Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 4 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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Empfangsbescheinigung. 319 sames Wirken in geistiger Freiheit auch bei der Mannichfaltigkeit der Ueberzeugungen und Standpunkte mehr und mehr erstarken. . Indem sich nun der hochwürdige Herr Pastor anschickt, die Bruderhand ״zu beurtheilen und abzuschätzen", beginnt er mit den Worten: Thun sich zwei Diebe zusammen und reichen sich die Bruderhand u. s. w. Die zarte Gesinnung und Ausdrucksweise, welche der sanfte gottselige Mann hiermit alsbald am Eingänge seines Schriftchens offenbart, zieht sich das Ganze hindurch gegen die Union und gegen deren Vater Melanchthon (S. 20), gegen das laue Kirchenregiment, den Geist unserer Zeit, da ״Säue den Weinberg Gottes durchwühlen" (S. 20), gegen Schleiermacher, zumal gegen den Protestanten-Verein, gegen Lisco und Shdow, besonders aber gegen die Juden insgesammt und gegen mich Aermsten insbesondere. Er belehrt mich (S. 39): ״Sie sind kein rechter, wahrer Jude." Hr.!Pastor Becker, der im Stande der Gnade, muß es wahrlich wissen, er läßt nicht mit sich spaßen, er hält mir vielmehr ״den zerschmetternden Ernst des Gesetzes vor: Verflucht sei Jedermann, der nicht alle Worte diesesMesetzes erfüllet" (S. 44). Ich rechte nicht mit ihm über das unterstrichene Wörtlein ״alle", das der maßorethische Text nicht kennt, bin vielmehr zerschmettert und kann dann nicht mehr aufgerichtet werden durch die Worte: ״Sie sind ein gelehrter Mann, namentlich habe ich allen Respeet vor Ihrer Gelehrsamkeit in der arabischen Literatur und auch sonst" (S. 39). Was kann mich das nützen? Ein Jude bin ich nun einmal nicht, da es Hr. Pastor Becker sagt, der es doch wissen muß, und meine Urtheile über Jesus und Christenthum sind nun gar Entsetzen erregend. Denn über das ״Lästerwort", das ich von Jesus gebraucht habe: ״Einen neuen Gedanken sprach er keineswegs aus", sagt Hr. Dr. Luthardt, der es doch gleichfalls wissen muß und dessen Worte hier (S. 3) mitgetheilt werden: ״Das ist eine Behauptung, deren Unverschämtheit nur von ihrer Albernheit übertroffen wird." In dieser herzgewinnenden und wissenschaftlich durchschlagenden Weise sagt auch einer der Becker'schen Freunde ״öffentlich", wie ich es jedoch erst hier (S. 48) lese: ״Dieser gelehrte Geiger ist dem Christenthum gegenüber so starrblind (!), daß er es nicht einmal als schöpferische Culturmacht zu würdigen weiß. Das Judenthum dieses Reform-Rabbi Geiger ist, trotz seines Antichristenthums nichts