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Neue Nationalzeitung · 1910-01-07 · Heft 1 (7.1.1910) · p. Seite 11

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XII (1910)
Issue
Heft 1 (7.1.1910)
Date
1910-01-07
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 1 „Neue National-Zeitung" Seite 11 Fast scheint es so. Dann hätten ja jene recht, welche von e|nem Wahlmanöver des Herrn Nathan Löwenstein und des Landesausschusses gesprochen haben. Jetzt wäre es an der Zeit, daß die gesamte jüdische Presse Galiziens wie ein Mann für die Einberufung der Enquete eintrete und speziell die Herren jüdischen Landtagsabgeordneten auf ihre Pflichten aufmerksam mache. Wenn von jüdischer Seite diesen Leuten nicht auf die Finger geklopft wird, dann werden sie sich auch weiter „nix zu derkennen geben". Die Frage der Hilfsaktion für die jüdischen Volksmassen wird besonders in den Vordergrund gedrängt durch die zwischen dem Landesausschusse für Galizien und der Niederösterreichisehen Eskompte-Gesellschaft seit einiger Zeit geführten Verhandlungen wegen der Gründung einer neuen Bank, die sich hauptsächlich mit der Förderung der Industrie in Galizien befassen soll. Das zu gründende Institut wird insofern eine exzeptionelle Position haben, als es eine Art Kompagnieunternehmen des Landes Galizien selbst und der Niederösterreichischen Eskompte-Gesellschaft sein wird. Die Bank soll die Firma führen „Industriebank für das Königreich Galizien und Lodomerien samt dem Großherzogtuin Krakau". Ihr Hauptzweck soll es sein, industrielle Kredite zu erteilen oder sich direkt an d e r G r ü n d u n g u n d F ö r d e r u n g von Industrieunternehmungen zu beteiligen. Durch diese Industriebank wären also auch die Mittel gegeben, den Unternehmungsgeist unter den jüdischen Gewerbetreibenden zu heben und dieselben zu industriellen Assoziationen zu veranlassen. Aber die „jüdischen" Abgeordneten denken lieber an ihre eigenen Geschäfte. GEMEiNU5=uwö VSRGiNSNfllftRiCBtW Wien, 3. Jänner. (Die „Oester reichisch- Israel itische Unio n") eröffnet ihren diesjährigen Vortrags-Cyclus am Samstag den 8. d. M., präzise halb 8 Uhr abends, im großen Saale des „Hotel Guth", II. Stephaniestraße 14, mit einem Vortrage des Vereinsmitgliedes Herrn S. Brod über „Drei Mittel zurEinschränkung derAbfallbewegungu. An den Vortrag schließt sich eine Diskussion. Wien. (J ü d i s c h - L i t e r a r i s c h e r A b e n d.) Der Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl" veranstaltet Sonntag den 23. Jänner 1910 einen großen literarischen Abend im Kursalon (Stadtpark), an dem Martin Buber, Jakob Wassermann und eine bekannte Wiener Künstlerkraft mitwirken werden. Die Veranstaltung ist als einleitender Abend zu einem Zyklus ähnlicher Veranstaltungen gedacht, die den Zweck haben, ein Bild des gesamten jüdischen Schaffens des Ostens und Westens zu geben. Eventuelle Anfragen und Vorausbestellungen für Sitzplätze sind zu richten an die Adresse des Vereines, VIII., Alserstraße 7. Wien. Im alten Tempelgeb iiude des israelitischen Tempelvereines für die Bezirke Wieden und Margarethen, V., Margarethenstraße 73, finden in den Monaten Dezember 1909 und Jänner 1910 allwöchentlich Freitag abends, 1/iö Uhr, und Samstag vormittags, 1li9 Uhr, Gastvorträge von Kantoren statt. Wien- (Generalversammlung des „B r i g i 11 e n a u e r Temp elvereine s".) Mittwoch den 15. v. M. fand unter großer Beteiligung in dem Saale der Restauration Hermann Kohn die Generalversammlung des Brigittenauer israelitischen Tempelvereines statt. Nach Begrüßung der Ehrengäste — es erschienen: Herr Kultusvorsteher Schramekin Vertretung des Kultusvorstandes, Präsidentin Frau Dr. Weiß und Vizepräsidentin Frau Dr. Kohn mit mehreren Vorstandsdamen des Bezirks-Frauenvereines, der Herausgeber der „Neuen Nat.-Zeitung" Dr. S. R. Landau: u. s. w. — gedachte der Vorsitzende Herr Hermann Ellbogen der im abgelaufenen Vereinsjahre dahingegangenen Gönner und Mitglieder des Vereines; sohin überging er zum Jahresberichte. Er meinte, daß über die Entwicklung des Vereines und dessen Veranstaltungen nur Günstiges zu sagen sei. Insbesondere gelte dies von der Vereinsbibelschule, welche derzeit von zirka 250 Schülern in acht Abteilungen besucht werde und deren Unterrichtserfolge als sehr befriedigende bezeichnet werden müssen. Er spricht den Dank aus denjenigen Persönlichkeiten, denen neben der Tätigkeit der Lehrkräfte in erster Linie das Aufblühen der Schule als Verdienst anzurechnen sei, den Herren Josef Kohn und Jakob Kohn, sowie dem Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Herrn Dr. Gustav Kohn. Der Redner weist auf die großen Unterschiede in der Behandlung des Gottesdienstes in Wien und in anderen Großstädten, zum Beispiel Berlin, hin. Während die Kultusrepräsentanten unserer Gemeinde — eine der größten, ja vielleicht die größte des Kontinents — die Lasten dieser Aktion hauptsächlich den affiliierten Tempel vereinen aufbürde, diesen aber — erzwungenermaßen — nur ganz ungenügende Subventionen einräume (heuer im Gesamtbetrage von zirka tiO.OOO bis 70.000 K>, habe die Berliner Repräsentanz im Jahre 1907 14 temporäre Betveranstaltungen mit rund 14.000 Plätzen und einem Aufwände von mehr als 100.000 Mk. geschaffen. Die Vorstehung unserer Kultusgemeinde vergesse immer wieder, daß die Tempelvereine freiwillige Mitarbeiter an den Zielen der Gemeindeverwaltung sind und freiwillig Lasten auf sich nehmen, welche andernfalls und in erhöhtem Maße die Kultusgemeinde selbst treffen würden. Zur Verteidigung des Kultusvorstandes ergreift das Wort Herr Vorsteher S c h r a m e k, welcher die Ausführungen des Vorsitzenden zu widerlegen sucht. Nach einer kurzen Debatte folgen die Wahlen, welche die Wiederwahl der aus dem Vorstande scheidenden Herren Jakob Kohn, Heinrich N e uhaus und Heinrich W e i n e r sowie die Neuwahl des Herrn Rudolf A h 1 ergaben. Wi*>u, (Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kult u r.) Donnerstag, den 13. J ä nn e r 1910, p r ä z i s e h a 1 b U h r aben d s, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, 1. Eschenbachgasse Nr. 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Annin A b e 1 e s statt. Thema: „Das volkstümliche Vortragswesen im Judentum.* Eintritt frei, ohne Karten. $US fllLCN WEIXCCiLEN Jüdische Geschäftsreisende in Russland. Die Bukowinaer Handels- und Gevverbekammer teilt mit, daß während bisher die österreichischen und ungarischen Fabrikanten, Kaufleute, Gewerbetreibenden und deren Reisende jüdischer Konfession, welche noch nicht mit den nach Artikel 12 des Handels- und Schiff fahrtsvertrages vom 15. Februar 1906 erforderlichen russischen Gewerbescheinen versehen waren, in Rostow am Don zuerst die spezielle Bewilligung des dortigen Gouverneurs benötigten, um daselbst den Gewerbeschein lösen zu können, nach einem Berichte des k. u. k. Vizekonsulates in Rostow am Don jetzt der Gouverneur der Rostower Stadtverwaltung aufgetragen hat, solche Handelsdokumente den Bewerbern, welche nach Rostow am Don kommen, um im Gebiete der Stadthauptmannschaft Handelsgeschäften nachzugehen, ohneweiters auszufolgen. Die Abschatfang des Ansiedelungs-Rayons Die jüdischen Duma-Abgeordneten Nisselowitsch und Friedmann haben einen in der Reichsduma einzubringenden Gesetzentwurf wegen Abschaffung der jüdischen Wohnrechtsbeschränkungen ausgearbeitet. Der Entwurf ist bereits von den Kadetten sowie von mehreren progressiven und 23 oktobristischen Abgeordneten unterzeichnet worden. Er soll von 150 Abgeordneten unterschrieben werden, bevor er in der Duma eingebracht wird. Die Aussichten dieses Gesetzesprojektes sind nicht ungünstig, da es nicht unwahrscheinlich ist, daß es die Zustimmung der Dumamajorität erhält. Es gilt als sicher, daß auch ein großer Teil der Oktobristen dafür stimmen wird. Unter den Unterzeichnern des Entwurfes befinden sich auch

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