Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1947
- Issue
- Heft 12 (20.12.1947)
- Date
- 1947-12-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2431292-2431293-2431303--0048-2431627- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Preis 1 Schilling timme eilige mein zionistische fl)o chens chrift Zionistischer Landesverband Wien njna D'’i7b3" dws“ nnnKrn Redaktion und Administration: Wien IX, UniveriUiUtsiraße Nr. 4/4 Telefon A.26-4-73 Postscheck-Konto Nr. 134.292 20. Dezember 1947 Erscheint jede Woche Nr. 12 — 1947 Manifest Dr. Silvers Manifest Ben-Gurions Phishing Meadows (Palcor). Rabbi Dr. Abba Hillel Silvcr gab für die amerikanische Sektion der Exekutive der JeWish Agency folgende Erklärung ab : „Wir sind über die Aktion der Generalversammlung der Vereinten Nationen hoch erfreut. Sie bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte des jüdischen Volkes. Sie ist eine eindrucksvolle Bekräftigung der gerechten Forderung des jüdischen Volkes, sein nationales Leben in seiner uralten Heimat wieder aufzubauen. Diese edle Entscheidung, einen jüdischen Staat zu errichten und dem jüdischen Volk seinen rechtmäßigen Platz in der Familie der Nationen zuzuerkennen, wird zum immer währenden Ansehen der Vereinten Nationen beitragen und als eine seiner bedeutendsten Aktionen verzeichnet werden. Das jüdische Volk wird den Nationen, die zu dieser Entscheidung beigetragen haben, ewig dankbar sein. Besonderen Dank schulden wir den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und wir sind glücklich, daß diese beiden Großmächte bei der Lösung des Palästinaproblems harmonisch zusammengearbeitet haben. Das jüdische Volk ist sich der großen Verantwortlichkeit bewußt, die ihm diese Entscheidung der Vereinten Nationen auferlegt hat. Es wird alles tun, um ihr Vertrauen zu verdienen und es geht daran, sein Schicksal nun selbst in die Hand zu nehmen. Das jüdische Volk wird sich bemühen, in Palästina einen jüdischen Staat im Geiste seiner heroischen geistigen Führer der Vergangenheit, deren Lehren dieses Land zum heiligen Land der Menschheit gemacht hat, aufzubauen. Wir beten um Frieden in Palästina. Wir reichen dem neuen arabischen Staat, der in Palästina errichtet werden soll, in wahrer Freundschaft die Hand. Die jüdische Nation wird eitrigst bestrebt sein, mit seinem arabischen Nachbar zusammenzuarbeiten und innerhalb des Rahmens der wirtschaftlichen Union zum Fortschritt und der Wohlfahrt ganz Palästinas beizutragen. In dieser historischen Stunde rufen wir das arabische Volk in Palästina und alle benachbarten arabischen Länder auf, sich mit uns zu einer Aera friedvoller und fruchtbarer Zusammenarbeit zusammenzutun. Möge die Errichtung eines jüdischen Staates so rasch als möglich erfolgen, mögen seine Tore unverzüglich geöffnet werden, um alle jene einzulassen, deren Hoffnung auf Rückkehr in ihre Heimat solange aufgeschoben werden mußte.” Jerusalem (Palcor). Nach d^r endgültigen Abstimmung zugunsten eines jüdischen Staates gab Ben - Gurion folgende Erklärung ab : „Die Entscheidung der Vereinten Nationen für die Wiedererrichtung eines souveränen jüdischen Staates in einem Teil unserer uralten Heimat, ist ein Schritt vorwärts zu jener historischen Gerechtigkeit, durch die wenigstens ein Teil des beispiellosen Unrechtes gut gemacht wird, dem seit mehr als 1800 Jahren unzählige Generationen des jüdischen Volkes ausgesetzt waren. Diese Entscheidung bedeutet einen großen moralischen Sieg der wahren Auffassung der Vereinten Nationen — der Idee der internationalen Zusammenarbeit in der Sache des Friedens, der Gerechtigkeit und Gleichheit in der ganzen Welt. Das jüdische Volk wird sowohl die Bemühungen der zwei Großmächte, der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, als auch die vieler anderer Staaten, durch die diese Entscheidung zustande kam, stets dankbar in Erinnerung behalten. Die Zusammenarbeit Amerikas und Rußlands bei der Lösung des Palästinaproblems ist ein ermutigendes Beispiel für allle diejenigen, die, gemeinsam mit dem jüdischen Volk, an die Möglichkeit der dauernden Zusammenarbeit zwischen Ost und West und an die Förderung des dauernden Friedens glauben. Die Entscheidung der Vereinten Nationen, einen jüdischen Staat zu errichten, legt dem Jishuw und dem ganzen jüdischen Volke eine schwere Verantwortung auf. Es ist dies in der Tat eine Aufforderung an alle zerstreuten Gemeinschaften Israels, die große Kraft, sowohl geistig als auch materiell, die zum Aufbau des jüdischen Staates notwendig ist, um eine große Anzahl Juden aus Europa und dem Orient aufzunehmen, einzusetzen. Die auch notwendig Ist zur Entwicklung unserer Wüstenländer und zur Schaffung unserer unabhängigen jüdischen Gesellschaft, die die großen Ideale der Propheten Israels — menschliche Brüderschaft, soziale Gerechtigkeit und Frieden unter den Nationen der Welt zum Ausdruck bringen soll. Gerade in den dunkelsten Stunden seiner Geschichte hat das jüdische Volk niemals den Glauben an seine Zukunft und an das Gewissen der Welt verloren. In dieser, für das jüdische Volk so großen Stunde, wird es sein historisches Geschick nicht enttäuschen. Das neue Judäa wird als ein Faktor des Friedens, der Wohlfahrt und des Fortschrittes ün heiligen Lande, im mittleren Osten und der ganzen Welt, seinen würdigen Platz unter den Vereinten Nationen einnehmen.” Die Feierlichkeiten anläßlich der Errichtung des Judenstaates Es war natürlich, daß die Spannung, die sich seit dem Zusammentreffen der Palästina-Kommission der UNO in allen Gemütern bemerkbar machte und Samstag, den 29. November am Tage der Abstimmung in der Generalversammlung ihren Höhepunkt erreichte, nach dem Bekanntwerden des Abstimmungsresultates, einem großen Jubel Platz machte. Man konnte es nicht fassen und viele wollten es nicht glauben,, daß der Traum Herzls, der Traum unzähliger Generationen nun Wirklichkeilt geworden war. Die Juden sind nicht mehr heimatlos, sie haben nun eine Heimat, ihre Heimat im jüdischen Staate in Erez Israel. In einer Reihe von festlichen Veranstaltungen, an denen die gesamte Judenschaft Wiens teilnahm, wurde das große historische Ereignis würdig und erhebend gefeiert. Die offizielle Feier der Wiener zionistischen Welt, die von der zionistischen Föderation in Oesterreich veranstaltet wurde, fand am Sonntag, den 7. Dezember im vornehmen Rahmen des festlich geschmückten Großen Musikvereinssaale statt. Die Estrade und der Saal prangten in reichem Flaggenschmuck und über der Estrade, in der Orgelnische, stand auf einem Sockel die einzige in der Welt existierende, im Besitze des zionistischen Landesverbandes in Oesterreich befindliche, von seinem Freunde Bildhauer Beer in Paris ausgeführte Büste Dr. Theodor Herzls. Parterre, Logen und Galerien waren überfüllt. Nachdem die Delegierten der zionistischen Föderation und das Ehrenkomitee auf der Estrade Platz genommen hatten, begann die Festakademie mit der Absingung der Hatikwah. Hierauf hieß der Tagespräsident Ing. Siegmund Kornfein, Generalsekretär des zionistischen Landesverbandes in Oesterreich und Redakteur der Zionistischen Zeitung „Die Stimme”, die versammelten Festgäste herzlich willkommen und begrüßte in feierlicher Weise den Vertreter der österreichischen Bundesregierung Ministerialrat Dr. Sobek, den Generalkonsul der Vereinigten Staaten, die Herren der amerikanischen Militärregierung, der französischen Militärregierung, den Gesandten und Konsul der Republik Polen, den Konsul von Belgien, sowie die Vertreter der in- und ausländischen Presse. In Flinblick auf das große historische Ereignis richtete er sodann einleitend,, folgende Worte an die Festversammlung : „Als einer der wenigen Ueberlebenden, die noch am Beginn seiner zionistischen Tätigkeit an der Seite Dr. Theodor Herzls standen, habe ich in diesem historischen Moment die große Ehre und die Freude, Ihnen die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina verkünden zu dürfen. Vor allem ist es unsere Pflicht, dieses Mannes zu gedenken, der uns auf den Weg geführt hat, den wir gehen mußten, um dieses Ziel zu erreichen, — des großen Mannes, der hier in dieser Stadt gelebt und gelitten, gewirkt und gekämpft und eines allzufrühen Todes gestorben ist, unseres großen Dr. Theodor Herzls. Nichts kann sich neben ihn oder über ihn stellen. Alles was geschaffen wurde und noch geschaffen wird, verdanken wir in erster Linie ihm. Durch seine prophetische Vision und seine schöpferische Leidenschaft hat er die Zionistische Weltorganisation geschaffen, die heute, nach kaum 50 Jahren, den Tag ihres größten Triumphes, an der Spitze des gesamten Judentums festlich begehen kann. Wir schulden ihm unauslöschlichen Dank und schwören wir heute, daß uns sein Andenken immer heilig sein wird. Es ist fast symbolisch, daß es heute am Vorabend unseres Chanukafestes, des traditionellen Festes des Lichtanzündens, am Tage der Makkabäer, Licht geworden ist um uns, nachdem wir, trotz aller Beiträge des jüdischen Genius zur Kultur und Zivilisation dieser Welt, solange lange Zeit im Schatten der Völker gestanden sind.