Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 57 (10.1.1952)
- Date
- 1952-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 57 .Seite ö __ PIE STIMME__ Israel und die Golah Uettl Isead! Wenn wir uns mit Israel befassen, dürfin wir mellt nur auf Unzukömmlichkeiten Ivnw eisen, sondern freudig zur Kenntnis nehmen, was dort erreieht wurzle. Das mensehliehe und jüdische Gewissen gebietet uns mit hiebe und Optimismus das grandiose \ufbaiiwerk zu fördern. Israel ist im Da: , i t ties Judentums zu einer solch, mi Wirklichkeit Geworden, daß un- "■ ■_ te kühnsten Träume iibertroffen sind. Die Tage der Juden in der Welt würde sieh, trotz Niederlage des Men sein lifciiide.- Nazismus, trotz Aufstrebi ns des humanistischen Gedankens, katastrophal gestalten, gäbe es nicht die Mcd: ’atb Israel, Für einen Großteil des W eitiudentums ist Israel der einzige Lichtstrahl im Dasein. Jeder, der historisches Verständnis hat, erfaßt es, daß Israel dem Judentum s:Gische Kraft verleiht, wodurch es befähigt wird, den Unhillen Trotz zu hinten, dem moralischen Absinken zu entgehen und den Feinden die Sfirr.e zu bieten. Uns allen ist es eine tiefe Genugtuung, daß wir es erleben durften, Zeitgenossen de:- Gründung des Staates Israel zu sein. Damit ist ehe Arbeit aber noch nicht bi endet. Israel muß erst geplant und wri’er gestaltet werden, wozu es auch der moralischen und wirtschaftlichen Kraft der Juden in der Diaspora bedarf. Di? Wunen Kultusgemeinde ist wirtschaftlich gesehen, kein ausschlaggehe nder Faktor u. ihre pekuniäre Hilfe für Israel fällt kaum ins Gewicht, aber die Hrhenntris der Wiener Judensehaft, daß Israels Starke und seine Fähigkeit das geschichtliche Aufbauwerk zu voTcnden das Gebot der Stunde ist. wird uns vor einer Gesera, vor dem Untergang bewahren. Denn der Antisemitismus ist nicht erloschen er wächst zusehends und wir sehen le-ider keine Kräfte in der Welt, die wd’ens wären, d’ese böse Flut einz.udä mir.en. Präsident Weizmann sagte einmal : ..Unsere Leistungen in Erez Israel haben d'e großen jüdischen Gemeinschaften der ganzen Welt dazu gebracht, daß sie sich vor unseren Werken neig.n. In Zürich drückte sich dieser Respekt in dem Beitritt der nichtzionistischen Judcnheit zur Jewish Agency aus.“ Aufrechte Menschen, die mit den Problemen der Erneuerung des nationalen Lehens der Juden auf eigenem Boden nicht fertig wurden, gelangten doch zur Einsicht, daß wir durch Jahrtausende das Recht auf Erez Israel mit uns getragen, niemals vergessen, niemals darauf Verzicht geleistet und mm heimgekehrt, allen Schwierigkeiten Trotz bieten. Der bewaffnete Ueherfall der Araber auf unser Land hat eindeutig dorgrfan, daß kein Jude, gleichgültig in welchem Lager er steht, in seinem Glauben an die jüdische Zukunft erschüttert wurde. Die Kandidaten der ..Jüdischen Konföderation“ ziehen daraus die Lehre und schöpfen Zuversicht, daß sü dem Verständnis der Wählerschaft begegnen werden, der entscheiden den Kraftquelle, Israel, seelisch, moralisch und kulturell miherzukomm.cn, ehe W irklichkeit mit der Wahrheit n Uehereinstimmung zu bringen. Marten Buber sagt : „Wenn jemals, haben wir jetzt den Glauben an die Einigkeit Israels und an seine besondeie in semer Geschichte manifestierte Aufgabe, an die MenschbeT festzuhalten und sie zu bewahren. Das Volk kann sich in seinem Bewußtsein nicht \on seiner geschichtlichen Verpflichtung, von seinem geschichtlichen Zusammenhängen lossagen, ohne seine innerste Eruchtbarkeit zu gefährden.“ Die Wiener Juden, die am 20. Jänner zur Wahl schreiten, werden sich ihrer Pflichten bewußt se'n und mithelfen die hohen Ziele der Wiener Judengemeinde zu erreichen. Sie werden durch ihre Stimmen für die Jüdische Konföderation dazu beitragen, daß die Wiener Kehilla das hohe Niveau erreicht, das sie unter der Führung des verewigten Präsidenten Dr. Desidor Eriedmann ausgezeichnet hat. Die Vereinigte Aktion fiir Israel — Magbith Mcucbedeth — beginnt seine Aktion für das Jahr 1952 (5712). In d:esem Jahie besteht die Aufgabe der Aktion in der ganzen Welt darin, das vom 25. Zionistenkongreß vorgescimiebene Budget von 52 Millionen Bl zu sühirm Dieses Budget entspricht den ge - ringsfen Erfordernissen für Israel, das c'n rasches Tempo des Kibbuz Gnliofh (Sammlung, der Zerstreuten) verlangt. Jede Verzögerung gefährdet das Wachsen, die Fundierung des Staates und die jüdischen Interessen der Golah. fn der letzten Zeit hat eine Unwetterkatastrophe Israel heimgesucht. V'e- *e Tausende von Famil'en sind obdachlos geworden. Leider wurden gerade die OrtscI offen, die von neuen Einwanderern bewohnt sind, am schwersten getroffen. Die Bevölkerung des Landes und alle Institutionen wurden zu einem sofortigen allseitigen Hilfswerk mobilisiert. Dies bedeutet Leopold Ascher Der Mitchef der bekannten Firma Leopold Ascher & Bruder, Wien VII, Mariahilferstraße 50, feierte am 20. Dezember 1951 den 30jährigen Bestand seines Geschäftes und gleichzeitig seinen 65. Geburtstag. Herr Leopold Ascher ist einer der Juden Wiens, die zu den eifrigsten Förderern Israels gehören. Es gereicht uns zur Ehre, ihm unsere besten Glückwünsche darzubringen. Das Jubiläum eines Freundes Zions erfüllt uns mit Freude und verleiht uns Zuversicht, daß Herr Ascher seine Kraft auch weiterhin unserer gemeinsamen Sache, dem Aufbau der Medina th Israel, widmen wird. eine neue unvorhergesehene Belastung des vorgeschrlebenen Budgets. Israel hat die Masseneinwanderung der Juden aus der ganzen Welt zu ei' cm seiner Hauptziele gemacht und in der kurzen Zeit seiner Unabhängigkeit seine Tore für jeden Juden gcöPnt. 70(1.000 Juden aus allen 1.ändern sind mnerhalh von 3' . Jahren in Israel cingewauderf und konnten (Oes nur mit Hilfe der M AGB ITH- Sammlungen. Zum größten Teil wurden sie schon absorbiert, geschult und in das Wirtschaftsleben 'eingegliedert. 500 neue landwirtschaftliche .Siedlungen aller Formen sind in kurzer Zeit entstanden. Itl.OOO Waisenkinder sind in den Anstalten der Jugend-Alijah nufgerommen worden und 25.000 Kinder und Jugendliche war- (: n in den Durchgangslagern auf ihre normale Umschulung und ständige Einordnung. Sein* viel ist bis jetzt getan worden, aber nicht in jenem Ausmaße, um den stets steigenden Bedürfnissen und Notwendigkeiten zu entsprechen. Zehntausende Juden außerhalb Israels sind noch heute an ihrem Lehen, in ihrem Lebensunterhalt bedroht. Tausende und Abertausende jüdi- ' eher Brüder und Schwestern aus vielen Ländern der W'elt kloofcn an die I ore Israels, das die einzige Rettung für sie bedeutet. Bedenken S e die ungeheuren Anforderungen, die für den Aufbau Israels gestellt werden! Können Sie ermessen, was es bedeutet, daß in 3' Jahren die Bevölkerung Israels nahezu verdoppelt wurde, daß die einwan- ■defnden Juden nahezu mittellos in Erez ankommen l Halten Sie sich folge nde Umstände vor Augen : Ohne die tatkräftige Hilfe der JucUn der ganzen Welt kann Israel allein die gegebenen Schwierigkeiten nicht überwinden. Angesichts der letzten Unwetterkatastrophe rufen wir daher die Juden Oes't 'reichs auf, ihren Aufhaubeitra^ für Israel zu leistem Nicht Spenden, sondern Aufbau-Beiträge verlangt der Maübith von den Jüdin Oesterreichs. Erfüllet Eure Pflicht, denn nur dann wird das Aufbauwerk gelingen und Israel unsere wahre Lleimstätte werden. Der Präsident des Arbeits-Komitees Gen.-Dir. Gustav Ucifner Ist*. Kultusgemeinde Wien Dr. Emil Maurer, Vizepräsident WOLLE UND GARNE größte Auswahl ADOLF BOMZE V, Reinprechtsdorferstraße 48 XX, Wallensteinstraße 17 Telephon A 32 0 08 XVI, Neulerchenfelderstraße 20 II, Rotensterngasse 5 MEN4CHEM Das Andenken des großen Zionisten Mt nacl cm Ussischkin, wurde anläßlich seircs 10. Todestages durch zahlreiche Gedäcl.tnisfe'eni geehrt. Am Berge Skopus, auf dem die Geheine Ussischkins ruh: :i, wurde das erstemal, seitdem der Berg vor dreieinhalb Jahren in d'e Hände der Araher fiel, eine Gi dächtnisfe'er abgehaltem Eine Eh'ingarde der Skopuspolizei hielt am Grabe die Ehrenwache. MtnacLem Ussischkin wurde am 17. August 1865 im Mohilewcr Gouverncmmf gehören, studierte technische Wissenschaften und erwarb an der Moskauer Hochschule das Ingenieur- 1 üplom. Noch hevor Herzl auf die politische Tribüne trat, betätigte soll Ussischkin n aß,ehe ul im ( howewi-Zion in Odessa und u uedc im Jahre 1896, midi dem Milchen von A. Grimberg, desn n Präsident. Ussischkin entw'ikkeinsich zum populärsten Mann des russischen Zionismus und gedieh nein n Dr. Isehl now zum Führer des zionistisch' n Lebens. Unter ccm Druck der zaristischen Pogrome, bildeten im Jahre 1882 viele jüdische Stnd nten eine Gemeinschaft mul beschloss i n di - russischen Hoch - hui ii zu verlassen, um als einfache USSISCHKIN Arheifcrpiomere ins Heilige Land zu gehen und ihr Lehen der Wiedergeburt des jüdischen Volkes zu weihen. Die jungen Idealisten nannten sich ,,Bilu“ (Abbreviatur für Heth Jaakob lechu wmclchoh — hihi. Motto). Dieser Vereinigung trat Ussischkin, der damals noch Student war, hei und übernahm mich kurzer Zeit d'e Führung. Später wurde Ussischk'n ebenso einer der Organisatoren des Zioni..- mus in Rußland w'e eine führende Persönlichkeit des Weltzionismus. Ihm wimde die Ehre zuteil, sieh an den Vorbereitungsarheiten für die Einhelufung des ersten Zionistenkongresses zu beteiligen, bei welcher Gelegenheit ••■eine Energ-e, seine hemerkenswt rt e Sachkenntnis und sein fanatischer Wille den Zienismus zu dienen, allgemein; iifliel. Der dritte Zionistenkongreß wählte Ussischkin ins engere Akfionskomitet wo er sich, im Gegensatz, zu Herzl, unbeugsam für eine ungesäumte In- :• ngriffsnahme der Kolonbationsarheit i Lire/. lsr:e] e'nsetzte. Er beteiligte sich üiitiativ an der Gründung des Ke ren Kajemeth und Keren Hajcssod und sein Naimb!e:bf mit den grandiose n Leistungen der Fonds verbunden. Seine Tätigkeit nls Präsident des Keren Kajemeth ist nicht nur rühmenswert, sondern findet kein Beispiel in der Geschichte dieser Institution. Als der Kampf um das Ugandaprojekt entbrannte, stellte sich Ussischk'n an die Spitze der Gegner und geriet m einen ernsten Konflikt! mit Theodor Herzl, dem er früher treu und bedingungslos ergeben war. Im Jahre 1905 veröffentlichte Usischkin eine Broschüre, worin er die Gründe, d e gegen Uganda sprachen, darlegte; seine Darlegungen riefen Aufsehen hiervor und strahlten äußerst fruchtbare Wirkungen aus. Als Ussischkin im Jahre 1890 heiratete, unternahm er seine Hochzeitsreise nach Palästina, wo er den Plan faßte, die dortigen Juden zu produktive n Arbeitsgemeinschaften zusammenzu fassen. Im Jahre 1905 setzte er seüien Plan in die Tat um. Allerdings hatte dieses Unterfangen keine starke Lebenskraft, weil einerseits eine künstliche Zusammenschweißung von heterogenen Eiern '.nten keine positiven Resultate zeitigen kann, andererseits war d'e Zeit für ein solches Unternehmen nicht reif. Doch dürfen wir die diesbezüglich:, n Bi niühimgeii lIssischkims keinesfalls als gescheitert betrachten; er hat in di'‘■cm Zusammenhang einen klugen und zweckd km liehen Plan für die Gründung einer Versuchsstation entwinden, neu eingewanderten Menschen Ai bi itsgc’egenheit beschafft und einen Auskcnftsdicnst für Paläsfinaintere-;- senten ins Lehen gerufen. Auf dem fünften Zionistenkongreß beantragte Ussischkin die Etablierung einer Filiale der Kolonialbank in Palästina; dieser Antrag wurde im Jahre 1905, durch d'e Gründung der Anglo-Palcstinckompagnie. realisiert. Dem Wirken Ussischkins verdanken wir es, daß mit der zwe:te i Alija eine große Zahl von jungen Menschen aus Rußland ins Land ging und wichtige kolonisatorische Arbeiten leistete. Im Jahre 1919 ursch'an Ussischkin, an der Spitze einer zionistischen Delegation vor der Friedenskonferenz, um die Palästinaforde-rungen desZioivsnuis zu vertreten. Es gibt keine Phase In der zionistischen Bewegung, die nicht Spuren von Ussischkins Geist aufwiesen. Infolge von Differenzen irrt dem derzeitigen Staatspräsidenten Prof. Weiziru.nm d'e angesichts solcher überragender Geister und starker Willensmmischen, schwer beigelegt werden kennten, trat Ussischkin aus der Exekutive, in der er tonangehend war, aus und widmite seine Kraft anderen wichtigen Aul gab,en des Zionismus, der dem geistig und seelsisch prachtvollen taktisch harten Mann, seine Verwirklichung zu einem großen Teil verdankt. Die eigenartige, historisch bedeutende Persönliclikeif, vermißt nun die Medinath Israel. Bernhard Braver