Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1959
- Issue
- Heft 113 (Oktober 1959)
- Date
- 1959-10-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2431292-2431425-2431429--0891-2432548- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE STIMME 17 Der Henker des Teufels Das Institut für Zeitgeschichte, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, gab die autobiographischen Aufzeichnungen des SS - Kornmandanten des KZ Auschwitz Hass heraus und stellte unserer Redaktion ein Exemplar zur Verfügung, mit idem Ersuchen, dieses Buch zu besprechen; wir kommen dem Ersuchen mit Vorzug nach. Rudolf Höss leitet seine „Aufzeichnungen" mit gespielter Bescheidenheit ein, vermag aber nicht seine freche Stirn zu verbergen. Sein Vater bestimmte ihn zum Priesterberuf, wogegen er sich wehrte, weil er nur dem Soldatenberuf huldigle. Höss rückte, während des ersten Weltkrieges, freiwillig zum Militär ein. Er sagt in seinen Aufzeichnungen: „Aus dem vor Angst zitternden, der Mutter entlaufenen Schulbuben des ersten Gefechts war ein zäher, rauher Soldat geworden. — Mit 17 Jahren Unteroffizier — der jüngste des Heeres — und mit dem •EK I ausgezeichnet". Nach seiner Rückkehr aus dem Kriege hegte Höss Zweifel an vielen Einrichtungen der Kirche und schlug die Ratschläge seiner Verwandten, am katholischen Priesterseminar zu inskribieren, aus und wutentbrannt fuhr er nach Ostpreußen, um sich bei einem Freiwilligen-Korps nach dem Baltikum zu melden. So ward plötzlich sein Berufsproblem gelöst, er wurde wieder Soldat und fand wieder seine „Heimat". Der unheimliche Nazi Höss hat sich, noch kurz vor seiner Hinrichtung, das Rad in der großen Vernichtungsmaschine des „Dritten Reiches" bezeichnet und hervorgehoben, daß er unbewußt sein grausames Spiel in Ausschwitz getrieben hat. In diesem Zusammenhang möchten wir es nicht unterlassen die Worte Schirachs, des Gauleiters von Wien, zu zitieren, die er vor dem Nürnberger Tribunal gesprchen hat. „Es ist dies der größte und satanischte Massenmord der Weltgeschichte, der in den deutschen Konzentrationslagern verübt wurde." Der Editor und Kommentator des in Frage stehenden Manuskripts nennt es in seiner Einleitung ein „Unikum". Dieses furchtauslösende Dokument, gehört zum schreck - lichsten, was das Hitlerreich uns hinterlassen hat. Die Geschehnisse ,die Höss berichtet, sind wahrlich grauenvoll und doch zeigt er keine Reue, im Gegenteil, er spielt sich hemmungslos auf den Biedermeier auf und erstattet geschäftsmäßig einen Bericht über den Gewinn und Verlust, die in der unheimlichsten nazistischen Todesfabrik erzielt wurden. Höss spricht von „Werden, Leben und Erleben", so wie wenn er Heger eines Forstes gewesen wäre. Mit unfaßbarer Gelassenheit berichtet er über seine Beteiligung an einem Fememord, darüber, daß er bald nach der „Machtergreifung" Hitlers der SS beitrat und von 1934 bis 1938 Block- und Rapportführer im KZ Dachau war, dann 2 Jahre als Adjutant und Schutzhaftlagerführer in Sachsenhausen sein Unwesen trieb. Den größten Vertrauensbeweis erhielt er von Himmler, als der Aufbau des Vernichtungslagers Auschwitz in die Wege geleitet und Höss zu dessen Kommandanten ernannt wurde. Höss versucht, den Eindruck zu erwecken, als ob er der Öffentlichkeit ein treues Bild der Verhältnisse vorlegt. Sein Herausgeber straft ihn aber da Lügen. Auf Seite 147 läßt er sich folgendermaßen aus: Ich bin nach wie vor Nationalsozialist im Sinne einer Lebensauffassung. Eine Idee, eine Anschauung, der man bald 25 Jahre lang angehangen, mit der man verwachsen, mit Leib und Seele verbunden war, läßt man nicht einfach dahinfahren — weil die Verkörperung dieser Idee, der nationalsozialistische Staat, seine Führung, falsch, ja verbrecherisch gehandelt haben und durch dieses Fehlen, durch dieses Handeln, diese Welt zusammenbrach und das deutsche Volk auf Jahrzehnte hinaus in namenloses Elend gestürzt wurde . . . Seinen Zynismus kann Höss nicht verbergen. Wir lesen weiter auf Seite 148: ... So mußten also die Konzentrationslager vor dem Kriege die Aufbewahrungsstätten der Staatsgegner werden. Daß sie nebenbei Erziehungsanstalten für Assoziale jeder Art wurden und dabei für das Volksganze wertvolle Arbeit leisteten, lag im Zug des Säuberungsprozesses. Höss gibt zu, daß es in den KZ's zu Greueln kam, behauptet aber, daß er, für seine Person, dies nie gebilligt hätte. Höss schließt seine Darlegungen mit den Worten: „Mag die Öffentlichkeit ruhig weiter in mir die blutdürstige Bestie, den grausamen Sadisten, den Millionenmörder sehen — denn anders kann sich die breite Masse den Kommandanten von Auschwitz gar nicht vorstellen; sie würde doch nie verstehen, daß der auch ein Herz hatte, daß er nicht schlecht war. So sieht die Rechtfertigung eines millionenfachen, erbarmungslosen Mörders und Räubers aus. Herz hatten sie alle, alle Nazi, für Lügen, Heuchelei, Hinterhältigkeit und fürs Verderben der Menschheit. Bernhard Braver Falschmünzer auf Befehl! Ehemaliger KZ-Häftling über Herkunft des „Toplitzschatzes" Der Toplitzsee in Österreich hat, wie bereits gemeldet, sein Geheimnis preisgegeben: Kisten voll gefälschter britischer Banknoten fanden sich jetzt auf derr Seeboden. Ein Bruchteil jenes Falschgeldes, da« im Krieg auf Nazis Wunsch hergestellt wurde, um über England verwertet zu werden und die britische Währung auszuhöhlen. Die SS verlegte die Falschmünzerwerkstatt ins KZ und setzte KZ-Häftlinge ein. Eine Schlüsselfigur war der Holländer Abraham Jacobson. „Wir stellten insgesamt 200 Millionen englische Pfunde her. Mit den Dollars waren wir so weit, daß wir in Serienproduktion gehen konnten. Von Falsifikaten kann man eigentlich kaum noch sprechen, es waren bereits Duplikate, so echt wirkten sie. Experten erklärten sich beim Vergleich zweier Banknoten mit ein und derselben Nummer außerstande zu beurteilen, welche echt und welche aus dem Verbrechen stammten. Jacobson berichtet das nüchtern, gewürzt mit einem trockenen Humor. Vielleicht ist es gerade das, was seine unfaßlichen Erlebnisse faßbar macht. Abraham Jaccbson, heute 64 Jahre alt, ist Besitzer einer Druckerei in der holländischen Provinzhauptstadt Haarlem. Zwischen 1942 und 1945 hat er das Abenteuer seines sonst so gutbürgerlichen Lebens bestanden, hart am Tode vorbei. Er erzählt in seinem Büro bei einem holländischen „kopje koffie". „1942 wurde ich als Mitglied der Widerstandsbewegung verhaftet. Mein Todesurteil wandelte sich auf Intervention des Roten Kreuzes in lebenslänglich, lebenslänglich im KZ. Auch das verhieß den sicheren Tod, wäre nicht die Rettung in Gestalt des Sturmbannführers Bernhard Krüger aufgetaucht. Himmler hatte den brünetten, wenig germanisch wirkenden SS - Sturmbannführer mit einem geheimen Auftrag