Jüdische Weltrundschau
- Journal
- Jüdische Weltrundschau
- Volume
- 1 (1939)
- Issue
- 22 (11.8.1939)
- Date
- 1939-08-11
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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ffr. 22. 11. Vm. 193$ JÜDISCHE! WELItvmjIfOseHAÜ Seite n -r ii —» Die jüdische Wirtschaft im vierten Unruhejahr Von Hans Hirschstein (Jerusalem) Der Einfluss von drei t'nruhcj.ihren auf die wirtschaftliche Entwicklung de* Landes wäre der Schilderung wert, auch wenn der Beginn de» vierten nicht mit der Bekanntgabe de« Weißbuches MacDonalds und t.ijt einem Zeitpunkt weltpolitischer Hochspannung zusammenfiele. Natürlich kann »ich die Statistik des I-Ande* nicht mit der der grossen Staaten messen, in der man manchmal dem Elnfiu*s jede« einzelnen Faktors nachgehen kann, ober sie gibt doch genügend brauchbare Anhaltspunkte für ein Urteil, vor allem, wenn man die Erhebungen der jüdischen Stellen, der Jewish Agency und ihre» Wirtschaftlichen Untersuchungsinstitutes zur Ergänzung heranzieht Auf aiubiseaer Seite freilich ist da« statistische Material so aparlieh und «um Teil so..unklar. daM ein Vergleich mit der jüdischen oft unmöglich wird. Waa den kmdwirtachafttietum Wiederaufbau betrifft, darf da« Ergebnis der drei Unruhe jähre mit einem gewissen Stolz et füllen. April 193«, waren 1*7 landwirtschaftliche Biedlungen mit einer Bevölkerung von etwa 97.000 Beelen vorhanden. Ks Ende 1938 wurden 3« neue gegründet und dt« 233 damals vorhandenen bebauten eine Flache von rund 450.000 Dunam. nahezu 100.000 mehr als im Beginn der Unruhen; die Einwohnerschaft war auf rund 125.000 gestiegen. Auch im laufenden Jahr hat diese Aufbautätlgkeit nicht geruht und es sind, wia Ja in der „J.W.R." laufend berichtet wurde, eine ganze Reih« neuer Siedlungen errichtet worde», fast alle, wie auch der grösste Teil der alten, auf bisher gar nicht oder kaum genulltem Boden. Für den Ausscnstehcnden wird die Intensive landwirtschaftliche Tätigkeit zuerst in der Zunahme der Citrus- •xporte bemerkbar, die zwischen 1935/6 und 1938/9 von rund 6 auf 15-Millionen Kisten wuchsen; der jüdische Anteil *m Cltruaexnort ist jedoch bestenfalls um 6~~$% gewachsen,~- ein Beweis dafür, dos« das jüdische Beispiel auch auf die sonst »ehr rückständige arabische Land Wirtschaft nicht ohne Einfluss geblieben i»t. Die jüdische Citruswirtschaft ist jetzt freilich in einer schweren Krise (vgl. „JWR" Nr. 20), Charakteristisch für die arabhehe Wirtschaft sind dl* Verhältnisse auf dem Gebiet des Bodenkredit's. Im letzten Aufschwungsjahr. 1935, wurden mehr als 7 Millionen LP. neu auf Hypothek ausgeliehen. 193« ttur noch 6h Millionen. Im Jahre 1938 waren die Neuausleihungcn auf 3? MÜI. abgesunken; fast der gesamte Sturz ist eine Folge davon, dass es für den arabischen Bodenbesitz immer schwerer geworden war, Kredit« su erhalten. Aber die gleich* Statistik zeigt ~ in den Monatsergebnissen für 1939 — noch etwtfs rindere« retwa mit dem April, dem Zeltpunkt also. In dem nach dem Ende der Londoner Konferenz die Politik de» MaeDonaldschen Weissbuches klarer erkennbar wird, stürzt die Neuaualei bungssumme praktisch auf Null. Bis hier wieder Wandel geschaffen ist. wird zweifellos auch das jüdisch« Kapital sich von neuen Ausleihungen auf lange Frist und vor allem von solchen zurückhalten, denen ein so grosses politisches Risiko anhaftet wie der Hypothek. Starken Anteil an dieser bemerkenswerten Widerstandsfähigkeit gegenüber den Unruhewtrkungen hat die dauernde und ununterbrochene Einwanderung. Allerdings, zwischen 35 und 88 sinkt die Zahl der legalen Einwanderer von rund «0.000 auf rund 13.000 Seelen; in den ersten 9 Monaten 39 mögen weitere 10.000 legal in Land gekommen sein. Während aber der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Zahl noch im quantitativen bleiben konnte, weil die Hoffnung bestand, data es sich wirklich um eine „zeitweilige Massnahme" handele, wie die englische Regierung wiederholt erklärt hatte, schlägt zwischen der zweiten und dritten Ziffer die Quantität in die Qualität um.. Di« Tatsache, daas. für den Augenblick zumindest, die Einwanderung unmöglich geworden ist, wird die Kurven für 1939 aufs stärkste beeinflussen. Gewisse Vorwirkungen sind vor allem auf dem Kreditmarkte tu sehen, auch ausserhalb des Hypothekenverkehr« Denn Im Gegensatz zum üblichen Verlauf der Dinge geht Ja bei Palästina die Kapitaleinwanderung der persönlichen meist voraus. So sind die Depositen auch im laufenden Jahr noch weiter gewachsen und dürften sich z.Zt. auf rund 90 Millionen LP. belaufen, gegenüber 19.5 am Jahresende und 17 zu Beginn 1937. aber sowohl die Hypotheken-, wie die Geldumlaufsstatiatik und auch andere Anzeichen las- ' fen erkennen, das« die Ncu*n!ac« zunächst völlig Ins Stocken geraten ist. Dabei handelt e« sich um sehr er liebliche Betrage, denn man schlitzt die Kapitaleinfuhr für die letzten drei Jahre auf je rund 6 Millionen LP, die Neuinlagen im jüdischen Sektor gleichzeitig auf etwa 17 5 Millionen Pfund. Für diesen existieren im übrigen «ehr interessante Erhebungen der jüdischen Stellen, allerdings nar für 1.930 und 1937. Darnach zahlte man in der jüdischen Industrie, dem Trimport ge werbe, Handel usw. mo tm A.100 13.800 Unternehmungen mit lund 19.000 53.000 Beschäftigten. 4.3 21.14 Millionen LP. Kapital und 11,8 32.55 Millionen LP. Jahresumsatz. Dass sich die grossen Investitionen der Zwischenzeit nur zum Teil schon im tjmsatz auswirken konnten, liegt auf der Hand. Für die letzten Jahre Ist es sogar möglich, »ich über die Verteilung der Neuinvestitionen ein Bild zu machen, das noch interessanter, weil umfassender ist. Von den oben erwähnten 176 Millionen entfallen darnach etwa die Hälfte ruf Hauten, ein Viertel auf I.andwirtschnft und Bodenküufe. Ein Wort mims über die Bautätigkeit gesagt werden. E.i wurden ßnubewitligungcn erteilt für qm im (abgerundeten) Monatsdurchschnitt: Tel" Aviv Jaffa Jerumlem Haifa 1935 37.000 18.000 18.000 32.000 193« i2.0ÜO 5.000 12.000 24.000 3337 15.000 3.000 12.000 18 000 193» 13.000 1.000 7,000 8.000 Für Tel-Aviv liegen seit II Jahren auch Zahlen über dl« tatsächlich begonnenen Bauausführungen vor, die zeigen, dass sogar das Welssbuch keinen völligen Stillstand hat erreichen können, die Bautätigkeit vielmehr 19.'9 gegenüber dem Vorjahr wieder lebhafter geworden ist. Im Monatsdurchschnitt des ersten Halbjahres ist nämlich der bebaute Raum von £.000 qm im Vorjahr auf 12.000 gestiegen. Schon dlo wenigen, hier mitgeteilten Zahlen lassen zweierlei mit voller Klarheit erkennen, die Tatsache, dass sich der jüdische Sektor der palästinensischen Wirtschaft trotz der Schäden weiter entwickelt hat, die ihm die Unruhen zugefügt haben und die andere, dass solche Schäden doch in recht erheblichem Mass merkbar geworden sind, ..... wie das ju garnicht anders fein konnte. Man wird nun schliesslich dt« Frage stellen mü*»*n, wie es denn dem arabischen Sektor unter den geschilderten Verhältnissen ergangen Ist? Die Antwort darauf Ist zahlenmäßig schwer zu unterbauen, sie ist. aber trotzdem verhältnismässig einfach m geben. Dabei wird man als bekannt und bewiesen voraussetzen dürfen, da«« cie arabische Wirtschaft Palästina* von den rund einundeinhalb Jahrzehnten friedlicher Zusammenarbeit nach dem Crossen Kriege wesentliche Vorteile gehabt und sich zu einer Höhe hat aufwärts entwickeln können, wie sie in den arabischen des Mittleren Ostens nicht gerade die Regel ist. Die Unruhen haben nicht nur die Zusammenarbeit für den Augenblick unmöglich gemacht, sie haben -~ um nur'einiges zu erwähnen — den arabischen Arbeitsmarkt eines seiner wichtigsten Gebiete beraubt, denn ein erheblicher Teil der Bauarbeiter, der landwirtschaftlichen Saisonarbeiter usw. im jüdischen Sektor waren früher Araber. Ein grosser Teil des Gemüses, Obstes usw. bis zur früher fast nur In dem klimatisch besonders begünstigten Jericho gezogenen Banane wird jetzt aus jüdischen Pflanzungen bezogen und die Statistiken des Wirtschaftsinstitutes der Agency für die Eierproduktion, die Milcherzeugung und die Gemüsezufuhren aus jüdischer Hand zeigen seit dem Anfangsjahr, 1937. sehr erfreuliehe _ eigerungen. Bei der -Milch» bei der die Verhältnisse^ besonders liegen, sind es zwischen 10 und 15 pet, die Eiererzeugung ist im Monatsdurchschnitt von 3.2 über 4,0 auf Im laufenden Jahr etwa 5.5 Millionen Stück gestiegen- Am besten zeigt sich die Steigerung und Wichtigkeit der jüdischen Produktion von Gemüse. Milch. Geflügel und Früchten auf dem heimische« Markt, aber In den vom Institut errechneten WerttifTttrn: 1987 im Monatsdurchschnitt kaum 17.000 LP., waren es 1938 schon etwa 20.000 und sind jetzt 25.000 LP- "«d mehr. Fu diesen mitMhar'en Verlusten fies arabischen Sektors tind der ehmfnlb: h*relt,i '-rwähnfm Mark gesunkenen Krcditmoglü hk.-it wird tmm :i idi nofh die unmittelbaren volkswirtschaftlichen Verluste aus den „Ksmpfbeitragen" su den Terrororgfinianliorten hinzurechnen müssen, «Odas« sich irirturhnftiirh für den arabischen .Sektor eine recht passiv« Pi!anz der letzten drei Jahre ergibt, WirJschaffsinformatioDen aus Palasfka . wirl<«>»»ftUrJj(> Fors« huu-Mri-tifut d*r Jewfeh Agency für Pa-täHMn» üv:*mam.,; Ileaearch Institut«) gibt unter der Rtdik", -m von A. limine» ein Rulletin heraus, das alle zwei M;>n;U< in enzli h )u>r und hehraische» Sprache erschaut U >,:i!*>.;:ilxMinetnent 2T» Piaster. P.O.H. 704t Jerusalem». Jedes dieser Hefte bringt umfan#*r«i.:)i« statistische Tabellen über »He Aspekte fu?r fn»ia*iifienalaek0n Wirtschaft. Eine stallstl.icho Monatnibersh-ht beginnend vor» 1037 und laufend ergänzt ermöglicht »vm iuterettlrrten Leser einen sofortigen tHn-rhii U über die;-•« hwankurgen der nÄ? In,ninen«i*ch«n wirtschaftlichen Verhältnisse auf allen G*2 bieten, beginnend von der Klnwiind.'rmttf bis zu der Proeluk«' fion der Landwirtefmft <z. B. Milch und Eier), clektrisclwr Stromverbrauch, Lebcnskostenlndex. lUvfl'riin ^einnahmen und -ausgaben. Börsenkurse, Aunsentinndut. Schiffs- und Ml-' »enhnhnverkehr u«\v. Die Ttthellen hüben im ganzen 31 Kd; tonnen und sind zweifello« eine der wichtigatpn rachlielicn Ii}formations<iUcilen über Palästinn. Dim monatliche BÜMef tin enthält nusset-dom stets eine Reihe von Artikeln iiuer palästinensische Wirtschru(?*i.ro!>'i-m«-, alle ausgestattet mit .udhontNchen Ziffern und Tatsachen. Manche Auf«ätso greifen über da« rein Wirtschaftliche hinaus. So z. Ii. bringt das letzte Heft des Bulletin.', eine ausführliche Abhandlung über jüdische Kinderarbeit In Jerusalem, verfangt von Dr. Hilde Oppcnhelmer auf Grund einer vr.in V/irtschaftÄinjtltut durchgeführten Enquete ein Aufsatz, der In eine vielen" Pttlastinerunerrt unbekannte Schicht der jüdischen Bevölkerung Einblick gewahrt. Welter erwähnen wir eine« AufsaU über die ökonomische Lage der Bauernschaft In den orlen^f;' Hachen IJindern, in dem diese» für die Entwicklung des Vor? titren Orients überaus wichtige Pr,,blem unter Heranziehung von Landern wie Ägypten, Irak, Türkei, Syrien und Iran analysiert wird: Für den ernsthaften -Studenten der putästjnensif«:hen Wirtschaft innerhalb und uusaertialb Palästina« ist t.'aa Öulletia de* .Wirtschaftüinstitutcs unentbehrlich. IIANDEI.S-HEZIFJH NGEN MIT IRAN T Die vorzügliche Zeitung „f»(üe?t:nc and Middi* K**tm hat Ihrer fetzten Nummer eine Sonderheiiage über da« iie-ue Iran beigefügt. Die Beilage enthalt «dn Geleitwort des Iranischen Konsuls in Jerusalem, und «tann «in« reich bebilderte Darstellung deneuen Tran«, «einer laadariiaftlichtn Schönheiten und seines ökonomischen Aufstiegs in der neuen Epoche, ferner ein Artikel über pnlästinensiach-iraniaen« Handelsbeziehungen. Auch. sonst enthalt dies« schön Bedruckte Zeitschrift «tetfl eine ganze Reihe ausgezeichneter Beiträge über Palästinas Wirtschaft Im allgemeinen und vfirf echiedene einzelne Wirtschaftszweige, Hervorgehoben sei Iii der letzten Nummer «Ine Darstellung der Seemanns-Schulf In Haifa, ein Rückblick auf die Orangen-Saison 1938/30, hei der 15 Millionen Kisten exportiert wurden <Reihenfolge England 60%:, Holland Belgisn 7,8%). In einem anderen Beitrag (Interview mit Dr. Emst Bergmann vom Daniel Sitff Institut* in Rechowoth» wird Paläfitina als künftige« Zentrum chemUehfsr huiunlrin geschildert. Heute schon ist es ein Zentrum chemischer Forschung, die bereits bedeutende Erfolge aufzuweisen hat und diu industrielle« M«fhenkelten, die bisher nur zum kleinen Teil ausgenützt sind, können von der grü*»Un Bedeutung für Palästinas Wirtschaft i ANGLO-PALESTINE BANK LIMITED LONDON / TEL-AVTV (4 Filialen) / JArFA / JERUSALEM / HAIFA / HADAR HACARMEL / TIBERIAS / SAFED / PETAH-TIKVAH / HEDERA / REHOVOTH TOCHTERGESELLSCHAFTE THE GENERAL MORTCACE BANK OF PALCSTINE LTD. T H E A. I\ B. TRI) S T C O M P A N Y L I M I TE D PALTRANS DR. PAUL K0ESER Agency fnr Traftafort* and Storane Reg. Office : Tel Avh, JAfTtt Kd. 48 p. O. B. IUI ZOLLBEHANDLUNG und E I NL AG ERÜNQ von ÜBERSIEDLUNG^ UT für Palastina-Ein waodcrfr zu crmäUMHgtcn Tarifen NOFFKUNG'S BANK LTD. HAIFA S|M*7.iaU»ank für Exportfinanzieruiig [Meihung von Waren! BunktraimaktiotifTi jtulfr Art ■ GELDTRANSFER aus und nach allen miitel» europäischen Ländern bei Bankgarantie SVR'TOV AUKJHCY f OK iSHUHASCtl Ä rtSWCK TKL-AVIV, H, ROTHSCHILD BOULEVARD. PALPROD ZENTRALE: TELAVIV, 33, ROTHS« 1ULD BOULV, PALESTINE PRODUCTS DISTRiBUTICN CEÄTRE LTD. Du firade EXPORTHAUS für ümiM* Erzaignisse Palästinas SFEZIAUTAT : PRODUKT« AUS ZITRUSFRÜCHTEN KINCfiFOURTE VISRTRB7MR IN NOCH ÜINKMN LASbkUiH (JtHL'CUT Intert^awahrs^hjuiiux jwlar M wmh lör NklitkiuMku Umtemkm PRO-PAL |^ ABONNEMENTS-PAKETE AUSGEWÄHLTE f*ALaSTINENBISCH'E WAREN ] FÜR DEN TÄGLICHEN BEDARF FÜR DAS JÜDISCHE HAUS IN ALLEN LÄNDERN DURCH* MONATLICHE AB O N N E E N T S P A K E T E VtHimtiTUNGISS 'IV V&ROF.UtiN ÜVHCU \ J WIO ML MLESTWE WODUCTS SUmV LTO. JERUSALEM P. O. H.