Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 59 (14.8.1906)
- Date
- 1906-08-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 59 Nationylzeiiung Seite 3 meinte bürgerliche Gesetzbuch regelt Privatrechte. Ist dcmuach die eingangs erwähnte rechtliche Ansicht -es angefochtente-n Urteils nicht zu billigen, so «ist cs klar, datß int vorliegenden Falle nur die Anwendbarkeit des 8 4 a. b. G.-B. in Frage kom. men kann. Der Meinung d>es Berufungsgerichtes, -atz durch 8 4 a. b. G.-B. die pcrsöuliche Fähigkeit der österreichischen Staatsbürger zur Schließung einer Ehe eiugeschränkt werde, ist beizupflichten. Mber damit 8 4 auf eine im Ausland geschlossene Ehe Zlniwenduug finden könne, ist noch rneiiter nötig, daß diese Ehe im- Inland rechtliche Folgen,!heovorbringen soll. Keilt Staatsbürger darf in der Absicht, das österreichische Gesetz zu umgehen, das ihm gewisse Geschäfte,verbietet, diese ittti tAusland abschließe u und dann doch im. Inland für sich Rechte hieraus ab leiten. Daraus ergibt sich aber die Unrichtigkeit der Behauptung in den Urieilsgründen der ztweiten Instanz, daß die bloße Datfachte einer späteren Rückkehr der Ehegatten nach Wietr, und der Umstand, daß die sich hier als verheiratet bezelichneten, einen Schluß darauf zu lasse, daß jene Intention vorhanden war. Es inüsse,n 'hierzu vielmehr noch andere Tatsachen, treten, die den W,ille»n der Eheleute erkennen lassen. Die von dem Mar:ne unter Beweis getstelltelt Tatsachen erscheinen von Relevanz für den Beweis der Zlbsicht der Ehegatten bei der Eheschließung, Hütten daher erhöben werden sollen. Ein österreichischer Jude auf dem „Sirio". Aus Graz. wird« berichtet: B-ei-m. Sinken' des spanischen Dampfschiffes. „Sivio" hat ein öfter-- reichischer Julde namens Leopold P o l I i: (i e t eiineu bewundennsweiltlelnt Opfermut bewiesen. Er war, um' schwimmend! das Xlfeiri p erreichten!, mit eimem; Rettungsg-ürtel vtetchehten, ins Meer gesponngen und' Wau bereits, eine Strecke wleit geschwommein. Da! sah' er von sich! einte Fra-u mit -einem! Kinde anftauchen-, die beide dem! Ertrintken nahe waren'. Herr Pollitzer schnalltet -im Wasser, seinen Schwimmgnrttel ab ntnd' befeskigltc die Fvain nnd das Kindt an! heim* selben'. Er selbst versuchte nun, durch Schwunm-en' sich zn retten! und wurde später von einem Fischerboot halb bewußtlos ansgtefischt. Leopold Pdllitzcr ist tetni Stiefsphn des! Grager P'rodutktenhändlerA David Ster n.. Er hatte sich in ©enuia auf dent „Sikiot" eingeschiffk. um n-ach. Niot de Janeiro' AurückAickehren,, wlo er in Sttellnn-g, ist. -Bon do'rt war er vor eimigicn Mochten nacht Gba-z zu Besuch! ge'ko'mnwtnt. Wien. (Kaisers Geburtstag.) Anläßlich' de§ Allerthtöchtsten' Gebturtsfestes Sr. Majestät des Kaisers finden Suimstag, den 18. Auguist d. I., um 9 Uhr früh, >im Gemeiu.dete'iupel der israelitifchetn Kultusgemeinde, 1. Betz., Seitetnstettengasse 4, und u!m 8 Uhr frühin den. Genteindetempeln: 2. Bez., Tempelgafse 8, 16. Bez., Dnruergasse 22, 16. Bez., Hubergasse 8 ntnd 18. Beiz>., Sch-vpeuthauerstraße 59, feierliche Gottesdienste statt. den,' sie lallten nach der Uebersetzung der „Germantia" wie folgt: I. Ob die von den Kritikern zur Btekämpfuug der llllvsäischen Echtheit der heiligen' Bücher, die mit dem -Nalllent Pentateuch. bezeichnet werden, znsauAreugebrachtew -Griinde so gewichtig seiell,!da>ß sie unter Hinlanisetzttttg der zahlreichen Steller: beider Testa-mente in, ihrer Getsatlntiheit genomtmen, 'der fortlatnsenden Uebte-relutstinmi'u.uig des jüdischen Volkes, ebenso der beständige,nt Ueberlieferuing der Kirche, sowie innerer Allzeichen, die aus dem Texte selbst eruiert iverden, das Recht verleihen, zu btehaupten, diese Bücher hatten Nicht den Moses zum Urheber, seienvielmehr aus zum größten Teile nach -mosaischen Quellen zusaimnengearveitet? - Antwort: Rein. II. Ob die Mösaische Echtheit des- Pentate-llch notwendigerweise eine solche Sie'daktion des ganzerr Merkes erforderte, daß imnt durchaus 'se-sthälten nltllttz, Moseshabe alles und jedes mit eigener Hand geschrieben oder seinen Gehilfen diktiert,' oder ob auch die Hypotheise jener Männer 'statthaft sei, die anueihine-n, daß er das von ihm unter döm, Etnslilsse der göttlichen' Inspiration konzipierte Werk ei-llelllt antderen oder mehreren zur AbsassllUg überlassen habe, so jedoch, daß sie feine Gedanken, getretn Wiedergaben, nichts gegen seinen Willen, fchrieberl und ltiirhts wegließeu, und Lemberg. (Anertkeunnng der jüdischen Nationalität.) Die jüdisch-nationale Studentenschaft an der hiesige!«, Universität hat in ihrem Kampfe -lmr -die iAnerkenutU'irg der jüdüschen Nationalität einen tSieg z,u verzeichnen. Der Stieg ist wohl vorläufig nur negativer Natur, aber für die Aktion selbst von, hochwichtiger Bedeutung. Da die positive Anerkennung 'derjüdischen Nationalität bteüm Rektorat der hiesigen Universität nicht htat durchgesetzt werdenkönnen, b-cischloß eine zu Beginn des eben abgclaufenen Somlmersemesters abgehaltene Stndcn'te-nlversamMl'ttuta, die Rubrik „Nationalität in den Unincrsitätsdotfu-mtenfcett lieber mit dem Vermerk ,-Olhne Nationalität" ausztusüllen, als sich zu einer fremden Nationalität zu bekentnen. Dies' half. Der soeben erschiemme Rektoratsbericht beisagt hierüber: „Bezüglich der Forderung der Hövetr mosaischer- Konfession, welche a-uch dem Unter ri ch-tsmi niste ri utn Unterbreitet wurde, daß i-nden Dekumentent der -Universität der 'Ilnerketnunug der jüdi'scheu Nationalität Ausdruck gegebietn' werde, beschl.ß der a'kadem'ische Senat: In Anbetracht dessen, daß eine solche Nationalität in Oesterreich überhaupt nicht anerkannt ist, wird von dem Nachweise der Nationalität der Akademiker in den Universitätsstatistiken überhaupt Abstand genommen nnd wird der Senat sich auf den Ausweis der Religion der Hörer beschränken, welche eo ipso ihre n!a t i o n a l e Z u gt e h ö p ii g k e i t dok u m e nt fi e r t. Ausland. Deutsches Reich. Berlin. (Misrachi.) Wir haben wiederholt darauf hiinge'wiesen, daß die gesetzestreuen Juden im Zionisnius mit der gegen 'die jüdische Religion gerichteten Ilngtritffe nuzulfrieden sind. Nun versen'det das Mitglitcd des 'Z-enttralkomliteesdes Misrachi, Herr Ch. I. 'E i ß in 'Zürich, in dieser Angelegenheit einen Ausruf au seine G-estntnungsgenosseu-. 'Der IlusrU-f lautet: Mndie thoratreuen Zionisten! tSeit einiger Zeit sind im der zi-onistischen Beweg'uug zwei von uus gesetzestreuen Zionisten mißbillitgte Strömünlgen vereint zur Geltung gelaugt. Es sind dies die der bekannten „Kultur"-Eiferer, die jetzt im Besitze der Leitung der zioNisiischen Angelegenheiten sind, in ireluelm. Bunde mit den sogen. „Poale-Zion", «welche die Tendenzen der Lethren Marx untd Lassalles mit dem jüdischen Natitonalistmns zu verqnicketn sich anstrentgen. D!iesen beiden Strö- .mtnngen liegt das ge'me'iNsame Bestrebte!», zugrtlnde, den jiidischen- Nationalsinn vom Dhoragesetz lostznWseu. Gegenüber dieisten Nichtnutgen ist unser, der Gesetztretuten unverrückbarer daß entdlich das ans diese Wöi'se züstandegekommene Werk von demselben Moses, als dem ersten und infpirierieu Urhe>ber, gebilligt nnd unter seinem Namen veröffentlicht wnrde? Vlintwort: Nein auf tden ersten Teil, ja auf den >z>iveiten. III. Ob ohne Präjutdiz g-etgen die Mo'saischts Echtheit des Pentatönch zugegeben werden kön'ne, daß Möses für die Herstellung seines' Werkes Quellen vetrtwe-ndet habe, nämlich geschriebene Dtotklimierite oder mündliche lleberlieferungen, aus denen er, de.nr besonderenihm. vo-rschwebeüden Zwecke entsprecherld u-ntd unter de>m Einflüsse der göttliche-n Inispiration manches geschöpft habe und dieses wörtlich oder deur. Sinne nach-, zusammengezogen oder erweitert in sein Werk selber eiutgefligt habe? «Antwort: Ja. IV. Ob llnter Wdhrlürgder im wesentlichen Mäsaischen Echtheit und Uutversehrtheit des Pentatellch eingeräuimt werden könne, daß in dem so langen Zeitverlaüfe diesen! manche Verän-derungen betroffen haben, wie: Zn-sätze nach dem Tode des Moses, die entweder von' einem inspirierten Schriftsteller hirczugofügt sind, oder die in den' Text eingestrenteu Glossent nnd Erläuterungen sind, Nebertragung gewisser Wörter und Formen ans dem. veralteten tD'ialekt, in die jüngere Redeweise, fehlerhafte Lesarten entdlich, die dem Standpunkt hittlänglich bekannt. Wir halten nach wie vor und unter allen Umständen an der alten, ewtigerl jüdischen UeberzcUgnug fest, daß unser heiliges Gesetz das eigentliche Wesen, die Seele der jiidischen Nation ist. Und da der Körper ohne die Seele nticht leben kann, sehen wir in jeder BctmtülMng die Nation von nnsevcm überlieferten! LebenStzesetze loszulieiße^ eine Gefahr, durch die nüsere nationale Bewegung erntstlich bedroht, ja ganz unmöglich gemacht wird. Geehrte Gesin-nnugsgenossen! Ans Vorschlag des Zentralbu-rea'ns des „Misrachi" wird in «kurzem eine K-onferenz des Zentralkomitees 'stattfinden. Zlnf dieser Konserenz werden unter anderem auch über die „Beziehu-ntgon des ,Misrachi' zur zionistitschen! Organisation in ihrem g-egoniwärtigen Zu'stan>de" durchgreifende Bejschlüsse gefaßt werden. Dism! Unterzeichneten ist die Atüsga.be zugefa'llen, die Materialien zu dietsem 'Berattuntgspuntkte vorztNbereiton. Ich richte däher an alle thoratreuen Zionisten die dringende Bitte, mir ihre Ansicht und namentlich die der Misrachitgruppen über die fernere GetstaltnNg der Beziehiuugein des „Mlisrachi" zu der zionistischen Organisation möglichst bald bekannt zu ge!ben. Gleichzeitig ersuche ich, ooent. Borschlä'ge zur Tätigkeit und zur weiteren Organisierung des „Misrachi" mir gefl. mitteilen zu wtollen. Zürich, im Ab 5666. ' Ch. I. E i ß, 'Mitglied des Zentralkomitees des Misrachi. Köln. '(Oberrabbtiner Dr. Güdetmtanu über die 'Wiener Schechtitäh.) Bon Herrn tRobbiner Dr. Frank erhält das Kölner ,/Israelitische Ge'meiudeblatt" das nachfolgende Schreiben.: Es dürfte die Leser dieser Zeituug irrteretssieren, aus einem zweiten Briese, den ich vo-m Wiener Oberrabbtiner Dr. Güdemann in der Schechtitah-tIlngelegetnheit erh!ielt, folgendes zur Kenntnis zrr nehtmieu. Es heißt daseWst: „Es dürste iricht unerwünscht sein, bei diesem Anlässe über den Stand der Schüchtangelegenheit in Wien informiert zu werden. Wie bekaurit, hat der Gemeinderat der Stadt Wien zu Beginn des- Jahres 1905 einen- Beschluß gefaßt, wonach! sämtliche in den städtischen Schlachthäusern zur Tötung gelangenden Tiere, bevor ihnen das Blut entzogen wird, durch Stirnschlag vollständig zubetäubetn sind. Da einerseits ein derartiger Vorgang vom rlituellen Standpunkte aus selbstverständlich abisolut nnztulässig ist, anderseits in Wien der Schlachthauszwang betsteht, w-ürde die Ausführung des Beschlusses einem Schächtverbote gleichgelkoMmen! sein. Der Voristand der Kultusgemeinde h!at deshalb im Einvernehm-e.n- -Mlit dem Rabb-inate gegen diese!» Beschluß Beschwerde erhoben. Die niöderiöste r reicht schie Berisehen der Schrctiber zuztuweisen sind, die mau nach dell Regeln! der Kunlst der Kritik untersuchen nnd beurteilen Äapf? lAlNtwort: Ja, vorbehaltlich der Entscheidutng der Kirche. Der Papst hat die Antworten gebilligt und ihre Vertösfentlichung anbeso!hletn. Kuriositäten. Dlie Nachricht, daß nicht Dante der Verfasser der „Göttlichen Komödie" sei, sondern, daß ein jüdischer Arzt sämtliche Werke des Schtwans vorn Arno -güschafsen habe, ist schon öfter a-ttlsgetaucht. Jetzt Veröffentlicht das „Börsenblatt für den -deutschen Büchhantdel" einen Aufruif, der diese Frage vonneuem m folgender Art ventiliert: „Aufruf an Buchdrucker, Buchhändler, Kolporteure und sontstige SpekNlattten. Es handelt sich ltnr den Bepkaltf des Verlagsrechts in deutscher Sprache über ein Buch. Dasselbe enthält das A-llerisensationellste, das es übeohäupt jetmals autf der Welt gegeben, tund zwar, däß sämtliche Weöke- Dante dllgjhieris von einem jüdischen Arzt ChaSdai Cresios im 16. Jahrhundert verfaßt nll-d Dante unterschobenwurden. Ter Berfasser berveist ife-uie Behaliptu-ug mit mehr als 100 llnumstöblichen -Beweisen. Der Verleger kann in isehr kurzer Zeit nc eh re re httliderttansend Mark an diesem Buch verdienen. Ansr-agelt sind zu richten au D. Cleiner irr Zürich." — Wer weiß, ob's wahr ist! KREB5dP0THEKE 5. niTTELDdCn Soda-paMn Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 (Palais Sina) im Zentrum der Stadt. ♦ Pr«is pro Sehaohtel 60 Heller. Dieselben sind für Personen, , welche an Magenbeschwerden, Uebelkeiten, Sodbrennen, Aufstossen etc. leiden, unentbehrlich.