Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1949-01-28 · Heft 30 (28.1.1949) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1949
Issue
Heft 30 (28.1.1949)
Date
1949-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2431292-2431319-2431321--0178-2431771
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

) mp: ich leer roll i i*rnd er icl tu. leise VS 'II. Hl m ille 'jV iii I 1- I-!l »- Z r e i. 'i u w Nr. 30 cDie Stimme Seite 5 Das Vertrauen in unseren Staat l)er sehr kleine und jüngste Staut der Weit, mit seinen 700.000 Einwohnern hat, sieh während seiner acht Monate dauernden Existenz die Achtung seiner Feinde und das volle \ erhallen seiner Freunde erobert. Kann man die Anerkennung Israels durch die I SA und die l’SSR gleich nach der Proklamation und die darauf folgende Anerkennung der 20 anderen Staaten als politische und freundschaftliche Geste ansehen. so muß man die Anleihe von 100 Millionen Dollar, die Amerika, Israel gewährte, als Akt, des vollsten Vertrauens zum jüngsten Staat, bezeichnen. Wenn man in Beträcht, zieht, daß diese Anleihe an keinerlei politische Bedingungen gebunden, sondern ein rein kommerzielles Geschäft, ist, dann wird das große Vertrauen offensichtlich, welches die Fiuanzkreise der FSA, die in ihren ge s c häft I i c heil A nge 1 egen h e i te n sehr vorsichtig sind, zu Israel haben. Aber viel wichtiger als das Vertrauen der amerikanischen Geschäftswelt, und anderer äußerlicher Faktoren, welches sich aus nüchterner Kalkulation und Überlegung ergibt, ist das Vertrauen, das aus dem Herzen kommt. Dies hat das jüdische Volk in der ganzen Welt seinem kleinen Staat, bewiesen. 130.000 Juden sind im Jahre 1948 ins Land gekommen — eine Zahl, die alle bisherigen Eimvanderungsrekorde um ein Vielfaches übersteigt. Die jüdischen Massen haben sich in ihr Heimatland gedrängt, und das in einem Jahr, welches mit inneren Unruhen begann und jedes jüdische Dorf auf dem Lande und jedes Haus in der Stadt, eine Kampfposition darstellte. Sieben arabische Mächte, von Großbritannien unterstützt, mit: Armeen, die von englischen Offizieren geschult, und kommandiert wurden, haben das Land überfallen und sich gerühmt, daß sie die Juden in einigen Wochen ins Meer treiben werden. Und trotzdem haben sich in dieser Zeit .130.000 Juden in ihren Staat ged rängt, Unter schwersten Bedingungen, legal oder ..illegal“, über Länder und Meere, durch Lager und in schwimmenden Uehingnissen, mit Alten und Kindern, mit ihren Schwachen und ihren Kranken; sie sind gegangen, um in Israel zu kämplen und zu bauen und — was noch viel wichtiger ist — um dort, ein neues Leben zu beginnen. Obgleich sie wußten, daß sie beginnen müssen, ihr neues Leben buchstäblich auf Sand und Pulver aulzubauen, trugen sie doch in ihren Herzen das große Vertrauen in ihren neuen Staat und waren sich dessen bewußt, daß er Prüfungen überstellen und liir sie eine ruhige und glückliche Zukunft sichern wird. Es gibt in der (leschichte kein Beispiel dafür, daß Menschenmassen mit ihren Familien in ein für sie, menschlich genommen, völlig fremdes Land umsiedeln, in ein Land mit anderen klimatischen Bedingungen, das sich wio es damals schien — Stegen überlegene KLitte im Krieg befand und an allen Beschränkungen, die so ein Krieg mit, sich bringt, litt. Ebenso ist es beispiellos, daß ein Land unter so schweren Bedingungen in einem Jahre ('ine Menschenmenge, die ein Fünftel seiner eigenen Bevölkerung beträgt, aufnimmt, und einordnet. Dies sind Phänomene, welche die große Anzahl von Beispiellosigkeiten in der jüdischen (leschichte noch vergrößern. Für dieses Phänomen, das „Alijah und Haapalah im Jahre 1948“ heißt, ist, das Wort, Vertrauen zu schwach. Hier haben wir es mit, einem Phänomen des Olaubens zu tun, des Glaubens ohne jeglichen Zweifol. Wir Zionisten tragen diesen unerschütterlichen (Hauben seit 50 Jahren, als ihn Ilerzl in unseren Herzen entfacht»'. Ein großer Teil des jüdischen Volkes ist, aber leider viel zu spät, erst nach der großen Katastrophe dos europäischen Judentums, zu diesem (Hauben gekommen. Und jetzt kann man. ohne zu übertreiben, feststellen. daß sich die wiederauferstnndeiio Modinath Israel die Herzen des ganzem jüdischen Volkes erobert hat. Der Strom der Alijah nach Israel wird von Tag zu Tag größer. Die jüdische Jugend zieht, mit. dom (Hauben hin. daß dort, alles für sie offonsteht und daß sie alles erzielen wird können, was im Bereiche ihrer Begabung steht. Dorthin gehen die Alten mit. dem (Hauben, endlich ein ruhiges Alter zu haben und die glückliche Zukunft ihrer Kinder zu sehen. Dahin gehen Arbeiter und Techniker. Kaufleute und Industrielle, die Intelligenz und dio freien Berufe, mit, dem Vertrauen und (Hauben, daß Israel jetzt einer Ära der Prosperity und des Aufblühens entgegengeht, die, gebe (lott. so beispiellos sein wird, wie cs unsere Leiden waren. Eine große Wandlung ist eingetreten. Ich glaube, es ist das erstemal in der jüdischen (leschichte. daß das Volk von einer solchen Welle von Optimismus ergriffen wurde. Ernste und realistisch denkende Menschen haben sich mir gegenüber geäußert, daß sie vollkommen davon überzeugt sind, daß ln diesen Tagen tritt der Generalsekretär des Zionistischen Landesverbandes mit seiner (lattin seine Alijah an. Chawer Praszkier war seit seiner frühesten Jugend mit der zionistischen Bewegung auf das engste verknüpft:. Seino erste zionistische Erziehung erhielt, er in jungen Jahren in der Jugendorganisation des Haschomer 14azair. Später leitete er selbst drei Jahre lang diese Jugendorganisation in seiner Heimatstadt, in Piotrkow Trybunalski. Nach seinem Austritt aus der Jugendorganisation schloß er sich der Al igemei n-Zi oni sti sehen Bewegung a n. Er leistete als Vizepräsident, der Allgemein-Zionistischen Organisation in Piotrkow und gleichzeitig als Redakteur der zionistischen Wochenschrift .Wüf; „Unzer Zeitung“ wertvolle Arbeit, Er war mit besonderem Erfolg für den Keren Hajessod und den Keren lvajemeth Loisrael tätig und seine (lattin war jahrelang die Leiterin des Keren Kajcmeth in Piotrkow. In seinem Heim verkehrten bis zum Ausbruch des Krieges prominente Führer der zionistischen Bewegung in Polen. Anfangs 194(> stellte sich Chawer Praszkier nach seiner Befreiung wieder voll in den Dienst der zionistischen Bewegung und er wurde mit der (Ins (lesetz der Serie, das bisher liir die .Inden als Volk nur Leiden gehraehl hat. jetztseil der Entslehung der Medinath Israel Eriolg bringen wird. Als Beweis fühlen sie an. daß der junge Staat, bei allem, was er unternommen hat. erfolgreieh war. Aber das wichtigste Vertrauen ist das. welches die Medinath Israel und ihre Legierung zu sich selbst, haben. Selbst, bei großen Optimisten rufen die mutigen und kraftvollen Entscheidungen des jungen Staates Bewunderung hervor. Nur zwei Beispiele von vielen sollen hier angeführt werden: Der erste Fall war im Mai 1948. Einige Stunden vor der Proklamation des Staates warnte die amerikanische Regierung die leitenden jüdischen Behörden. diesen Akt, durchzuführen, weil dies sofort zum Krieg mit. allen arabischen Staaten führen würde und unter diesen Bedingungen — sollten wir diesen ..guten Rat“ nicht, annehmen — würden uns die USA weiter keine Hilfe leisten. Der Jischuw und die leitenden jüdischen Instanzen haben diesen ..guten Rat“ nicht angenommen, und was weiter geschah, ist jedem bekannt. Der zweite Fall ist der ..peinliche Aufgabe betraut, den Verband der Allgemeinen Zionisten in Wroclaw (Breslau) zu organisieren. Nach erfolgreicher Beendigung dieser Arbeit in Wroclaw übersiedelte er mit seiner Gattin nach Wien, wo er seine zionistische Tätigkeit fortsetzte. Ende 1946 wunde er als Nachfolger von Chawer Seeligsohn (Leon) Generalsekretär des Zionistischen Landesverbandes. Seine umfangreiche Arbeit trug außerordentlich viel zur Entwicklung des Landesverbandes bei. Iin besonderen ist seine Tätigkeit bei den jüdischen Flüchtlingen hervorzuheben. Täglich versammelte er 200 bis 300 meist jugendliche Menschen in den Räumen des Landesverebaudes und bereit sie im zionistischen Sinne und hielt ungezählte Referate. An jedem Samstag nachmittag war er der Leiter der Onegim Schabbathini-Vera.nstaltungen und seine Ausführungen an diesen Nachmittagen werden vielen unvergeßlich bleiben. Er war der Begründer der neu erschienenen ..Stimme“ und leistete auf journalistischem Gebiete hervorragende Arbeit. Als Generalsekretär und \ orstandsmitglied vertrat; er den Zionistischen Landesverband wiederholt bei den europäischen Konferenzen in Paris und war Delegierter der Allgemeinen Zionisten M icns liir den Parteirat. Er war unser ständiger Vertreter bei den Landeskonferenzen in Linz, in der Zionistischen ^Föderation und auf anderen wichtigen Posten. Seino Arbeit zeichnete sich durch strenge Sachlichkeit aus und mit hohem Idealismus und unermüdlichem Eifer stellte er sich in uneigennütziger Weise der zionistischen Bewegung zur Verfügung*). Jetzt, wo Ghawer Praszkier vor der Erreichung seines langersehnten Zieles steht, beglückwünschen wir ihn herzlichst zu Keiner Alijah und sind sicher, daß seino wertvolle Kraft, auch weiterhin unserem Volke und Staate sehr zum Nutzen gereichen wird. Die besten Wünsche seiner vielen t'hawerim begleiten ihn und seine Gattin auf dem Wege zu einer glücklichen Heimat und Zukunft. *) Wir fronen uns, unseren Lesern mit teilen zu können, daß wir uns die Mitarbeit des Chawers L. Praszkier (lten Jakob) für „Die Stimme“1 gesn-hort, haben. Praszkier wird uns regelmäßig Berichte und Artikel aus Israel einsenden, die bestimmt, für unsere Leser von großem Interesse sein werden. ilazar Praszkier (Ben Jakob) Zw isclienIn11". dos AInJiieße n von fünf britischen Spitlires. Nur eine (Icmci nschn ft und deren Leitung, die den felsenfesten Glnuben zu ihrer niorelisehen Kruft hnt. konnte wogen, im ersten Fall dio Entscheidung zu treffen, deren .Resultat der 11. Mai 194,S war. Nur ein Staat, der das tiefe Vertrauen zu seinen geistigen und materiellen Werten hnt. und eine Regierung, die sich auf diese Basis stützt, kann sich entschließen, so mutig und entschlossen zu handeln, wie dies der Fall war. wenn ausländische Flugzeuge unser Hoheitsgebiet und unsere Frontlinien mit ganz durchsichtigen Zielen überlliegen, mögen sie auch dem mächtigen Großbritannien und seiner st filzen RAI' angehören. Die zwei Beispiele unerschrockener Handlungen kann inan als Konsequenz des vollen Vertrauens zu den eigenen Kräften, aber auch als Konsequenz der genauen Analyse der äußerlichen Verhältnisse und Faktoren betrachten. Die Resultate waren verblüffend. Im ersten Fall hat es zu einem Umbruch in der ganzen jüdischen Geschichte geführt, im zweiten Fall zu einem Umbruch in der englischen öffentlichen Meinung, die mit einem Schlag die Falschheit der Bevin-Attlee-Palästinapolitik erkennen mußte. Die Erfolge unsere Staates auf allen Gebieten des staatlichen Lebens — der Kriegführung, der Diplomatie, bei der Organisation des Staatsapparates und des Heeres, auf dem wirtschaftlichen Gebiet, bei der Aufnahme der Olim und dem fortschreitenden Aufbau des Landes — in einem Zeitraum, in dem aus einem Keim sich kaum ein Säugling entwickelt —- gibt uns neuen Mut und Hoffnung für die Zukunft, neuen Glauben und Vertrauen in unseren jungalten Staat, Medinath Israel, wir sind stolz auf dich! Ben Jakob Ttlaxim die Vergnügungsstätte Wiens Inhaber: BRUNO REICHMANN Tel. R 233 56 R 27 3 90 Parfümerie Freyung Wien I, Heidenschuß 3 (Ecke Strauchgasse) Besitzer Kurt Breitner Tel. U 22 6 90 Große Auswahl aller einschlägigen Waren Cafe-Restaurant »CMdlMütai« JOE LESTI Praterstraße 7 Vorzügliche Getränke — Gute Küche — Aufmerksame Bedienung Geheizte Spielräume ljLFE_Garantie ILFE Kl in gen yzd&ipaht’ JbjetoUHnq&n: Cafe Wien li/27, Praterstraß» 66 Telephon: R 44 619

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.