Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 79 (Oktober 1953)
- Date
- 1953-10-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 Nr.’ :?) DIE STIMME das (üdiscUc Vada*ne*il Die ersten Schritte. Ehrung für Martin Buber Null einer von \ielen kämpfen und harter Vrbcit erfüllten Srssi.ni ist die Knesset in w :di|\erdiente Ferien gegungen. \lle die in aufreibender Tätigkeit dazu beigetrugen haben. rin gewaltiges Pensum zu ab« dv ieren. können sich nun Erholung gönnen bis das Parlament am 2. Y>\ember mit neuer kraft und neuem Mut sein \ ernntw ortungsvolles \mt w ieder antritt. Als die Bürger von Israel vor mehr als vier und einhalb .Jahren das erste Mal zur l nie schritten, um ihre Stimmen für die Wahl der Volksvertreter ins Parlament abzugeben, erfüllten sie damit ihre erste politische Pflicht, ohne sich besonders den köpf darüber zu zerbrechen. welche Funktionen dieses Parlament im Staate zu erfüllen haben wird. Fs ging viel mehr darum, seine politische Parteizugehörigkeit zu dokumentieren, ‘•eine Svmpathie für die oder jene Bewegung zu beweisen und durch die Stimmabgabe sich für ein bestimmtes System einzusetzen, als um das Bewußtsein, daß nunmehr die erwählten 120 Personen über das Wohl des Staates, über die fundamentalen Gesetze des Landes und über die alltäglichen Sorgen der Bürger zu entscheiden haben werden. Erst allmählich. als die Zeitungen die ersten Berichte über die Sitzungen brachten und das parlamentarische Wirken zum täglichen Leben geweckt wurde, erkannte der Wähler, daß es um sein Schicksal und seine Existenz geht und nicht etwa um eine Formsache oder eine Institution der Bepräsentation. Bald begann der Bürger seine eigenen Interessen mit dem Tun in der Knesset in Zusammenhang zu bringen, bald merkte er, daß die Gesetze und Verordnungen, die von dem Mause beschlossen und gefaßt werden, seine Schritte regulieren und bald stelte sich denn auch der persönliche Kontakt zum Parlament ein, von dem jeder Einwohner des Staates nun erwartet, daß es ihm zu seinem Recht verhelfen soll. Die Knesset ersteht. Zuerst schuf Ben Gurion den provisorischen Staatsrat, der sich aus 37 Mitgliedern aller Parteien zusammensetzte und in Kenntnis der Tatsache, daß ihm nur eine kurze Funktionsdauer besolde - den war. sich darauf beschränkte, den Boden für das ordentliche Parlament vorzubereiten. Der Staatsrat erließ nur die notwendigste Zahl von Gesetzen und beschränkte sich in der Hauptsache auf die Aufgaben, die mit den Kriegsereignissen zusammenhingen. Das Rechtssystem wurde auf Grund eines Beschlusses vom 19. .Mai 1948 auf der Basis der Gesetze aus der Mandatszeit beibehalten und nur die dem Geiste des neuen Staates widersprechenden Verfügungen wie die Einwanderungsbeschränkungen und die Bodengesetze wurden unverzüglich ausgemerzt. Das erste rechtmäßig gewählte Parlament trat am 14. Februar 1949 in Jerusalem zusammen und drei Tage nach der feierlichen Sitzung erklärte der erste Präsident des Staates, Dr. Chaim Weizmann die ordentliche Session als eröffnet. Der Name „Knesset Risehona”, abgeleitet aus der gesetzgebenden jüdischen Körperschaft zur Zeit des Sanhedrin vor der Zerstörung des ersten Tempels, „Knesset Hagedola“ sollte bald zu einem parlamentarischen Begriff in der ganzen Welt werden und im Volke selbst ist der Name verankert, als die oberste Behörde, die das Schicksal der Heimat verwaltet. D. ZIERING Ein- und Verkauf von Nähmaschinen aller Arten, auch Universal und Zick-Zack. Elektrokocher. Eigene Reparaturwerkstätte. Wian VII, Apallogassa 20, MB 34 304 Kinderwagen zu Fabrikspreisen Baumgartens Nchf., Max Neumann Wien X., Favoritenstraße 154 Strußcnb. 87, I lultestellc Angeligasse Ihre eigentlich Tätigkeit begann die Knesset in Tel-Aviv in dem eigens zu diesem Zwecke umgclvuitcn ..San Remo" Gebäude im Mecresstrand und hier Wales auch, daß die Regierung Ben Gurions am 8. März 1949 ihr erstes \ertrauensvotum bekam und die Nationalversammlung ihre eigentliche Tätigkeit aufnahm. I nser Parlament, das auf eine uralte Tradition zurüekblickt aber im modernen Leben ein Baby war. hat aus den Praktiken der Parlamente aus aller Welt angenommen. was für den kleinen Staat und die besonderen I instände des Landes als richtig erschien und bediente sich dabei hauptsächlich der l sanccn in Belgien. Frankreich und England, wobei die äußere Form am meisten dem belgischen Parlament ähnelt. Die Arbeit beginnt. Sehr rasch wurden unsere Volksvcrtreler routinierte Parlamentarier, gewandte Debattenredner und gründliche Gesetzeskenner. l'm die verschiedenen Probleme, die zur Diskussion gelangen sollten, einer beschleunigten Erledigung zuzuführen. wurden Ausschüsse gebildet, die hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluß der Ocffentüchkeit die Hauptlast der technischen Vorbereitung bewältigen. Neun Ausschüsse und zwar der juristische-, der Knesset-, der Außen- und Sicherheit«-, der Arbeits-, der Erziehung«- und Kultur-, der Wirtschafts-, der Finanz-, der Innen- und der Ausschuß für öffentliche Dienste sorgen für die \orbereitung und Ausarbeitung der im Prinzip beschlossenen Gesetze und legen diese durch den Vorsitzenden auf den Tisch des Hauses. Alle diese Ausschüsse bestehen aus je 15 Mitgliedern, in denen sämtliche größeren Parteien vertreten sind und nur der juristische Ausschuß zählt 23 Mitglieder. Der Vorsitzende des betreffenden Ausschusses vertritt vor dem Plenum jeweils die einzelnen Punkte des ausgearbeiteten Gesetzes und das Haus bestätigt dann den Entwurf mit oder ohne Acnderungen in zweiter und dritter Lesung. Die Debatten. Oft kommt es zu hitzigen Auseinandersetzungen zw ischen den Vertretern der einzelnen politischen Parteien, denn die Opposition, auch wenn sie schließlich in der Minderheit bleibt, schweigt nicht, wo es ihr gegen den Strich geht und schreckt keinesfalls vor allgemeinen und nicht selten auch persönlichen Angriffen zurück. Falls cs zu einer ausführlichen Debatte kommt, entscheidet der Vorsitzende über die Dauer der Redezeit, die proportionell auf die diversen Parteien verteilt wird. Dieses Recht unseres Präsidenten hat kein Vorbild und keine Nachahmung in anderen Ländern, ist aber deshalb nicht weniger weise, denn unsere Volksvertreter kennen schwerlich ein Maß, wenn ihr Herz voll ist. So findet schließlich jede Diskussion ein Ende und das nennt auch der Volksmund: Schluß der Debatte. Die Volksvertreter. 120 Männer sind cs, die durch die Macht ihres Wortes, die Kruft ihres Verstandes und das Heben ihrer Hände dem Lauf der Dinge seinen Gung diktieren. Parlamentarischer Gepflogenheit gemäß und demokratischer Tradition getreu entscheidet auch in Jerusalem die Mehrheit und trägt damit die Verantwortung für die Geschicke des Landes. Trotz ullcr Gegensätze kommt es nur selten vor, daß die allgemeinen parlamentarischen l sanccn überschritten werden und die Atmosphäre in der Knesset ist eigentlich viel formeller, als dies mit Rücksicht auf die Jugend des Parlaments KREDITE erteilt Jüdische Sparu. Kreditgen. m. b. II., Wien I., Dominikanerbastei 24, Tel.: R 27 5 55, Kl. 261 an jüd. selbständige Kauflcutc, Gewerbetreibende und an freie Berufe. Die Frankfurter Buchmesse stellt nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis dar: ihr Höhepunkt ist die alljährliche Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, der bisher an Max Tau, Albert Schweitzer, Romano Guardini und diesmal an den Rcligionsphilosophcn und Soziologen Professor Doktor Martin Buber verliehen: wurde. Der 1878 in Wien geborene jüdische Gelehrte wirkte bis 1938 in Deutschland und schenkte der Welt gegen 30 \ eröffentlichungen. So w ir Martin Buber wahrlich als Preisträger prädestiniert und der Deutsche Buchhandel hat mit dieser Tat nicht nur einen großen Menschen geehrt und Kulturpolitik im besten Sinne des Wortes geleistet, sondern darüber hinaus der ganzen W-It das sichtbare Zeichen des Versöhnung-, willens gegeben, welches gerade im Gauland Bubcr.s gehört werden soll und zweifellos auch zum gegenseitigen Verstehen beitragen wird. ln der bei dci l eberreichung verdienen l rkundc heißt es: „Martin Buber, dem wahrhaften Menschen, dem Bekenner und Gestalter einer alles Leben durchdringenden Humanität, dem De ater der Bestimmung seines Volkes in der Zeit, dem dialogischen Denker, dem Theologen und Erzieher, überreicht der Börsen - ve-ein deutscher Verleger- und Buchhändler-Verbände in ehrfürchtiger Wür digung seines Lebens und Werkes den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.“ Im neu eröffneten Haus des Deutschen Buchhandels, welches sich neben dem vollständig wieder neu hergestellten Goethe-Haus (dessen Inneneinrichtung verlagert und daher gerettet wurde) am Hirschgraben befindet, steht die Tafel, die den Sinn und die Aufgabe des Friedenspreises beinhaltet: „Verantwortet vor dem Geist und Ehrfurcht vor der menschlichen Würde sind die Grundlagen der buchhändlerischen Tätigkeit.” Martin Buber führte in seiner Dankunsprache aus. daß er an das Positive im angenommen werden sollte. Die Redner beginnen ihre Ansprache mit den Worten: „Geehrte Knesset“ und titulieren sieh gegenseitig mit „Chawer Haknesset“; selten kommt cs vor, daß ein Referent in der Hitze der Debatte nur den Numen des apostrophierten Abgeordneten nennt und nur wenn er ihm eine morulische Ohrfeige versetzen will, gebraucht er das Wort: Herr. Im Allgemeinen ist das gegenseitige Einvernehmen gut und oft sieht man zwei Angehörige gegenerischer Parteien fünf Minuten nach einem scharfen Redekampf gemütlich zusammen im Knessetrestaurant sitzen und über private Dinge plaudern. Resümee. Eine Menge prinzipiell wichtiger Gesetze und die aus tägliche Leben diktierenden Verordnungen, wandelten das auch dem Abzug der Engländer etwus aus dem Geleise geratene Leben in ein ordentliches Staatsgebilde und die hier ebenso wie in der ganzen Welt üblichen Differenzen und Streitigkeiten reinigten oft die Spannung und schaffen in der Bevölkerung eine Atmosphäre des Vertrauens zu ihren Volksvertretern und des Glaubens un eine bessere Zukunft. Sicher ist, daß sich die Knesset in Jerusalem würdig an die Parlamente der zivilisierten Welt reiht. Imunuel Ungcr Hemdenmacher Alfred Kornhaber VIII., Lerchenfeldersfrafje 58 Mafjatelier für feine Herrenwäsche Menschen glaube, vor allem in der deutschen Jugend, in der er mehr Bewußt sein für die wahre Not und Gefahr der Zeit findet als anderswo. Der „homo eontrnhumanus“ wurde durch den „homo humunus“ besiegt; der Preisträger ist der festen 1 cberzeugung, daß die Liebe und das V erstehen zueinander mehr geschätzt werden wird als bisher und vor allem dmch das Gespräch mit den Mitmenschen gepflogen werden kann. Sein Dank für die Ehrung bedeute sein solidaiisches Bekenntnis zum gemeinsamen — auch Deutschen und Juden gemeinsamen — Kampf gegen das Widermenschliche. Martin Buber schloß: „Ich glaube trotz allem, daß die Völker in dieser Stunde ins Gespräch, in ein echtes Gespräch miteinander kommen können. Ein echtes Gespräch ist eins, in dem jeder Partner den andern, auch wo er in einem Gegensatz zu ihm stellt, als diesen existenten andern wahrnimmt, bejaht und bestätigt; nur so kann der Gegensatz zwar gewiß nicht aus der Welt geschafft, aber menschlich ausgetragen und der Ucbercinstimmung zugeführt werden.“ Daß diese festliche Stunde, die von allen deutschen Sendern übertragen wurde und in der gesamten Weltpresse das stärkste Echo gefunden hat. auch ihre politische Bedeutung hat, wurde durch die Anwesenheit des deutschen Bundespräsidenten Theodor Ifeuß noch unterstrichen. ..Wiener Zeitung” - Wilhelm Herzog KLEINER ANZEIGER= Dame in England 70 Jahre, viel jünger ausschend, sehr agil, sucht Lebensgefährten, der in Wien eine Wohnung besitzt. Inter „Kleine Ersparnisse Nr. 502” an die Administration d. Bl. LEBENSMITTELGROSSH AINDEL! Vertrieb eines konkurrenzlosen Artikels an Lebensmittelgroßhundlung wird vergeben. An f rügen unter ..Saisonbeginn Nr. 505“ an die Administration des Blattes. 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Verantwortlicher Redakteur : Fritz Müller, Wien II, Krommbaum gasse 1. — Druck : Donaustadt, Wien II, Max-Winter-Platz 5, R 47 0 30