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Blau-Weiss-Blätter · 1924-07-01 · 9 (7.1924) · page 12

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1923-1924) Neue Folge
Issue
9 (7.1924)
Date
1924-07-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Die Stadt Forchtenberg. Wir liegen genau gegenüber der Stadt Forchtenberg. Forchtenberg hat gegen 700 Einwohner, also soviel wie ein mittelgroßes Dorf. Dennoch ist es Stadt. Wir gehen zusammen den Lebensgesetzen Forchtenbergs nach. Von der Höhe aus überblicken wir gut das Städtchen. Maßgebend für uns sind nur Dinge, die wir sehen können. - Frage: Woran erkennen wir, daß Forchtenberg Stadt ist? Aus dem Wirrsal der Antworten werden folgende Hauptpunkte klar: 1. Die geschlossene Bauweise. Der Mauerring wird von Häusern gebildet, die im späten Mittelalter an die Stadtmauer angebaut wurden. Die Straßen sind eng, die Häuser aneinandergebaut, mit hohen spitzen Giebeln gegen die Straße (jeder will seinen Platz an der Hauptstraße; deshalb immer die Schmalseite gegen die Straße). Jeder Platz ist aufs höchste ausgenützt, nirgends ist Platz für einen Bau, geschweige für einen Garten. 2. Der feste Plan. Die Talstraße durchzieht die Stadt. Da, wo sie sich mit der Straße kreuzt, die von der Brücke über die Kirche an der Burg vorbei die Höhe gewinnt, ist sie am breitesten. Dort lag der Marktplatz. Hier stehen noch heute die Wirtshäuser, Kaufläden und das Rathaus. Der feste Plan, der im Kern fast jeder Stadt zu erkennen ist, ist ein grundlegender Beweis dafür, daß Städte meist planmäßig angelegt wurden und nicht aus Dörfern entstanden sind. Da alles Ackerland jenseits des Kocher liegt, muß die Brücke im ursprünglichen Plane bereits enthalten gewesen sein. 3. Die topograpliische Lage. Die Stadt liegt auf einem Sporn, einer spitzwinkeligen Landzunge, die gebildet wird durch das Eimünden der Kupfer in den Kocher, Spornlage ist sehr häufig und typisch für Städte, da sie sehr günstige Verteidigung bietet. Die zugängliche Landseite ist abgeschlossen durch die Burg. Der Fluß streift hier hart am Abhang vorbei, die Stadt ist den steilen Hang des Wellenkalkes hinaufgebaut, gekrönt von der Burg. Diese Lage ist ebenso günstig zur Verteidigung wie ungünstig für Landwirtschaft. Eine Stadt in solcher Lage kann nie aus einem Dorf entstehen. 4. Die soziale Schichtung der Bevölkerung. Die Bewohner gehören großenteils dem Kleinbürgertum an. Eine kleine Oberschicht, Arzt, Apotheker, Kaufmann usw., ein hoher Prozentsatz von Handwerkern, und verhältnismäßig wenig Bauern, die sich von Landwirtschaft ausschließlich nähren, ein überaus hoher Prozentsatz von Arbeitern, Saisonarbeitern, viele Arbeiter benachbarter Fabriken, die das billige Wohnen in den alten Quartieren der Stadt ausnützen. Viele besitzen noch einen Weinberg über dem Fluß oder eine kleine Wiese im Tal. 140

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