Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 67 (Oktober 1952)
- Date
- 1952-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2431292-2431356-2431367--0470-2432093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 67 im: stimme Seile .1 In memoriam Emile Zola Vor fünfzig Jahren ist Emile Zola, der naturalistische vSchriftsteller, gestorben. Kr besaß den Mut, lebens fähige, starke Werke zu schaffen, die die Gesell Ischaftsordnung in verschiedenartiger Beleuchtung charakterisieren. vSein Vater, Francois Zola, war ursprünglich Offizier in venezianfischen Diensten. Als Venezien österreichische Provinz wurde, schied er aus dem Heeresdienst und widmete sich dem Beruf eines Ingenieurs. Als solcher bewarb er sich u.m den ersten Bahnbau in Oesterreich und erhielt die Konzession, die icr aber nicht ausnützte. Als genialer Erfinder und Techniker, entwickelte Francois Zola wunderbare Ideen, die er großzügig realisierte. Er heiratete Emilie Aurel ue Äuber. Dieser Ehe entsproß am 2. April 1840 Emile Zola. Der Vater Zola’s starb infolge Ueberanstrengung in Marseille und hinterließ seine Frau mit dem 6-jährigen Sohn Emile. Den übernommenen geschäftlichen Verpflichtungen konnte nicht mehr entsprochen werden. Die Gläubiger drängten auf Bezahlung, die die unerfahrene Witwe nicht zu leisten vermochte, weil sie in Armut geraten war. In dieser Atmosphäre der Armut wuchs Emile Zola auf. Mit 7 Jahren kam er in die Schule Notre Dame, mit 12 Jahren ins College von Aix in der Provence. Hier widmete er sich dem naturwissenschaftlichen Studium. Emile Zolas einziges Interesse bildeten Bücher, schon im schulpflichtigen Alter versuchte er sich in der Schriftstellerei und aus jener Zeit sind eine Anzahl von Manuskripten erhalten'geblieben. Die Armut Zolas war driikkend, die durch den Tod seiner Großmutter noch verschärft wurde, da sie zu Lebzeiten helfend eingriff. Im Leben Emile Zolas tritt nun ein Wandel ein. Den Bemühungen guter Freunde der Familie gelang es, Emile einen Freiplatz im Lyzee Saint Louis in Paris zu verschaffen. Wegen seines äußeren Habitus wurde er von den Mitschülern verspottet, er verlor die Freude am Studium, machte keine Fortschritte und fiel bei den Prüfungen durch. Guy de Maupassant berichtet über Zola, daß ier einen Winter lang nur von Brot (und Olivenöl lebte, weil Emile keine Arbeit fand. Um den .Hunger zu stilllen, fing er Spatzen, die (er im Freien briet und verzehrte Beschäftigungslos trieb sich Zola in den Gassen von Paris herum oder lag am Ufer der Seine und verschlang wahllos Bücher. Auf die von ihm gewonnenen Freunde übte er einen starken Einfluß aus und bestimmte sie, Bücher des gleichen Inhalts zu lesen, damit eine gemeinschaftliche Diskussion möglich wird. Trotz der ihn peinigenden Kälte verfaßte Emile Gedichte und schrieb Erzählungen. Endlich bekam er im Jahre 1862 eine be- BKRNIIART) BRAVER scheidene Stellung in einem Pariser Verlag, wo er 100 franz. Francs im Monat verdiente. Dank seiner hohen Intelligenz, fand er im Unternehmen Anerkennung und konnte mit literarischen Kreisen Verbindung aufnehmen. Von diesen Kreisen inspiriert, schrieb Zola ‘weiter Gedichte und Erzählungen. Unbekümmert 'um manche Mißerfolge, die rer bei Verlegern hatte, bot 'er einen Band Erzählungen „Fontes a Ninon“ einem Pariser Verleger an, der es akzeptierte. Ende Oktober 1864 erschien sein erstes Buch, aber das Glück war ihm noch immer nicht hold. 'Neider und Spießer hetzten gegen ihn 'die Staatsanwaltschaft und er mußte seinen Posten beim Verlag aufgeben. Emile Zola regte bei einem Zeitungsherausgeber die Veröffentlichung einer literarischen Rundschau an und 'hatte in der Tat Erfolg. Er schrieb die literarischen Artikel und verdiente damit 500 franz. Francs im Monat. Der rückschrittliche Zeitungsherausgeber war aber in der Folge mit den Auffassungen Zolas, die kritisch waren, nicht einverstanden und löste das Vertragsverhältnis auf. Nun betätigte sich Zola als freier Schriftsteller und errang damit große Erfolge. Das Studium der Werke Balzacs übte Iden besten Einfluß auf die weitere Entwicklung Zolas. Den Wendepunkt in der Laufbahn Zolas führte das Erscheinen von „Ässomolr“ herbei. Der Erfolg dieses Werkes war groß und brachte Zola ein kleines Vermögen ein. Zur Affaire Dreyfus nahm Zola mutig, aufrichtig und klug Stellung, was ihm den (Vorwurf eintrug, daß. ihm das patriotische Gefühl fehlte. Alfred Dreyfus wurde 'am 20. September 1894 von einem Militärtribunal in Paris zu lebenslänglicher Verbannung auf die „Teufelsinsel“ verurteilt. Der ihm an gedichtete Verrat, löste In Frankreich einen Antisemitismus aus, der augsterregend war. Die Gattin Dreyfus unternahm mit Unter Stützung des Journalisten Bernard Lazare alles, um den schuldlosen Gatten zu rehabilitieren. Lazare gewann für die Sache Persönlichkeiten, wie George Clenienoeau, Änatole France, Jean Jaures, Jan Masaryk und Emile Zola. Zola erkannte das 'heimtückische Spiel der Militärclique und .stürzte sich, im Namen der Gerechtigkeit in den Kampf gegen die Meute im französischen Generalstab. Er veröffentlichte im „Figaro“ zielsichere Angriffe gegen die verbrecherischen Verleumder. Zola verlor plötzlich 'einige Freunde, die von Feigheit erfaßt, mit ihm nicht rnjitgehen wollten, doch ließ sich Zola nicht vom 'Weg abbringen. Er verfaßte im Zusammenhang (mit der Dreyfus- Affaire die berühmte Anklage „J’accusc“, worin!er seiner Empörung beredten Ausdruck gab. Bonisson sagte in seiner Gedenkrede: „Nur ein Zola vermochte damals mitten in den Wirren des Kampfes eine Darstellung zu geben, klar, einleuchtend und sachlich, wie ein anderer erst 10 Jahre später, nachdem alle Vorgänge offen zu Tage lagen, es schildern konnte.“ „J’accuse“ wurde mit hinreißender Dialektik und Gewalt aufgebaut, Zolas Anklage gegen die Schergen war Prophetentum. Der französische Gcneralstab versuchte die Wahrheit äbzuwürgen und holte zu einem Schlag gegen Zola aus. Die Staatsanwaltschaft erhob Änklfage gegen Zola wegen Beleidigung der Armee; aber Zola blieb unerschütterlich. Das Gericht ließ die Erörterung der Affaire Dreyfus, im Zusammenhang mit der Anklage gegen Zola, nicht zu, so daß die wunderbare Verteidigungsrede Zolas, in den Wind gesprochen war; er wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Als Zola das Gerichtsgebäude verließ, stieß der Straßenpöbel Schrnährufe 'gegen ihn aus, worauf Zola rief: „Ich. wurde verurteilt, weil ich die Wahrheit gesucht habe“. Da die Verurteilung nicht rückgängig zu machen war, Waren Freunde Zolas für seine Flucht. Es blieb ihm nichts übrig, als nach London zu fliehen, wo er unter dem Namen Pascale lebte und weiter für die Wahrheit arbeitete. Zola hat den Generalstabsoberst Henry der Fälschung, den berüchtigten Esterhazy der Drahtzieherei überführt und alle Verleumder an den Pranger gestellt. Emile Zola klagte auch, jenen Teil der französischen Oeffentllchkeit an, dem der wahre Sachverhalt bekannt war, aber nicht den Mut aufbrachte, das französische Vaterland vor der Schmach zu schützen. Im Kampf um die Wahrheit verkörperte Zola das reine Gewissen seiner Nation, das Gewissen der Menschheit und gab so der Ethik Bedeutung. Zur Zeit als die Gerichtsverhandlung gegen Dreyfus stattfand, weilte Theodor Herzl iin Paris, wo er sich als Korrespondent der „Neuen freien Presse“ betätigte. Herzl wohnte der Gerichtsverhandlung bei, sah, wie die Richter offen gegen Dreyfus Stellung nahmen, und hörte 'die Schmährufe des Mobs auf der Straße. Damals erkannte er, daß die Juden in der Diaspora keine Lebensmöglichkeiten hatten. Der Gedanke, daß die Juden eine eigene Heimstätte brauchen, nahm bei Herzl feste Formen an. In der Erkenntnis, Die idealsten Schulterauflagen au» WatteT* beete Paßform, für Damen-, Herren- und Kinder- Bekleidung „HAPO" Achselpolster- Erze ugung RUDICh&Co. Wien II, Aspernbrückeng. 4 Telephon R 45 5 63 fiU ftdiscUe liindec Zu Beginn des Arbeitsjahres 1952 53 veranstaltet WIZO, Föderation Wien, I., Seitenstettengasse 4, am 12. November, um 17 Ühr 30, im Theatersaal des Hotel Post, I., Fleischmarkt 24, ein Fest für die jüdischen Kinder Wiens. Daniel Barnboim, der 9-jährige jüdische Klaviervirtuose (Buenos Aires), spielt für die jüdischen Kinder Wiens aus seinem klassischen und modernen Programm. Eintritt für Kinder frei. In der Folge: Heiteres Programm für Kinder. Eltern bringt Eure Kinder! Kinder bringt Eure Eltern 1 Karten (Einheitspreis) an der Abendkassao und bei den WIZO-Mitgliedern: R 50 0 75, A14 5 65, B 52 4 67. i Zollfreie Liebesgabenpaftefe |j '] nach Ungarn und der CSR, auch Medikamente 1 KELEN-LTDm wien >■< esslinggasse nr. 2/5 ■ TELEPHON U 29-0-57 gt&ucUt: „Der neue Weg“, Brünn 1933-34. „Der jüdische Sozialist“, Brünn, 1927—32. „Jüdische Volksstimme“ 1925-29. „Selbstwehr“, Prag, 1925-30. „Der jüdische Arbeiter“, Wien 1932—1934. Angebote an die Redaktion erbeten. daß alle Opfer, die die Juden auf dem Altar des Gastlandes, das ihnen Vaterland sein sollte, brachten, keine Anerkennung fanden, ging er daran, den Judenstaat zu schaffen. Die Vision Herzls nahm Gestalt an und die Medinath Israel entstand, die uns Gewähr bietet, daß sich eine Gezera nie mehr wiederholen wird. Wimtx (Emljljans Adolf Reiss Erben & Co. Tuehgroßhandel und eigene Schatwollwaren - Manipulation Wien 1., Rudolfsplatz 6 U 24 5 1«, l) 24 5 19 Allgemeiner Zionismus: Immer die Treibkraft des Zionismus! Alldem. Zionismus in Wien Zionistischer Landesverband Werde Mitglied! Hast Du schon einen SCHEKEL, er ist das Symbol der Bejahung des Staates Israel! Erhältlich im Zionistischen Landesverband, Wien IX, Universitätsstr. 4, Tel. A 26-4-73 GE$CH> in i e n WOLLE UND GARNE „m. TEXTILGROSSHANDEL ADOLF BOMZE UND MANIPULATION 1MPHRT TTYDnnT V, Reinprechtsdorferstraße 48 llVilrUAVl DiArUiiI XX, Wallensteinstraße 17 RICHARD Telephona32008 XVI, Neulerchenfelderstraße 20 RAINER II, Rotensterngasse 5 WIEN I., RUDOLFSPLATZ 1