Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 62 (Mai 1952)
- Date
- 1952-05-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 62 DIE STIMME Seite 5 NAZI-VIRULENZ „Ham ü*td Jerusalem" Der „Wiener Montag“ vom 15. April 1952 leistet sich im der RuJhrik „Der Montag meint“ ein perfides, heuchlerisches und verlogenes Stückchen, das höher gehängt zu werden verdient. Rer Schreiberling erwähnter Rubrik gibt an der Spitze dieser Spalte seine Visitenkarte mit folgenden schleimigen Worten ab : (Im Zusammenhang mit der Prcssegesetzmovclle) „Ist es ein Wunder?... Aus allen diesen Angriffen geht aber doch, immer wieder lediglich der Groll auch gegen uns hervor, die wir zum Unterschied von den Partei Zeitungen lieber gelesen und mehr gekauft werden. Ist dies aber ein Wunder? Die Leser bekommen es immer mehr satt, jegliches Tagesgeschehen nur durch die Faschiermaschine der Parteidoktrin passiert vorgesetzt zu erhalten ... Der Vorteil der unparteiischen Zeitungen ist, daß sie mit der Zeitantwicklung Schritt halten können, weil sie sich vor keiner Zukunft zu fürchten und von keiner Vergangenheit hemmen zu lassen brauchen.“ Vor keiner Zukunft fürchten und sich von keiner Vergangenheit hemmen zu lassen , ist des charakterlosen Schreiberlings des „Montag“ Kern, denn seine Zukunft ist im Dunkeln gehüllt und seine Vergangenheit strömt Miasmen der Gosse aus. Eine dunkle Vergangenheit und ein penetrant stinkendes nazi verehrend es Individuum, übt seinen Broterwerb mit der Faschiermaschine der Lügendoktrin unpassiert aus und es ist ebenso dlumm wie frech, dem anständigen Menschen zuzumuten, daß er den Nichtsnutz, der es nicht einmal beim Hitler zum Großariseur gebracht hat, ernst nimmt. Da sich gegenständlicher Schreiberling in der Nazizeit gegen die Juden nicht frivol ausleben konnte, versucht er es nun unter dem Schutz der demokratischein Pressefreiheit, indem er maliziös eine „Frage an das Judentum“ richtet, die unter dem Vorwand, die Wiener Polizei unternehme von Zeit zu. Zeit Razzien iim Rothschildspital wo DP’s wohnen, gestellt wird. Daß er Menschen, die jahrelang in den nazistischen Todeslagern gQpeinigt wurden, amputiert, durch manche Praktiken die Auspowerung Oesterreichs zu betreiben und Rückstellungs- Verfahren einzuleiten, verschlägt ihm die Sprache nicht. Der „Gülte“ vom „Wiener Montag“ ist darob besorgt, daß das jüdische Volk noch immer nicht imstande ist, mit seinen „moralischen Selbstmordkandidaten“ fertig zu werden und mit ^naiver Offenheit“ überschrciibt er seine nachfolgende Notiz, die die Verweigerung der Wieder ein Stellung der Nationalsozialisten in der RAVAG zum Inhalt hat. Der Schreiber, dem es offenbar an Fähigkeiten gebricht, im anständigen, normalen Gesell Schafts - leben Fuß zu fassen, stimmt ein Klagelied an, daß die aktiven Angestellten der Ravag ihre Posten dem Umstand verdanken, daß sie aus Konkurrenzangst und Brotneid die Nationalsozialisten fernhalten. Man merke sich den Zusammenhang : „Der schlechte Jude und der nützliche Nazi, 1“ Es tut ums leid, daß wir uns mit eiruem Sh irren bef assen müssen, doch ist das von ihm öffentlich aufgerollte Heinrich STEIN Wlan IV, FaworitanatraSa 24 Talaphom U 49 0S4 ERZEUGNISSE: Selbstroller Rollvorhänge Verdunkelungen Bretterjalousien Holzrollbalken Durchsichtige Schaufensterrollos Problem für uns insofern wichtig, als wir das antisemitische Gift, das auch indifferenten Menschen ein ge impft wird, immunisieren müssen. Und nun eine Frage an die Redaktion des „Wiener Montag“ : Was geschah von seiten jener Christen (Arier) als Hitler in Oesterreich eingebrochen war, einen zehnten November veranstaltete uind Idiie Juden schändete, auispl änderte und sie zum Galgen, und in die Gaskammern trieb? Bis auf eine Minderheit, machten die „Arier“ mit; sie bereicherten sich an unserem Gut, entrissen uns selbst Gebrauchsgegeinstände des täglichen Lebens, verdrängten uns gewalttätig aus unseren Wohnungen, zeigten uns bei der Gestapo an, sobald sie den Judenstern an unserem Kleid vermißten, riefen gegen uns die Polizei, wenn sie einen alten kranken oder kriegsbeschädigten Juden auf einer öffentlichem Bank sitzend antrafen, schlugen uns blutig, wenn wir am Kai, in der Nähe des Gestapogebäudes, auftauchten, zerrten uns in der Nacht aus dem Betten und zwangen uns, die Gehsteige mit der Handbürste zu reinigen, griffen unsere Frauen iin den Straßen auf und nötigten sie, in den Kasernen die Klosette zu reinigen, sammelten in den Häusern Unterschriften der christlichen Miietparteien, die die Entfernung der jüdischen Mieter aus ihren Behausungen forderten und durchsetzten, ließen mehrere jüdische .Familien in einen Raum zus a mmen p ferchen, entzogen unseren Kindern das kleinste Ouantuim Milch, verwehrten denkranken Juden das Betreten eines Spitals, raubten uns das einiizige jüdische Spital am Währingergürtel, das einen glänzenden Ruf hatte, verboten uns, zu gewissen Stunden die Apotheke zu betreten, bestraften uns mit dem Tod für den Versuch, im Wienerwald frische Luft zu atmen und entzogen uns jede Lebeinsbasis. Wir durften keinerlei Erwerbsuntemehmen führen, keinen Posten antreten und mußten unsere Fähigkeiten brach liegen lassen. Aber Skliavendiensite iin kriegswichtigen Betrieben (mußten wir, geschieden von dein „arischem“ Arbeitern, leisten, wofür wir geldlich derart entlohnt wurden, daß viele von uns buchstäblich dem Hungertod preisgegebem waren. Der Jude in Wien und im Hitlerraum überhaupt, mußte in der wüsten Zeit hungern, weil man ihm den beweglichen und unbeweglichen Besitz geraubt ha tte. Der Jude war, bei Strafe der Deportierung iin die Gaskammer, verpflichtet, seinen Besitz, sogar Habseligkeiten von geringstem Wert, der berüchtigten inazistiischein Vermögensverkehrsstelie zu1 melden. Diese Vermögensverkehrsstelle mobilisierte schleunigst „arische“ Besitzhyänen, die sich in erster Reihe auf den jüdischen Häuserbesitz stürzten, und ihn gegen geringen Kaufscbilling an sich rissen. Der Kauf sch illliing durfte aber nicht dem Juidein eingehändigt, sondern mußte der Vermögensverkehrsstelle abgeliefert werden. Nach Abwicklung dieser schändlichen Transaktion, wurde dier Jude zur Gestapo befohlen, wo er den Auftrag erhielt, das deutsche Reichsgebiet innerhalb vom 3 Tagen zu verlassen; leistete er diesem Befehl nicht Folge, wurde er verhaftet, unbarmherzig geschlagem und ins nazistische Konzentrationslager abgeschoben. Bis auf die Haut ausgeplündert, eingeschüchtert und entkräftet stand der Jude im Nazireichi da. Nun hatte das betonte Äriierfum den Anläßlich des Empfanges für den israeslischen Außenminister Mosche Sharett in einer Privataudienz beim Papst wehte die jüdische Flagge über der heiligen Festung zu Rom. So hat der Vatikan die Existenz des jungen Staates des alten Volkes anerkannt. Wenn die israelische Diplomatie in der kurzen Zeit seit ihrer Schaffung Erfolge zu verzeichnen hatte, durch offizielle Anerkennung des Staates seitens vieler Mächte, so wird die Anerkennung des jungen Staates durch den Vatikan einer unserer größten diplomatischen Erfolge. Der Kampf zwischen Rom und Jerusalem war iin der Tat nichts anderes als ein Duell um die geistige Herrschaft der Welt. Dieser Kampf der Einflüsse war Quelle der vielen Katastrophen, die von dien Kirchen fürsten dem jüdischen Volk zugefügt wurden, und ebenso Ursache für dlie Opposition, die dier Vatikan dem jungen Staat Israel und seinem natürlichen Recht Jerusalem zu behalten, entgegenstellte. Was jüngst geschah, kann einen entscheidendem Wendepunkt in den Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan bedeuten. Es ist wahr, daß es nicht zum ersten Mal geschah, daß jüdische Persönlichkeiten vom Papst empfangen wurden. Erinnern wir uns doch zweier Persönlichkeiten : David ReubenI und Theodor Herzl, zwei Visionäre und Vorkämpfer für den jü- Juden dort, wohin es ihn getrieben hatte. Die Zeit war reif für die letzte diabolische Tat. Die Gestapo begann im Jahre 1941 mit der wüsten Hatz. Gassen, wo Juden hausten, wurden abgeriegelt und „durchgekämmt“. Frauen, Kinder, Greise, blinde und amputierte Kriegsbeschädigte wurden ausgehobein, in Lastwagen, wie das Vieh, verladen und in die Todeslager gebracht, wo sie unter fürchterlichen Qualen zugrunde gegangen sind. Wie durch ein Wunder, hat sich ein Häuflein Juden gerettet; es kam zurück und fordert nichts, als jene Gerechtigkeit, die im Staatsgrundgesetz verbürgt ist. Nun ist der „Wiener Montag“ nicht bereit, Gesetz und Menschlichkeit, soweit es sich um Juden handelt, gelten zu lassen. Der Prätext, daß in einem jüdischen Flüchtlingslager in Wien, eine Razzia stattfamd, ist gut genug, um dien Nazigeist wieder aufleben zu lassen und unter „parteilosem“ schwarzem Panier ein Geschrei zu erheben, daß die Juden Wiedergutmachung verlangen, um — Österreich auszupowem. Was sagten die Herren vom Schlage des „Wiener Montag“ dazu, als sechs Millionen Juden in den Gaskammern Deutschlands umkamen? Anlaß zu einer „Frage an das Judentum“ findet der „Wiener Montag“ in einer Razzia, in einem jüdischen DP-Lager... Anlaß zu einer „Frage an das rassisch-betonte Ariertum“ finden wir in der men sehen sch Lnderischion Barbarei, die an uns Juden verübt und von moralisch, dem „Wiener Montag“ gleichgesinnten Zeitungen gedeckt wurde. A. G. Vereinigter Wiener Tischlermeister Möbelverkauf und Zentrale «y Wltn VI, Marlahllfar Straßa 31 / Tel. D 22-40t, B 20-504, 20-2-15 Holz- und Furnlerverkaul | Wlan XV, Goldschlagslraßa 73 / Tel A 39-4-81, A 39-2-20 Holzoberflächenbehandlung s-Materlalenverkauf: Wlan XV, Goldschlagslraßa 65 / Tel B 31-705 diseben Staat, die ihn schaffen wollten, aber mit verschiedenen Mitteln. Beide sprachen mit dlem Papst bloß über Projekte und über die Zukunft. Die Privataudienz, die der Papst dem Rascher und noch bequemer DAS NEUE PASSAGIERFLUGZEUG AB 20. APRIL 1952 IM TÄGLICHEN FLUGVERKEHR VON WIEN NACH ZÜRICH UND LONDON BRITISH EUROPEAN AIRWAYS israelischen Außenminister gewährte, hat einen ganz anderen Charakter. Wir wissen nicht genau, worüber gesprochen wurde, aber wir sind sicher, es waren sehr wichtige Angelegenheiten. Was wir hier hervorbeben wollen, ist nicht der Inhalt der Besprechungen, sondern die Tatsache, daß eine Zusammenkunft zwischen dem israelischen Staatsmann und Papst Pius XII. stattgefunden hat. Der Klrchienchief von Rom hat den Gesandten Jerusalems, der ewigen Stadt, ohne die, Rom gewiß nicht hätte existieren können, empfangen. Der Vatikan ist durch seine realistische Politik bekannt, und es war sicher der realistische Gesichtspunkt, welcher ihm diesen Schritt diktiert hat. Rom schuldet dem Staate Israel die volle, offizielle Anerkennung. Wir wollen hoffen, daß sie nicht lange auf sich warten läßt. ln der PARFÜMERIE FRUCHTER Wien VII, Neubaugasse 71 Telefon B 35 534 Mariahitferstraße 88 a Zitahof, Telefon B 300 47 werden Sie fachmännisch beraten und billigst bedient. Geschenkpakete für Israel und anderen Staaten nach eigener Wahl zu kulantesten Bedingungen