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Die Stimme · 1952-01-18 · Heft 58 (18.1.1952) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 58 (18.1.1952)
Date
1952-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Nr. Wn Seite 2_PIE STIMME__ EUER SCHICKSAL 1H EURER HAND! Die .Jüdische Konföderation”, Liste der Zionisten und traditionstreuen Juden, die einzigen Wahrer des Judentums Wahltag ist Zahltag! Pur 20. Januar 1052, der Tag an dem die Juden W iens ihren neuen Kultus vorsiavd wählen werden, wird über Wohi und Wehe des Judentums Oesterreichs für die nächste;1, drei Iah re entscheiden. Jüdisch denken — jüdisch wählen Die Entscheidung, jüdische Schwestern und jüdische Brüder, kann E ich nicht schwer fallen. Ihr, die Ihr um Eures Glaubens willen so entsetzliche geistige, seelische und physische No': erlitten und überlebt habt, Ihr, die Ihr in einer Stadt lebt, von der aus Theodor Herzl den Kampf um die Errichtung eines freien, selbständigen und unabhängigen Judenstaates, aufgenommen hat.' Ihr werdet am Wahltag beweisen, daß Ihr nur jüdisch fühlen und jüdisch denken werdet — Inr werdet jüdisch wählen! Die Frage, was das heißen soll, jüdisch zu wählen — wo es doch auch einen Bund Werktätiger Juden und eine Jüdische Demokratische Liste gibt — kann gar nicht aufkommen, wenn Ihr die Äugen und Ohren aufmacht. Es gibt bei dieser Wahl nur eine wirklich jüdische Liste, nur eine wahrhafte ludenpartei, deren Leiter so wie Ihr jüdisch fühlen und Jüdisch denken — das ist die Liste der Konföderation, das ist die Liste der Männer, die Fleisch von Eurem Fleisch, Blut von Eurem Blut sind* Ja, sind denn die Kandidaten der anderen Parteien keine Juden, werdet Ihr fragen. Gewiß, sie sind Juden. End trotzdem kommt weder der „Bund“ noch die „Einigkeit“ für Euch in Frage, denn seine Kandidaten stehen unter der verpflichtenden Disziplin von Parteien. Es liegt klar auf der Hand und jeder, der nur eine Minute nachdenkf, wird das sehr gut verstehen, daß die sozialistischen und kommunistischen Kultusräte unserer Gemeinde die Befehle ihrer sozialistischen oder kommunistischen Parteileitung ohne Widerspruch auszuführen haben .. .auch wenn sie gegen unsere eigenen jüdischen Lebensinteressen gehen. Schamlos wurden materielle und geistige Güter der Judenschaft gefährdet oder aufgegeben, weil die Erhaltung oder Erreichung dieser Güter im Widerspruch mit den Interessen der Kommunisten oder Sozialisten gewesen sind. Die heutige jüdische Gemeinschaft in Wien. Während es 1938 große und einflußreiche jüd'ische Organisationen gab, welche die Interessen der österreichischen Juden auf das Beste vertraten und die Arbeit der Kultusgemeinde sowohl in politischer als auch in wirtschaftlicher Beziehung unterstützen konnte, ist heute die israelitische Kultusgemeinde die einzige offizielle Repräsentanz der Judenschaft Wiens. Gerade deshalb muß jeder einzelne Jude in Wahrung seiner eigenen persönlichen Interessen und in Währung der Interessen der jüdischen Gesamtheit alles daran setzen, die Vertretung der Gemeinde so zu gestalten, daß diese zu wählende Vertretung die beste wird und getragen vom Vertrauen aller Juden W iens, ihren schweren Aufgaben ausschließlich beseelt vom jüdischen Geist, unbeeinflußt von fremden Tendenzen, gerecht wird. Die Aufgaben der Kultusgemeinde. Gewiß haben die Bedingungen nach dem Zusammenbruch des blutigen Hitler-Regimes der Kultusgemeinde neue Aufgaben auferlegt, besonders solche, die mit den Tragen der Wiedergutmachung Zusammenhängen. Gerade diese Fragen sind zu den wichtigsten Pflichten der Kultusgenieinde geworden. Wir stehen aber auf dem »Standpunkt — und er ist einleuchtend für jeden Juden und für jede Jüdin — daß die Lösung aller Probleme der Wiede! gut machung einzig und allein durch einen Kultusvorstand erfolgen kann, der freie Hände nach allen Seiten hin hat, der unbeeinflußt von allen Parteibindungen bandeln und entscheiden kann. Während es vor 1938 ausschließlich Parteien mit rein jüdischem Programm in der Kultusgemeinde gab, hat das Ghaos nach 1943 dazu geführt, daß wir heute in der Gemeinde Parteien haben, deren primäre Aufgabe darin besteht, die Kultusgemeinde zum Tummelplatz fremder, dem Judentum abträglicher Interessen zu machen, Gegen diesen schädigenden Einfluß führten die zionistischen Mandatare m der Kultusgemeinde einen ständigen Abwehrkampf. Sic stehen in diesem Kampf einer geschlossenen front von Parteien gegenüber, die unter Hintansetzung jüdischer Interessen ausschließlich fremden Parteizielen dient. Wie sie sieh tarnen Diesem unwürdigen Zustand ein Ende zu bereiten, liegt in den Händen der W ähler, die am 20. Jänner ihre Stimme abgeben werden. In aller Deutlichkeit und Offenheit muß an dieser »Stelle festgestellt werden, daß dieser Zustand bewußter, gewissenloser L nterdriiekung jüdischer Interessen nur dann ausgerotfet werden kann, wenn die „Jüdische Konföderation“ die Majorität im neuzuwählenden Kultusvorstand erhält. Ja, kann denn auch nur ein einziger Jude in der Wiener Kehilla glauben, daß die kommunistischen und sozialistischen Kultusräte in der Kultusstube für etwas stimmen dürfen, w'as ihren Auftraggebern nicht paßt? Wenn alles nicht so gegangen ist, wie wir Juden es In den letzten Jahren gerne hätten haben wolHen, so ist der Hauptgrund aller schädigenden Einflüsse, die Politik der Kommunisten und der Sozialisten in der Kultusgemeinde, die keine wahrhaft jüdischen Interessen, sondern die ihrer Parteibonzen verfolgt haben. Sie sind sehr geschickt und können sich so gut tarnen! »Sie binden sich sogar manchmal die blau-weißen Farben Israels um und hoffen, daß man ihre rötliche oder rote Gesinnung nicht durchschimmern sieht. »Sie bleiben aber was sie sind : Kommunisten oder Sozialisten, die so nebstbei auch ... Juden sind 1 Die letzten zwei Jahre „Einiflkrjt“ und „Werktätige Juden" Im den Wählern diese Notwendigkeit einer bewußt jüdischen Mehrheit im Kultusvorstand deutlich vor Äugen zu führen, ist es notwendig, über die Tätigkeit der Gemeindevertretung in den letzten 2 Jahren einige Worte zu sagen, lim bei den letzten Wahlen im Dezember 1949 einen Wahlkampf mit all seinen unerquicklichen Begleiterscheinungen zu vermeiden, haben d:e zionistischen Organisationen unter großen Opfern und unter Hintansetzung aller Parteiinteressen einer Wahlvereinigung zugestimmt, von der Voraussetzung ausgehend, daß durch diese Vermeidung eines Wahlkampfes, in Zukunft positive jüdische Arbeit ini Interesse der jüdischen Gemeinschaft geleistet werden wird. Wie sieht die Wirklichkeit aus? Schon damals hat der gesunde Volksverstand der jüdischen Wähler die destruktive und schädigende Tätigkeit der kommunistischen „Einigkeit“ klar erkannt. Die Zeit der Herrschaft dieser Gruppe war vorbei. Wenn es damals zum Wahlkampf gekommen wäre, hätte die Eiste der „Einigkeit“ eine vernichtende Niederlage erlitten. Daß bei d'eser Wahlvereinbarung die „Einigkeif“ mit 11 Mandaten als stärkste Gruppe in den Vorstand einziehen konnte» und sogar für 8 Monate den Präsidenten stellen konnte, was sich nicht einmal der optimistischeste Eiiugkeifsanhängcr in seinen kühnsten Träumen erwartefe, hat sie es schließlich den einer besseren »Sache werfen Anstrengungen und Bemühungen der sozialistischen Gruppe der „Werktätigen Juden“ zu verdanken* Wie schon oben erwähnt, hat die zionistische Fraktion im Laufe der letzten 2 Jahie, immer und immer wieder einer vereinten Front der „Einigkeit“ und „Werktätigen Juden" gegenübergestanden. Es war ein aussichtsloser nervenaufreibender Kampf. Wenn heute sowohl „Einigkeit“ als auch „Werktätige Juden“ in ihrer Wahlpropaganda zwischen Dichtung und Wahrheit nicht viel Unterschied machen, und in letzter »Stunde versuch:;!, durch bewußte Entstellungen der Tatsachen die Entscheidung der Wähler zu ihren Gunsten zu beeinflussen, so ist es notwendig, zu diesem Versuch »Stellung zu nehmen. Und ihre Presse? Während der letzten 2 Jahre, waren die „Presseorgane“ Neuer Weg für die Einigkeit, der demokratische Bund der werktätigen Juden seelig in dem Herrn entschlafen. Man hielt es nicht der Mühe wert, die jüdischen Massen über d'e so „erfolgreiche“ Tätigkeit ihrer Mandatare zu informieren. Um ungestört nach Belieben schalten und walten zu können, wurde das Nachrichtcnblatt der Israeli'ischen Kultusgemeinde „Die Gemeinde“, welches unter der Äera dos zionistischen Präsidenten Dr. Schapira regelmäßig an die jüdischen Wähler versandt w'U.rde, um s'e fortlaufend über die Arbeit der Kultusgemeinde zu informieren, sofort nach Uebernahme des neuen Vorstandes, eingestellt. Wochen vor der Wahl scheint nun für diese „Vertreter der Judenschaft“ die Zeit gekommen zu sein, wieder vor die Oeffentlichkeit zu treten. Es klingt geradezu absurd, wenn diese beiden Parteien mit großzügigen Programmen und Versprechungen sich an die Oeffentlichkeit wagen, und den Versuch unternehmen, der schon gewitzigten und durch Schaden klug gewordenen Bevölkerung, neuerlich »Sand in die Augen zu streuen. Waren es doch gerade diese beiden Parteien, die in den letzten 2 Jahren die Herrschaft in der Kultusgemeinde führten und damals genug Gelegenheit hatten, wenigstens den Versuch zu unternehmen, einen Bruchteil ihrer Versprechungen in die Tat umzusetzen. Befehl erhalten und ausgeführt! Die Kommunisten haben in diesen letzten zwei Jahren gar keine Absicht gezeigt, positive und aufbauende jüdische Politik zu betreiben. »Sie haben im Gegenteil destruktive und schäd liehe Vorschläge gemacht, die den Interessen der österreichischen Juden gerade zuwddergelaufen sind. Gerade die Probleme der Wiedergutmachung hätten sich viel leichter lösen lassen, w'enn nicht d'e Kommunisten ihre bekannten demagogischen und hetzerischen Taktiken verfolgt hätten, die sie getreu den Befehlen aus der KP- Zentrale in der Wasagasse vorbrachten. Wir wollen hier ein Beispiel anführen. Als in Wien der kommunistisch gelenkte sogenannte „Weltfriedenskongreß“ tagte, da verlangten die kommunistischen Kultusräte allen Ernstes, daß die Wiener Kultusgemeinde dem Kongreß eine Botschaft sende und sogar eine Delegation bestimmen solle! »Sind denn das die Aufgaben einer jüdischen Kultusgemeinde? Wißt Ihr denn überhaupt, was in den kommunistisch-beherrschten Ländern mit den aufrechten Juden, mit den Zionisten geschieht V Laßt es Euch doch von unseren Brüdern und »Schwestern, die von dort geflüchtet sind, erzählen! Jud’ ist Jud’! I)a in diese Wahlen die Kamplparolc mit Fügen und Verleumdungen gegen uns lüneingetragen wurde, nehmen wir den Kampf auf, aber mit den Waffen der Wahrheit und Reinheit. Die Jud sehe Konföderation ist clic einzige Eiste, die auch für das Wahlrecht der Ausländer eingetreten ist; wir kennen auch keinen l nfersclved zwischen „bodenständigen“ und Ostjuden. Vir vertreten den »Standpunkt, daß in der Israelitischen Kultusgemeinde kein Platz für nicht jüdische Parteipolitik ist und daß hier nur rein jüdische Politik verfolgt werden darf. Parteipolitik wichtiger als Rückstellung lind Wchnueg. n. Im Jahre 1930 haben Abgeordnete der Regierungsparteien, also »SPOc und OeVP einen Gesetzesantrag unter dein scheinheiligen Titel „Gesetz betreffend Härfeausglekh in Rückstellungssachen“ und die Errichtung eines Härteausgleichs-Fonds im Parlament eingebracht. In diesem Gesetzesantrag verlangten die. beiden Regierungsparteien nicht mehr und nicht weniger, als daß das III. Rückstellungsgesetz zum »Schaden de: geschädigten Juden novelliert wird. das bereits rückgestelite Vermögen enteignet und ein sog. Härteausgleichs-Fonds errichtet wird, der wohl nur aus dem erblosen jüdischen Vermögen und aus einer Art neuen Judenabgabe gespeist wird, aus dem aber auch Nichtjuden, insbesonders eine Gruppe von Ariseuren entschädigt werden sollte. Damit wollten die beiden Regierungsparteien nichts anderes erreichen, als au! Kosten der Juden die »Stimmen der Naziariseurc zu fangen. Es ist nur der leinwandfreien Haltung des amerikanischen Elements in Oesterreich zu verdanken, daß dieser Anschlag vereitelt wurde. Was haben unsere „jüdischen“ Sozialisten gemacht? Nichts 1 Haben sie bei ihren sozialistischen Parteigenossen gegen diesen ungeheuerlichen Anschlag protestiert? Nein! »Sie haben unsere gerechten Ansprüche, sie haben uns Juden schlankweg geopfert!! »Sie haben aus „Parteidisziplin“ ganz einfach den Mund gehalten, sie haben „vergessen“, daß sie luden sind, daß sie Juden vertreten. »Sie haben widerspruchslos zugelassen, daß ihre Parteigenossen den Versuch machten, die Wiedergutmachung zu verwässern» sie waren in diesem Augenblick „gute“ »Sozialisten, sie waren aber keine — Juden! Und noch ein Beispiel : Haben Euch die jüdischen »Sozialisten in ihrem WahlProgramm von 1948 nicht versprochen, durch ihre guten Bezichun gen zur Gern inde Wien die Wohnungsfrage zu lösen? Wie haben sic. ihr Versprechen gehalten? 60.000 jüdische Wohnungen vor 1938 und heute, 1952, leben noch immer hunderte Juden in Notquarticren. Zwischen der Gemeinde Wien und den Wiener Juden stehen als Hindernis die jüdischen »Sozialisten der Kultusgemeinde, die, anstatt als Vertreter der Juden, jüdischen Interessen zu dienen, Handlanger der »SPOe sind, und alles verhindern, was ihrer Partei unangenehm sein könnte. Was nun? Es gibt nur eine Möglichkeit, d.e Parfeldiktatur der Sozialisten! und der Kommunisten in der Kulfussfnbe zu brechen. Es gibt nur eine Möglichkeit, un abhängige, jüdische Kehüla-Politik zu machen! Wählet Jüdische Konföderation Verschafft ihr die Mehrheit und die Kultusgemeinde wird endlich eine positiv jüdische sein! Ki^entüiner, 1 u. Verleger : Zionistischer Landesverband in Oesterreich, IX, Uni\ersitiitsstraföc 4. Meditiert von einem Jledal.lii i.sl,oll(Minm. Verantwortlicher lleihik Icnr : l'rih: Mütter. Wien II, krummbaumftasse I. — Druck : Douaustailt, W im il Max-Winter-Tlatz 5, It 47 0 :«)

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