Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1923-1924) Neue Folge
- Issue
- 9 (7.1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2425321-2425322-2425330--1400-2425665- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Frage: Was führt zur Gründung und Entwicklung einer Stadt? 1. Der'Verkehr. Das Kochertal stellt in seiner Qewundehheit aber höchst ungünstige Gelegenheit für eine Straße dar und so kommt es, daß die Straße nie eine Rolle im internationalen Handelsverkehr, gespielt hat. Für die Entwicklung unserer Stadt ist dies von großer Bedeutung. Sie ist verkehrsgeographisch höchst ungünstig gelegen und mußte dafür büßen. Bis heute ist dieser Teil des Kochertales noch von einer Eisenbahn verschont geblieben. 2. Politische Motive. , Die Stadtgründungen waren ein Stück staufischer Politik, die aus fiskalischen Gründen mit allem Nachdruck geübt wurde. Die staufische Stadtpolitik wurde von den Herrengeschlechtern, in unserer Gegend den Fürsten von Hohenlohe nachgeahmt. Oft tat man des Guten zuviel 1 Und so entstanden Städtehäufungen wie hier im Kochertal, wo sich 5 Städte im Abstand von je 5 km folgen. Es wird am Beispiel von Forchtenberg klar, wie sehr die Konkurrenz der Nachbarstädte unserer Stadt in ihrer Entwicklung geschadet hat. Von Gewinn kann die politische Stellung einer Stadt werden, wenn sie als freie Reichsstadt Träger des internationalen Handels war. Hier fällt jede politische Bevorzugung fort, Forchtenberg ist Produkt einer Fürstenlaune und muß noch heute darunter leiden. 3. Die Lage der Stadt. Die Spornlage ist natürlichermaßen -sehr ungünstig für die Entwicklung einer Stadt. Und gerade in Forchtenberg, wo der Abhang bis zur Kante jäh emporsteigt, wäre eine Ausbreitung der Stadt mit keinen Mitteln möglich gewesen, es sei denn auf der anderen Seite des Flusses. Es ist leicht verständlich, warum man dazu in dem fehdereichen Mittelalter nicht gekommen ist. 4. Der Markt „Jede Stadt ist aus einem Markt entstanden, der Markt wurde entweder vom König selbst gegründet, oder wird an einen Marktherrn, eine geistliche oder weltliche Grundherrschaft verliehen" (Gradmann). Wesentlich für die Gründung des Marktes ist die Anlehnung an eine Burg, von der in Forchtenberg noch die gewaltige Ruine steht — und die Lage im Tal. Im Tal laufen alle Verkehrswege zusammen. Der Bauer fährt mit dem beladenen Fuhrwerk lieber bergab. Günstig ist die Flußlage auch, wenn Schiffsverkehr vorhanden ist, was hier wegfällt, ebenso Lage an einer Brücke. Die Brücke in Forchtenberg ist uralt. Ihre Steinpfeiler gehen zurück auf die Siadtgründung im 13. Jahrhundert. Wichtige Verkehrsbedeutung jedoch hat und hatte die Brücke nicht. Die Hauptstraße setzt bei Forchtenberg nicht über den Fluß. Ganz unabhängig von der Tatsache der Gründung ist die Frage der Entwicklung des Marktes. Wesentlich ist hier Größe und Bedeutung des Hinterlandes. Hier ist Forchtenberg sehr unglücklich gestellt. Die Konkurrenz der benachbarten Städte im Tal, die spärliche Besiedlung oben auf der Ebene in dieser Gegend, die geringe Bedeutung des Tales als Verkehrsader, alles wirkt zusammen und entschied das Schicksal des Marktes und damit der Stadt. 141