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Jüdisches Volksblatt · 1901-10-11 · 41 (11.10.1901) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
41 (11.10.1901)
Date
1901-10-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 41 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. October 1901 Seite 3 sie in ihren politischen und bürgerlichen Rechten hintanseht, indem er deren heiligste Gefühle als gleichwertige Staatsbürger in heftigster Weise verletzt und deren Empfindungen in Glaubenssachen in schonungslosester Weise berührt. Wenn Bürgermeister Dr. Lueger thatsächlich die hohe und reine Auffassung von der Heilighaltung eines Eides besitzt — hxtritnt macht er dann bei den Juden eine Ausnahme? Hatte er etwa bei dem bei seinem Amtsalltritte geschworenen Eide eine Mentalreservatiou? Das kann man doch wohl von einem Juristen nicht gut anuchlllen. - Wenn daher Dr. Lueger den Juden gegenüber die von Seiner Majestät dem Kaiser sanctionierten Staatsgrundgesetze nicht in AiNvenduilg bringt, so verletzt er logischerweise diesen seinen Anitseid, imb das möchten wir in einfacher ulld ilackter Weise constatiert habe,:.. Wir trolleil uns aber damit llicht begnügen. Wir Juden silld uns betvusst, treue Bürger des Staates zu sein. Wir tragerl zu den Pflichten des Staates mit unserem Bllite und unserem Vermögen bei, und wir dürfen fordern, dass wir in unseren Rechten nicht angetastet tverdeil. Wir dürfen verlangen, dass mls gegenüber die Gesetze gehandhabt werden, lvie gegen jeden anderen Bürger des Staates, welcher Confession mimer. — Wir. erklären jedermann als ei db r ü ch i g, sei er nun Bürgermeister der Reichs- Haupt- und Residenzstadt Wien oder in irgendwelcher wie immer gearteten öffentlichen Stellung, der es wagt, unsere von Allerhöchster Stelle verbrieften Rechte allzutasten ltrtb uns als Bürger zweiter Classe zll behandeln. Wir werden ilicht erlnüden, diese wenn auch crasse Beschuldigung zu erneuern und in die Welt zu rufen, bis in der bisherigen Praxis Wandel geschaffen sein wird. — Wir sind uns der Consequenzen bewusst, die mit uuserem heutigen Nothschrei verbunden sind; allein wir gedenken diese Consequenzen zu tragen und werden usgue ad fillem für die Wahrllng der Rechte der jüdischen Staatsbürger den Kanlpf uugeschwächt fortsetzell. Zu dm Wmslhm Reichstassvahim. Die ungarischen Reichstagswahlen sind abgesehen von einigen Nachwahlen bereits beendet, und man kann daher schon ein zusamnlellfasseildes Urtheil über die Bedelltlmg der beendeten Wahlcampagne für Ungarn im allgemeinen und für die ullgarischeil Juden im besonderen abgeben. Der magyarische Liberalismus hat wohl bei ben diesmaligen Wahlen noch einmal gesiegt, er besitzt zwar noch ilnmer die Majorität der ungarischen Reichstagsmandate, aber er hat seinen Höhepunkt überschritten, wie der Verlust von 40 Mandaten beweist. Allein bei Beurtheilung der Situation in Ungarn kolnmt nicht nur in Betracht, wie viele Mandate die magyarisch-liberale Regierungspartei verloren hat, sondern auch uilter welchen Modalitäteil. Die Situation tvar im allgemeinen diesmal iloch der herrschenden lnagyarischeil Partei besonders günstig, weil eillerseits die liberale Partei durch die Fusionierung mit derApponyi-GrupPe, der ehemaligen Nationalpnrtei, einen Theil der Opposition zil sich herübergezogen hatte uild tveil aildererseits der Rest der Opposition in mehrere sich gegenseitig befehdende Gruppeil mit keineslvegs allzu populäreil, derzeit unrealisierbaren Progrannneu gespalten war; dennoch habeil alle Gruppen der Opposition größere oder geringere Erfolge zu verzeichnen. Die Kossuth-Partei gewaml ca. 26, die Ugron-Fraction 3 lllid die clericale Volkspartei 6 Mandate. Dass gerade die Kossuth-Fraction die meisten Erfolge bei den diesnlaligell Wahlen zu verzeichneir hatte, ist zlim nicht geringsten Theile darauf zurückzu führen, dass man in den nlagyarischliberateil Negierungskreisen und in der magyarisch-liberalen Presse stets mit der Kossuth-Partei kokettiert hat nitb noch immer kokettiert, ihre Bundesgeilossenschaft gegen die Volksparteiler stets acceptierte und trotz der staatsrechtlichen Differellzen ztvischen den heutigen magyarischen Machthaberil imd der Kossuth-Partei inllner darauf hinwies, es könnten Verhältilisse eintirctcn, unter denen ganz Xlngam sich auf den Standpunkt der personalnnionistischen Kossuth-Partei fteTten würde. Es wäre aber ein großer Jrrthlim ailzlmehmen, dass die Fortschritte der Kossuth-Partei vorwiegend anf ihr staatsrechtliches, auf lveitcre Lockerllng des Verbandes mit Westösterreich gerichtetes Prograimil zurückzuführen seien. Die.Kossuth-Partei erfocht vielmehr in erster Linie als Opposition gegen das herrschellde llilgarische Negierungssystem lilld erst in zweiter Lillie als personalunionistische Partei so zahlreiche Siege. Andererseits tvurde der bereits politisch tobtgefagte llgron einstimmig wiedergewählt. Die Ugron-Gruppe, die in staatsrechtlicher.Hinsicht gemäßigter alsdieKossuth-Partei im Gegellsatze zu den mit deil Liberalen liehäugelnden Kossuthianeru zlir clericalen Volkspartei hinüberneigt, zieht zehn Maml hoch in den ungarischeil Reichstag ein; im Kampfe gegen deil Liberalisnlus tvird sie mit deil 20 Abgeordneten der Ungarischen Volkspartei solidarisch Vorgehen. Weilil die Volkspartei diesnlal, im Gegensätze zu verschiedenen Hoffnungen liild Befürchtungen, nicht stärker als 20 Mann im ungarischen Reichstag erscheint, so ist dies theilweise auf Differenzen zilrückzllführell, die im letzten Momente im Schoße der Volkspartei zwischen deil conservativeren und radicaleren Elenlentell entftanbeu finb, ferner auf den Mailgel an geeigneten Reichstagscaildidaten sowie vor allein daralif, dass die nicht-magyarischen Nationalitäten, soweit sie überhaupt in Action traten, nicht, wie angellolumen wurde, für die Volkspartei-Candidaten stinullten, sondern selbständige Cmldidaten anfstellten und nur in einigen Fällen für die Candidaten der Volkspartei stilnmteli. Zum erstenmale aber ziehen in den ungarischen Reichstag vier slovakische Abgeordnete und ein serbischer Deputierter ein. Diese werden nebst den siebenbürgisch-sächsischen und den croatischen Deputierten das Phantom zerstören, dass die 97 Percent magyarischen Abgeordneten, die von 40 Percent der magyarischen Bevölkerung getvählt werden, das Recht besitzeil, auch namens der 60 Percent Nicht- Magyaren das große Wort zu führen. — Ja, dies ist das charakteristischeste Moment der ungarischen Neichstagswahlen, dass es Unbehagen und Staunen erregt, weiln die uichtmagyarische Majorität der ungarischen Landesbewohner deutscher, slovakischer, serbischer uslv. Nationalität sich rührt und Beim ersten Ansturm 5 Nationalitäten-Abgcordnete slovakischer und serbischer Abstalllmung in den Reichstag durchzubringen vermag. Die nichtmagyarischen Nationalitäten rühren sich getvaltig, das zeigen die diesmaligen Wahlen; unter den Slovakeu, Serben und Deutschen ilicht nur Siebenbürgens, sondern auch unter den ungarischen Schwaben gährt es getvaltig, und in absehbarer Zeit werden auch die Rumänen Ungarn-Siebenbürgens ihre Passivität aufgeben. Für die magyarischen Machthaber werden sich die nichtmagyarischeil Nationalitäten allerdings dann fühlbar machen, wenn das heutige reaetionäre Wahlsystem, welches mehr als vier Fünftel der ungarischen Bevölkerung vom Wahlrecht ausschließt, gefallen ist. Die uichtmagyarische Nationalitätenpartei ist der einzige ernste Gegner nicht nur der heutigen Negierung ulld der magyarisch-liberalen Negieruilgspartei, sondern des anf Vorherrschaft der magyarischen Nationalität basierenden dualistischen Systems. Die ganze Opposition in allen ihren Schattierungen, so sehr sie auch die Negierung und die liberale Partei bekämpft, hat doch gemeinsam mit ihr den nationalen Chauvinislims, das Bestreben, die nichtmagyarischen Nationalitäten zu vergewaltigen und den Wunsch, die heutige Wahlordnung zu erhalten, der sowohl die Regierungspartei als auch alle magyarisch-oppositionellen Gruppen die überwiegende Mehrheit ihrer Mandate verdanken. So lange dieses Wahlsystem besteht, erklären auch die Vertreter der nichtmagyarischen Nationalitäten ist es ein Humbug, von reinen Wahlen zu sprechen, und damit begrmnden auch die ungarisch-siebenbürgischen Rumänen ihr Verharren in der Passivität. Es musste dies alles mit der nothwendigen Ausführlichkeit dargelegt tverden, weil die liberale Presse dies- und jenseits der Leitha aus dem Wahlergebnis vielfach falsche Schlüsse auf die Stimmung der ungarischen Gesammtbevölkerung zieht und es insbesondere für die ungarischen Juden verhängnisvoll wäre, die ungarische liberale Regierungspartei nur nach ihrer Größe und nicht nach ihrer Zusammensetzung zu beurtheilen. Die ungarische Regierungspartei, wie alle üBrigcit Gruppen des ungarischen Reichstages sind nicht homogener Natur. Die verschiedenartigsten und vielfach entgegengesetztesten Elemente, mit vielfach einander widersprechenden wirtschaftlichen und politischen Programmen, sitzen in demselben Club beisammen und sind unter der Collectivbezeichnung „Liberale" gewählt worden. Man muss also von Seiten der ungarischen Juden auf allerlei Neberraschungen gefasst sein; der Antisemitismus ist nirgends mit offenem Visir aufgetreten, aber viel gefährlicher ist jener verkappte Antisemitismus, der unter liberaler und anderen Flaggen in llngarn bei den Wahlen auftrat. Diesbezüglich müssen wir nochmals auf die bereits an anderer Stelle erwähnten einstimmigen Wahl Ugrons Hinweisen, die in einem seltsamen Contraste zu dem Durchfalle des Ex-Ministers Colomau Tisza steht, des langjährigen Führers der liberalen Partei, zu deren Hauptsäulen., er noch immer zählt. Wenn man dazu noch in Betracht zieht, dass einer der hervorragendsten ungarischen Parlamentarier, der angeblich Präsident des ungarischen Reichstages werden soll, Graf Albert Apponyi, nur mit Mühe in jenem Wahlbezirke als Anhänger der liberalen Partei sein Mandat behauptete, in welchem er als Führer der Nationalpartei stets bejubelt und mit großer Majorität gewählt tvurde, so ist auch dies ein Beitrag zur Charakterisierung der ungarischen Zustände. Es darf ferner nicht unerwähnt bleiben, dass in Budapest, das bisher am treuesten zur liberalen RegieruugspaRei hielt, der liberale Regierungscandidat unterlag, gegenüber dem Führer der ungarländischen Demokraten Dr. Vaszsony, der mit ungeheuerer Majorität zum Reichstagsabgeordneteu getvählt tvurde. Auch dies ist ein getvaltiger Schlag für den magyarischen Liberalismus. Dagegen ist cs bemerkenswert, dass socialdemokratische Candidaten überall nur verschwindende Minoritäten auf sich vereinigten, tvomit aber keineswegs, gesagt ist, dass bei einer cttvaigen Aenderung des Wahlsystems in einigen Wahlbezirken nicht auch einzelne Socialdemokraten getvählt werden konnten. Wenn man die Gesammtsituation in llngarn nach den Wahlen überblickt, so Zeigt dieselbe eine Äehnlichkeit mit der politischen Lage in West-Oesterreich im Jahre 1879 bei Beginn der Aera Taaffe. Die liberale Partei besitzt tvobl im ungarischen Reichstage eine große Majorität, sie ist heute uoch so stark, wie sie vor der Fusion mit der Ayponyi-Gruppe tvar, aber ihre Stärke beruht ebenso wie die der ehemaligen deutsch-liberalen Partei nicht anf ihrer Volkstümlichkeit, sondern anf einer künstlichen Wahlordnung. Und so wie seinerzeit in Cisleithanien Clericalismus, Nationalismus, Antisemitismus und Socialismus sich in das Erbe der deutsch-liberalen Partei tbeilten, so liegen auch in Ungarn ernste Ansuchen vor, dass es auch dort mit der magyarisch-liberalen Partei abwäris geht und auch dort melden sich bereits dieselben lachenden Erben. Die ungarischen Juden können nicht oft genug getvarnt werden, ihr Schicksal allzu enge mit einer der dort herrschenden l Parteien, sei es der magyarisch-liberalen, sei es der Kossuth- Partei oder einer anderen bestehenden Fraction zu verquicken, und vor allem müssen sie endlich zum Bewusstsein gelangen, dass nichts verhängnisvoller für sie ist, als auch in Zukunft, Inte bisher in der Vergangenheit, der Magyarisierung und dem nationalen Chauvinismus Vorschub zu leisten. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass man auch jenseits der Leitha sich tvird entschließen müssen, ebenso an die Gleichberechtigung der Nationalitäten zu schreiten wie diesseits der Leitha; jedes andere Negierungssystem, welches nicht auf der Gleichberechtigung aller Völker der habsburgischen Monarchie aufgebaut ist, fördert den nationalen Chauvinismus, Jrridentismus und Antisemitismus, untergräbt die Existenzbedingungen und die Existenzberechtigung des Reiches und schädigt dadurch die culturelle und wirtschaftliche Entwicklung aller Völker dies- und jenseits der Leitha und nicht in letzter Linie — der Juden. Die Juden verfügen Wohl im ungarischen Reichstage über 16 jüdische Abgeordnete, von denen aber der größte Theil nahezu ausschließlich magyarisch-chauvinistische nicht aber jüdische Interessen vertreten wird. Jüdische Abgeordnete sind: Josef Veszi (Altofen), Paul Sandor, Budapest (6. Bezirk), Theodor Wolfner (Gödöllö), Berthold Weiß (Nagy-Jta), Paul Mandel (Bato), Dr. Arnim Neumann (Berecz), Dr.Wilhelm Vaszony (Budapest), (Demokrat), Dr. S. Bakony (Debreczin) (2.Bezirk), Dr. Aladar Reich (Baya), Dr. Some Visontai (Gyöngyös), Edmund Barta (Völbedeck), N. Genieny (Szilagyzo), Dr. Franz Heltoi (Oglaut), Dr. Alexander, Dr. Marcel Beck (Rassist), Moriz Nevay (Sick). Neugewählte Abgeordnete sind davon Vaszony (Demokrat), Sandor Bakony und Reich; von den alten fehlen Franz Chorin, Julius Nosenberg und Moritz Mezö. Jüdische Interessen dürften nur Vaszony und vielleicht Sandor und Bakony vertreten. Anlrmv. Wien. (Ein Erfolg der Intervention des „I. V.".) Unsere Leser erinnern sich der Artikel aus der Feder des Herrn S. D., die wir in Angelegenheit der ungerechten Bestrafungen vieler Handelsleute brachten. Wir können mit Befriedigung darauf Hinweisen, dass diese Artikel selbst im christlichsocialen Lager Aufsehen machten, und der Herr Johann Pabst bei seinem Referate das „I. V." benützte. Die Angelegenheit ist auf dem besten Wege, zugunsten der Kaufleute erledigt zu werden, wie nachfolgende Meldung beweist: Eine Audienz beim Statthalter. Am 10. September l. I. wurde eine Deputation von Vertretern der Corporationen von Handelsleuten von Sr. Excellenz dem Herrn Statthalter in seiner Eigenschaft als Präsident der k. k. Finanz-Landes-Direction in Audienz empfangen, um in Angelegenheit der vielfachen und empfindlichen Bestrastmgen von Handelsleuten wegen des mangelhaften Verschlusses der Branntweinflaschen vorstellig zu werden. Betheiligt an dieser Audienz jvaren: Die Genossenschaft der nicht protokollierten Handelsleute in Wien durch den Vorsteher Herrn Johann Pabst; die Genossenschaft der Kaufleute in Sechshaus, durch den Vorsteher Herrn Friedrich Leopold von Löwenthal; das Handelsgremium in Hernals, durch den Vorsteher Herrn Johann Lynge, und der Verein gelernter Kaufleute in Wien durch den Schriftführer Herrn Körner. Wie uns mitgetheilt tvurde, erkundigte sich Se. Excellenz äußerst eingehend über die ganze Angelegenheit und hegen die Deputationsmitglieder die Hoffnung, dass alle vrhängten Strafen gänzlich aufgehoben werden. — Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft hat eine Beteiligung an dieser Audienz unter Hinweis darauf, dass es ohnehin eine schriftliche Eingabe an die k. k. Finanz- Bezirks-Direction gerichtet habe — abgelehnt! Wien. (A c t i o n gegen die C o n s u m v e r - e i n e.) Die vereinigten Wiener Handelsgenossenschaften, die Wiener kaufmännischen Corporationen und Genossenschaften der Approvisionierungs-Gewerbe unternehmen eine neuerliche Action gegen die Consumvereine und veranstalten zu diesem Zwecke am Freitag, den 18. October, um halb 8 Uhr abends, eine große Versammlung der Wiener Handels- und Approvisierungs-Getverbetreibenden in derVolkshalle des neuen Wiener Rathhauses. Wir machen unsere Leser mit Vorstehendem einstweilen darauf aufmerksam. Näheres tvird aus deu speciellen Einladungen, sowie aus den seinerzeitigen Verlautbarungen zu ersehen sein. Massenhafter Besuch ist im Interesse der Sache geboten. Wie». (Im jüdischen T h e a t e r.) Ich habe die jüdischen Theater in London und New-York, in Warschan und Lemberg nicht gesehen; ich kann daher keine Vergleiche anstellen. Und das ist vielleicht gut; denn bei solchen Unternehmungen, die erst in den Kinderschuhen stecken, wie das jüdische Theater, hat die Kritik sicher eher die Aufgabe wohlwollender Aufmunterung, als schonungsloser Bernrtheilung. Ich will daher nur Eindrücke schildern, die der Besuch beim jüdischen Theater in der Rothen Sterngasse bei einem Westler erweckte, der, übersättigt von den Eindrücken des Tages und unserer Cultur, einmal paar Stunden bei den Brüdern aus dem Osten verbringen wollte. Als ich den Saal betrat, empfiengen mich einige Accorde der eigenthümlichen Musik, in der gewisse klagende Motive immer wiederkehren. „Klagen ist das Erbtheil unseres Stammes". Daran reihten sich einige humoristische Scenen, die interessierten durch eine gewisse

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