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Jüdische Weltrundschau · 1939-03-20 · 2 (20.3.1939) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
2 (20.3.1939)
Date
1939-03-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Da ist ein Land, darin nach feierlichem Beschluss von 52 Staaten ein Sntinnalhcim für dn.n pidinchtt Volk errichtet werden soll; was ist natürlicher, als dass die um ihres Judo-Seins willen Verfolgten sich in dieses Land wenden! Und die für die Verwaltung dieses Landes verantwortliche Macht, England, hat mehr Verständnis und Sympathie für die Lage der deutschen Juden gezeigt als irgend eines der grossen Länder (neben USA). England setzt in diesen Tagen seine neue. Politik In Palästina fest. Zehntausende von wartenden und in der Welt herumirrenden deutschen Juden wenden sich an England mit dem Appell: vor Ihrem Abschluss. Hat man bisher von englischen „Vorschlägen" gesprochen, die der jüdischen und arabischen Delegation vorgelegt wurden, so ist in dem letzten Stadium nicht mehr von ,.Vorschlägen''' die Rede, sondern von dem Reglerungsprogramm, das unabhängig von der Zustimmung der beiden Parteien noch in dieser Woche verkündet werden soll. Diese Möglichkeit hat die Regierung schon in der Erklärung vom 9. November 1938 ins Auge gefasst. Im Punkt 6 dieser Erklärung helsst es: „Wenn die Londoner Besprechungen nicht innerhalb einer annehmbaren Zeit zu einer Übereinstimmung führen, wird die Regierung im Uchte ihrer Untersuchungen des Problems und der Londoner Verhandlungen ihre eigene Entscheidung fällen und die Politik verkünden, die sie zu verfolgen gedenkt". Am letzten Tage der Verhandlungen stehen die Fordeningen der beiden Völker einander genau so unversöhnlich gegenüber wie am ersten Tage. Die Londoner Konferenz hat nicht vermocht, Juden und Araber zu einem Einvernehmen zu bewegen. Die Regierung ist daher in derselben Position wie vor dem Peel-Bericht: sie muss ihre eigenen W&ge gehen. Geändert hat sich nur insofern etwas Wesentliches, als man sich entschlossen zu haben scheint, d£m arabischen Standpunkt erhebliche Konzessionen zu machen. Diese Absicht war schon in dem Moment klar, wo die arabischen Pürsten und Minister nach London gerufen wurden. In den letzten zwei Wochen wurde sie offen ausgesprochen. Staatsrechtliche Vorbedingung Es Wftre sinnlos, in diesem Moment sich an dem Rätselraten zu beteiligen, wie die neue Politik der Regierung wirklich aussehen wird, Es ist darüber viel in die Presse gedrungen, aber immer wurden diese Gerüchte als ungenau oder gar irreführend bezeichnet. Eine wirkliche Stellungnahme und gewissenhafte Prüfung der Dinge wird daher erst möglich sein, wenn die Beschlüsse in ihrem Wortlaut vorliegen. Das Endziel der neuen Palästina-Politik soll, so heisat es, die Entstehung eine« selbständigen palästinensischen Staate» sein. Inzwischen scheinen uns zwei Formulierungen wichtig zu sein, die in den letzten Diskussionen in diesem Zusammenhang laut geworden sind. Auf der einen Seite wurde betont, dass in diesem pa Sichert die jüdische Einwanderung nach Palästina! Bei den Verhandlungen in London ist wahrscheinlich die Lage der deutschen Juden ein Argument von besonderem Gewicht. Es ist ein wichtiges und keineswegs zufälliges Zusammentreffen: In der jetzigen Weitaituation meint England aus Erwägungen, die nichts mit der Judenfrage und auch nichts mit Palastina zu tun haben, ein Politik einschlagen zu sollen, die praktisch auf eine Verringerung der jüdischen Entfaltungsmöglichkeiten in Palästina hinausläuft; in demselben Moment aber, in dem die gegenwärtige Phase der Politik I begonnen hat, wurde die Zuspitzung der Judenfrage in j repräsentieren sie nur das Galut-Schicksal des jüdischen! Volkes als solches) ist die Möglichkeit der Einwande- I fimg, eine Frage von Tod und Lehnt, Wenn England in dieser kritischen Stunde die Tore Palästinas für .eine grosse jüdische Einwanderung offen hält, so sind wir überzeugt, dass sich eine solche P o 11t i k der G r o s s z ü g 1 g k e i t gegen eine vertriebene und von keinem anderen Land aufgenommene Mensi'hcngruppe durchaus mit den politischen Bedürfnissen 'des Tages in Einklang bringen lässt. Die deutschen Juden sind friedliche Bürger, sie bringen dem Land alle ihre Fähigkeiten und Kräfte, sie sind bereit, mit. allen Bevölkciungsetementen harmonisch zusammenzuarbeiten. Jedem Volke, das sie aufnimmt oder das Ihnen eine Möglichkeit für den Aufbau eines neuen Lebens bietet, werden die Juden d ankbar sein. Man hat einmal gesagt, die Juden seien das Volk des langen Gedächtnisses; sie Vergüssen nicht, wenn ihnen Gutes getan wird. Es ist u n m ö g l i c h, dass England sich diesem Appell versehliesat und die deutschen Juden preisgibt. Die deutschen Juden haben schwere Erfahrungen und Enttäuschungen, ja tiefe seelische Erschütterungen durchgemacht. Sie wollen es überwinden und ein nützlicher Teil der schaffenden Menschheit bleiben. Wie aber sollen Mensehen es ertragen, wenn eine Macht wie England, deren Stimme wir als die Stimme der Humanität und des MensehheitsgewisHcn» verehren, nun auch seine gegebene Zusicherungen in Frage stellt? Niemand vermag zu sagen, wohin die Juden aus Deutschland Ibra Schritte richten sollen. In den letzten Monaten tauchten immer wieder phantastische Projekte auf, es ist aber nichts zu Ihrer Verwirklichung getan worden. Eh ist gewiss dankenswert, wenn in diese oder jene subtropische einer überaus drastischen Weise sichtbar. Die öffent liehe Meinung Englands war bis aufs tiefste aufgej Kolonie zehn jüdische Familien gesandt werden; das wühlt, und das englische Volk zeigte aktiv seine Teil-j Problem als solches bleibt dadurch unverändert, nähme für die Opfer der Verfolgungen. Was soll nun { Bei jeder Behandlung der Palästinafrage steht die Frage geschehen? Die Evian-Konferenz hat in Wahrheit mit j der Einwanderung im Vordergrund. Wie immer die einem Fehlschlug geendet, die Unmöglichkeit der umt Entscheidung fallen möge, die Einwanderung nach Erez fassenden Hilfe durch Einwanderung in andere Länder i Israel muss für die Juden ermöglicht werden, weil sonst zeigt sich von Tag zu Tag deutlicher und die einzige } Probleme entstehen können, die für die Weltpolitik und Hoffnung — gerade nach Evian blieb Palästina.' das Well gewissen einfach unentwirrbar werden, lästinensischen Staat die Position'und die Rechte des j Das muss England sehen und anerkennen. Manche verj Die Wortführer des jüdischen Volkes, die in Umdon jüdischen Natiottalheima konstitutionell und faktisch muten, dasa ohne die Ereignisse des 10. November! v^rhanclf'In sprechen auch im Namen der deutschen Schert »ein werden Zweitens wurde ausgesprochen.; Deutschland es den Engländern viel leichter gefallen! jMdeih /rn'ra,äHtina wollen die Juden aus eigener Kraft dass die S e 1 b s t ä n d i g * e 11 dieses Staates sich nur , wäre, die jüdischen Interessen in Palästina preiszugeben. ' (;twaa Hch;iffen> waH Möglichkeit der Erhalt ung des auf der Grundlage judtsch-arabischer Zusammenarbeit j ni Trnl.fiHi|1> A(ir H~lt«eh#vri ii,fi«n i«t in <w «»«wvn i r a * . . ' u. , , f , u ergeben könne. Was die Garantie betrifft, so muss man 1 .v T.rag?dle. dt,rf , t, , r>? v f f 1 Judenturaii hi4'tf't' HlL'r Künncn WJr m öd,w<*er *rh';,t Einzelheiten abwarten, denn niemand wird den Juden .! yVe!^ heute der I^ittaden bei der Betrachtung jüdischer ( .unser eigenes Leben aufbauen. Wenn uns auch dos verübeln können, wenn sie die Frage aufwerfen, welchen realen Wert solche Garantien haben, einmal der Rückzug begonnen hat. Haben z. B. in München feierliche Erklärungen über die Garantie | der Politik sein, für die deutschen Juden (und damit j ums damit nicht der Grenzen der neuen Tschechoslowakei gehört. Schon: ___________________^^^^^^^......^^.^.^^.^.^..^.^^ darum ist es wichtig, dass der andere Grundsatz, von | Probleme. Bei der Neugestaltung Palästinas darf d i e j genommen wird, dann gibt es keine Antwort mehr auf wenn erst i Stimme der deutschen Juden nicht ungehört ' die Frage der Einordnung des jüdischen Volkes in die wir doch | bleiben. Für andere mag die Palästinafrage eine Sache Gemeinschaft der Kulturvölker. Wir werden und können bfind^i dem hier die Rede ist, ernst genommen wird: dass näm lieh ohne jüdisch-arabischen Ausgleich ein selbständige r palästinensischer Staat unmöglich ist. Die Peel- Kommission schlug die Teilung des («arides vor, weil sie der Meinung war, dass bei der heutigen Lage die Juden und Araber in einem Staate nicht friedlich zusammenleben können und ihre Kämpfe den Staat sprengen müssten. Wenn man jezt trotzdem die beiden Elemente zusammenfügen will, dann muss zuerst eine tiefe innere Wandlung vor sich gehen und auch praktische Mittel und praktische Hilfe für eine Kooperation der beiden Völker gefunden werden, sonst wird die Politik des selbständigen Staates, die man jetzt proklamiert, gewiss kein friedlicher Absehluss der Entwicklung sein. DI« Haupttrage Im Mittelpunkt dm Interesses und der Debatten Einwanderung Welt erwartet. im ungeduldigsten von der jüdischen £intfelna Geburtstag : Neben allen den vielen Gruppen von Menschen, die \ Albert Einstein zu seinem ßO, Geburtstag begfüekj wünschen und wir sind überzeugt, dass dieser Gra-! Wandlung auch das benachbarte französische Mandatsgebiet Syrien nicht unbeteiligt lassen. Die Unterhaltung Dr. Weizmanns mit dem französischen Außenminister B o n n e t anfangs dieser Woche dürfte wohl diesem Thema gegolten haben. Neben den Fragen der grossen Politik interessieren uns Juden aber die „Einzelfragen", über die in den letzten Tagen wenig verlautete. Die wichtigste dieser Einzelfragen ist die Einwanderung.. Man hat verschiedene Ziffern genannt,! tulanten nicht, wenige und nicht geringe sein werden von den Ziffern, die dem auf 10 Jahre berechneten Vorj haben wir Juden, und besonders die Juden aus Deutsch* schlag Lord Samuels nahekommen (ca. 25.....30 000 jährland, ein besonderes Wort zu sagen. Es ist nicht unsere lieh), bis herunter zu einer Ziffer, die sich den Palliativ- Sache, Einsteins wissenschaftliche Grösse oder die Ein* vorschlagen des Peel-Berichts annähert (12 000 jähr- | zelheiten »eines Systems zu beurteilen. Für jeden unlich). Die Möglichkeit einer grossen Einwanderung ist I voreingenommen Denkenden, sogar für etwaige wissen* aber für die Juden eine Lebensfrage, nicht nur vom pa-! schaftliche Gegner, ist Einsteins wissenschaftliche Be* lästinensischen Standpunkt, sondern wegen der akuten j deutung gewiss unbestritten. Kein wirklicher Wissen- Judennot in Europa. Aber auch für Palästina ist eine; schaftler wird seine Stellung zu mathematischen oder grosse Einwanderung lebenswichtig. Palästina bej physikalischen Problemen davon abhängig machen, ob findet sich gegenwärtig in einer Stagnation» die durch 1 ein Forschungsergebnis von einem Juden oder einem eine grosse und gut organisierte Einwanderung mit 1 Nichtjuden herrührt; wir würden es aber für ebenso stand in der letztön Zeit die Frage der staatsrechtlichen [ einem Schlage überwunden werden könnte. Alle Be-1 falsch halten, wenn Laien sich in schwierige Form Palästinas, also all die Fragen, die mit der B<sj obachter einschliesslich der englischen Untersuchung»- j wissenschaftliche Erörterungen einladen, nur weil ein endigung des Mandates, mit der Selbständigkeit de« j Kommissionen stimmen darin überein, dass ohne Ein- \ Jude daran beteiligt ist. Wenn wir Juden einem Manne Lande« und seinem Verhältnis zu England zusammen-1 Wanderung auch die araiMche Wirtschaft und die ganze wie Einstein gratulieren, ho wollen wir nicht uns seibat* hingen. Man kann annehmen, dasa sich dabei noch j Struktur de* Landen zusammenbrechen wüszten. Von allerlei wichtige Probleme ergeben, die nkht so offeni allen Einzelheiten de« neuen englischen Regierungskundig daliegen, so z. B. wurde eine aolch* radikale j Programms werden die Bestimmungen Über die künftige gefällig in seinem Ruhme bespiegeln. Aber wir schulden ihm Dank. Einstein hat in den letzten 20 Jahren seines Leben« sich nicht auf ein wissenschaftliches Einsiedler*

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