Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 61 (April 1952)
- Date
- 1952-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 2 Schilling V. b. b. timme 5 Redaktion und Administration: i Wien IX, Universitätsstr. Nr. 4/4 s i Telefon A 26 4 73 1 e/Illgemein zionistischeJVo chens chrifi Postscheck-Konto Nr. 134.292 April 1952 Zionistischer Landesverband Wien rrm D'^Srrr nnn«] Nr. 6t - 1952 15. Nissan 5712 Pessach - ’0;»T Die jüdische Geschichte hat einen eigenartigen Charakter. Sie spielt sich zum großen Teile nicht auf eigenem Boden ab, sondern in der Fremde, wo das jüdische Volk mit den Kulturen der anderen Völker in nahe Berührung kommt. von Symbolen ausgestattet wie dieses. Das feierliche Familienzeremoniell an dein Sederabenden, der Sabbath, nach späterer Tradition auch alle anderen Feiertage sollen, neben ihren eigenen, natürlichen und geschichtlichen Bederte lang währenden Versklavung, soll dem Volke Mut und Kraft zur Aufrichtung und Hoffnung, zur Wiedererlangung der Freiheit verleihen. Die Tradition hat für Pessach aber nicht nur Symbole der Freiheit, son- ,noon Die erste Galuthepoche geht in Aegypten vor sich. In erster Zeit lebt das jüdische Volk unter der Herrschaft der semitischen Hyksos in Ruhe und Frieden. Als aber die alte nichtsemitische ägyptische Dynastie wieder zur Macht gelangt, beginnt eine schwere Unterdrückungszeit für das jüdische Volk. Es wird versklavr und muß Frondienste leisten. Nach jahrhundertelanger Knechtschaft gelingt es dem jüdischen Volke, sich zu befreien. Schon an der Wiege der jüdischen Geschichte steht das Kernproblem der ganzen Menschheit in Flamimenzeiehen eingraviert: das Problem der Freiheit, Freizügigkeit und Unabhängigkeit aller Kreatur, die Menscbenainflitz trägt* Die große Bedeutung des geschichtlichen Ereignisses am 15. Nissan, liegt darin, daß zum ersten Male in der Weltgeschichte sich ein Volk gegen die Versklavung erhebt. Dein Israeliten ist in Mizrajim nichts anderes geschehen, als den übrigen Aegyptern, die genau so in Sklavenketten gefesselt waren, wie die Juden. Aber den letzteren scheint die Freiheit im Blute gelegen zu haben. Freiheit und Gerechtigkeit sind in der Bibel schon mit dem Lebenslauf des Vaters der Nation, Abraham, verknüpft. Sie sind eine logische Folge der monotheistischem Weltauffassung, die seine Schöpfung war und die er seinen Nachfahren überlieferte. Bildet die Welt und die Menschheit eine Einheit, so hat kein Volk und kein Individuum das Recht, über das andere zu herr schien. Diese grandiose Tat der Befreiung aus der ägyptischem Unterjochung, war das Werk eines Mannes, der als einer der größten Genies der Weltgeschichte bezeichnet werden kann. Er ist Religionsstifter, Gesetzgeber, Lehrer, Prophet, Volksu. Heerführer und oberster Richter in einer Person. Seiner überragenden Persönlichkeit gelang es, das Volk zur Protest Versammlung gegen die Unterdrückung aufzurufen und zur Erhebung zu organisieren und in die Freiheit zu führen. Er gewann einem solch großem Einfluß über das Volk, daß es ihm auch in die Wüste, ins Ungewisse folgte. Dieses gewaltige Ereignis der Befreiung aus Mizrajim nimmt in der hebräischen Literatur den hervorragendsten Platz ein und spiegelt sich im ihr in den mannigfaltigsten Farben wieder. Es steht im Mittelpunkt des Volksepos und des Ritus. Kein anderes Ereignis der jüdischen Geschichte wurde mit einer so großen Fülle deutumgen, auch noch der Erinnerung am die Befreiung des Volkes aus der ägyptischen Sklaverei dienen. Ja sogar jeden Tag soll man dieses großen Geschehnisses eingedenk sein. Wahrlich, kein anderes Volk der Erde hat der Idee der Freiheit ein solch lebendiges Denkmal gesetzt, wie das jüdische. Der Grund, weshalb man dem Ereignis des Exodus mehr Bedeutung beimaß, als allen anderen Ereignissen der jüdischen Geschichte, liegt in der Eigenart der jüdischen Geschichte, in welcher sich Unfreiheit und Unterdrückung oft wiederholte. Solche, mehrmals wiederkehremde Unterdrükkungsepochen wären geeignet, das Volk zur Entmutigung, Pessimismus, Apathie uind Resignation und in der Folge zur Assimilation und Untergang zu führen. Die Erinnerung an die Befreiung von den Fesseln der Jahrhunderm auch der Unfreiheit geschaffen (bittere Kräuter und Mazzoth, nach einer gewissen biblischen Quelle), die an die vorangegangene Knechtschaft und Unterdrückung erinnern sollen. Die Erinnerung an das Leiden und die Unfreiheit ist für die Zeit der Freiheit und Selbständigkeit bestimmt, um das Volk auf die Möglichkeit des Verlustes der Freiheit und der Selbständigkeit aufmerksam zu machen. Das Volk soll in der Unfreiheit nicht ver zagen und in der Freiheit nicht übermütig werden. Die Freiheitssymbole sollen in der Leidenszeit, in der Galuth, Trost und Hoffnung spenden, den Willen zur Befreiung amregen; die Sinnbilder der Unfreiheit und des Leidens dagegen, in der Zeit der Selbständigkeit als Warnungszeichen dienen, vor Lässigkeit und Unsittlichkeit, die die Ursache einer Erschlaffung Fortsetzung auf Seite 4 Keren Ka jemeth Leisrael Der Historiker für zionistische Probleme, Josef Frenkel, vermittelt uns mancherlei interessante Details, deren wir uns anläßlich des 50-jährigen Bestands-Jubiläums des jüdischen Nationalfonds (KKL) bedienen : Einige Vorläufer des politischen Zionismus’ hatten diie Idee propagiert, in Erez Israel Grund und Boden für die Juden zu erwerben, damit das wüste Land wie eine Lilie erblühe und Früchte trage, gleich jenem fruchtbaren Acker, den Gott gesegnet hat (Rabbi Hirsch Kalischer). Mit der Idee des Bodenerwerbs beschäftigten sich bedeutende Persönlichkeiten wie Jehuda ben Schlomo Alkalay, Moshe Leb Lilienblum, Leo Pinsker u. a. m. Aber erst Professor Hermann Scbapiro hat dieser zukunftsreichen Idee Form verlieh,ein und inhaltsreiche Vorschläge unterbreitet. Der Kattowitzer Konferenz im Jahre 1884 legte Prof. Schapiro ein Expose vor, das er später auf dem ersten Zionistenkongreß in Basel mündlich! kommentierte. Die Vorbereitung für die Gründung des KKL nahmen einige Jahre in Anspruch, bis der im Jahre 1900 tagende vierte Zionistenkongreß den prinzipiellen Beschluß faßte, einen Jüdischen Naticnal-Fonds zu gründen. Erst dein Bemühungen Dr. Herzl’s ist es zu danken, daß der fünfte Ziomistenkongreß am 29. Dezember 1901 die tatsächliche Gründung des Fonds vollzog. Zunächst waren es die engsten Mitarbeiter Theodor Herzl’s in Wien, die Freunde Wolf sohn’s in Köln, di e zionistischen Askanim in Den Haag, Moskau und London und schließlich die Zionisten aus aller Herren Ländern, die die Grundfesten für den nationalen Fonds schufen und ihm heiligen Inhalt gaben. Obgleich der jüdische Nationalfonds seine Tätigkeit ungesäumt aufnahm und werktätige Hilfe von Johann Kremenezky, Theodor Herzl, Dr. M. Schin'rer, Dr. Leopold Kohin, Dr. Ascher Koke sch und Architekt Dr. Oskar Marmorek erhielt, während er von den Zionisten der ganzen Welt mit Liebe und Aufmerksamkeit bedacht wurde, verstrichen noch Jahre, bis der KKL als öffentlicher Faktor statutarische Sanktion erhielt. Im Londoner Gesellschafts-Register ruht ein Akt unter der Nummer 92.825, der auf die Gründung d,es Keren Kajerneth Leisrael Bezug hat. Am 28. April 1907 erhielt das schon früher gegründete Büro des Keren Kajemeth in London eiin Certificat of Corporation, worin die ini englischen Register vorgenommene Eintragung bestätigt wurde. Der Keren Kajemeth hat nicht bloß die Aufgabe, Geld für wichtige nationale Zwecke aufzubringen, sondern die heilige Pflicht zu erfüllen, den humanistischen Gedanken der Nationalisierung des Bodens in die Tat umzusetzen und darüber zu wachen, daß unsere Erde nicht zum Objekt kommerzieller PrivattransaktLonen werde. Weitaus mehr hat der Keren Kajemeth für die Jude n geleistet, als