Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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den. Seit er krank ist, hältst Du ihn gefangen." „Ich weiß, daß Du mir immer Feind warst, Joab; Du bist ungerecht. David braucht Ruhe." „Ruhe? Ich bin besser bedient, als Du denkst, noch weiß ich, was im Palast vorgeht!" „Du setzt mich in Erstaunen. David ist ein Greis, seine Kräfte schwinden, jeder Laut kann ihm schaden. Man pflegt ihn, tut alles, das kostbare Leben zu wahren. Ist das verdächtig?" „Seit jener Ohnmacht, die den König niederwarf, ist niemand mehr zu ihm gekommen, der Dir nicht paßte und Deinem Klüngel. Nicht einmal seine Söhne; Adonijah . . „Ist wild und laut . . ." „Reize mich nicht und schweige! Du lauerst auf des Königs Tod und sorgst, daß niemand Deinen Einfluß stört. Adonijah ist kein gefügiges Werkzeug in Deiner Hand," der jüngste, der schwächste der Prinzen soll die Krone . . .*" „So ist des Königs Wille." „Schweig*! Ich rate Dir schweig*! Noch spiele ich, Priester. — Ich sage, David weiß, was Du planst und sucht, das Reich zu sichern. Er ruft nach seinen Räten, aber die sind fern von ihm; nach seinen Kriegern, die mit ihm den Staat schmiedeten, aber man läßt sie nicht an sein Lager. Ja, Nathan,' ich habe Grund, dafür zu sorgen, daß unser Werk nicht zu Schanden werde unter weichlichen Priestern und flaumhaarigen Knaben!" Nathan überlegte, er suchte immer noch, den Bruch zu meiden: „Niemand bestreitet Dein Verdienst, und ich beuge mich dem Gewicht Deiner Taten. Wir wollen das Beste, beide; auf verschiedenen Wegen. Dein Weg ist nicht der rechte, Joab. Du kennst Adonijah nicht, der nach Deinem Willen einst auf Davids Stuhle sitzen soll. Er ist ein Krieger: furchtlos und fürchterlich im Streit. Aber er ist nicht weise. Ehrgeizig ist er und ruhelos; das Blut des Volkes scheint ihm billig. Er richtet seine Augen auf Aegypten, Gosen nennt er verlorenes Erbgut unseres Volkes. Ihn blendet die Krone der Pharaonen." „Besser im Kampfe fallen, als in Weichlichkeit und Ohnmacht ersticken!" „Kennst Du Salomo? Er ist ein Knabe, aber er ist furchtlos und klug. Er wird über unsere Ehre wachen, aber auch über den Frieden, daß ihn kein Mutwilliger störe. Kennst Du Salomo? Er ist hold wie die Sonne, das Volk wird ihn lieben, und er wird die Menschen glücklich machen. Er war bisher in den Gemächern der Frauen, aber ich werde ihn Dir zeigen." „Das Kind der Bathseba? Ich will ihn nicht sehen, seine Geburt befleckt ihn." „Er ist fromm 21