Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 7 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nationalzeitnng Wr. 7 Vaterlande eine Erscheinung, die fast wie der Verlauf eines chemischen Prozesses nach einer gegebenen Formel aussieht und diese Erscheinung heißt: Organisation! Interessengruppen, Stände, Nationen, Völker konzentrieren sich um ein gemeinsames Ziel, Ideal, Interesse und suchen es dort gemeinsam zu verwirklichen, wo die Kraft des Einzelnen nicht ausreicht. Der Bukowinaer Landeslehrerverein bot stets ein prächtiges Bild von Einigkeit, Zusammenhalt, ohne Rücksicht auf die nationale Zugehörigkeit des Einzelnen. Aber hier hat sich in letzter Zeit eine Aenderung vollzogen, indem die Lehrer nebst der allgemeinen Organisation als Landeslehrerverein noch die Organisation auf nationaler Basis durchführten, so daß beute die rumänischen, ruthenischen, deutschen und polnischen Lehrer als seperate Organisationen ihren Sitz im Landeslehrerverein haben. Auch die jüdischen Lehrer und Lehrerinnen sind dem gleichen Beispiele gefolgt und haben ein Statut zwecks Gründung eines Vereines der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen in der Bukowina überreicht das bereits die behördliche Genehmigung erhalten hat. Der Zweck dieses Vereines ist die Fortbildung, die Förderung der Interessen der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen, die Hebung des Standesbewußtseins unter den jüdischen Lehrpersonen, die Pflege der Zusammengehörigkeit der jüdischen Lehrpersonen mit dem jüdischen Volke. Ordentliche Mitglieder dieses Vereines können Volks-, Mittel-, Fach- und Hochschullehrer jüdischen Glaubensbekenntnisses sein. Außerordentliches oder unterstützendes Mitglied kann jeder eigenberechtigte Jude werden. Anmeldungen zum Beitritte in den Verein nimmt das gefertigte Komitee entgegen: K. Dubenski, B. Fränkel, Dora K a h a n, M. K o st o r i s, M. Landes, Susi Lazarowicz, Viktoria Rosen- Heck, S. Schulz, M. S e i d n e r. Serajevo. Selbstbildungsverein der „jüdischen Jugend." Gestern veranstaltete dieser Verein in den Nebenlokalitäten des Vereinshauses einen recht gelungenen Preiskonkurrenz-Deklamations-Abend, welcher sehr gut besucht war und bei welchem die Herren S. Laudor, W. Klinger. A. Marton, S. Schwartz, A. Merkler und I. Spitzer durchwegs mit hübschem Verständnis ernste Dichtungen zum Vortrag brachten. Die Preisjury, bestehend aus den Herren Staatsbahnrevidenten Hajek, Kommissionär Klein und Bankbeamten Koller, hatte ein schweres Feld, da mit geringer Ausnahme alle Vortragenden den gestellten Anforderungen voll entsprachen. Bei der Abstimmung erzielten Herr Merkler mit „Putnik" von Preradoviö den I., Herr Marton mit „Der Sturm" von Rosenfeld den II., und Herr Klinger mit „Die Bürgschaft" von Schiller den m. Preis. Ein animiertes Tanzkränzchen beschloß den hübschen Abend, der von dem ernsten Streben dieses Jugendvereines bestes Zeugnis gab. Berlin. Der deutsche Rabbiner-Verband hat in seiner letzten, unter dem Vorsitze des hiesigen Rabbiners und Predigers Professor Dr. Maybaum abgehaltenen Hauptversammlung beschlossen, ein ständiges Bureau zur Abwehr der gegen das Schächten gerichteten Agitation zu errichten. Gleichzeitig wurde einstimmig Protesterklärung gegen die Beschlüsse des Nürnberger Verbandstages der deutschen Tierschutz, vereine erlassen und nachdrücklich betont, daß die Schächtvorschriften religionsgesetzlichen Charakter tragen, da die rituelle Schlachtmethode ein Religionsgesetz des Judentums und im biblischen und nachbiblischen Schrifttum begründet ist. Mannheim. Der „Entdecker des Konitzer Mordes", der Kellner Rudolf Strauß, der, wie kürzlich berichtet, von der Strafkammer in Stolp zu einem Jahr sechs Wochen Gesängnis verurteilt wurde, weil er unter dem Vorgeben, den Mörder des Gymnasiasten Winter in der Person eines reichen Juden aus Ostpreußen in Chicago gefunden zu haben, die Staatsanwaltschaft in Könitz um 200 Mark zu betrügen versuchte. hat im Stolper Untersuchungsgefängnis einen grauenvollen Selbstmordversuch verübt. Er riß eine brennende Petroleumlampe von der Wand und goß das sich entzündende Oel über sich aus. Obgleich die Flammen sofort gelöscht wurden, liegt St. an den erlittenen Brandwunden im Krankenhause schwer darnieder. Wie erinnerlich, war St. im Urteil als geistig minderwertiger Mensch bezeichnet worden. Nikolsburg. Bei der am 13. Jänner 1907 in Olmütz stattgefundenen Wahl des Vorstandes der Handels-Genossenschaften, Gremien und Vereine mit deutscher Geschäftssprache in Mähren wurde Herr Samuel Krakauer, Nikolsburg, in den Vorstand gewählt. Bodenbach. Am 13. d. M. fand die Generalversammlung unseres Tempelbauvereines statt. Dem Berichter desselben ist zu entnehmen, daß er seit seinem sechsjährigen Bestände K 11.000 — der Kultusgemeinde zu Tempelbauzwecken zugeführt hat. Über Antrag des Ausschusses wurde unser Rabb. M. Freund für seine eifrige und unermüdliche Tätigkeit für den Verein als erstes Ehrenmitglied unter allgemeinem Beifall von der Generalversammlung ernannt. — Der Bau unseres Tempels schreitet vorwärts und dürfte die Übergabe zu seinem Zwecke anfangs August erfolgen. Wird das Ziel erreicht sein, dann darf sich die Leitung unserer Gemeinde, die seit dem Bestände das Ruder in Händen hat, zur zielbewußten Tätigkeit gratulieren. Jüdischer Nationalverein. Unter dem Vorsitze des Abgeordneten Dr. Straucher und nach dessen Referat wurde am 13. d. in einer massenhaft stark besuchten jüdischen Versammlung die Gründung eines politischen Vereines, der den Namen „Jüdischer Nationalverein in Czernowitz" führen wird, einhellig unter lebhaften Zusiimmungskundgebungen beschlossen. Die Statuten wurden der Landesregierung zur Genehmigung überreicht. Aufruf' Lin territorialistischer akad. Verein. Die Ursachen des gegenwärtigen Tiefstandes der wirtschaftlichen Lage des Judentums, dessen unaufhaltsamen Folgen, die Ursachen der bewußten und unbewußten Entnationalisierung haben uns belehrt, daß die Judenfrage, in welcher Form auch immer wieder von den Staaten, in denen sie sich aufwirft, einer realen Lösung entgegengebracht werden kann, noch einer idealen Behandlung unterliegen darf. Letzteres schon deshalb nicht, weil das Ende dessen, was an einem Ideale erreichbar ist, in eine bei dem nun einmal nicht zu verleugnenden Schwinden des einigenden und erhaltenden religiösen Bandes, bei dem merklichen Jneinandergreifen der nationalen Eigenarten für die jüdische Nation und bei dem auf diese als Fremdkörper allseitig einwirkendem Drucke für die Judenheit gefährliche Weite geschoben. Die Ereignisse der letzten Jahre haben uns bloß an frühere trübe Zeiten erinnert, jedoch der alte ideale Trost wirkt nicht mehr. Auch können wir nicht mehr dem kommenden beim Wachen des Volksbewußtseins noch fühlbaren Schicksalsschlägen unseres Volkes mit demselben Tröste, wenn auch in neuerer Form entgegengehen; denn auch der versagt infolge des Mangels an praktischen Möglichkeiten, einer Realisiierung des zionezionistischeu Ideals. Auch steht der, ich möchte sagen orthodoxe, Zionismus der verhängnisvollplanlosen Massenemigration machtlos gegenüber, denn diese hat mächtigere und individuell begründetere Anziehungspunkte als ihn das zionistische Ideal bietet. So haben die Zeiten mit uns Schule gehalten und uns kürzere, sicherere Wege zur Lösung der Judenfrage gezeigt, den Territorialismus, dessen gegenwärtig hauptsächlichster Programmpunkt die Emigrationsfrage ist. Trotz vieler zu seiner Unterdrückung unternommenen Versuche hat der Territorialismus auch in Oesterreich-Ungarn die Fahne erhoben und die vor kurzem begonnene Arbeit der Begründung einer Landesorganisation hat die verhältnismäßig schönsten Erfolge aufzuweisen. Nun wird daran gegangen die territorialistischen I. T. O.-freundlichen Akademiker zu organisieren. Zu dem Behufe haben wir uns eine stattliche Anzahl jüdischer Hochschüler bereits zu einem exekutiven Komitee zur Begründung des ersten akademischen territorialen Vereines in Wien konstituiert und richten nun den dringenden Appell an die Studentenschaft, insoferne sie noch keiner Partei angehören oder I. T. O.-freundlich ist, die Kräfte in den Dienst der notwendigen Arbeit zu stellen und die Organisierung durch ihren zahlreichen Beitritt leicht zu machen und die Organisation kräftig zu markieren. Für das Exekutiv-Komitee Med. Aaron Sandberg. Briefliche Anfragen sind zu richten an: Noä. A. Sandberg, IX., Währingerstraße 13, anat. Institut. Sprechstunden täglich von 1 bis 3 Uhr, III., Löwengasse 37 A, Thür 10. Mngefendet. Nach langer schwerer Arbeit ist es gelungen, eingetreue Nachahmung des Salomonischen Tempels zu Jerusalem in Miniatur auszubauen und im Maßstabe von 1 :250 aus Holz geschnitzt herzustellen. Es ist damit ein großes Stück Arbeit geleistet worden, denn die historischen Überlieferungen von der Bauart des Tempels sind nicht zuverlässig und einander widersprechend. So haben sich auch die Rabbiner verschiedenster Gemeinden, insbesondere Sr. Ehrw. Rabb. Weiß, Czernowitz sehr anerkennend über dieses Kunstwerk geäußert. Ebenso Se. Ehrw. Herr Oberrabb. Dr. Güdemann. Dasselbe ist beim Erbauer, Herrn L. Schwarzbach, ir.t Stefaniestraße 12, in der Zeit von 10 Uhr früh bis 12 Uhr nachts, gegen Entree von 40 Hellern zu sehen. Für Kinder 20 Heller; F,"ck Studenten 30 Heller. Pelztvnren kauft „mu zu staunend billigen Preisen in modernster elegantester Ausstattung nur im bekannten Pelzwarengeschäfte l, Köllnerhofgasse 2. Verkililfs-AlW neu eröffnet Wien I., Arugerstratze \3. Gs gelangen zum Verkaufe: Wirtschaftstevviche, 200/300 - . bfl. 4.25 aufm Persia, 200/300 .„ „ 6.50 „ Brüsseler ia. 200/300 . „ 12. 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