Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1957
- Issue
- Heft 104 (Dezember 1957)
- Date
- 1957-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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lim m e Öu^an dee Allgemeinen Zionisten in ÖdecceicU Zionistischer Landesverband Wien Preis 2 Schilling P. b. b, UllllllllllllllllüllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIlIHHIIIIIIIIinfllii^J | Redaktion u. Administration: | f§ Wien IX, UniversitHtsstr. 4 4 j | Telefon 33 75 84 1 | Postscheck-Konto Nr. 134.292 | 1 Dezember 1957 1 Nr. 104 Der Zionistische Landesverband in Österreich: Den Grundsätzen treu! Wo immer es gesellschaftliche Gruppierungen gibt, entstehen Differenzen hinsichtlich dar Auffassung von Meinungen. Dies gilt auch für bescheidene Kreise, ja sogar für die Familie. Auch bei uns im Zion. Landesverband gab es in letzter Zeit Divergenzen, die unserer Meinung nach an den Haaren herbeigezogen wurden. Wir von der Leitung gaben uns der Zuversicht hin, daß wir die Meinungsstreitigkeit in unserem Schoße werden beilegen können. Leider gingen die Meinungen derart auseinander, daß unsere Hoffnung auf Eintracht und gedeihliches Zusammenwirken zunichte v/urde. Angesichts dieser Lage sehen wir uns veranlaßt, unseren Mitgliedern un"d Freunden mit Aufklärung zu dienen: Als Theodor Herzl den politischen Zionismus schuf, entstanden Gruppen, die zu dieser geschichtlichen Tat Stellung beziehen und ihre Politik nach zionistischen Grundsätzen orientieren mußten. Das erste von Herzl geschaffene jüdische Parlament war der Zionistenkongreß, der von den genannten Gruppen getragen war. Sie gaben sich politische Programme, entsandten zum Zionistenkongreß ihre Delegierten und besetzten offizielle Stellen, Die politisch zionistische Orientierung markierte den Weg zum werdenden Jischuw in Erez und zur Formung des jüdischen Staatsgebildes. Vitale Menschen riefen die Partei der Allg. Zionisten ins Leben, die bald zum stärksten Faktor gedieh und die Kompetenz erlangte, auf Dauer die Präsidenten d(er Weltorganisation zu stellen. Um das Jahr 1930 entstand innerhalb der Allg. Zionisten ein rechtsgerichteter Flügel, der sich gegen die innerpolitische und außenpolitische Orientierung des damaligen Präsidenten Prof. Weizmann's wendete. Weizmann zog nämlich die jüdische Arbeiterschalt als innerpolitischen Faktor besonders ins Kalkül und fand die außenpolitische Anlehnung Palästinasan England als unerläßlich. Daß der rechte Flügel unvevholen zur Partei der Revisionisten tendierte, machten ihm vor vielen Jahren Weizmann und Sokolow öffcntlichzum Vorwurf. Dieser rechte Flügel der Allg. Zionisten erhielt Unterstützung und Förderung von Seiten der Industriellen und der reichen Grundbesitzer im Lande, die billige Arbeitskräfte beschäftigten und nicht organisierte schutzlose arabische Arbeiter vorzogen. Im Jahre 1931, als dim Wahl des Präsidenten der Weltorganisation auf der Tagesordnung stand, entwickelte der rechte Flüge! der Allgemeinen Zionisten eine rege Tätigkeit mit dem Ziel, Weizmann's Wiederwahl zu vereiteln, was ihm deshalb gelang, weil die progressiven Elemente der Allg. Zionisten auf einen Coup nicht gefaßt waren. Aber die Progressiven legten nicht die Hände in den Schoß, vielmehr entfalte'en sie eine rege Tätigkeit, die ihren Niederschlag fand, als sich beide Gruppen der Allgemeinen Zionisten bei der im Jahre 1933 stattgehabten Konferenz in Krakau trafen. Hier kam es zum endgültigen Bruch, zur Spaltung. Auf dieser Konferenz erhielten ex tempore die Progressiven die Bezeichnung A und die Rechtsgerichteten die Bezeichnung B Zionisten. Die A Zionisten gründeten die Weltkonföderation der Allgemeinen Zionisten. D>e B Zionisten schufen den Weltverband der Allg. Zionisten. Die A Zionisten gingen in die Fußstapfen Weizmanns und Sokolows, blieben treu den Lehren Herzls, befolgten unbeugsam die Politik der demokratischen Einstellung zu den jüdischen, zionistischen und sozialen Problemen und errangen einen Sieg, der durch die Wiederwahl Weizmanns im Jahre 1935 zum Präsidenten der Weltorganisation in Erscheinung trat. Die Katastrophe, in die der Nazismus die Welt stürzte, bewirkte, daß die Ä und B Zionisten ihre Gegensätze ebneten, was zur Folge hatte, daß sich die beiden Gruppen vereinigten, Die rechten B Zionisten lösten ihren Weltverband auf und fanden in der Weltkonföderation Aufnahme. Im Jahre 1948 erlebten wir die Gründung der Medinath Israel. Hier konstituierten sich politische Parteien und übernahmen die Verantwortung für die Zusammensetzung des Parlaments und der Regierung. Wir wollen uns hier nicht in Meditationen einlassen, ob eine neuerliche Spaltung der Paitei der Allg. Zionisten unvermeid ich war. Tatsache ist, daß die fortschrittliche Partei der Allg. Zionisten, die sich ,,Progressive“ nennt und die rechtsgerichtete Partei, die sich ..Klaliim“ nennt, ins Leben traten. Die ,,Progressiven“ kooperieren mit dem sozialen Faktor, das ist die Arbeiterschalt, ohne die der Aul bau Israels undenkbar war und undenkbar ist. Bedarf es denn besonderen Beweises, daß die Masse der Arbeiterschaft das politische und wirtschaftliche Rückgrat jeder Regierung eines Landes bildet? Einige Zeit nahm auch der rechte Flügel der Allg. Zionisten an den Regierungsgeschäften fsraei's teil, bis in seinen Reihen eine Spaltung eintrat, die es bewirkte, daß die ,,Klaliim“ taktische Motive hervorkehrten und in die Opposition gingen. Die unglückselige Spaltung drückte auf die Atmosphäre der Konferenzverhandlungen und beeinflußte ungünstig die Tagungen. Bei den Zionistenkongressen erschienen nach wie vor Delegierte der politischen Parteien der Golah, über deren Existenzberechtigung man streiten kann. Es soll die Zionistische Organisation, der Kongreß und die Exekutive nicht in Zweirel gezogen werden. Jedenfalls wird über die Form der Reorganisation der politischen Parteien in der Golah naturnotwendig diskutiert. Es muß in diesem Zusammenhang hervorgehoben werden, daß alle politischen Parteien Israels darin übereinstimmen, daß wirZioin der Golah weder auf die Regierungsgeschäfte noch auf die Ad* ministrative Israels Einfluß nehmen dürfen. Es mußte bei den Allgemeinen Zionisten in der Golah der logische Gedanke entstehen, daß sie sich von den Zerwürfnissen der beiden Parteien (Klaliim und Progressive) in Israel fern zu halten und sich mit keiner von diesen zu identifizieren haben. Die weitere logische Konsequenz ergab sich aus der Erkenntnis, daß die Parteien und zwar die Progressiven und die Klaliim der Weltkonferenz fernbleiben sollten, Angesichts der geschilderten Lage leuchtet es jedermann ein, daß die beiden Parteien in Israel ihre Probleme und Gegensätze in den diversen Körperschaften und anläßlich von Wah’en in Israel un'er Ausscha'tung der GaluthTarteien austragen müssen.'Diese Frage der Nichtidentifizierung mit eher der Parteien in Israel beschäftigte gerade in der letzten Zeit vie’e Landesverbände der Allgemeinen Zionisten außerhalb Israels. ln den Vereinigten Staaten von Amerika kam es abermals zu einer Spaltung der Ai lg. Zionisten, während in Frankreich die Spaltung einige Jahre früher eintrat, Im Juli 1957 wurde der letzte Versuch zu dem Zweck unternommen, die Gegensätze innerhalb der Allg. Zionisten zu überbrücken, um die Einheit der Weltkonföderation zu erhalten. Dieser Versuch scheiterte leider an dem Widerstand der Rechten in Israel, lieber die Motive der Intransigenz der Klaliim in Israel gibt es nicht unbegründete Versionen; übrigens mußten sie sich darüber im klaren sein, daß ihre stane Haltung auf unnachgiebigen Widerstand stossen würde. Die traurige Tatsache ist nicht aus der Welt zu schaffen, daß seither der Seperatismus in Israel von sehr interessierten Kreisen genährt wird. Nun die Stellungnahme des Zion. Landesverbandes in Österreich: Der Zion. Landesverband gehört der Konföderation in Europa und Nordafrika seit dem Jajhr 1948 an. Im Jahre 1950 fand in Pa-ris eine Konferenz statt, die eine erregte Debatte über Nichtidentifikation und Identifikation abwickelte. Schon damals stimmte der Delegierte unseres Verbandes für Nichtidentifikation. Die Konferenz wiederholte sich im Juli 1956, im Oktober 1956 und im September 1957 im Schoße der Konföderation in London, Daran nahm der von unserem Vorstand delegierte Präsident Tischenkel teib Unser Vorstand hatte reichlich Gelegenheit das Problem Identifikation und Nichtidentifikation zu diskutieren und alles abzuwägen, was dem immerhin wichtigen Problem dienlich ist. Jedes der an den Vorstandssitzungen teilnehmende Mitglied wurde mit Sorgfalt unterrichtet und seinem Gutdünken überlassen, sich zu entscheiden, da in unserem Verband der unerschütterliche Grundsatz vorherrscht, die Meinungsfreiheit nicht zu beschränken. Der Vorstand hat in vollster Uebereinstinrmung und ohne Bedenken den Delegierten ermächtigt, in London für die Nichtidentifikation zu stimmen und faßte zu diesem Zwezk eine Resolution, die wir an anderer Stelle bringen. Erst im letzten Jahr haben Emissäre der rechtsgerichteten Gruppe in Israel hartnäckige Versuche unternommen, die Einheit (es bestand tatsächlich in unseren Reihen Eintracht) der Allgemeinen Zionisten in Österreich zu erschüttern, Unvermutet erschienen auf der Bildfläche in Wien Abgesandte der Rechten, nahmen Verbindung mit einigen Vorstandsmitgliedern auf und beeinflußten sie, Unfrieden in unseie Reihen zu tragen, Wir wußten allerdings, daß wenige Chawerim unseies Vorstandes mit der rechtsgerichteten Gruppe sympathisieren, doch ergaben sich darajus keine Differenzen und es zeigten sich auch keine separatistischen Neigungen. Erst durch das Aultauchen der Emissäre Laten Divergenzen zu Tage, die bei vernüftiger Fortsetzung auf Seite 3.