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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 3 (1872) · p. Seite 162

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
3 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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162 I. Geist ober Geld. Volksempfindung, in dem unmittelbaren Anblicke des dollen Wehes wohnt dem Worte eine tiefere Wahrheit, eine siegreichere Kraft inne, und es wird, unermüdet fortgesetzt, nicht leer Verhallen. Also muthig voran, ihr Juden Rumäniens, kämpft ohne Unterlaß für die eigne Sache, die zugleich eine Sache der Bildung, der Freiheit, der Menschlichkeit ist. Bedenklicher schon ist der Aufruf an fremde Mächte. Es ist ein heilsamer Grundsatz, der weltgeschichtlich durch viel Blut und Elend errungen worden ist, daß bei aller Solidarität der Bildungs- und Verkehrsinteressen sich das eine Volk der Einmischung in die inneren Angelegenheiten, Verfassungs- und Verwaltungszustände eines andern Volkes enthält. Wir verdammen ein jedes aggressive Missions Wesen, wir drücken jener Heuchelei salbungsvoller Bornirtheit, welche ihren Wahnglauben bald marktschreierisch bald versteckt listig bei Andern einschmuggeln will, den Stempel der Verächtlichkeit auf; wir finden es der Bekämpfung blos nicht Werth, weil es zur Carricatur herabgesunken ist. Aber hüten wir uns auch vor jedem politischen Missionswesen, wenn es auch zunächst von humanen Gesichtspunkten ausgeht. Auch in dieses mischt sich dann bald Verkehrtheit und Selbstsucht ein, und es wird zum romantischen Schwindel, zum Fanatismus. Ich will nicht auf die Zeit der Kreuzzüge zurückgehn; bleiben wir bei der neuen Zeit! Derartigen Sympathien, einer christlichen und nationalen Romantik, die sich gegen die ״Unwissenheit, den Unglauben des Islam, die rohen Türkenhorden^ echauffirte, verdanken wir die Fehlgeburten des Königreichs Griechenland, des geeinten Fürstenthums Rumänien. Die Früchte dieser Großthaten für Gerechtigkeitspflege, Geistesbildung und Gesittung liegen am Tage. Kein Volk wird von einem fremden gestaltet, keinem Volke kann von einem andern die Civilisation als dauerndes Gut zugebracht werden, wenn es sie nicht durch eigne Arbeit erringt und sie sich so zum wahrhaften Besitze macht. — Wer hat, um auf die Angelegenheit der Juden zurückzukommen, den Juden in Deutschland beigestanden? Ist es ihnen je rn den Sinn gekommen, Frankreich, England, Amerika für sich aufzurufen, sie zur Vermittelung aufzufordern? Und wenn heute noch die Engherzigkeit mäkelt, verlangt man etwa von den Glaubensgenossen anderer Länder Schutz und Beistand oder ruft man vielmehr die eigne Kraft wach und vertraut ihr, dem zähen Vorurtheile die zähe Ausdauer des Widerstandes

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