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Neue Nationalzeitung · 1912-09-27 · Heft 19 (27.9.1912) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 19 (27.9.1912)
Date
1912-09-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WKiONftL-ZBCüNG XIV. JAHRGANG. WIEN, 27. September 1912. Die Schönfärberei der ICA. Nr. 19. Der letzte Jahresbericht der ICA beschäftigt sich, wie alljährlich, auch besonders mit Galizien, mit all' den Aufwendungen, die für Galizien gemacht wurden, und den Instituten pädagogischer und finanzieller Natur, die im Interesse der jüdischen Massen in Galizien erhalten werden. Und da fällt eines höchst merkwürdig auf. Während die früheren Berichte regelmäßig in trockener Form unter Zugrundelegung von Ziffern die Tätigkeit der ICA in Galizien zu schildern pflegten, ist der letzte Jahresbericht ganz subjektiv gehalten. Er beschäftigt sich mit der allgemeinen Lage der galizischen Juden und beweist, daß auch eine Millionenstiftung sehr schlecht informiert sein kann. „Es wäre zu bemerken" — lesen wir auf Seite 285 — „daß sich die allgemeine Lage der Juden in Galizien, wenn sie auch noch nicht ganz befriedigend ist, dennoch in den letzten Jahren nicht verschlimmert hat. Die jungen Leute, die, jedes Jahr in größerer Zahl, die Schulen verlassen, finden genug dotierte Stellen und die Bemühungen verschiedener Vereine kommen, wenigstens in gewisser Beziehung, der armen Bevölkerung zu Hilfe. Vor zwei Jahren sah man mit bangen Sorgen den Folgen entgegen, die durch das neue Schankgesetz eine große Anzahl jüdischer Schanker um ihr Brod zu bringen drohten. Dieses Gesetz ist am 1. Jänner 1911 in Kraft getreten und man kann konstatieren, daß sichdie Folgen keineswegs fühlbarmachen, denn siesind weitaus weniger empfindlich, als man befürchtet hat. Einerseits hat ein beträchtlicher Teil der Schanker eine Lizenz erhalten, anderseits, da sie schon früher neben dem Ausschänke auch anderen Berufen nachgingen, haben sie ihr Leben dadurch fristen können, indem sie auch jetzt im Kleinhandel oder in der Landwirtschaft und dergl. tätig waren." Das alles wäre ja sehr schön, wenn es wahr Wäre. Es ist aber nicht wahr, daß sich die Lage der galizischen Juden in den letzten Jahren nicht verschlimmert hat; es ist nicht wahr, daß die Folgen des Schankgesetzes hinter den Befürchtungen zurückgeblieben sind. Die Pariser Herren der ICA sind aber eben sehr schlecht informiert: von einer Seite, die die galizischen Verhältnisse entweder gar nicht kennt oder sie absichtlich günstiger darstellt. Warum studieren die Pariser Herren nicht einmal die galizische Eraig r a t i o n s s t a t i s t i k? Da würden sie ja gleich die Zunahme des Pauperismus erkenne», Warum interessieren sie sich denn gar nicht für die Statistik der jüdischen Bankerotte, die den Zusammenbruch des jüdischen Handeisstandes nachweist? Warum macht denn Niemand eine Statistik der Taubstummen und Blinden innerhalb der jüdischen Bevölkerung Galiziens, um diesem schrecklichen Wahrzeichen der jüdischen Massendegenerierung an den Leib zu gehen? Für Rußland haben die Herren der ICA Hunderttausende Rubel ausgegeben, um ein statistisches Werk zusammenzustellen! Aber wenn es sich um Galizien handelt, dann behilft man sich mit Phrasen, die der mangelhaft informierten öffentlichen Meinung des Westens Sand in die Augen streuen sollen. Sind denn die Vorschußkassen, eine Handwerkerschule und eine Ackerbauschule, deren Zöglinge im Lande gar keine Existenz finden können, wirklich alles, was die ICA mit ihren 200 Millionen Francs für ein Land mit 900.000 Juden leisten kann? Es ist ja richtig, daß die durch die Mittel politischer Korruption an die Spitze der galizischen Judenschaft gestellten Juden bei den Werken der ICA nicht mittun, oder am liebsten die ihnen zur Verfügung gestellten Fonds für eigene politische Zwecke mißbrauchen möchten! Aber darf denn darunter das arme Proletariat leiden? Wenn Baron Hirsch seine Wiener Stiftungen von den galizischen Hausjuden unabhängig gemacht hat, so würde die ICA auch Mittel und Wege finden,

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