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Die Stimme · 1950-04-23 · Heft 35 (23.4.1950) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1950
Issue
Heft 35 (23.4.1950)
Date
1950-04-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zionistischer Landesverband Wien H^'D DTOH JTnlWin e/lllgemein zionistischeJdo chens chvift Preis 2 Schilling V.b.b. H Redaktion und Administration: §§ §§ Wien IX, Universitätsstraße Nr. 4/4 H H Telefon A 26 4-73 ü Postscheck-Konto Nr. 134.292 23. April 1950 Erscheint vierzehntägig Nr. 35 Dr. DANIEL LEWIN, Vertreter des Staates Israel: Zwei Jahre nach der Proklamation des Staates Israel Aufhauendon eine Existenz zu j Ladern lohen, die anderen aber bereits scharfen. j ihren IMatz gefunden haben.; - ihm. ' ,-v* UW wusisiii Staatspräsident Professor Dr. Chaim We/zmann Zu den Feiertagen, die das jüdische Volk seit Jahrtausenden begeht, ist ein neuer gekommen, und er wird vielleicht im Bewußtsein der Juden nicht der geringste sein, wie das Wunder, an das er erinnert, keines der geringsten ist: die Proklamation des Staates Israel. Den ersten Jahrestag war es leicht zu würdigen. Das erste Jahr war von Kämpfen erfüllt, die sich zum großen Teil, sowohl die Schlachten in Israel als dio Diskussionen in der UNO, vor der Tribüne der jüdischen, ja der Weltöffentlichkeit abspielten. Man braucht nur zu erzählen, was geschehen war, um erneut die Begeisterung der Hörenden zu erwecken. Der Kampf des zweiten Jahres war ein weit unscheinbarerer und schwererer. Fs war ein Kampf gegen soziologische und ökonomische Fakten, der noch keineswegs beendet ist. Bis zum Ausbruch des nationalsozialistischen Wahnsinns in Europa waren die Juden nur zu Tausenden nach Israel gekommen, in kleinen Gruppen. Aber es waren die Besten des jüdischen Volkes. Eine ganze Generation von Ghaluzim, dio nicht um ihretwillen gingen, sondern um dossentwillen, was ihnen ein heiliges Ziel war: des Aufbaues eines fruchtbaren Landes als Heimat für das jüdische Volk. In den zwei letzten .Jahren hat unser Staat etwa 400.000 .Juden neu J)ei sich aufgenommen, das lieißt, etwa 00% der Gesamthevölkerung am Tage der Staatsgründung. Aber diesmal war das Auswahlprinzip nur in einem sehr kleinen Maße der heilige Wille der Einwanderer selbst, weit mehr ihre Notlage und Hoffnungslosigkeit. Aus den Lagern Deutschlands, Oesterreichs und Italiens, aus Nordafrika und schon aus anderen arabischen Ländern waren sie gekommen als zerstörte Existenzen oder als Menschen, deren Ex ist ('liz von der Zerstörung bedroht war, nicht vorbereitet, vor allein nicht beruflich, und last alle ihrer linanziehen Lebensgrundlago beraubt. Diese 100.000 mußten aufgenommen werden. Man mußte Arbeit und Wohnung für sie weniger linden als schallen. In einem eigentlich glücklichen Kreise1 mußte man das Land weiter aufhauen, um durch seinen Aufbau ihnen als Bis aber neue »Siedlungen, neue Industrien geschaffen werden können, vergeht Zeit. Fnd die Kapitalreserven, um diese Zeit zu iiherbriieken. sind praktisch nicht vorhanden. Der .1 i sch uw in Israel nahm in diesem zweiten .1 all r seines Bestehens die wirtschaftlichen Opfer so auf sich wie er im Jahre des Krieges seine Söhne zum Opfer gebracht hatte. Der Import wurde auf Kosten der Lebensführung auf das beschrankt. was für dio konstruktiven Plane notwendig war. l ud i's ist eine Leistung, deren Bedeutung kaum zu ermessen ist. daß von diesen 100.000 heute nur etwa 00.000 noch in Der Strom der Einwanderung geht weiter. Die polnischen .Juden können endlich, soweit sie es wollten, frei zur Alijah gehen. Aus Bumänien kommen seit einigen Monaten monatlich etwa 2000 Menschen zu uns. Die ganze treue und unglückliche Judenheit. Vinnens wurde auf einem „Zauherteppich" nach Israel gebracht! Jetzt scheint es so. als oh auch die Zehnlausende der Juden des Irak endlich ungestört ihrem Weg in unser Land finden können. Fnd alle diese Aulgaben müssen geleistet werden, während der Krieg zwar rulil. die Kriegsbereitschaft aber nicht ruhen darf. weil die Gefahr neuer Versuche, unseren Aufbau zu stören, noch nicht einmal formell beseitigt ist. Der »Staat Israel ist der Staat der Juden und gewiß nicht nur der Staat derer, die heute schon in ihn eingewandert sind. Ohne das Mitfühlen und die Mithilfe des jüdischen Volkes in der ganzen Welt wird der Wog zur Ordnung und Freiheit noch sehr viel steiniger sein. Man ist gewohnt, die Diskussionen in den zionistischen Organisationen und in anderen jüdischen Gemeinschaften der Welt Kampf zu nennen. In Wirklichkeit gilt es für die organisierten Zionisten einen anderen Kampf zu kämpfen, als den um Plätze in verschiedenen Gremien: den Kampf gegen die Trägheit des Herzens; gegen die Trägheit des jüdischen Herzens. »Solange Krieg in Israel war, war es leicht, ihm begeistert zuzusehen. Und die Golah hat gewiß ihre Pflicht nicht schlecht erfüllt. Freiwillige kamen aus allen Ländern, und wer nicht gehen konnte, half die finanziellen Lasten des Kampfes zu tragen. Nur: unser Krieg ist nicht beendet. Er geht weiter, und wenn vielleicht auch nicht gegen einen äußeren Feind, so doch gegen die objektiven Verhältnisse. Der zionistische Kongreß, der in einigen Monaten zusammentreten wird, mag sich mit einer neuen Definition und einer neuen Organisation des Zionismus beschäftigen. Aber wie die Formulierungen und Beschlüsse lauten mögen, eines ist sicher: Zionist ist, wer sich mit allem, was er hat und ist, an dem Kampf des jüdischen Volkes um seinen Staat, um seine Existenz, um seine Freiheit, um sein Recht beteiligt. Es steht nicht, zu erwarten, daß unser Staat dio individuelle Entwicklung und Initiativi' beeinträchtigen wird. Aber natürlich nur so weit, als persönliches Wohlergehen nicht dem Wohlergehen des Staates widerspricht. Es gibt keinen Zionismus auf Bedingungen. Fnd so will ich zu unserem zweiten Jahrestag der Existens unseres Staates die Wiener Zionisten herzlich begrüßen.

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