Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1948
- Issue
- Heft 22 (26.5.1948)
- Date
- 1948-05-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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•J'jlir. 22 (Die Stimme Seit.* 7 Konstituierung des Kultusvorstandes VO U-Il( ”im vo! (1 1 ll: > v: : sr v\ 1 Ull :n di h [;öd, dt ewi? irne eu^: G< I) freh nist >rtk ndc hke hatt 211 te efei arsc roat dei . Sei Ju cnvi ried > :wci l'd'.,' »cli e’ diJ Zvvi non tum , fii Wal OSlj, n Zio unc: kab AU 1011 1 um ganißni sauf ladt onsliiirj ICH Hillhof Imis der deam Heu teil- Te riuvon alW. Kl v i in .1 em Dario'- J er- Am 18. Mai d. J. trat der am 11. April ljewählte Kultusvorstand zur konstituierenden Sitzung zusammen. Auf der Taijesordnung stand die Wahl des Präsidenten, der Vizepräsidenten und des achfi|Iiedrigen Verfreterkollegi ums, Bekanntlich erhielten bei den Wahlen am 11. April d. J. die Liste der -,Jüdischen Föderation” mit ihrem Listenführer Dr. David Schapira und die „Jüdisch-Sozialistische Liste” mit ihrem Listenführer Dr. Hmil Maurer mit acht bezw. fünf Mandaten gegenüber der „Liste der jüdischen Einheit” mit ihrem Listenführer David Brill, die Majorität. Von dem Willen zur aufbauenden und konstruktiven Arbeit beseelt, entschlossen sich die Mandatare der „Jüdischen Föderation” und der „Jüdisch-Sozialistischen Liste” unbeschadet dessen, daß ihr Wahlprogramm in manchen Punkten ein verschiedenes war, zu einer Koalition zusammen und nahmen mit der Liste des früheren Präsidenten, Herrn Brill, die Verhandlungen zwecks Errichtung einer Zusammenarbeit aller drei Gruppen im Kultusvorstande auf. Die Verhandlungen gestalteten sich sehr schwierig, da Herr Brill in unentwegter Hartnäckigkeit die Stelle des Präsidenten für sich beanspruchte. Erst im letzten Augenblick schien er bereit zu sein, auf diesen Standpunkt zu verzichten und sich mit einer Stelle als Vize Präsident zu begnügen. Er stellte jedoch Forderungen auf, die die Koalition unmöglich akzeptieren konnte. Herr Brill verlangte die .Stelle eines geschäftsführenden Vizepräsidentcn. Nun kennt das Statut einen geschäftsführenden Vizepräsidenten nicht. Nach dem Statut der Israelitischen Kultusgemeinde liegt die Führung der Geschäfte derselben in den Händen des Präsidenten. Eine Bestellung des Herrn Brill zum geschäftsführenden Vizepräsidenten hätte eine stafutenwidrige Entmachtung des Präsidenten bedeutet. Es ist klar, daß in der konstituierenden Sitzung als Sprecher der Koalition Herr Rechtsanwalt Dr. Braun, wie auch der Präsidentschafts- Kandidat, Dr. Schapira, diese Forderung als unannehmbar ablehnen mußten. Daraufhin erklärte Herr Brill, er verlange, daß das Präsidium, wenn seine Gruppe den Vizepräsidenten stelle, kollegial, (d. h. der Präsident und die beiden Vizepräsidenten gemeinsam, Anm. der Red.) zusammenarbeite, wobei stets die Einstimmigkeit erzielt werden müsse. Der Listenführer der „Föderation”, Herr Dr. Schapira, erklärte, er müsse auch diesen Vorschlag bzw. dieses Verlangen ablehnen. Er gebe jedoch das feierliche Versprechen, daß er bereit sei, mit den beiden Vizepräsidenten kollegial zusammenzuarbeifen und sich mit ihnen stets zu beraten und sie zu konsultieren. Wer die Persönlichkeit des Herrn Dr. Schapira kennt, weiß, daß dies ein bindendes Versprechen ist. Die Herren der „Liste der jüdischen Einheit” erklärten jedoch in der Sitzung, daß diese Erklärung nicht genüge und bestanden auf dem Vorschlag des Herrn Brill. Wäre eine solche Vereinbarung zustandegekommen, daß das Präsidium nur einstimmig seine Beschlüsse fassen muß, dann hätte dies unter Umständen eine vollkommene Lahmlegung der Tätigkeit der Kultusgemeinde mit sich bringen können, denn das Veto eines der beiden Vizepräsidenten hätte genügt, um jeden Beschluß zu verhindern. (Die Schwierigkeiten, welche das sogenannte Vetorecht mit sich bringt, sind ja in der internationalen Politik nur allzu gut bekannt. Anm. der Redaktion.) Während die Koalition der „Jüdischen Föderation” und der „Jüdisch-Sozialistischen Liste” sowohl vor Beginn der Sitzung als auch während der Sitzung bereit war, für einen Kandidaten der Liste des Herrn Brill als Vizepräsident zu stimmen, mußten sie von dieser Absicht abgehen, als im Verlauf der Sitzung es sich ergab, daß Herr Brill und seine Gruppe die Koalition durch das sogenannte Vetorecht unter ständigem Druck halten wollte. Deshalb erklärte der Sprecher der Koalition, Herr Dr. Braun, daß die Koalition auch einen Kandidaten für die Stelle des zweiten Vizepräsidenten nominieren werde. Bei der geheimen Abstimmung wurden im ersten Wahlgang zum Präsidentender Israelitischen Kultusgemeinde Herr Rechtsanwalt Dr. David SCHAPIRA (Jüdische Föderation) und zu Vizepräsidenten Herr Rechtsanwalt Dr. Emil MAU¬ RER (Jüdischer Sozialist), sowie Herr Josef RUBIN-BITTMANN (Jüdische Föderation) gewählt. Daraufhin erklärte Herr Brill und seine Freunde, daß sie an der weiteren Sitzung nicht teilnehmen würden und verließen den Sitzungssaal. Der Vorsitzende der konstituierenden Sitzung, Alterspräsident Dr. Pordes, schritt sodann zur statutengemäßen Wahl €» . « « f Juden ÖsteeeeicUs! Der jüdische Staat ist entstanden! Der 2000 Jahre alte Traum ist Wirklichkeit geworden! Am 14. Mai 1948 ist der jüdische Staat ISRAEL Kraft historischen und natürlichen Rechtes proklamiert worden. Die Staatsgrundgesetze unseres Staates gewähren allen Bürgern, ohne Unterschied der Abstammung, des Glaubens und des Geschlechtes, volle politische, wirtschaftliche und kulturelle Freiheit. Den heiligen Stätten und religiösen Plätzen wird voller Schutz gewährt. Nach 2000 jähriger Wanderschaft tritt das Judentum nunmehr in das Stadium geschichtlicher Souveränität. Das gesamte Judentum ist verpflichtet, das neue Staatswesen mit allen Kräften und Mitteln zu fördern und zu unterstützen. Die Zionistische Föderation in Österreich Heues aus Palästina Araber zurtickgeworfen Lake Succcss, 23. Mai (UP). Moshe Shvrfok, der Außenminister Israels, übermittelte dem .Sicherheitsrat ein Telegramm, in dem er mitfeilte, daß jüdische Streitkräfte die Araber aus Samahk im Jordanfal geworfen haben und sie über die syrische Grenze zarücksehlagen. Der Sicherheitsrat befaßte sich in der heutigen Sitzung mit der Verlesung der Antworten auf die den arabischen .Staaten Aegypten und Israel übermittelten Fragebogen, Dadurch wurde die Abstimmung über die amerikanische Resolution verzögert, die eine sofortige Einstellung des Kampfes in Palästina durch Maßnahmen der Vereinigten Nationen forderte. ln amerikanischen Kreisen glaubt man, daß diese Resolution die Stimmcn- Wofflir England Amerika-Anleihe verwendet Auf Antrag des republikanischen Senators Owen Brewster wird der Zuwendungsausschuß des Senats in Kürze eine Untersuchung darüber beginnen, ob Großbritannien amerikanische Gelder und Waren dazu verwende, die Araber im Kampf um Palästina zu unterstützen. Brewster behauptete, nur die Amerikahilfe versetzte Großbritannien in die Lage, Transjordanien alljährlich acht Millionen Dollar zu versprechen und britische Offiziere zur direkten Unterstützung der arabischen Truppen zu entsenden. In der Debatte erklärte sowohl der demokratische Fraktionsführer Alben Barcley wie der Vorsitzende des Zuwendungsausschusses Senator Stylek Bridges, das Waffenausfuhrverbot nach dem Mittleren Osten müsse aufgehoben werden. Bercley meldete, daß auch Präsident Truman und Außenminister Marshall an die Abschaffung des Embargos denken. mehrheif im Rate erzielen wird und dadurch die britische Opposition ausgeschalte f werden kann. Ein Veto Großbritanniens ist in diesem Fall nicht zu erwarten. Allerdings erscheint es unwahrscheinlich, daß der Sicherheitsrat morgen Zusammentritt, um über den amerikanischen Vorschlag abzustimmen. Die Schlacht um Jerusalem Tel Aviv, 23. Mai. Die eigentlichen Straßenkämpfe in Jerusalem beschränkten sich bisher auf die Altstadt, wo die Angehörigen der Arabischen Legion von den dort lebenden Arabern unterstützt werden. Die Panzerwagen der Araber bewegen sich durch die engen Straßen der Stadt und eröffnen das Feuer gegen alle jene Häuser, in denen jüdische Heckenschützen das Feuer erwidern. Das Rattern der Maschinengewehre und das Dröhnen der Granatwerfer hallt zwischen den alten Häusern der Stadt tausendfach wider. Der Rest der Stadt befindet sich nach wie vor in jüdischen Händen und macht einen verhältnismäßig ruhigen Eindruck, obwohl die Araber gestern zeitweise ihr Artilleriefeuer auch dorthin lenkten, als es hieß, daß die Juden die Absicht haben, ihre Streitkräfte dort zusammenzuziehen. Es ist nicht zu verkennen, daß die Arabische Legion plant, ihre Offensive auch auf die anderen Teile der Stadt auszudehnen. Der Haganah ist dieser Plan bekannt und sie ist jetzt daran, ihren Verstärkungen den Weg nach Jerusalem freizumachen. Aus diesem Grund griffen sie gestern die in arabischem Besitz befindliche strategisch wichtige Ortschaft Latrun an, die auf der Straße nach Jerusalem liegt. Der arabische Stützpunkt wurde dabei e r h e b 1 ich a n ge sch 1 a ge n. des Vertreterkollegiums. In das Vertreterkollegium wurden 5 Mandatare der Liste der „Jüdischen Föderation” gewählt lind zwar die Kultusräte Dr. Rudolf Brau n, Bernhard Braver, Benzion L a - zar, Josef Ludmerer, Dr. Viktor E. Pordes und 3 Mandatare der „Jüdisch- Sozialistischen Liste”, und zwar die Kultusräte Jakob Bindel, Richard T o ch, Dr. Otto Wolk en, Tags darauf erfolgte die Konstituieruni’ des Vertreterkollegiums. Es wurden folgende Referate geschaffen : Wiedergutmachung und Wohnungswesen : Dr. Rudolf Braun Wirtschaft und Vermögensverwaltung : Bernhard Braver Kultus, rituelle Angelegenheiten, Friedhof : Benzion L a z a r Wanderung : Josef Ludmerer Kultur, Schule und Erziehung : Dr. Viktor E. P o r d e s Fürsorge : Jakob Bindel Finanzen einschl. Steuerwesen : Richard 1' o ch Gesundheit, Spitäler und Heime : Dr. Otto W o 1 k e n Die neuen Männer der Israelitischen Kultusgemeinde, der Präsident, die Vizepräsidenten und die Mitglieder des Vertreterkollegiums haben von ideellen Motiven geleitet eine ungeheuer große Verantwortung auf sich genommen. Diese Verantwortung ist in den historischen Tagen der Proklamierung des Jüdischen Staates eine umso größere. Die Redaktion der „Stimme” wünscht ihnen für ihre schwere und verantwortungsvolle Arbeit alles Glück und allen Segen und ist überzeugt, daß die jüdische Bevölkerung die neue Leitung der Israelitischen Kultusgemeinde in jeder Beziehung im vollen Maße unterstützen wird. Arabische Offensive zusammengebrochen Jerusalem, 23. Mai. Sender C’ol IsraoL Die großangelegte Offensive der Araber auf Sheik Jarrah und auf den Zion ist mit großen Verlusten zusammengebrochen. Truppen der Haganah säubern das Terrain. Tel Aviv, 23. Mai. Sender Col. Israel. Syrische Truppen wurden von Streitkräften der Haganah bei Beith Issef im Gebiet von 'Liberias nach einem schweren Kampf vernichtend geschlagen. Die Haganah machte zahlreiche Gefangene. Bogota, 23. Mai. Als sie die für die Araber ungünstigen Nachrichten aus Palästina hörten, griffen 80 Araber von Bogota die jüdische Kolonie an und zerstörten eine Reihe von jüdischen Geschäften. Oberrabbiner von Tel-Avlv richtet Friedensappell ah die Welt Tel Aviv, 23.4 Mai. Dr. Herzog, Oberrabiner von Tel Aviv, richtete gestern über den Sender „Kol Israel” einen Friedensappell an die Welt, in welchem er darlegte, daß es bei England liege, den Frieden in Palästina wieder herzustellen. Dr. Herzog bezichtigte die englischen Politiker, nicht bloß Waffen an die Araber zu liefern, sondern ihnen auch in ihrem ungerechten Ueberfa 11 auf die Juden mit britischen leitenden Offizieren zur Seite zu stehen. Die Belagerung und Beschießung heiliger Stätten in Jerusalem, die grausame Behandlung der Zivilbevölkerung und die Strategie der militärischen Operationen liege in den Händen hoher britischer Offiziere.