Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1949
- Issue
- Heft 33 (3.12.1949)
- Date
- 1949-12-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 33 ZDie Stimme Seite 5 k k American ^Joint ^Distribution Committee Ein Freund Vienna (Fortsetzung von Seite 2) Heue Ziele des Zionismus Die Kullusgemeinde-nialilen am 11. Dezember Oesamt-JQdlsitie Liste nereinigt alle Parteien n.m.Ehrlirti.der mann ohne Anhang, nersudil die Desdilossenheit des Judentums zu stören IDarum jeder Jude mahlen muh Israel aber nur durch die dortigen Allgemeinen Zionisten, denn diese lehnen (‘im* Einmischung von nullen strikt ah — stärker als bisher werden beeinflussen können. Im Sinne dieses Bestrebens fordern sie, daß das den Zionisten in Palästina bisher gewährte Privilegium, wonach ihr Schekel doppelt zählt, so da 1.1 sie eine relativ doppelte Zahl von Kongreß-Delegierten als Zionisten anderer Länder wählen können, ihnen nun genommen werde*. Dieses Privilegium sei jetzt, nachdem die Zahl der Juden in Israel stark angewaehsen ist. nicht mehr berechtigt. Setzt die ZOA. diese Forderung bei der Weltorganisation durch, dann isl mit der Möglichkeit zu rechnen, da 1.1 die Zionisten Amerikas, im Hinblick auf die Menge der Schekelzahler hier, zusammen mit ihren Gleichgesinnten in Israel und anderswo über die Hälfte, gar die Mehrheit, der Delegierten auf dem Kongrel.l verfügen werden. Umformung des Basler Programms Die ZOA wünscht, da 1.1 das Basler Programm, das sich ..überlebt“ hat, einen neuen Inhalt gewinne. Der Judenstaat ist errichtet. Jetzt soll e*n Hauptgewicht auf ..jüdische Selbsterziehung“ gelegt werden. Ein weitreichendes Programm der Kulturarbeit innerhalb der Judenheiten dei verschiedenen Länder soll zur Durchführung gebracht werden. Die Durchführung des Erziehungsprogrammes wird Sache der Jugend- Kommissionen der ZOA sein. Die Jugendgruppe steht unter der Führung von Rabbi Amrum Prere und zählt nicht weniger als 42.000 Mitglieder. Die Rifkind-Koiimiission Die Beschlüsse der Konvention, betreffend Politik und Organisation, basierten auf einem ,,Die Zukunft der Zionistischen Bewegung“ betitelten Bericht einer Kommission führender zionistischer Persönlichkeiten, die unter dem Vorsitz von Federal Judge Simon II. Rifkind tagte und ganze sechs Monate an dem Bericht arbeitete. Dem Bericht und den angenommenen Beschlüssen gemäß, soll die Zionistische Weltorganisation nicht mehr, wie bisher, eine ,,Dachorganisation“ sein, deren Führung sich jeder Landesverband und jede Partei zu unterwerfen habe. Sie soll vielmehr auf föderativer Grundlage gebaut sein. Ein Prozeß der Dezentralisierung soll plalzgreifen; Kongreß und Wellexekutive sollen lediglich ,,koordinierende“ Körperschaflen sein. Jede Landesorganisation soll ihre Politik, ihn* Bau- und Kullurlätigkeil selbständig führen, ohne einem Diktat folgen zu müssen. Bei Kongreßwahlen sollen alle Richtungen und Schattierungen Berücksichtigung linden. Die Zionistische Bewegung darf nicht als Agent Israels nach außen hin fungieren, ebensowenig darf sie sieh in die Innen- und Außenpolitik Israels emmisehen. Einem Vorwurf „doppelter Loyalität“ soll jede Grundlage genommen sein. Dieses Programm wird den Zionisten aller Länder zur Diskussion unterbreitet. Die Zionistische Föderation (Dachorganisation aller zionistischen Gruppen und Parteien), der Demokratische Bund werktätiger Juden, die Jüdische Einigkeit; (I)r. Brill) und der Verband der Juden in Oesterreich haben sich geeinigt, und werden zur Kultusratswahl am Sonntag, den 11. Dezember, ('ine einzige Liste — die Gesamt- Jüdische Liste — bilden. Somit sind in dieser Liste alle Parteien vereinigt', die bisher im KulUisrat durch ihre Mandatare vertreten sind. Der Listen luhrer der Gesamt-Jüdischen Liste ist Umv.-Prof. Dr. Felix Mandl- Vom Standpunkt; der Zionisten betrachtet hätten die bevorstehenden Kultusratswahlen, einen sicheren Siegergeben müssen, da alle natürlichen Voraussetzungen hierzu in greisem Maße gegeben waren. Es werden nicht wenige unter uns Zionisten sein, die im ersten Augenblick mit dieser Lösung nicht, einverstanden sein werden. Aber wer kann es angesichts der Situation in Oesterreich wagen, einen Zusammenschluß aller Parteien anläßlich der Kultusgemeindewahlen zu verhindern? Wer kann es wagen, einen Kampf zwischen jüdischen Parteien und Gruppen zu fördern, einen Kampf, der in aller Oeffentlichkeit und. wie die Vergangenheit lehrt. ..ohne Milde“ geführt werden muß. Wer kann die \ erantwortung für die Verschwendung von S 500.000 jüdischen Geldes, die zweifellos dieser Wahlkampf an Kosten gefordert hätte, auf sich nehmen? Wir ..Juden müssen vor der Oeffentlichkeit. besonders aber in Oesterreich, geeinigt dastehen, um Probleme der Gegenwart und der Zukunft; zu lösen und um das Beste für unser Volk zu erkämpfen, was v ehrlich nicht leicht sein wird. Xur ein A. M. Ehrlich hat den traurigen Mut bewiesen, gegen die Vereinigung aller jüdischen Parteien aufzutreten. Diesem Mann, der mit seiner Liste ,,Verband jüdischer Kaufmannschaft, des Gewerbes, der Industrie, A. M. Ehrlich“ bei der letzten Wahl k o in ei n z i g e s M a n d a t erreichen konnte, hat, man des Friedens willen sogar zwei Mandate in der Gesamt-Jüdischen Liste zugesichert. Aber der Mann, der sieh vollkommen zu Unrecht als Vertreter der jüdischen Kaufmannschaft, des Handels und der Industrie ausgibt, will dieses Geschenk nicht annehmen. Wer steckt dahinter? W e m i s t eine V e re i n i g u n g all e r j ii d i s c h e n P a r t, e i e n ein D o r n i m A u g e? Es besteht eine gewisse Gefahr für die zukünftige Wiener Kultusgemeinde. Die Geringschätzung der Ghancen des Grüppchens Ehrlich als solches und der Vergleich mit der Gesamt-Jüdischen Liste, welcher, wie erwähnt, die Zionistische Föderation, der Demokratische Bund werktätiger •Juden, die Jüdische Einigkeit und der Vorhand der Juden in Oesterreich angehören, könnte nur allzu leicht zu einer sehr geringen Wahlbeteiligung u. Mittwoch, 21. Dezember 1949 Besinn 20 Uhr GROSSE CHANUKKAH FEIER in sämtlichen Sälen des KURSALON ATJ Tanz ♦ Kabarett Karten-, Tisch- und Logen-Reservierung Zionistischer Landesverband in Österreich IX., Universitätsstraße 4 Telephon A 26-4-73 führen. Diese Tatsache würde dann ergeben, daß man -chon mit etwa hundert Stimmen ein Mandel erhalten könnte'. Aus diesem Grunde ist ('s unbedingt; notwendig, daß jeder Wähler von seinem Wahlrecht Gebrauch macht. Jeder Jude hat am 11. Dezember seine Pflicht zu erfüllen. Ein geeinter Kultusvorsfand, der (las Vertrauen von einer kompakten Masse trägt, hat die Legitimation und die moralische Stärkt', jüdische Interessen kraltvoll zu vertreten. Alle bisherigen Parteien im Kultusvorstand haben ihre ('Tigeren Inieressen zuriiekgestellt und haben sich in der Gesamt-Jüdischen Liste vereinigt. E s 1 i o g t jetzt an j od e m \\ ä h 1 e r s e 1 b s t. d i e s e n F r i e d e n. d er in di o j ii d i s c h e G a s s e cingozogon i s t, m i 1 a, 1 1 e n K r ii. f t o n zu u n t e rs t ii. t zen, IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII1IIIIIIH Bericht über Osteuropa Dr. Eliaschew, der soeben von seiner Osleuroparei.se zurückgekehrte Leiter der Osleuropa-Abfeilung im Israel-Außenministerium. erstatte in einer I el Aviver Presse-Konferenz Bericht über Aufgaben und Eindrücke von seiner Reise. In Ungarn isl fiir die nächste Zeit mit einer Lockerung der Auswanderungssperre zu rechnen. Eliaschew wollte sich nicht darüber äußern, wann und in welcher zahlenmäßigen Stärke die Alija (Einwanderung nach Israel) aus Ungarn beginnen, bzw. oh sie mehr oder weniger als 3000 Personen pro Monat umfassen werde. Feber Rumänien äußerte sich Eliaschew kaum; vom rumänischen Außenminister Anna Pauker wurde Eliaschew nicht empfangen. In Polen und der Tschechoslowakei herrscht Alija-Freiheit. Jeder, der nach Israel auswandern will, kann es tun. Die Behörden gehen Auslandpässe im allgemeinen anstandslos aus. machen aber gelegentlich Schwierigkeiten, wenn es sich um Berufe handelt, die in dem betreffenden Lande schwach vertreten sind, vor allem Aerzte. Außerdem haben es sehr viele Juden, die schon ihre Reisepapiere in Händen haben, nicht eilig, mit dem Herkommen, weil sie inzwischen schlimme Nachrichten aus Israel bekommen haben. Eliaschew berichtete ferner, die Schwierigkeiten würden dort stark übertrieben, weshalb viele, die nach Israel auswandern wollten, jetzt mit diesem Schritte zögern. Uebcrdies sei noch nicht entschieden. was die Juden bei ihrer Auswanderung milnehmen dürfen, und was nichl. Viele Juden hüllen sich bereits sehr gut in das osteuropäische Wirtschaftsleben eingegliedert, und sie machen ihre Alija u. a. auch davon abhängig, daß sie ihre Maschinen. beweglichen Güter usw. mitnehmen dürfen. In Jugoslawien sowie in Bulgarien belinden sieb nur noch wenige tausend .luden. In der Sowjetunion besteht kein generelles Ali ja-Verbot. Jeder Alija - Antrag wird individuell geprüft und für den Fall seiner Genehmigung hat der Ausreisende auf seine sowjelische Staatsbürgerschaft zu verzichten. Leber die Deportationen von russischen .luden nach Sibirien ist in der Israel-Gesandtschaft in Moskau nichts bekannt. Hebräische oder jiddische Zeitungen gibt es in der Sowjetunion nichl. abgesehen von einer jiddischen Zeitung in der Juden-Republik Birobidjan. Gegenwärtig schweben Wirlschaftsverliandlungen zwischen Israel und der Sowjetunion, doeti leimte der Referent jegliche Aeußerimgen über diese Handels- und Kredilberatungen nt». (..Neues Israel“)