Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1957
- Issue
- Heft 102 (März 1957)
- Date
- 1957-03-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 102 DIE STIMME Seite 7 Wolf Tischenkel — 60 Jahre Ein Mann, der liebend in die Welt hineinsieht, Ehrfurcht vor lauterer Gesinnung zeigt, die Wahrheit und moralische Festigkeit verehrt, klaren Blick für das Geschehen hat, feierte am 10. März seinen 60 Geburtstag, Wolf Tischenkel ist ein tapferer Zionist, der in diese»' Idee das Erhabene sieht und ohne Wanken bereit ist, die Last zu tragen, welche die Aufrichtung des Staates Israel im Gefolge hat. Menschlicher Edelsinn lebt in ihm und Tischenkel betrachtet es als Gesetz, Diener des nationalen Judentums zu sein. Er steht mit Enthusiasmus in der Reihe jener Männer, die berufen sind, für die Sache des Zionismus zu kämpfen, mit alles duldender Liebe. Der Dichter sagt: ,,Wohl dem, der freudig tut und leidet, was er soll " Von Tischenkel 'kann man sagen, daß er alle ihm übertragenen 'Aufgaben freudig zu erfüllen bestrebt ist, ungeachtet der Leiden, die die Umstände verursachen. Leo ßaeck schreibt in seinen Aufsätzen: nieder Mensch, wenigstens der, dessen Erleben über Tag und Haus hinausreicht, hat sein inneres Besitztum und Heiligtum, das ihm zuteil geworden ist, oder das er sich erkämpft hat. Sein Ich, sein Persönliches, sein inneres Wissen ist darin gegeben und alles, was in sein Leben eintritt, steht in dieser Strahlung.“ In der Tat, Tischenkel hat sein inneres Besitztum dadurch erkämpft, daß er seit seiner Jugend den hohen Zielen des Judentums aufs innigste verbunden ist und sein Ich, sein Persönliches ist darin gegeben, daß er im Zionismus die Heiligkeit sieht. er, der aus dem Nazi reich nach Shanghai flüchtete, dort im zionistischen Leben eine prominente Stelle bekleidete. Er war Vorsitzender des K.K.L. Präsident der Ort, Gründer und ehrenamtlicher Funktionär der Allgemeinen Zionistischen Organisation und betätigte sich in hohem Maße philantropisch. Nach seiner Rückkehr stellte sich Tischenkel unverzüglich dem Zionistischen Landesverband in Wien zur Verfügung und entfaltete auf vielen Gebieten des zionistischen und sozialen Leben des Wiener Judentums eine beachtenswerte Tätigkeit. Als Präsident des Zionistischen Landesverbandes wird er von allen Freunden wegen seiner edlen Gesinnung, seiner Treue, der Güte seines Herzens sehr geschätzt. Al,e Freunde und Gesinnungsgenossen umgeben ihn mit Liebe und wünschen ihm Gesundheit und die Kraft, noch Jahre lang Aufgaben zu erfüllen, die das Interesse des Zionismus erheischt. Tischenke'l und seiner Gattin möge ein geruhsames Leben beschieden sein Dieser Kennzeichnung Tischenkels ist noch hinzuzufügen, daß Äd mea w’essrim scHanah. Fördert „Bikur Cholim" Der Verein „BIKUR CHOLIM“, I, Seitenstettengasse 2, wendet sich an die jüdische Öffentlichkeit mit der Bitte, ihm mit Geldspenden beizustehen. Bikur Cholim betreut kranke Juden und steht Rekonvaleszenten bei. Viele unserer Brüder und Schwestern stehen verlassen da und sind auf materielle und moralische Hilfe angewiesen. Ongei Schabbat Die ONGEI Schabbat im Zion Landesverband sind zur ständigen Einrichtung geworden. Regelmäßig an Samstagen kommen Chawerim und Sympathiker zusammen, um der traditionellen Freude über den geheiligten Tag Ausdruck zu geben. Gleichgesinnte treten gleichsam in ein Bündnis, um treu bei dem Zionismus auszuharren und dem Staate Israel zu dienen. Der Meinungsaustausch führt zur Gewinnung neuer Freunde und zur Erweiterung des Kreises, der durch Ausprachen zu klaren Erkenntnissen gelangt. In den vergangenen Wochen verliefen die Ongei Schabbat sehr interessant da Geselligkeit und geistige Unterhaltung miteinander eng verbunden sind. Am 9. Feber sprach unser Freund Dr. Max Gelliis über Probleme Israels. Am 23. Feber hatten wir den Leiter des K.K.L. Hauptbüros in Paris, Herrn Reschev, zu Gast, der über die Bedeutung des Oneg Schabbat und über Umfang und Leistung des Keren Kayemeth sprach. Am 2. März sprach der Leiter des Magbith Meuchedet in Deutschland, Mendel Karger über zionistische Fragen und am selben Abend referierte er im Festsaal des Alten Rathauses über „Praktischer und politischer Zionismus“, wobei ein Film „Israel, das Land der Hoffnung“ gezeigt wurde. Alle Veranstaltungen fanden Zufriedenheit und Anerkennung. Der Fonds zur Hilfeleistung an politisch Verfolgte, die ihren Wohnsitz und ständigen Aufenthalt im Ausland haben (Hilfsfonds) Wien, ersucht uns um Veröffentlichung folgender Notiz: Anträge von Personen, die wegen Verfolgung aus Österreich ausgewandert sind, müssen bis längstens 10. Juni 1957 eingebracht sein, da eine Verlängerung dieses Termins nicht erfolgen wird. Antragsformulare sind direkt beim Hilfsfonds, Wien VI, Königseggasse 10, oder bei der nächsten österreichischen Vertretungsbehörde erhältlich. Ein Anne-Frank-Wald inlsrael Anläßlich der Eröffnung der „Woche der 'Brüderlichkeit“, wurde von der evangelischen Akademie in Konstanz am Bodensee eine Anne-Frank-Sammlung eTngeTeitet. Aus dem Erlös dieser Sammlung soll in Israel zur Erinnerung an das im nazistischen Konzentrationslager Bergen - Belsen ums Leben gekommene jüdische Mädchen Anne Frank ein Wald aufgeforstet werden. Anne Frank hat ein Tagebuch geführt, das von ihrem Vater veröffentlicht wurde und großes Aufsehen hervorrief Der traditionelle PXUun - Batt des KEREN KAYEMETH L'EISRAEL findet SONNTAG, DEN 24. MÄRZ 1957 in Hübner’s Kursalon statt Beginn 20 Uhr Prof. Hans Kelsen — 75 Jahre ln Berkely (Kalifornien) beging einer der führenden Rechtsgelehrten unserer Zeit, Prof. Hans Kelsen, seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag Kelsen, der Sohn eines einfachen jüdischen Mannes mit Namen Kalson, der mit 14 Jahren von Brody nach Wien gekommen war und dort als Laufbursche in einer Fabrik seine erste Stelle hatte, ist ein Wissenschafter von Weltruf, Schöpfer der österreichischen Bundesverfassung und einer Rechtslehre, die an jeder Rechtsfakultät gelehrt und zumlindest diskutiert wird. Mitglied hervorragender wissenschaftlicher Akademien und Honorarprofessor und Ehrendoktor von sieben Universitäten der Alten und der Neuen Welt. Kelsen ist der Begründer der als österreichisch in die Wissenschaft eingegangenen „Reinen Rechtslehre“, die die Rechtswissenschaft streng von Ethik und Soziologie scheidet. Durch die Schaffung der österreichischen Bundesverfassung im Jahre 1920, die Kelsen übertragen wurde, nachdem er schon während des Ersten Weltkrieges in der Justizabteilung des Kriegsministeriums gearbeitet hatte, ist er in die österreichische Nationalgeschichte eingegangen. Von 1933 bis 1945 wurde die Verfassung durch Nazigesetze verdrängt, jedoch griff die Zweite Republik auf das alte, von Kelsen geschaffene Grundgesetz zurück. In den Jahren der Naziherrschaft und des Zweiten Weltkrieges dozierte Professor Kelsen in Genf am Institut des Hautes Etudes Internationales; von hier aus folgte er einem Ruf nach den USA. C. W.-M. Hofrat Bimstein - 75 Jahre Am 28- März 1957 vollendet unser Vorstandsmitglied Hofrat Max Birnstein sein fünfundsiebzigstes Lebensjahr. Birnsteiin stam’m't aus Olmütz und begann seine Laufbahn beim Militär. Nach Absolvierung der Kadettenschule wurde er der Truppe als aktiver Offizier zugeteilt. Bei Ausbruch des Krieges 1914 ging er an die Front, wo er sich als tüchtiger, intelligenter und umsichtiger Truppenführer bewährte und gewisse Kreise, die den 'Juden Drückebergerei vorwarfen, Lügen strafte. Birnstein erlitt im Felde dreimal Verwundungen und wurde für seine Tapferkeit und für sein vorbildliches Verhalten mehrmals dekoriert. Nach Ende des ersten Weltkrieges schied er als Hauplmann aus dem Heeresdienst und trat in die Justizverwaltung ein, bei der er als leitender Justizwachebeamter Dienste leistete, die besonders anerkannt wurden und in der Beförderung zum Direktor des Gefangenenhauses I des Landesgerichtes für Strafsachen Wien Ausdruck fanden. Im Jahre 1947 verlieh ihm der Bundespräsident den Titel Regierungsrat und im Jahre 1949 den eines Hofrates. Am 31. Dezember 1949 trat Hofrat Birnstein in den dauernden Ruhestand. Als die Nazi Österreich überfluteten, mußte Birnstein seinen Posten verlassen. Im Jahre 1939 erging an ihn der Ruf, die Verwaltung des Altersheimes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien zu übernehmen Dies geschah zu einer Zeit, als die neuaufgetretenen traurigen Verhältnisse die zwingende Notwendigkeit zu Tage förderten, eine Reihe Zweigstellen des Altersheimes Seegasse zu errichten, um die Kapazität des Bettenbelages zu vervielfachen Diese Aufgabe erforderte nicht nur einen fähigen, sondern auch einen mutigen Menschen, da die Nazi überall heimtückisch unter dem Vorwand der Kontrolle Vorwände suchten, Juden in ihre Gewalt zu bekommen Birnstein trotzte den Unbilden, meisterte alle Schwierigkeiten und vollendete das Werk der Neuerrichtung von Zweigstellen des Altersheimes Nach dem Zusammenbruch des Nazismus kehrte Birnstein in den aktiven Staatsdienst zurück. Es ist bekannt, daß derGroßteil der aktiven jüdischen Offiziere in Österreich der Assimilation verfiel Nicht so unser Freund Birnstein Er erfüllte seine, von ihm als Soldat beschworene Pflicht tapfer und blieb der aufrechte, anständige Jude, der überzeugte Zionist, welcher die Erlösung des Judentums heiß ersehnte. Schon als Mittelschüler betätigte er sich aktiv im Ausschuß der Studentenverbindung in Olmütz. In Wien arbeitete er seit dem Jahre 1920 in der Zionistischen Bezirksorganisation für den 7„ 8. und '9. Bezirk und war Vorstandsmitglied dieser Sektion. In Würdigung seiner besonderen Verdienste um den Zionismus wurde er in das „Silberne Buch“ eingetragen. Hofrat Birnstein ist von Natur aus ein sozial denkender Mensch, überzeugter Jude und opferfreudiger Zionist, der bereit ist, unter allen Umständen unserer Sache zu dienen Daß er es so hält, das ist unser Stolz und gereicht ihm zur Ehre Der Zionistische Landesverband wünscht dem hochgeschätzten Jubilar und seiner Gattin ein weiteres Leben des Glückes, der Gesundheit und der Freude Braver