dr. Josef Samuel Bloch zu Eigen gemacht hat. Wir werden in der nächsten Nummer auf den ganzen Hintergrund der Affäre des Weiteren zurückkommen. Die Red. Gedenktage. August. 8. 1808 st. Ad. Sutro, Justizeat. 0. 1821 geb. i. NikolSbnrg Heiur. Landesmaim, Dichter, 1826 st. i. Hamburg Meier Kornil, Mathemat. 1827 st. i. Lengsfeld Rabb. Isaac Heß. 10. 1728 st. i. Modena Nabb. Jchnda Mazliach Padova. 1832 geb. i. München Elise Heule. 11. 1881 >v. i. Ncn- Szagarren 400 Jndenhänser n. Spilngogen verbrannt. 12. 1822 geb. i. Wien I. S. Täuber, Dichter. 182!) st. i. Karlsbad N. Mordecpai Be net. 1836 ft. i. Venedig Elasar Morpugo. 13. .1463 bluteten Märtyrer in Liegnitz und Schlveidnitz. 1721 st. Le Long (Bibliotheca sacra). 1831 geb. i. Breslau Sal. Iadassahu, Komponist. 1866 st. i. Dresden Will). Wolfson, Dichter und Sehr. 16. 1342 st. i. Toledo R. Simeon 9l. Ascher. 1648 st. i. Krakau N. Iosua b. Joseph. 1756 st. N. Jacob Iosna (Pne Joschna). 1762 st. i. Amsterdam R. Moses b. Simeon Frankfurt. 1784 geb. i. Lippchne Moses Moser. Ab. 12. 1208 lvnrde ans Anstifken eines sog. Edelniannes, namens Rindfleisch, die große jüdische Gemeinde Würzburg fast vollständig aufgerieben. 13. 1820 st. i. Karlsbad (beerdigt i. Nikolsburg) N. Mord. Beuel, fast 40 I. mährischer OberlandeSrabb. 14. 1704 geb. i. Detmold Leop. Znnz. 10. 1876 st. über 100 Jahre all in London der Philanthrop Sir Mos. Montefiore. 20. 1836 st. i. Amsterdam Karl Asser, Staatsrat. Ausländische Patienten irr den Wiener Spitälern. Die niederösterreichische Statihalterei hat an die Leitungen der Wiener öffentlichen Krankenaiistaltcn nachstehenden Erlaß betreffend die Einschränkung der Anfnahnie von ansländischen mittellosen Patienten, insbesondere russischer Staatsangehörigen, gerichtet: „Da die russischen Behörden Berpflegskostenangelegenheiten nur für den Fall in Verhandlung nehmen, wenn die Zahlungsfähigkeit der Verpflegten, beziehungsweise seiner Zahlungspflichtigen Verwandten, augenscheinlich ist, auch in der Regel die Ausstellung von Armutszeugnissen und Bestätigungen der russischen Staatsangehörigkeit verweigern, der niederösterreichische Landcssonds diese uneinbringlichen Gebühren ohne den legalen Ausweis der Mitellosigkeit und ausländischen Staatsangehörigkeit der Verpflegten nicht auf den niederösterreichischen Laudesfonds übernimmt, so ist die genaueste Befolgung der wiederholt erneuerten Anordnung, betreffend die Aufnahme von Ausländern, i n sbefodere von Israeliten ans Rußland, Rumänien und der Levante dringend geboten. Die Aufnahmsärzte und Beamten sino daher neuerdings nachdrücklichst anzuweisen, bei der Aufnahme von zahlungsunfähigen Ausländern, insbesondere Russen, mit der größten Vorsicht und Rigorosität vorzugehen und derlei Patienten nur im Falle der unbedingten Unabweisbarkeit in den Krankenstand aufzunehmen. Den Herren Abteilungsvorstünden wird es zur strengen Pflicht zu machen sein, Patienten, d.e Ausländer, insbesondere russische Staatsangehörige sind und für welche die Verpflegskosten nicht im vorhinein erlegt werden oder sichergestellt sind, nur solange in Pflege zu behalten, als unbedingt notwendig ist." Wie wir weiters erfahren, werden von nun an Patienten, welche Ausländer, insbesondere russische Staatsangehörige sind, in besonderer Evidenz gehalten werden und bezüglich der Durchführung des Erlasses eine strenge Kontrolle Platz greifen. Sollte bezüglich der „Unabweisbarkeit" eines Patienten, welche vom Jonrnalarzte in einem besonderen Unabweislichkeitsparere begründet werden muß. irgendwelche Unklarheit herrschen, so werden die genauesten Erhebungen, eventuell durch Augenschein, gepflogen werden. Die Weigerungen der aulländischen Heimatsbehörden, für die Spitalskosten von Israeliten anfznkommen, hängen mit der ungeregelten staatsbürgerrechtlichen Stellung der Inden in den bctreffrnden Ländern zusammen. Soweit das offiziöse Kommunique. In Wirklichkeit ist der ganze Erlaß nichts anderes als ein Kotau des Statthalters vor der christlichsozialen Partei. Eine Dringlichkeit besteht in keinerlei Hinsicht. Denn der Andrang der Patienten ans dem Osten läßt von Jahr zu Jahr nach. Dafür sorgt schon der sinkende Glanz der Wiener medizinischen Schule, die heute von der antisemitischen Cliquo R e u s s e r, C h v o st e k, O r t n e r beherrscht wird. Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldftadt" (II., Stephaniestraße 8). Mittwoch, den 26. August 1903, Vereinsabend mit Vorlesung von Herrmann Heyermauns „Ghetto" durch Herrn Emil Obernik. Beginn präzise 8 Uhr. Gäste herzlich willkommen. Die vereinigten jüdischen Arbeiterorganisationen Wiens veranstattell anläßlich des sechsten Kongresses am 22. August 1903 (Samstag) im Prachtsaale des Hotel Guth, II., Stephaniestraße 14, ein Fest mit Vor-

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