Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1949
- Issue
- Heft 29 (7.1.1949)
- Date
- 1949-01-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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I ■D,'H!!'"!M'V!?I!. Nr. 29 fDie Stimme Seite 3 Chanukka ÖWI Die gegenwärtigen Aufgaben der Allgemeinen Zionisten Nun Daniel!*' r i s h. Vizepräsident (Irr Allg. Zion. Org. in ISA. \<nli liefen Jahren. nach Jahren von I nt erdviiekung und Verfolgung feiern wir ( hanukka als Hiirger eines freien und nnabhängigen Staates. Somit hört Gliannkka auf. ein abstraktes S\inhol einer glorreichen \ ergangenheil zu sein, und wird zu einer spontanen Kundgebung unserer Vitalität. I on der Xeit der Makkabäer his zur /eit der \eger- und Galilkiimpfer der (legen wart liegt cor unseren Augen die traurige Geschichte eines \'ollnes. das erst nach zwei tausend jähriger (iniah es zustande gehracht hat. einen neuen Staat in der allen lleimal zu schaffen. Hs gibt heim’ Geschichte, die mit der Geschichte Israels verglichen neiden könnte, es gibt kein Volk, welches, nachdem es die Freiheit verloren hat und aus seiner Heimat verjagt wurde, trotzdem ein l olk geblieben ist und nach soviel Jahren eine Renaissance erlebt hat. Die Gallith- Juden haben die Makkabäer zu heldenhaften. mystisch-heiligen Gestal len werden lassen der Zionismus schuf neue Makkabäer aus Fleisch und lllul. Und diese neuen Makkabäer schaffen eine neue Geschichte, neue Legenden, die in Zukunft zu einem Mythos wachsen werden. \ > ha ja lies und es ward ein 11 ander . . .: es gab viele H'ander. Hin kleiner Krug Öl reichte für f{ Jage, eine kleine Hirtenschar kämpfte gegen eine gewaltige Militärmacht. die Religion eines einzigen, unsichtbaren Gottes kämpfte gegen eine Religion von vielen Göttern, deren prächtige Statuen in allen Städten Griechenlands und des Orients protzten . . . Und die Hirten siegtim Mul und Heimatliebe besiegten die gewaltige K riegsmasehine. Die Gal ah schuf einen anderen jiidi sehen Typus, einen schwachen, verträumten. der den Makkabäern huldigen. ihnen aber nicht nachahmen konnte. Fest das zionistische Denken erzog den Juden zu einem Kämpfer. Nie wären die jetzigen Erfolge möglich. wenn nicht die erzieherische Vorarbeit der zionistischen Organisationen den Ghetto-Juden zum freidenkenden Menschen und Kämpfer gemacht hätten. Und wieder steht eine Gruppe Makkabäer im Kampf um das Land Israel und wieder geschah etwas, was die kommenden Generationen vielleicht ein Wunder nennen werden. Unbegreiflich wird es unseren Nachkommen erscheinen, wie sich der neugeborene Judenstaat in der schiceren Periode HK17 48 behaupten konnte. Unsere Ri’serven an Waffen. Menschen und Material kann man mit, dem kleinen Olkrug ■des Tempels in Jerusalem vergleichen, niemand hätte es geglaubt aber sie reichten doch. Der naive verspottete Glaube an ein neues Israel in einer Zeit, in welcher den bestehenden kleinen Staaten das Recht zum Leben nicht zugeshmden wird besiegte den Hall, die Verachtung und die Übermacht. Heues o Io bimes Wunder oder nicht. Lat suche ist. daß Israel ein Staat wurde, Klein erscheinen wir der Welt als Territorium, aber groß und stark ist unser Glaube und unser Mut. Unsere durch Golali und Ghetto paralysierte Kraft erwachte, auf gepeitscht durch die Propheten des Zionismus und durch die Geschehnisse in Europa. Razinu, we ze lo agada. wir icollten es und es ist keine Legende . . . Ghi.-nukat hamedinah, die Wiedererstehung des Judenstaul.es. AM RI (z. Z. Wien) EILDIENST Reisegepäck und Klein* Imnsporie prompt: Hans Zaussinger Wien IX, Canisiusgasse 13 Tel. A 11 4 64 I iejrnigi'ii. dir Zionislrn wurden, mir uns Svmphul io und Mitleid für ihre iirmrn Brüder in Europa. urlelnheimatlos nach der schrecklichen Katastrophe hemm wandern, liir diese Leute hat der Zionismus sinne Aufgabe hrivils erfüllt, indem er den Staai schul. Diese Menschen glauben, daß man damit das Lndziel erreicht hat und daf.l die Lxistenzhrrechtigung der zioe :st isehen Organisation zu Lude ist. Diese Juden, liir welche der Zionismus «-in inneres Bedürfnis ist. welche nicht durch einen Druck von aul.i n zum Zionismus gebracht wurden. werden weiter Zionisten bleiben und alle Ih'diugungen der zionistischen Leine erfüllen. Das Judentum stellt am Scheideweg zweier Perioden: eine abgeschlossene P« •rinde ..Kampf um die Selbständigkeit des Staates" und die zweite Periode ..Aufbau des Staates". In dieser Lage wäre die Betrachtung wichtig, was für eine Rolle der Allgemeine Zionismus in Israel spielen soll und welche seine weiteren Aufgaben sein werden. Das Grundprinzip des AI lg emeinen Zionismus ist der Glaube, daß die Einheit der Interessen des Volkes einen Vorrang über die Interessen einer Klasse oder sozialen (»nipp'' haben muß. Die Allgemeinen Zionisten sind hei der Überzeugung gehliehen, daß die zionistische Weltorganisation dazu geschaffen wurde, um im Dienste des ganzen jüdischen Volkes zu stehen und den Aufhau des jüdischen Staates zu fördern. Von diesem Standpunkt ausgehend, müssen die Allgemeinen Zionisten. welche die überwiegende Mehrheit in der zionistischen Bewegung der Golah darstellen, alles tun, um die Massen aller Schichten des Volkes zu aktivieren und zum Aufbau des Staates zu ermutigen. Der Staat Israel hat nicht nur am Kapital und am Arbeiter Interesse, sondern auch an der Mittelklasse, welche die Mehrheit im Judentum bildet. In der neuen Wirtschaft Israels muß man diese Klasse stützen, die man so dringend als produktiven und schöpferischen Mittelstand braucht. Zugleich mit der Aufbauarbeit und der ökonomischen Lnlwieklung muß auch eine geistige Brückt' zwischen dem großen jüdischen Zentrum Amerika und dem Lande Israel geschaffen werden. Um diese Forderungen zu erfüllen, muß die Allgemein Zionistische Organisation ihre Tätigkeit auf drei Gebiete konzentrieren: Durch die Amnestie, welche' die österreichische Regierung erlassen hat. ist die Denaziiikation in östi •rreieh faktisch durchgeführt. In einem Bericht des Instituts für jüdische Angelegenheiten beim jüdischen Weltkongreß werden interessante und wichtige Finzelbeiten über die Bestrafung von österreichischen Nazis und über die Behandlung der Angeklagten durch die österreichischen Gerichte bekanntgegeben. Von der Gesammtbevölkerung Österreichs haben sieb 600.000 registriert, aller es linden sich noch immer Nazis, welchen man nachweist, daß sie sich nicht registriert haben. Von den 600.000 Registrierten wurden 63.000 sofort gestrichen, weil die österreichischen Gerichte keinen juridischen Grund gefunden haben, um ein Strafverfahren gegen sie einzuleiteu. Bei 13.000 wurde festgestellt. daß sie mit der nazistischen Bewegung in Österreich in engerer Verbindung standen. Alle anderen wurden als Minderhelastele bezeichnet. Bei 20.000 wurde die Altersgrenze von 70 Jahren oder die Invalidität beriicksichtigt und sie wurden deshalb pardoniert. Eul- 1. Lm eine wirtschaftliche Stufe zu erreichen. welche der Bevölkerung eine entsprechende FnI w icklungsmöglichkeit geben kann, muß man die breiten jüdischen Kreise Amerikas zu I nv esl i I innen in Israel bewegen. 2. Fine große Kulturkampagne muß in ganz Amerika betrieben werden, um das notwendige kulturelle Verständnis zwischen Israel und Amerika zu schaffen. 3. Die politische ( ulersliilzung und der große Finlluß der amerikanischen Juden wird auch weiterhin ein wie htiger Faktor für den Staat Israel bleiben. Jetzt möchte ich die Rolle der Allgemeinen Zionisten in Israel beleuchten. Ich glaube, daß nun allgemein zugegeben werden muß. daß unser Staat weder auf kapitalistischen noch auf sozialistischen Grundsätzen aufgebaul Fine Sitzung des Wiener Gemeinderales war der würdevolle Rahmen für das offene Bekenntnis eines Antisemiten. Der ÖV P-Gemeinderat, Herr Dr. Kresse, ein alter Judenfresser, demonstrierte sein«' edlen Gefühle und rief nach einem Zwischenruf den Stadtvätern Wiens zu: ..Jawohl, ich bin Antisemit.“ Die ehrwürdigen Stadträte waren über diesen Ausruf nicht einmal empört. Lud wer kann sieh darüber wundern7 Lehen wir denn nicht in Österreich, in einer Zeit, in welcher das große Wettrennen um die entscheidenden Stimmen der Nazis bereits begonnen hat? Die Parteien iiherbieten sieh, die Härten der Antinazi-Gesetze nach Mög-’ liehkeit abzuseh wächen, um ihre „offenen Herzen" darzutun. Der ('ine hat eine kesse F r e s s e und aridere versuchen es getarnt. Israel steht im Zeichen der Wahlen und jeder Bürger ist sieh über ihre große Bedeutung voll bewud.lt. Die Verschiebung der Wahlen nach der stattgefundenen Volkszählung fand allgemeine Billigung, sogar die, welche seinerzeit die Wahlen um jeden Preis wollten, geben diese Tatsache zu. Jetzt, sprechend dem österreichischen Denazifikationsgesetz, sollten die Schuldigen von öffentlichen Ämtern und freien Berufen ausgeschlossen worden, die Miuderbelasteten konnten in den meisten Positionen bleiben, lm letzten Jahre aber waren 3300 Schuldige und 9000 sogenannte Minderbelastete noch immer in freien Berufen tätig und in privaten Unternehmen angestellt. In den österreichischen Regierungsämtern befinden sieh noch immer ungefähr 33.000 Minderbelastete, welche auf Grund des Gesetzes sieh registriert haben. Die österreichischen Volksgericht»' haben 114.000 Fälle zu behandeln. Aber nur über 13.000 Personen wurden bisher Urteile gefällt. 0000 Personen wurden schuldig erklärt und 1300 wurden freigesprochen. Nicht woniger als 70.000 Anklagen wurden aus verschiedenen juridischen Gründen nnullicrt, während wegen 23.000 Fällen Nachforschungen und Erhebungen gepflogen worden. Die österreichische Regierung hat nunmehr nach der Amnestie eine Instruktion erlassen, laut welcher die Mindcrbe lasteten in ihre Ämter wieder ciutrctcu können, im Falle sic cs wünschen. worden kann.. Das System der Kooperativen spielt eine wichtig»' Rolle in der I ,n I w i» k lung der Landwirtschaft, aber es ist schwer vorauszusagen, oh es in den anderen Wirtschaftszweigen dieselbe Roll»' spielen wird. Der Allgemeine Zionist glaubt, daß sieh der Staat auf private Initiativ»' stützen soll und alles uutf'rnehmen muß. Privatm n I (' inehmen zu ermutig«'»). Als die größte zionistisch»' Organisation der W eit können die Allgemeinen Zionisten Amerikas geradezu «'ine historische Rolle iihernehriK'n. Die Zeit ist gekommen, daß di«' Allgemeinen Zionisten die Initiativ»' ergreifen müssen. Man kann die Lösung der jüdischen f rage nicht den Sonntags- 'ohuh'n überlassen. D»*r Inhalt unserer Frziehungs- und Kulturarbeit stützt sieh auf die jüdische Tradition, im vollen Finklang mit der zionistischen Ideologie'. Ich glaube, dies ist das Programm der Allgemeinen Zionisten Amerikas und sein»' Verwirklichung wird die Stärke des Judentums in den Vereinigten Staaten beweisen. Wiener Gemeinderat Die millionenfach»')) Verbrechen erschütterten die Welt und mit Abscheu imd Entsetzen sieht man die furchtbaren Jahre vor sieh, in welchen die Früchte des Antisemitismus zur vollen grausamen Reif»' gelangten. Aber diese Antisemiten schrecken vor nichts zurück. Waren die Leiden und Opfer unseres jüdischen Volkes zu wenig? Herr Dr. Kresse ist der Präsident der Gewerbesektion der Handelskammer und Obmann der Meisterkrankenkasse. Und auf den Herrn Innenminister Oskar Hellmer werden wir in einer nur zu ähnlichen Sache noch zurückkommen. Die Maske n m ii s s e n fallen und di e Welt soll di«' w a h r «' E .i n s t e 1 1 u n g dieser „d e in o k r a t i s c h e n“ P e r s ö n 1 i e h k c i t c u ö s t e ic wo «Ii»' Pcrsoualdokimicnie mit Bildern versehen sind, wird entsprechend den Wahlgesetzen die Durchführung der Wahlen einfacher vor sieh gehen. Die Wahlpropagamla hat voll eingesetzt und die Vertreter der verschiedenen Parteien benützen häufig Regierungssitzungen für Propagandazwecke. Ein»' der letzten Regierungssitzungen halt»' »las Teuerungssystem auf der Tagesordnung und die Redner hielten tvpisehc Wahlreden, die mehr für »Ii»' Gasse bestimmt waren, für den unbekannten Wähler, und nicht für die Sache selbst. Die Rechten haben linksgi'riehtete Reden gehalten und ein kommunistischer Vertreter hielt eine Rede, welche mit dem Allgemein- Ziouislischen Programm übereinst immte. was allgemeine Heiterkeit hervorrief. Wir erlebten sogar eine Demonstration der religiösen Gruppe, die ein Import-Verbot von Trefe- Fleiseh verlangte. Das Präsidium des Regieruugsrates hat mit großen Ehren die Delegation der Demonstranten empfangen und versprochen, dieser gerechten Forderung nachzugeben. Es scheint sieh hier nicht so sehr um die religiösen Gefühle zu handeln, habe ich den Eindruck, als um eine Demonstration eiuer einheitlichen religiösen Front, die sieh vor den Wahlen festigte. Jeder Minister hält öfters PressekonfVrenzeu ab, in welchen er über die Zukunftsplän»' seines Ministeriums spricht. Den Rekord darin hält der A rheitsminister. ein Chawer der Mapam. Zum Jahrestag, am 29. Novemh»*r, schreibt u. a. der Hapoel Hazair. das offizielle Organ der Mapai: „Nur Mapai kann siegen, weil Mapai den Die Nazis in Österreich Bericht über die durchgeführte Denazifikation von World Jewish Congreß, New York Ich bin Antisemit Herr Dr. Kress«' im r e i c h s voll e r k «• n n e n. Stapsy. im Zeichen der Wahlen Von M. Chaschai, Tel Aviv d''orlselzinig auf Seile Ii