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Die Stimme · 1949-01-07 · Heft 29 (7.1.1949) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1949
Issue
Heft 29 (7.1.1949)
Date
1949-01-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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mmmmmrn mmm T7F* Nr. 29 $)je Stimme Seite 5 Z. P. Chajes — Ein Nachruf - Sein Lehen war einfae/i und bescheiden, seine Heden lind V orträge. obwohl getragen von tiefem Wissen und höchster Vorm. entbehrten der hochtrabenden Phrasen lind salbungsvollen Wendungen, und so soll auch der Nachruf nach Z. P. Chajes bescheiden und phrasenlos sein. Ls gibt Menschen von höchster Gelehrsamkeit. führende Geister, denen jedoch ein firiignunter Charakter fehlt. Ls gibt Männer von epochaler wissenschaftlicher Bedeutung. denen aber die llerzensgiite abgeht, es gibt große Politiker und Künstler von Weltruf, deren Privatleben aber viel, sehr viel zu wünschen übrigläßt. Chajes gehörte zu den wenigen von der V orsehung /luserlesenen, die in sich die Eigenschaften einer bedeutenden Persönlichkeit und eines edlen Charakters zugleich, sowohl im öf f entliehen als auch im Privatleben, vereinigten. Er verfügte über ein immenses Wissen, beherrschte nicht nur das hebräische Schrifttum kat exochen, sondern be saß auch ein profanes Wissen auf allen Gebieten, sei es nun Literatur oder Philosophie. Er beherrschte mehrere Sprachen in Wort und Schrift, insbesondere die italienische und englische. Als im Jahre .1928 Colonel Kish. ein Mitglied des engeren zionistischen Aktionskomitees, in 'Wien in einer groß angelegten Versammlung englisch sprach. verdolmetschte Chajes abschnittweise fast wörtlich den Inhalt seiner Ausführungen so fließend, wie wenn er selbst deutsch gesprochen hätte, und erregte die Bewunderung aller Zuhörer. Er hatte schwere Aufgaben zu vollführen und er vollbrachte alles in seiner schlichten wundervollen Art: an der weltzionistischen Führung teilzunehmen, an der Gestaltung der zionistischen Tätigkeit in Wien führend mitzuwirken. der großen jüdischen Gemeinde in Wien, deren Oberrabbiner er war, Lehrer und Erzieher zu sein. Der würdevollen Macht meiner Persönlichkeit konnten seine Widersacher, deren es anfangs viele gab, nicht lange widerstehen und sie wurden aus Gegnern seine eifrigen Anhänger. Seine aus tiefstem Herzen und Gefühl strömende Liebe begann ihre Wirksamkeit bei den Kindern, entfaltete sich mächtig für sein Volk und strahlte letzten Endes in die ganze gesittete Menschheit hinein. Des Propheten Jesaias Grundideen von der endlichen Verbrüderung der Menschheit war sein Leitmotiv bei allen Reden und Belehrungen. Er war Gründer und eifrigster Vorderer d(>s Vereines Geschäftsbücher Fabrik S. Slurm Öffentl. Verwalter Emil Lindenfeld Fotoalben — Notizbücher, sämtliche Schulhefte sowie Übernahme von Lohnarbeiten jegl. Art. Eigene Rastrieranstalt. Wien, VI., Mariahilferstr. 117 Tel. A 35 3 07 Internaiionale Transporte Übersiedlungen Bahn Auto - Flugzeug Schilf Inland Ausland Übersee IOSEFINE REINL WIEN I, HERRENGASSE 17 TELl-mON : 11 27-2-1 5 ..Kinder freunde". Keine Gelegenheit ließ er außer acht, mitten unter den Kindern zu erscheinen, die er. um mit Martin Buber zu sprechen, als die höchste Glückschance der Menschheit betrachtet. Seine glühende Liebe galt dem jüdischen Volke und höchste Bewunderung der aus der Bibel mul den Propheten entströmenden Ethik und sozialen Gesetzgebung, die über alle Zeiten und Welten hinaus ihre Geltung behalten haben und in die Ewigkeit h in ein wirken werden. Wie er sein Amt als Oberrabbiner der Gemeinde auf faßte, hat er in einer als Antwort auf eine diesbezügliche Lrage eines interessierten Gegners gehaltenen Tempelrede dargetan: „Ich erblicke meine hehre Aufgabe darin, in den Juden Wiens das in ihrem Inneren schlummernde jüdische Gefühl zu erwecken, ihnen den Inhalt des Judentums und dessen übernationale Zum zweitenmal im Verlauf der letzten zehn Jahre hat die Politik des englischen Außenministeriums, die immer darauf gerichtet war, die Führender arabischen Staaten auf Kosten des jüdischen Gemeinwesens in Palästina zufriedenzustellen, kläglich Sehiffhruch gelitten. Von welcher Seite man es auch hei rächten mag, kommt man zu dem Schluß, daß Mr. Bevin, wie vor ihm schon Mr. Chamberlain, aufs lalsche Pferd gesetzt hat. Die englische Politik im Mittleren Osten stellt heute einen armseligen Scherbenhaufen dar. und nur ein schwieriges und mühsames Zurücklinden zu einer der neuen Situation entsprechenden Haltung wird es ermöglichen, aus den Trümmern zu retten, was noch zu retten ist. Den Gnadenstoß erhielt das schon im Zerfall begriffene Gebäude der englischen Fehlpolitik durch General Riley, den Feiler der Militärabteilung der von dem Vereintem (Nationen nach Palästina entsandten Beobachtungskommission. als er in Paris dem arabischen Ve*rlre*te*rn erklärte, eiaß die israedisehem Slreilkräfte die Lage meistertem. die arabischem Truppenteile sieh elage*gem in Aullösung he*länelem und e*s empfchhmswcrt e'rseheine*, sieh zu sofortigem ünle'ihaiiellungem mit ihmi jüdischen Staat zu emtsehlie-ßem. Damit emelete eh*r schöne* Bedeutung zu übermitteln und den Zionsgedanken nicht nur als Gebet und Hoffnung, sondern als Tat einzuprägen". Nicht Priester, sondern Erzieher und Lehrer will ich dem Volke sein". Außer dieser Punktion lehnte er alle anderen, wie Hochzeiten, Beerdigungen usw.. von vornherein ab. Unvergeßlich und wundervoll zugleich ist der in seiner Antrittsrede getane Ausspruch: „Ich will kein Mittler zwischen euch, und der Gottheit sein, sondern bloß zur Verwirklichung des im Menschen innewohnenden Göttlichen beitragen." Da sein Wirken auch im Traditionell-jüdischen fußte, beseitigte er aus dem Tempel alles Pseudojüdische, alles was auch in diesem Belange an Assimilation erinnerte. Sein soziales Werk nahm den Anfang beim Individuum und endigte beim Volksganzen. Eine kleine persönliche Erinnerung soll sein soziales Interesse auch für Einzelpersonen beleuchten. Ich intervenierte persönlich für einen gesanglich sehr begabten, ganz mittellosen jungen Menschen, der ins Czernowitz hierhergekommen war, tun sich als Sänger auszubilden. Ohne Zögern setzte sich Chajes mit Professor Wolf in Verbindung, welcher sich selbstverständlich — war es doch der Wunsch des Chajes, — bereit erklärte. dem Jungen unentgeltlichen Unterricht zu erteilen. Überdies verfügte Chajes, daß aus einer für derartige Liille. über seine Initiative eingerichteten Kassa ihm eine monatliche Subvention zugewendet wurde. Ich glaube kaum, daß jemand, der mit einem Anliegen bei Chajes vorgesprochen hatte, sein sehr frequentiertes Bureau unverrichteter Dinge verbissen hätte, es wäre denn, daß tat- Trauin, den die Herren vom englischen Gairo-Office in gemeinsamer Verzückung mit den militärischen Beratern Mr. Bcvins geträumt hatten, daß nach dem 15. Mai keine drei Wochen vergehen würden, bis die israelischen Streitkräfte mit Mann und Maus ins Meer getrieben seien. Die nur von militärischen Erwägungen ausgehenden Strategen hatten den moralischen Faktor völlig außer acht gelassen; die unerschütterliche Zuversicht von Männern unel Frauen, dies sich zur Wehr setzten im Bewußtsein, das Recht auf ihrer Seite zu haben, triumj phierte über das reiche Waflemarsenal. Alles Kriegs- und Mensehcmmaterial den Arabern ohne Zaudern in verschwenderischem Überfluß zur Verfügung gestellt, mußte endgültig auf Verlustkonto gebucht werden. Was an diesem unglaubhaft anmutendem und für die Engländer sehr peinlichem Tatbestand am meistern in Frstaunem se'tzt, ist die mangelnde Bereitschaft ele*s englischen Außenministeriums, aus den Erfahrungen der Kriegsjahre* eine Lehre* zu ziehen. Trotz der We'ißbuehpolitik, krasser Finsehränkuug jüdischer Einwanderung und trotz dem argwöhnisch zurück - gewiesenen Angebot der Hilleleistung unterstütztem die* palästinensischen Juden die* Sache* der Alliiertem: 50.000 sächlich eine Unmöglichkeit bestanden hätte. Er war Gründer und Vorderer vieler Vereine und Anstalten, darunter des hebräischen Gymnasiums und Lehrerseminars. Einzig und beispiellos war sein Altruismus und seine Selbstlosigkeit. die sich darin offenbarte, daß er von seinem Gehalte von monatlich 1200 S für seine Person bloß 200 S bezog, der Rest von ihm schon von vornherein für diverse Vereine und Institutionen eingeteilt war. Der Grundsatz verba movent, exempla trahunt (Worte bewegen. Beispieje ziehen) bewährte sich durch das von ihm gegebene Beispiel insofern, als so manche wohlhabende Menschen, die sonst geschlossene Taschen hatten, sich bewogen fühlten, seinem Beispiele teilweise zu folgen. Er selbst lebte in größter Bescheidenheit, bezog das Mittagessen aus der orthodox-rituellen Gemeinschaftsküche „Einheit" und versagte sich jegliches Vergnügen. Obwohl objektiver Schwärmer für eheliches Vamilienleben und Kindersegen, versagte er sich selbst auch das Eheglück und blieb allein, weil er. wie er wiederholt erklärt hatte, durch Vamiliensorgen von seiner inneren Berufung, für sein Volk ganz und restlos zu wirken, nicht abgelenkt werden wollte. Das erhebende Gefühl, unter seiner Ägide und mit ihm zusammen jüdische, zionistische Arbeit geleistet zu haben, wirkt noch heute so viele Jahre nach seinem Tode nach. Tief erschüttert sind icir alle durch den Gedanken, daß Chajes die Erfüllung unseres 2000 Jahre alten Traumes, die Errichtung des Staates Israel, für den er ein Leben lang gekämpft und, fast müßte man sagen, sein Leben hingegeben hat. nicht erlebt hat. Ein Trost ist uns geblieben: Er starb in der vollsten Überzeugung von dem endgültigen Siege des Zionismus. Er erlebte den Judenstaat in seiner Vision. — Secher zadik liwracha: Das Anliegen des Gerechten gereicht zum Segen! Dr \V. lrerzTerg Mann kämpften mit den brititsehen Streitkräfteu und sowohl Haganah wie cler jüdische Geheimdienst stellten ihre Dienste dem alliierten Kommando iin Mittleren Osten zur Verfügung. Wie auf cler anderen Seite die arabischen Führer den britischen Gönnern ihre Dankbarkeit für erteilte Gunstbezeigungen erwiesen, ist zur Genüge bekannt. Abgesehen von cler unverblümt pronationalsozialistischen Tätigkeit Rashiel Alis, des Mufti, Fawsi es Paukjis und ihrer Gefolgsleute läßt sich die Gesinnung der übrigen Araber am besten durch ein Erteil illustrieren, das Glubb Paslia höchstpersönlich fällte. Im Anhang zu „Der goldene Teppich" von Somerset de Chair schreibt er: „Zur Zeit dieser Operationen war jeder Araber davon überzeugt, daß England ein für allemal am Boden liege' und die* Übernahme Arabiems durch die* Demtsehen nur noch e*im* Frage von Wochen sei. INicmials hätte* Irak uns den Krieg erklärt, wäre* man dort unserer (Niederlage* nicht sicher gewe'sem. Kurz gesagt während ele*r se'chs Wochen vor elemi Fall von Bagdad zweifelte* ke*iu Arabe'r mehr daran, daß eh*r Krie*a für England als verloren zu gelten habe*. Alle* von uns vorsorglich organisiertem arabischen Truppen memte'rtem. we'igertem sieh, für uns zu kämple*n oder desertierten in die* WTiste*." Der gle'iehe* Vorgang hat sieh je'tzt wiederholt. Jüdische* Freundschaft, aus ehrlichem lle*rzem unel fremmi Willen angchotcm. wurde* unwirsch ahgchhnt und wird in <le*r Situation von beute nur schwer zuriiekzuge*w imnm se*in. während trotz allem die ar; ihi sehr Freundschaft keineswegs an ihre Stelle I l'nrl sei zu lii; :illf Seile I) E E l5>ll£»(&lnlll UIL mmm E Wien II, Taborstr. 24 a E Telephon R 43=0-83 E is Textilwaren Modewaren Konfektion Die Trümmer der englischen Politik im Mittleren Osten William Wr a r b e y, M. P.

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