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Neue Nationalzeitung · 1908-05-01 · Heft 18 (1.5.1908) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
X (1908)
Issue
Heft 18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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N6US X. JAHRGANG. WIEN, 1. MAI 1908. N*. 18. \Jon einer X/QfotM J§chandpFesse. KiiuT publizistischen Pflicht entsprechend, habe ich in der vorigen Nummer festgestellt, dass sowohl die „Zeit" als auch die „Arbeiterzeitung" die Rede des Obmannes des jüdischen Klubs, Doktor S t r aii c h e r, unterschlagen haben. Bei anderen Gelegenheiten habe ich fest genagelt, dass sich die „Zeit" in den Dienst der ungarischen Klerikalen und der a n t i s e m i t i sehen A 11 p o 1 e n gestellt hat; von der „Arbeiterzeitung" habe ich im Laufe der letzten ro Jahre meiner publizistischen Tätigkeit stets behauptet und bewiesen, dass ihre jüdischen Redakteure, so traurig dies auch klingen mag, einen antisemitischen Geist in das christliche Arbeiter-Proletariat hineintragen, um auf diese Weise die Aufmerksamkeit von ihrer eigenen verhetzenden Tätigkeit abzulenken. Hat doch Herr Abgeordneter Schumeier eiiynal erklärt: „Müssen wir denn a n t i s e m i t e 1 n. weil in der „Arbeiterzeitung" Juden sitzen!" Es ist bekannt, dass die „Zeit" mit jüdisehern Ge 1 d e ge g r ünd e t wu r d c, dass zu ihren Gründern Herr Salo Cohn. Ober r a b b i n e r Dok tor G ü d e m a n n, Dr. Adolf G a 11 i a und Prof. P r i bram bedeutende Beträge beigesteuert haben, dass sie jetzt, wo sie von einem Tag'auf den anderen ein Scheinleben fortführt und Ultimo keine Gagen auszuzahlen hat, nur den Unterstützungen der Herren Isidor M autner und \Y. Riedl ihr Dahinvegetieren verdankt. Trotzdem vermeidet es die ..Zeit", sich in einer jüdischen Angelegenheit zu exponieren, oder trotz der wiederholt sich darbietenden Gelegenheiten, wie beispielsweise anlässlich der Resolution Schmid, für die gefährdeten Rechte der jüdischen Bevölkerung einzutreten. Dagegen wird keine Gelegenheit übersehen, sich den Christlichsozialen und den Deutschnationalen anzubiedern, als ob der Geburtsort des Herrn Dr. Ka nn er nicht in Botuschani und seine Zuständigkeitsgemeinde nicht Stanislau, sondern Eger oder Reichenberg wären. Die Rede, welche Abgeordneter Professor R c d 1 i c h, einer der Hauptaktionäre der „Zeit" jüngst für das Arbeitsministerium Gessmaim gehalten hat, beweist, welche Richtung die „Zeit" eingeschlagen hat, um wenn sie nicht mehr existieren kann, wenigstens an den Meistbietenden verkauft zu werden. Die jüdische Oeffentlichkeit und das zahlreiche Kontingent der jüdischen Abonnenten in Galizien, die den Grundstock der „Zeit" bilden, auf dieses Treiben der Zeit aufmerksam zu machen, und sie gleichzeitig zu warnen, habe ich für meine Pflicht gehalten. Wenn es nun einmal in Oesterreich schon so traurig ist, dass die Million jüdischer Bevölkerung in'Oesterreich, trotz der zu ihr gehörigen Barone, Herrcnhausmitglieder, Millionäre und Bankpräsidenten, es nicht einmal auf ein jüdisches Tagblatt in ganz Oesterreich gebracht hat, so muss wenigstens verhütet werden, dass ein Blatt, welches sich prostituiert, mit jüdischen Mitteln erhalten werde, bloss deswegen, weil es bei seiner Gründung von einer 'moralischen Wiedergeburt der Presse phantasiert hat. Die „Zeit" und die „Arbeiterzeitung" können mir selbstverständlich deswegen nicht gut sein, und >ie sinnen längst nach Rache. Die bisher vermisste Gelegenheit hat sich nun endlich gefunden. Ich habe einen Konzipienten, namens Dr. Philip Eisenstein, der mir monatelang die Türen eingerannt hat. endlich aus Mitleid aufgenommen. Ich habe diesem Herrn, da er minder begabt war. nach viermonatlicher Verwendung gekündigt, worauf er mich gebeten hat, ihn wenigstens weiter in die Kandidatenliste der Advokaten eingetragen zu lassen. Er wolle mir hiefür vormittags Tagsatzungen verrichten. Ich habe es jedoch abgelehnt, mich 'umsonst bedienen zu lassen und zahlte dem Herrn Dr. Eisenstein ein Honorar für den Vormittag. Nach e inigen Monaten stellten sich jedoch anlässlich einer Verrechnung -i)ifferenzen heraus, worauf ich dem Konzipienten kündigte. Doch habe ich mich inzwischen veranlasst gesehen, mit Rücksicht auf das eigentümliche Verhalten des Dr. Eisenstein mir ge-

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