Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1959-03-01 · Heft 111 (März 1959) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1959
Issue
Heft 111 (März 1959)
Date
1959-03-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2431292-2431425-2431427--0852-2432507
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 DU STIMME Bestie „Mensch" Fine Fpisodo aus einem der s< hmählic hston Kn pdel doiitsc h;'i Geschichte (and ihre Sühne, Ein Schwurgericht in lionn \ orurteilte rlie einstigen KZ-A u t sehr r Gustav Sur: e und Wilhelm Schuber!, von ihren Opfern einst ,, Eiserner ( niste v " und ,,Pistolen Schubert" genannt. wegen vielfachen Mordes zu lebenslichem Zuchthaus. Sorge wurde zu 67 mal „lebenslänglich" und zusätzlich zu IS Jahren Zuchthaus. Schillert zu 4b mal „lei ensiänglich" und zusätzlich zu IS Jahren Zuchthaus verurteilt. Außerdem wurden ihnen auf Lebenszeit die bürgerlic hen Ehrenrechte' aberkannt, Beide Angeklagte traf die höchste Strafe, die in Deutschland möglich ist, nachdem dort die Jodest rate a bgeschafft ist. Angesichts des vielfachen ..Lei enslänglich" haben sie nur wenig Aussicht, jemals wieder in Ereihed. zu gelangen, Die Veihandlang gegen Sorge und Schubert mthüllte Vorfälle, die Jahre hindurch niemand Ihr möglich gehalten hatte. Rund 130 Zeugen verschiedenster rassischer, konfessioneller oder nationaler Zugehörigkeit. In welcher Zunge' s.o .mdi immer sprachen, sie berichteten von Quälereien, die an vorstellbar sind, von Grausamkeiten die namens des Nazi-Regimes verübt wurden. „Mit Erschütterung haben wir von den uusa.•,euren Qualen und Leiden der in den Konzenti alionslagern aiier Menschenrechte beraubten Häftlinge gehört", sagte der Gerichtsvorsitzende in seinem Schlußwort „Oft sind uns die Augen leucht geworden, die Stimme drohte zu versagen, wenn die Zeugen uussagten und — in der Situation des persönlichen Nacherlebens von der grausigen Erinnerung übermannt — nicht mehr weitersprechen konnten. Vier Monate lang wurde der Prozeß Sorge-Schubert in Bonn verhandelt. Tag für Tag wurden neue Grausamkeiten bekannt. Da waren die Zeugen, die von den ersten „zahmen" Jahren berichteten, als „nur" mit den Ochsenziemer geprügelt wurde, Da waren andere, die von den scheußlichsten Foltern erzählten: Von Menschen, die mit. auf den Rücken zusammengebundenen Händen und Füßen mit dem Kopf nach unten aufgehängt wurden. Von Menschen, die man an beiden Armen so aufhängte, daß sie ihnen ausgekugelt wurden. Von Menschen, die in Wassergräben gestoßen und ertränkt, von Menschen, die in Latrinen getaucht und erstickt, von Menschen, die durch Herz-Wasser-Massagen zu Tode befördert wurden. Von Menschen, denen man die Bärte im Gesicht verbrannte oder die man einfach erschlug oder zertrampelte, die man hetzte, bis sie zusammen brachen, um nie mehr aufzustehen, die man zusammenschoß, um sje zu dezimieren. Vier Monate lang wurde unei bitterlich Seite um Seite dieses dunklen Kapitels studiert, wurde gemessen, gewogen. Und der Zuhörerschaft — der im Gerichtssaal, der in ganz Deutschland, der über die deutschen Grenzen hinaus — wurde nicht eines der Worte erspart, die gesprochen, die protokolliert wurden. Und die Angeklagten? Seit 1937 hatten sie sich gekannt, hatten seitdem große Strecken ihres blu-< tigen Weges gemeinsam durchmessen, waren zusammen schon 1947 in Berlin wegen Mordes an 10.800 Sowjetischen Kriegsgefangenen zu lehrns länglicher Zwangsarbeit verurte.lt nach Wnikidn gebracht und dann, 19hb, den deutschen IPdioiden übergehen worden. Jetzt, im Gerirhtssanl, hallen sie nichts Gemeinsames mehr. Während Sorge den F.indniek eines geschlagenen und gebrochenen 'Hannes erweckte, seine Paten bekannte, ja, selbst zur Aufhellung mancher Vorgänge leilrug, leugnete Schubert nies ab. Isst gegen Ende des Prozesses brach er zusammen, als er sah, daß er gegen die erdrückenden Beweise nicht mehr aufkommen konnte1. De Staatsanwalt hatte für Sorge1 102 'Ha , liir Schubert b/ Mal lebenslängliches Zu hlhaus beantragt. Das Gericht sprach Sone des „■ opend-den Mordes in 67 Bällen, Schubert des vollendetem Mordes in 16 Bällen s< huldig. „Lei,enslänglich" — das ist die forme!e Alm düng eines Geschehens, das -- in ganzen geschon — doch nur eine Episode war aus einem Kapitol, wie es sc hmählichem niclil v orstelihar ist, wB* e , aufrechte Menschen in Kummer, Not. und \ ,-rzweiflung versetzen kann, ob des unfaßlichem Gedankens, daß das deutsche Volk solche Individuen her. orgebracht hat. Ritterkreuz mit gestohlenen Brillanten Der Archivar Hans van der Leeuw, Forsthungsbeauftragter des niederländischen „Reichsinstituts für Kriegsdokumente", ist in der Kongreßbibi io-' thok in Washington auf eine aufsehenerregende 'pur hi tierischer Diebesheute gestoßen. Er stellte fest, daß das dem ehemaligen Jagdflieger Galland verliehene Ritterkreuz mit Brillan-, teil ebenfalls aus dem Besitz stammte, der den holländischen Juden geraubt wurde und den man in das Parteihauptquartier nach München gebracht hatte. Wie der Archivar Hans van der Leeuw bei der Durchsicht der Dokumente [estslellte, wurden diese Diebstähle von dem i.Einsatzstab Reichsleiter Rosenbevg" ausgeführt. JUDEN HINAUS Wir erfahren, daß in Währing Flugblätter mit der Inschrift „Juden hinaus" gestieut wurden. Lie Täter sind ofienkundig dieselben, die den mten jüdischen Friedhof in Währing wiederholt geschändet hateu und ständig die Odalsrune an ei ' Mauern schmieren. Die Odalsrune ist das Ab;eichen der vom Innenmin:stcrium noch immer geduldeten Vereine, wie „Bund heimattieuer Jugend" und de, „ANJÜ", dieser getarnten HiWer-eugend-Orgaujsationen. Die nazistischen Verderber der Menschlic h erheben schon wieder ihr Haupt, versuchen, die Bevölkerung Österreichs auf die Juden zu hetzen und Zustände herheizuführen, die zur Schande führen. Die Soniderschau „Verpackung ' auf der Wiener Frühjahnun rsse Diese Ausstellung ist bereits ein itegrierender Bestandteil der Wiener Messe geworden. Moderne Verpackungsmethoden setzen sich immer mehr und mehr durch und bilden in immer stärkerem Ausmaß einen Bestandteil der Gesamt Wirtschaft.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.