Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 2 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2420973-2421017-2421019--2722-2424147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Umschau. 130 sohn, wiewohl er sich nur als Herausgeber nennt, für den Verfasser halte, den aber wichtige Gründe abhalten mochten, als solcher aufzutreten. ... In der sonst sehr vollständigen Brockhaus'schen Ausgabe der Werke Mendelssohns ist dieses Schriftchen nicht aufgenommen; ebenso scheint es von keinem seiner zahlreichen Biographen . . . erwähnt, ihnen also ganz unbekannt zu sein". Der Titel dieses Schriftchens nun lautet: Schreiben eines deutschen Juden an den amerikanischen Präsidenten. Herausgegeben von Moses Mendelssohn. Frankfurt und Leipzig 1787. Das Schriftchen, welches 23 Seiten enthält und in den genannten Nrn. der J. T. vollständig abgedruckt ist, wird eingeleitet durch folgendes Schreiben von ״Moses Mendelssohn an Jsak Tr ... . n.": ״Werthester Freund! Vermuthlich haben Sie Herrn D . . . s vortreffliche Schrift von der politischen Verbesserung der Juden gelesen? Wo nicht, so lesen sie diesen kurzen Aufsatz in Form eines Briefes von einem deutschen Juden an den Präsidenten des Congresses der vereinigten Staaten in Amerika; der Verfasser dieser kleinen Schrift hat gewissermaßen Alles eoncentrirt, was Sie in der oben angeführten D . . . schen Schrift weitläufiger finden können". Und darauf folgt eben das ״Schreiben eines deutschen Juden an den Präsidenten des Congresses der Ver. Staaten von Amerika". Nach Durchlesung desselben muß ich bekennen, das Urtheil Mendelss.'s über die kleine Schrift nicht bestätigen zu können, und bin ich daher auch nicht geneigt, der Ansicht des Hn. Epst. beizupflichten, daß Mendelssohn dasselbe abgefaßt habe. Dem Inhalte fehlt jeder Gedanke, die Form ist ohne Würde und Anmuth. Das Ganze ist nur eine Darstellung der schlechten pecuniären Lage, in welcher sich die Juden durch die über sie verhängten Gesetze nothwendig befinden, des dadurch herbeigeführten demoralisirenden Erfolges, woran sich die Bitte um Ueberlassung einer wüsten Landesstrecke in Amerika knüpft zur Ansiedelung einer jüdischen Colonie. Daß Mend. dieses Schreiben als Quintessenz der Dohm'schen Schrift empfohlen habe, ist höchst unwahrscheinlich, und so schwebt über dem Ganzen ein Dunkel, dessen Aufhellung sehr wünschenswerth wäre. 4. Jan.