Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1959
- Issue
- Heft 112 (April 1959)
- Date
- 1959-04-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 DIL' STIMME All die von ihm geschaffenen Typen von Händlern, Heiratsvermittlern, Wasserträgern, waren irgendwie ein Ehenhilld seiner eigenen überreichen Persönlichkeit. Er, der Dichlor, erlebte all die Begebenheiten seiner Kreationen, er allein schöpfte aus dem vollen seiner eigenen Erlebnisse und auch Errinnerungen aus dem engen Mi.iieu von Tunejadewka oder Kasriiliwke. Es waren keine Phantasiegebilde, wie etwa die Gestalten ein.es Gogol oder Dostojewski. Scholem Alcjchmn Blick in einen Menschen oder in eine Menschenmenge genügte, um sie, wie auf einer photographischen Platte, festzuhalten. Lange Monate hatte ich Gelegenheit den Menschen Scholem Alejchem aus nächster Nähe zu beobachten und zu studieren. Ein Zufall führte' vor über fünfzig Jahren einen blutjungen Mittelschüler mit einem schon damals weltberühmten jiddischen Dichter zusammen. Es war nach den Pogromen in Rußland, als der Dichter mit seiner ganzen i amilie über die russische Grenze nach dem österreichischen Galizien flüchtete und ganz mittellos, nach Verlust seiner gesamten Habe in Kiew, für einige Monate in Lemberg justament bei meinen Eltern sein Quartier aufschlug. Zu dieser Zeit richtete die österreichische Polizei ein wachsames Auge auf die russischen Flüchtlinge, die als Revolutionäre verdächtgit wurden. Es war daher ein doppeltes Glück für den Dichter — ohne daß er davon eine Ahnung hatte — daß er in der Wohnung eines Polizeibeamten der politischen Abteilung ein Heim fand, wobei ihm auch unwillkürlich „n&eito&a” Wien X, Viktor Adler - Platz. Nr. 1 empfiehlt sieh als best bewährteste Kleiderreinigungsanstalt und bittet um freundlichen Zuspruch UQtawzt Bäume- Uv Is-cael durch den Keren Kayemeth Leisrael ein Schutz vor den üblichen Schikanen der k. k. Behörden in Lemberg gewährt wurde. In diese Stadt strömten nun die Juden aus dem ganzen Lande, um den berühmten Dichter zu begrüben. Scholem Alejchem residierte hier wie ein Wunderrabbi, und hatte für jeden ein öfteres Haus und eine innige menschliche Beziehung. Alles und jedes interessierte ihn. War es ein Schriftsteller, so war Scholem Alejchem nicht müde, seine neuesten Schöpfungen sich vorlosen zu lassen, war es ein Kaufmann, so hörte er stundenlang den Gang seiner Geschäfte an, war es ein Künstler, so mußte er ihm seine Bilder bringen oder lesuchte ihn in seinem Atelier und war es ein Kantor, so gab es keine Müdigkeit für den Dichtei und er hörte mit gespannter Aufmerksamkeit dem Gesang zu. Schobern A;ejchein seihst spielte Violine und sang oft sentimentale jiddische Volkslieder. Am lebhaftesten führte er sich in den Gassen des Lemberger jüdischen Viertels. Da spürte er das brausende Leben der von ihm sooft geschilderten Figuren. Er sprach hier jeden an, fragte jeden nach seinen Geschäften, Liebhabereien, Familienangelegenheiten und jeder, auch der kleinste Jeschiwahachur war ihm wichtig genug, um sich mit ihm in ein Gespräch einzulassen. Dabei trug er immer bei sich ein kleines Notizburch und wie ein Maler kritzelte er dort seine Beobachtungen, Gespräche und Begebnisse auf. Fast nie sah ich ihn ohne Notizbücher, die er zu Hause in einer besonderen Lade aufzubewahren pflegte. SaHcUeanyeböt „JudaLUa" Mcichsor, Festgebele der Israeliten, 1 komplette elegante Ausgabe, 9 Bände in 5 Bänden gebdn., Ganzleder, Goldschnitt, „Luxusausgabe" fast neu, mit deutscher Übersetzung u. Anmerkqn. v. Oberrabbiner W. Heiclenheirn, Rödelh. Ausgbe., SEHR SELTEN! S 350.- Wachstein: 1. Bd. Eisenstädter jüdische Grabschriften, 2. Bd. Urkunden z. Geschichte der Juden in hisenstadt, 2 Bände gebunden, Folio, Halbleinen, fast neu, zusammen S 350 — „Der Pentateuch". Die 5 Bücher Moses mit wortge .lüuer deutscher Übersetzung nebst dem Raschi-Zommentar punktiert, leictii faßlich übersetzt und mir vis len Erklärungen und Anmerkungen versehen v. Rabbiner J. Dessauer, 5 Bände S 40C.— >■ cinrich Grcielz, Geschichte der Juden, 3 Bünde, Leinen gebunden, okiav S 200.— Lion Feuchtwanger, Der jüdische Krieg, Leinen gebunden, gut erhalten S 50.— Mark Wischnitzer, De Juden in der Welt. Gegenwar. und Geschichte des Judentums in allen Ländern. Flexiereinband, 416 Seiten stark S 80.— Theodor Herzl, Sein Leben und sein Vermächtnis von Manfred Georg, mit 18 Bilder S 80.— Theodor Herzl, zionistische Schriften in einem Band gebunden S 80.— Heines Autobiographie, herausgegeben v. Gustav Karpeles, Luxusausgabe in einem Band S 80.— Max Brod, Heidentum, Christentum, Judentum, 2 Pcu .. gebunden S 90.— Anfragen an die Redaktion „Die Stimme" unter „Judaika", Wien IX, Universitätstrr. 4