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Die Stimme · 1954-10-01 · Heft 90 (Oktober 1954) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1954
Issue
Heft 90 (Oktober 1954)
Date
1954-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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fimme Ocyan dec Allgemeinen Zionisten in Östecceick Zionistischer Landesverband Wien nris m-rixr" Preis 2 Schilling V. b. b. |j|||||lliii""ll"niiiniii...iiiiii!iM""Miiiii!iiiM'iiiiiiiii||||||| § Redaktion u. Administration: §_ Wien IX, Universitätsstr. 4 4 W Telefon A 26 4 73 | Postscheck-Konto Nr. 134.292 | Oktober/November 1954 Nr. 90 Delegiertentagung der Zionisten Österreichs Der Delegierte der zionistischen Weltexekutive in Jerusalem S. J. Kreutner, der Hauptreferent des Fröffnungsabendes, faßte in einem Querschnitt die einzelnen Phasen der Entwicklung in Israel und in der Diaspora seit 1945 zusammen und wies auf die physischen und geistigen Gefahren hin. die heute erneut in aktiver oder passiver Form die Juden bedrohen. Kreutner unterstrich die Notwendigkeit einer erhöhten, regen jüdischen und nationalen Tätigkeit. Intensivierung der Alijah, weitestgehende Pflege der hebräischen Sprache und Kultur als natürliche Konsequenz der ethnologischen Entwicklung in Israel. 2. Tag: Sonntag, den 14. November 1954. Am 13. November 1954 fand im Festsaale des Alten Rathauses, die Eröffnung der 1. Delegiertentagung seit 193P, in Anwesenheit von 120 Delegierten statt. Der Präsident der Zionistischen Föderation Gustav L e i I n e r eröffnete die Tagung, gedachte vorerst der jüdischen Opfer während der Zeit der nazistischen Barbarei besonders der Wiener Zionisten gab einen Überblick über die Tätigkeit und Konstellation der Förderation sowie deren Reorganisation die ihre Krönung in dieser Tagung fand. Er scldoß seine Ausführungen mit dem Appell für Einigkeit, welche angesichts der bevorstehenden Aufgaben die erste Vorbedingung für eine erfolgreiche Tätigkeit der zionistischen Föderation bildet. Präsident Leitner unterstrich insbesondere, daß es oberste Pflicht der Zionisten in Österreich, wie in der ganzen Welt ist sich dem Staate Israel verbunden zu fühlen und daß darin letzten Endes das Ziel des Zionisten in der Diaspora liegt. Der Obmann der Mandatskommission, Herr Klompus verlas hierauf ein Begrüßungstelegramm der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation in Jerusalem, das von allen Delegierten mit starkem Beifall aufgenommen wurde. Der Vertreter des Staates Israel, Konsul Arie E s h e 1 nahm programmatisch zur gegenwärtigen Lage des Zionismus im allgemeinen und seiner Stellung zu Israel im besonderen Stellung und wies darauf hin, daß die zionistische Tätigkeit heute ihr Ziel nicht nur in der Aufbringung von Geldern _ ™ Konferenz der zionistischen Föderationen Europas Allgemeingut aller Juden in der Diaspora, welcher Richtung immer sie angehören, geworden und ihre Erfüllung bereits gefunden haben. Die obersten Aufgaben der zionistischen Tätigkeit müssen sich darauf konzentrieren, den Kampf gegen die wiederauftretende Assimilation erneut aufzunehmen und in den Massen das jüdische Selbstgefühl zu stärken. Die Delegiertentagung wählte einstimmig Herrn Gustav Leitner wieder zum Präsidenten der Zionistischen Föderation Österreichs. Der Eröffnungsfeier wohnten bei: der Vertreter des Staates Israel, Konsul Eshel mit seiner Frau, der Kanzleidirektor des Israelkonsulates Rafael Medan, Oberrabbiner Dr. Akiba Eisenberg, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Wolf Herzberg und der Vizepräsident des Verbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich, Josef Rubin- Bitlmann, der Direktor der Jewish Agency in Wien, Y. Schilo, sowie eine Reihe geladener Gäste. Präsident Gustav Leitner eröffnet die 2. Session der Delegiertentagung. Der erste Haupireferenl dieser Session Dr. D. Schlang, gibt einen ausführlichen Bericht über die Brüsseler Konferenz, worin er u. a. die Notwendigkeit einer gemeinsamen Sprache — da das Jiddisch im abklingen ist — he.rvorhebt. Ferner brachte er zum Ausdruck, daß Allgemeinarbeit vor Parteiarbeit zu stehen hat. Er hebt die Verdienste der Zionisten Wiens hervor, eine gutgeführte hebräische Schule ihr Eigen zu nennen. Betreffend die künftigen Aufgaben für die Z. F. ö. verlangt er Verstärkung der Alijah, Anregungen zu Kapitalinvestionen in Israel, Organisierung von besonderen Seminaren, Förderung der Schekelaktion, verbreitete Tätigkeit für die zionistischen Fonds, Ermöglichung verbilligter Sonderfahrten nach Israel unter den Auspizien der Z. F. O., sowie eine einheitliche Liste für die Isrealitische Kultusgemeinde Wiens. Dr. Gelles, als nächster Hauptreferent dieser Session, gab einen prägnanten Querschnitt über die Entstehung jüdischer Gemeinden im Laufe der Jahrhunderte. Bei Beurteilung des Verhaltens der I. K. G. beklagte er sich, über d:e Uneinigkeit, welche in dieser Institution vorherrsche, da sie von parteipolitischen und nicht von allgemein-jüdischen Richtlinien beeinflußt werde. Seine Forderung war daher vor allem Einigkeit, Erfüllung der religiösen Pflichten, Pflege jüdischer Kultur und Erziehung, was sich besonders im Erlernen der hebräischen Sprache, dem Aneignen jüdischen Wissens und im Kampf gegen die Assimilation sichtbar auszuwirken hätte. Weitere Postulate: Förderung der Jugend, Ausbau der sozialen Fürsorge, Verbesserung der Finanzverwaltung, verständnisvollere Steuerpolitik, Schritte zur Anerkennung der Entschädigungsansprüche der Juden und Kampf dem Antisemitismus. Der Redner schloß mit den Worten tiefster Verbundenheit mit dem Staate Israel. In der darauf anschließenden Debatte, unter dem Vorsitz von Dr. Wolf Herzberg und Dr. Schapira, nahmen 15 Delegierte aller Parteirichtungen teil. Zur Diskussion standen folgende Themen: Die Notwendigkeit der Stärkung der zionistischen Frauenbewegung ,.Wizo ' im allgemeinen und eine Vertretung dieser Organisation in der I, K. G., größere Aufmerksamkeit der bisher vernachlässigten Jugendbewegung, Forcierung der Erlernung der hebräischen Sprache, Erneuerung der Chaluziuth, Wiederherstellung jüdischer Tradition, Kampf dem Defaitismus. In seinem Schlußwort sprach sich der Sonderdelegierte der Zionistischen! Weltexekutive Jerusalems, Kreutner, anerkennend über das hohe Niveau und das gute Gelingen der Delegiertentagung aus. Als Hauptziele unserer künftigen Arbeit stellte er die Erhaltung des jüdischen Volkes und des jüdischen Staates hin, wobei er als eine der wichtigsten Richtlinien für die Erreichung dieses Zieles die Liebe zum Judentum und die Bereitwilligkeit zur gemeinsamen Arbeit unterstrich. Anschließend daran gab Herr Dr. Sokal in seiner Eigenschaft als Obmann des Permanez-Ausschusses eine Reihe von Resolutionen bekannt, welche von den Delegierten einstimmig gutgeheißen wurden. Es folgten die Wahlen zu den diversen Gremien der Z. F. ö., welche glatt durchgeführt wurden. Mit einem Danktelegramm an die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation in Jerusalem und warmen Dankesworten an den abtretenden Vorstand fand die 1. Delegiertentagung der Z. F. O. ihren Abschluß. Samstag, den 6. November 1954 fand in Brüssel die Eröffnung der zweiten Konferenz der zionistischen Föderation in Europa statt. Das Präsidium setzte sich zusammen aus: Dr. Goldmann, Dr. Dow Joseph, Maier Großmann, Zwi Hermann, Siche Babe, B. Jänner, Joseph Ariel, Sam Segall, Dr. Löwenberg, L. Margulies, Dr. Bi tun und I. Lewkovits. Im Namen der Zionistischen Exekutive eröffnete Zwi Hermann, die Konferenz und richtete zunächst Worte des Dankes an die Adresse der Belgischen Feg erung lür ihre Gastfreundschaft für das Verständnis und bekundete Entgegenkommen anläßlich der Einordnung der Konferenz. ln seinen weiteren Darlegungen wies Zwi Hermann auf die Änderungen im jüdischen l.ehen hin, die seit der eisten europäischen Konferenz Ginget reten sind. Der Redner hob mit Nachdruck hervor, daß aus Osteuropa kein Delegierter erschienen sei und ersuchte das Plenum um die Zustimmung, den Brüdern in den osteuropäischen Staaten die Versicherung der Verbundenheit zu übermitteln, Hierauf ergriff der israelische Gesandte in Belgien, Herr Joseph Uriel das Wort zur Begrüßung der Konferenz, der er im Namen der Israelischen Regierung eine fruchtbare Tätigkeit wünschte. Im Namen der Zionistischen Föderation in Belgien begrüßte deren Vorsitzender Lewkovits die Delegierten und gab der Freude Ausdruck, daß ihm die Ehre zuteil wurde, als Gastgeber in Erscheinung zu treten. Hierauf nahm Dr. Nahum Goldmann das Wort zu einem großangelegten Referat, das in seiner Ansicht ausklang, daß die gewähr ichen Vorzeichen des jüdischen Lehens in der Welt, die völlig übertriebene und wenig begründete Sorglosigkeit sind. Der Redner reflektier! i auf die entsetzlichen Leiden der Juden während der Nazizeit um! hob hervor, daß es ihm klar und vorst ü ndlich sei, daß das Judentum nunmehr der physischen und geistigen Ruhe bedürfe. Wir haben schon unseren Staat, die Demokraten haben den gewalttätigen Nazismus besiegt, die Juden genießen Gleichberechtigung. Ein Teil der Judenschaft denkt offen oder still: ,,Was wollen wir mehr?“ Dieser Gedankengang leite die Juden in die Irre. Wir müssen uns aus den Illusionen reißen, daß durch die Niederringung des Nazismus die Judenfrage gelöst sei. Zum Glück besitzen wir die Medinath Israel. Obgleich der Redner selbst zu den Optimisten gehörte, müsse er bekennen, daß wenn es kein Israel gäbe, wäre er von Angst bedrückt für die Existenz des jüdischen Volkes. Die Juden haben vor sich noch einen langen Weg, aber wir werden diesen Weg gehen, bis er uns zum Gipfel unserer wahren Erlösung hinanführen wird. * Die Delegat ion der Allgemeinen Zionisten Österreichs bestand aus Herren Gustav Leitner und Wolf Tischenkel.

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