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Nationalzeitung · 1906-08-14 · Heft 59 (14.8.1906) · p. [Seite]

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 59 (14.8.1906)
Date
1906-08-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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MtiMlzeitN Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentum einer Sozietät. — Herausgeber und Chefredakteur: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: 2. vanneberg, M. vukes Nachfolger, Haasenftein L Vogler. Nudolf Masse, M. pozsonni, Ä. Schale! in Wien ferner alle knnoncen-Expeditionen im Auslände. Einzel-Nummer in Wien 15 Heller. Verschleißstellen unseres Blattes» in welchen auch Abonnements entcie§engenormnen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II. Große Schiffgässe 7; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Administration: Telephon AbonnementS-Preis: ftitr Wien u. Oesterreich- Ungarn s. Frankozusttllung: Ganzjährig. . . . K 12.- tdlfijäfidfl . . . . K «— ierteljährig . . . K 3.— stiür das gesamte SlnSl d Ganzjährig . . . K 15.12 IX/i, WasLgasts 31. Nr. 14723. Preis der Anzeigen: Diesmal gefpalt. Nonpareillezeile oder deren Raum IL d. „Eingesendet" dieSspaltige Nonpareillezeile 50 Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. Kvdaktivn: IX/1, Wasagaste 31. Telephon Nr. 14723. Sprechstunden r An Wochentagen von 10 613 12 lll,r vorm. Postadresse: „Nationalzeitung" Wie». IXjl. Serelnveräe« wegen verspätcier oder gar nickt erfolgter Zustellung erbitten wir uns drinoend. — Ittaituskriplc werten nicht z«rüct(fi«tem. Postsparkassen-Konto 47037. In daS Abonnement kann man täglich eintreten. Nr. 59 Men, Dienstag den 14. Angnst 1906 (23. Av 5666). VLIL. Jahrgang. Strengere Handhahnng der Ginwandernngsgesetze. (Von unft-rem Spezialkorrefpoudenten.) L o n d o n, 10. August. Im vorgang-eiimi Winter halt die englische Presse Klage! Drrrüber geführt, daß die- Alien Bill durch diie, Ei-uwanderungsgesche ganz gegen D'en, Stitn imiD Die Absichten tvei-felfiert allzu hart ausgeführt werden. Tie Sache kam damals auch. ini Parlamente znr Sprache', worauf der Minister des Innern die Ein - wan-Derun gsbehörde anwies. im Sinne dos Gesetzes alle wegen politischer oder religiöser Verfolgung ans ihrer Heimat Entfloheuen zur Landung in England zuzulassen und das Gesetz überhaupt humaner znr Anwendung z>u bringen. Diese mimsterielle Zurechttveisung hat auch genützt, Imin es' «gab mehrere Monate hindurch kaum eineir AnAiß zur Klage. Dies hat jedoch die Fremden feinde n icht ruhen lassen«. Im Juni dieses Jahres hat nun die sogenannte ChurüMomy, diie Führerin der fremdenfeiUdp lichen, Bewelgun.g, wieder einmat eine Deputativin« an den! Alin-ister beS» Innern entsendet, uni! Klage zu ftihven« gegen die Uoberftutung gewisser Hadels- und Gelverbezweige 'durch die eimgelvaudevten. „Fremden!" (lies: Juden). Bei dem Empfange dieser Deputation unter! Führ.un'g des Sekretärs C a r l y l e war auch der jüdische Unterm inister« Mr. Herbert Sani u e l anwesend. Gewissermaßen als Ant- Feuilleton. Zellenantisemitismus. Bon Eduard Goldücck i. d. B. Z. Wenn ich Nlicht irre, ist Teutjchlaud in der Welt allen, voran. In« welcher Beziehung? Schlechtweg in jeder, woroeu die Nichts-als- Tentolnen! antworten; vor allem aber Ivohl auf die herrlichen! Ctzam-kt-eveiglellschMten' unseres Volkes himoeiseu', die wir. ja stets als berühmt lind envieseir au>u>ehmen«. Sec tische Kultur, das ist dev Besitz, dessen' tvir uns mit frohem! Stolz als das Volk der Dichter« und Denker rühmen. Wer aus guter« Quelle erfahren will, wie es uni! diesen« Schatz bestellt ist, der möge sich, statt in der Großstadt „Stein« unter Steinen" zu sein, aus M.eev begeben, nur dort, wie der alte Nanschebart, „zu traschen uu«' zu streiken den« na rben reichen. Leib " und, was uns Modernen! nötiger ist, die Seele einmal wieder gesund zu badeu. Natürlich wählten« lvirein Bad, in. dem der uns un.entbehitiche Komfort der Neuzeit zu haben ist, und am Morgen nach der Neise betreten wir schon frohgemut die Baidlezelle, mir uns in. den rmmugänglichou Urzustand zu« versetzeu. « wort aus diese Beschwerde kamen dain-ndie nmssen'hasten Zurückweisung'en' jüdischer Einwanderer im Monat Juli dieses Jahres. Trotzdem Die meisten der Znrückgew'iesenien im Besitze der vorschriftsmäßigen! 5 Pfunde Sterling in« barem, waren, ans Pogwmgegendeni kamen und überdies' junge, kräftige! Handwerker waren., wurdensie aus purer Willkür d'es betreffenden Beaniien' zur Nepmtiemnig, verurteilt. Die Fälle waren so kraß, daß die liberale Presse sich ihrer bemächtigte, und der jüdische Deputierte Maurice Lev y vorige Woche sich veranlaßt sah!, an den Minister des Innern die Frage zu richten, ob ihm bekannt sei, daß Einwanderer, w>elch«e lr>egen! religiöser itfntbpolitisch«er Verfolgungen« A'ußtand verlassen mußten, in« letzter Zeit im Londoner Hafen, zur Lan'dung n«icht zugelassen« wurden; ob der Minister in. der Lage sei, zu .erklären', weshalb z. B. die Einwanderer Moses E i n g a r n, Salman W e i n, Süße S ü ß ma n n, Rolsel S e d - l i tz k y, Isaak L e w i n, Sarah Kom - m i s s a r, Jakob T r u s und Jakob P'. ollak nicht hereingelasfeni wurden, öbgl«e«ich sie 6 Pfund! Sterling vorwiesen. Der Interpellant fragt ferner', wer« der Einwanderungsbeamte gewesen ist, der di;e Zrrrückweisnng verfi'rgt hat, und' ob der Min:iste«r geneigt ist, dafür zu sorgen, d«aß die Cimvanderungsgesetze im SiiNire des Parlamentes, welches diese! Ge;ehe geschaffen! hat, gehandhabt werde li! Die Antwort, welche der Munster des Jn-- Wühreud' ich im> behaglichen Vorgenuß des Verjüirgungsaktes die Kleider ablege, iällt mein Blick aus die Wände des engen Gemaches und ich« ewkemre mit Schaudern-, daß sich i)ni schon viele vor mir in ciucjn Urzustand versetzt Haben, mu dessen lliepvoDnkliou ich sie nicht zu beireideu, varnmg. Es ist, als ob eiw wühlendes Bceer den gauzen Schlamm der tiefsieu Tiefe an das Ufer geschleudert hätte. Ich zwinge mich dazu., den Unrat zu du«rchstöbern. Nichts a«ls Beschimpfmigen« der Juden«, dumme und rohe, neidische und zotige Beschünpfmigen. Nta«nifestation«en Der Volksseele, unbediilgt! Aber Acanifestatioiien, die uns deutlich zeigen, wir' sehr diese Volksseele« noch der Wutierung bedarf. Wir nmssen von Elemeueeau' de«»! Acut lernen, diese Wahrheite«u, so unerfmrckich sie a«uch sind-, auszusprechen. Es' tvbt sich in« den Zellen einMllisemitismns aus, der eine erstannliche Niedrigkeit! und Dummheit zugleich offenbart. Seine« Motive sind nur selten z>n erkennen, da sich die« Autoren fast immer aus Pöbeleieu« beschräu«ken. Der Jude ist nach ihrer Ansicht körperlich und seelisch un'rein«, er bereichert sich aus unsere Kosten; er« verführt unsere Mädchen. Dias sind die Vorwürfe, -die imimer w-ieDerkeh'ven, zum Teil in läppischer, zum« Teil in geradezu j nern G l a d st o ne hierauf erteilte, lautet folgen«d.e'rmaßena Daß Einwanderer, welche wegen politischer und rcligiöser Verfolgung ihre Heimlat verließen> nicht in Engtand hweingelassen wurden, i«st mir nicht bekannt. Die namentlich« angeführten fremden Einwanderer wurden deshalb zuirückgewiesen, lvcil weder die Eiirwanderungsbeamten, noch der Board of Jimnigeation darüber b'eru«higt we«rden konnten, daß die betreffenden, Einwanderer über hinroichmde Mittel verfügen, um sich, hier^ anständig erhalten zu kön,nen. Ich nmsz hier ivieD-erholen«, Daß -d i e V o t: w e i« s u« ,n. g n o n 5 P f u n d Ster l i ng, o d e r e t m a » D a r ü b e r, n och k e i n e n h i n r e i ch e n d e n« B e - weis bietet b n f ü r, D a ß d «e r V o rw e i s e -u a u ch i m st a n d e i h, s i ch a n - st ä n d i g z u e r h a l t e n. Die Feststellung — dessen, ob die vorgewieseae Summe auch wirklich Eigentum d>es Einwanderers ist, ist ausschließlich Sache des Ei n?v ander u n g sb e a m t e n u n« d d^ e s B o a r d o f I« m m ig r a t i o n. Ich mnß hierbei betonen, Daß die Zeitnngsnachrichten, ans welche die Interpellation« offene bar gegründet wurde, es unterlassen, a«uch die Rrchevchen des Einwandernngsamtes in den inkriminierten' Fällen bekanntzugeben', weshalb vible« ihrer Angaben, auch, unrichtig sind'. Im übrigen wurde nrehraven von den an'geführtea EiMvanderern zmn Schlüsse die Landung dennoch gestattet. Die Namen« der Beamten, bestialisch«e.'r! Fovm>, die uns mahnt, de«n russischen Pöbel, der in, Bialyslok mordet und raubt, nicht allzu verächtlich als Naubtiere zu behanidelnr Mit Worten« geschieht in. unserem lieben, angeblich so hoch kultivierten! Vaierlande alles, lvas dort in der Tat geschieht. Gewiß, das ist ein Unterschied. Aber bk Gesinnung ist dieselbe. Es ließe sich dri-rch eine gediegene kopvologische Uebersicht leicht dartun, midosseu ziehe ich es vor:, vie Leser mit diesem Auszug ans den« Bekc-untlüssen schöner Seelen zu verschonen. Reich ekelt zweierlei besonders an: das rmästhetische und nnpolitische Element in dicsen Ergüssen« des Hasses. Ich kann den, Haß be- . greisen; .er ist ein. mächtiges Agens, er kann sich ZU! imponierender Größe erheben,, und, ich möchte Hägens Gestalt, Bismarcks Wort: „Ich habe lviedev die. ganze.Nacht gehaßt" nicht ln, der Geschichte und Dichtung unseres Volkes vermissen. Aber Dieser Haß, der im Schmutz lvat'et und. in Geilheit lvühll, ist eine unisagbar lvi dri g e E r schein un.g . Daß jemand sich gegen, die Jn'deln« lvendet, den „jüdischen. Geist" bekämpft, verstehe ich sehr wohl!; ein solches Handeln kann« du«rchaus edlen. Motiven ent springen«, lvenn es auch nicht gerade aus historisches Verständnis, Gerechtig- Die nächste Nummer erscheint Freitag den 17. Angnst. -m.

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