Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1947
- Issue
- Heft 10 (20.11.1947)
- Date
- 1947-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I Nr. 10 CDie Stimme Seife 3 Die Ein Hahr Kulturarbeit des loint idl Td| Clll tu-l Erl f5cl mil id-j <g-j ndl tssfl |e-| dcl ti<*| >ch I \h\ Llf- Jtel jml ng.l Es n.’i ich I England will nicht. . . England beharrt weiter auf seinem ablehnenden Standpunkt hinsichtlich der Verlängerung des Mandates und des Verbleibens in Erez Israel, falls die UNO nicht eine entsprechende Lösung findet, die sowohl die Juden als auch die Araber befriedigt. Diesbezüglich schreibt die Londoner „Daily Mail” : „England will spätestens im Dezember d. J. Palästina verlassen, denp, wenn englisches Militär länger bliebe, wäre es unmöglich die britischen Soldaten aus dem Lande zu ziehen wegen der wahrscheinlichen Unruhen die im Zusammenhänge mit der Schaffung der beiden Staaten ausbrechen werden. Außerdem — gibt die „Daily Mail” zu — behält sich Großbritannien das Recht vor, sich an der Aktion zur Wahrung des Friedens in Palästina, nicht zu beteiligen, falls ihm der Beschluß der UNO aufgezwungen würde und will es unter keinen Umständen diese Aufgabe allein übernehmen.” .. aber es muß seine Pflicht erfüllen Die „New York Herald Tribüne” betrachtet die obenerwähnte Stellungnahme Englands in einem Leitartikel, wobei sie betont, daß der Plan den Engländern deshalb nicht gelallt, weil sie die Verantwortung nicht übernehmen wollen, wenn sich die Araber mit Gewalt gegen den Beschluß der UNO stellen sollten. Wenn der englische Pessimismus in dieser Frage begründet, wäre, so ist die Ablehnung Englands einer weiteren Verantwortlichkeit nicht berechtigt. Die „New York Herald Tribüne” schreibt hiezu weiter: „England hat das Palästinamandat von der Völkerliga freiwillig übernommen und ist als Mandats macht von der UNO, als Erbin der Liga, bestätigt worden. Daher ist es die Pr licht Englands, Gewaltig ist die Arbeit, die der „Joint” zu leisten hat und dementsprechend gewaltig sind auch die Leistungen, die aus dieser Arbeit hervorgehen. Es ist keine Ueberfreibung wenn wir sagen, daß es dis größte und edelste jüdische Hilfsverb der Nachkriegszeit ist. Es gibt keinen Juden, der irgendwo in der Welt in Bedrängnis lebt, dem der Joint nicht irgendwie seine hilfreiche Hand bietet. Die Verdienste des Joint um die Wiederaufrichtung des in Bedrängnis lebenden Teiles des jüdischen Volkes sind unvergänglich und unauslöschlich für alle Zeiten. Es gibt keine Worte der Anerkennung und des Dankes für die Männer und Frauen, die an diesem Werke tätig sind. Wir wollen uns heute mit der Tätigkeit des Joint auf kulturellem Gebiete befassen. Die Kulturabtcilung des Joint wurde vor einem Jahr geschaffen und hat sie unter der Leitung ihres Direktors Mendelsohn-Fisclier schon sehr schöne Erfolge zu verzeichnen. Ihr Tätigkeitsbereich umfaßt die Betreuung sowohl der 30.000 jüdischen Flüchtlinge in den DP-Camps aller Zonen Oesterreichs als auch der Judie Aufgabe der Vereinten Nationen zu erleichtern. Wenn heute die Gefahr eines bewaffneten Konflikts in Palästina besteht, so hat die britische Politik der letzten dreißig Jahre, vieles zu dieser Gefahr beigetragen. In den vergangenen Jahren hat Großbritannien das Leben seiner Soldaten riskiert um eine ganz negative Politik aufzuzwingen, nämlich : die Opfer des Naziterrors nicht ins heilige Land zu lassen. Heute wird Großbritannien aufgefordert, die positive und konstruktive Aufgabe bei der Durchführung eines internationalen Beschlusses hinsichtlich Palästinas auszuführen.” Und die Zeitung betont weiter: „Wenn Amerika mit einem konstruktiven Projekt kommt, ist die Haltung Englands in der Form „Ich tu nicht mit”, sehr schwer zu begründen.” den und Flüchtlinge in Wien. Diese Betreuung erstreckt sich auf das Erziehungswesen, die religiösen Bedürfnisse, die Förderung der künstlerischen Bestrebungen innerhalb der Judenschaft, die Fürsorge für Studenten und Hochschüler und nicht zuletzt auch auf die Förderung des Sportwesens. In kurzer Zeit wurden in den Lagern und in Wien insgesamt 30 Schulen errichtet, in denen rund 1900 Schüler von hundert Lehrkräften unterrichtet werden. Die jüdische Schule in Wien allein zählt 250 Schüler. Die Mehrzahl davon sind Kinder rumänischer Flüchtlinge, die täglich mit Kraftwagen zur Schule gebracht und von der Schule abgeholt werden. Für die Wiener Kinder, die an Vormittagen die städtischen Schulen besuchen müssen, wurde ein Nachmittags-Unterricht in Religion und Hebräisch eingerichtet. Die pädagogische Leitung der Schulen untersteht einer Erziehungskommission, die durchwegs aus Lehrkräften besteht, die vom Joint für diesen Zweck aus Palästina berufen wurden. Diese Kommission hat einen einheifli- „ eben Lehrplan ausgearbeitet, auf Grund dessen die Kinder, die einen Ortswechsel vornehmen müssen, jederzeit auch am Unterricht einer anderen Joint-Schule teilnehmen können. Der Unterricht in diesen Schulen erfolgt in hebräischer Sprache und wurden vom Joint in einem Jahre 12.500 Lehrbücher ausgegeben. Außerdem wurden sämtliche Lehrmittel, Schulbehelfe und das Inventar zur Verfügung gestellt. Die noch nicht schulpflichtigen Kinder — cirka 1200 — werden im 22 Kindergärten von geprüften Kindergärtnerinnen sorgfältig betreut und erzogen. Auch hier wurde für ein einheitliches Erziehungsprogramm Vorsorge getroffen. Die ausgezeichnete Sprach- und Handelsschule wird von 240 Schülern besticht. In den meisten Lagern bestehen noch Talmud-Thorasdhulen die sich eines ausgezeichneten Besuches erfreuen. Zahlreiche Abendkurse in den Lagern runden das pädagogische Programm des Joint zu einem großartigen Ganzen ab. Der Unterricht wird an allen Schulen kostenlos erteilt und erhalten die Kinder an den Wiener Schulen sogar eine ganztägige Verpflegung. Auch die Teilnehmer an den verschiedenen Ort-Kursen bekommen eine Mahlzeit täglich. Eine ganz besondere Rolle in der kulturellen Tätigkeit des Joint spielt neucstens die Vorführung von jüdischen Fil-# men, das Arrangement von Theatervorstellungen und Konzerten. Im Titania-Theater in Wien werden mehrmals wöchentlich die besten jüdischen Filme amerikanischer Produktion an Vor- und Nachmittagen vorgeführt. Für die Kinder gibt es schöne Märchen- und Unterhaltungsfilmc. Jüdische Theater-Ensembles mit prominenten Künstlern gastieren in den Camps, um den Lagerinsassen Gelegenheit zu einem hervorragenden Genuß zu bieten. Auch in Wien finden derartige Veranstaltungen statt. Der Eintritt zu allen diesen Veranstaltungen ist frei. In manchen DP-Camps haben sich sogar eigene Theatergruppen gebildet, die, vom Joint weitgehend gefördert, eine sehr beachtenswerte künstlerische Tätigkeit entfalten. Auch Klubs und Leseräume mit reichhaltigem Lesematerial und den aktuellsten Zeitungen und Zeitschriften aus den USA, Palästina und dem Inlande, sorgen für Abwechslung im eintönigen Lagerleben. Monatlich werden den Lagern 11.200 Zeitungen und Zeitschriften zur Verfügung gestellt. Außerdem sind alle diese Klubs mit einer entsprechenden Anzahl von Radioapparaten, Grammophonen, Schach- und sonstigen Unterhaltungsspielen ausgestattet .In Wien wird sogar eine Zeitung in rumänischer Sprache herausgegeben. Begabten Schriftstellern wird die Herausgabe ihrer Werke ermöglicht. In letzter Zeit hat die Kulturabteiliung des Joint eine schöne Sammlung von KZ- und Ghettoliedern mit Noten und unterlegtem Text herausgegeben. Alle Bethäuser und Synagogen in Wien und in den Lagern werden mit den nötigen Kultgegenständen, wie Thorarollen., Scholar, Lulawim, Ethrogim, Wein, Kerzen und anderem versehen. (Fortsetzung auf Seite 4) laß Ju jü'l .xyil ionl ien| >o I ro'l .eit I lesl M-l chtl irt [ 'eg insl m I ür-l tu fl Die Haganah Von M. P. Wafers Aus dem Englischen übersetzt von Ing. Korn fein 1. Fortsetzung Obgleich nicht unter der Leitung und Verantwortlichkeit der Jewish Agency stehend, brauchte sowohl die Regierung als auch die Militärverwaltung eine besondere Abteilung, die für den Zweck von der Jewish Agency geschaffen wurde, als Verbindung zur Haganah. Und dieser Kontakt wurde von der Jewish Agency nie in Abrede gestellt. Tatsächlich stellte sie auch die Mittel hiezu zur Verfügung. Doch in den frühen Morgenstunden des 29. Juni 1946, am jüdischen Sabbath, stürzten sich britische Truppen und Polizei auf die Büros der Jewish Agency und andere öffentliche jüdische Institutionen sowie auf zahlreiche landwirtschaftliche Siedlungen in ganz Palästina, begannen eine Suche nach Waffen und verhafteten ungefähr 3000 jüdische Männer und Frauen einschließlich Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency. Sie wurden 5 Monate hindurch in einem Gefangenenlager ohne jede Untersuchung in Haft behalten und sodann ohne jede Erklärung entlassen. An den darauffolgenden Tagen fanden Hausdurchsuchungen in den Büros der jüdischen Institutionen statt. In den Siedlungen wurden einige Revolver und Gewehre gefunden. Nur in einer Siedlung „Mesheq Yagour”, wurde eine beträchtliche Menge von Waffen entdeckt. Am Montag nach der samstägigen Razzia inszenierten Mitglieder der Regierungspartei im Unterhaus eine erfolgreiche Vertagungsdebatte — eine List zu der nur Mitglieder der Opposition und nur dann Zuflucht nahmen, wenn es sich darum handelte eine schwierige Sache beiseite zu schieben. In dieser Debatte wurde Kritik an der Regierung ausschließlich von seiten der Regierungspartei geübt. Für das Kabinett erwiderte der Premierminister selbst. Seine Worte waren sorgfältig gewählt: „Eine traurige Erscheinung der letzten Jahre in Palästina ist die „Entstehung illegaler bewaffneter Verbände” ... Der größte derselben ist die Haganah, in einer Stärke von ungefähr 70.000 mit einer leichten Kampftruppe, der Palmach, In einer Stärke von ungefähr 5000 Mann.... Hiezu kommen noch zwei jüdische Terrororganisationen — der Irgun Zwei Leumi mit ungefähr 5000 6000, im Straßenkampf und in der Sabotage geübten Anhängern und die Sterngruppe., die sich durch besondere Terroraktionen auszeichnet. Die Haganah ist verantwortlich für viele Fälle der Zerstörung von Eigentum und für bewaffneten Widerstand gegen die Regierung; die andern zwei Organisationen sind verantwortlich für zahlreiche Gewaltakte, Mordtaten und für die jüngsten Verschleppungen.” Der Premierminister machte schließlich einen Unterschied zwischen der Haganah und den zwei Terrororganisationen. In der Debatte aber begründete Mr. Attlee die Aktion gegen die Jewish Agency und die Haganah in folgender Weise; Der Irgun ist eine Terrororganisation. „Wir .haben Beweise für die enge Verbindung zwischen der Haganah und dem Irgun ... und wir haben Beweise — ich werde sie zur rechten Zeit erbringen — einer sehr engen Verbindung zwischen der Jewish Agency und der Haganah. Eine besondere Argumentation: X ist schlecht. X hat Kontakt mit Y und Y ist verbunden mit Z. Daher müssen wir gegen Z vergehen 1 Die Regierung wollte damit konstatieren, daß zwischen Irgun und Haganah eine Verbindung bestehe. Wir werden später zeigen, daß bis zu diesem Zeitpunkt der einzige Kontakt zwischen den beiden Körperschaften darin bestand, daß die Haganah versuchte den Irgun von der Fortsetzung seiner Terrorakte abzuhalten. Seitdem haben, wie der Fall Werber zeigt, Männer dar Haganah nicht nur ihr Leben riskiert sondern auch ihr Leben verloren. Durch solche Verhinderung terroristischer Ausschreitungen konnte mancher Angehöriger der britischen Armee vor dem Verlust des Lebens bewahrt werden. Die Regierung versuchte eine Verbindung der Haganah mit der Jewish Agency zu konstruieren; wir haben schon bemerkt und wir werden später die Erklärung dazu geben, daß die Verbindung — nicht Verantwortlichkeit oder Leitung zwischen den beiden Körperschaften stets eine offene war und daß dieser Kontakt von den britischen Behörden während des Krieges offiziell in Anspruch genommen wurde. Die Regierung betonte, daß die Haganah gut ausgerüstet sei und tausende Mitglieder habe: das war nie ein Geheimnis. Und die Behörden waren froh, während des Krieges ihre Hilfe in Anspruch nehmen zu können. Wir werden im folgenden die wahre Natur dieser Körperschaft, wie sie wuchs, was sie tat. aufzeigen und Einzelheiten über ihre Stärke und ihre Gestalt bekanntgeben. Wir werden aber damit nicht den Behörden, sondern nur der Oeffentlicbkeif Geheimnisse verraten. Die Beschuldigungen der Regierung hinsichtlich des Bestehens einer gut organisierten bewaffneten Macht, deren Existenz den Behörden aber seit Jahren wohl bekannt war;, sollten eine Ueberraschung für die Oeffentlichkeit bilden. Die Regierung kann auf dem Standpunkt steheni, daß es nur ihr erlaubt sei, eine bewaffnete Macht zu halten. Die Haganah sei eine private Armee. Ihr Besitz an Waffen sei illegal. Man muß aber auf den Ursprung der Haganah zurückgehen, daß sie in der einen oder anderen Form schon seit mehr als einem halben Jahrhundert besteht und die letzten Vorfälle nicht die einzigen Gelegenheiten waren, bei denen die Haganah sowohl das Leben von Briten als auch von Juden rettete. Werfen wir also einen Blick auf die neuere Geschichte Palästinas und gehen wir dem Ursprung der Haganah nach.